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Elbsagen 65

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

66. Die Elbjungfer bei Magdeburg

Vor einem halben Tausend Jahren erschien zu Magdeburg an den Markttagen immer ein Mädchen, so wunderhold und lieblich, dass jeder gleich sah, sie sei nicht im Land geboren, denn ihresgleichen gab es nicht auf zehn Meilen in der Runde. Es wusste auch niemand ihren Namen noch Stand noch ihr Geschlecht anzugeben. Sie war von hohem Wuchs, größer als die anderen Frauen alle, aber doch auch wieder nicht zu groß. Ihre Haare waren von goldgelber Farbe und seidenweich, reichten aber, wenn sie diese offen trug, hinab bis zu den Knöcheln. Ihre Augen leuchteten so hell wie köstliche Edelsteine. Sie trug gewöhnlich ein blausamtenes Kleid, ganz von der Farbe der blauen Elbflut. Über die Hüften war um das reiche Gewand eine goldene Nestelschnur geschürzt, welche die Fülle der prächtigen Falten zusammenhielt. Ihr Busen war von einem schilfgrünen Mieder umschlossen, dessen Nähte mit Perlen besetzt und das auf der Brust mit einem Diamanten geschlossen war. Der Stein war so klar und durchsichtig, dass ihn viele nicht für einen Edelstein, sondern bloß für einen Wassertropfen hielten, in dem sich der Glanz der Sonne widerspiegelte. Dergleichen Diamanten, oder richtiger gesagt perlende Wassertropfen, schmückten auch den Saum ihres Kleides, das übrigens immer drei Zoll breit unten nass erschien. Dieses Mädchen kam nun aber stets allein auf den Markt mit einem Körbchen am Arm, kaufte Obst, Brot und Fleisch und ging dann wieder zum Stadttor hinaus, ohne dass man wusste, woher sie kam, noch wohin sie ging. Es konnte nun nicht fehlen, dass die jungen Burschen der Stadt Magdeburg, vornehm und gering, großen Anteil an dieser holden Erscheinung nahmen. Allein keinem gelang es, aus ihr etwas herauszubringen. Endlich wagte es doch einer von ihnen, als sie abermals mit gefülltem Korb vom Markt wegging, ihr durch das Stadttor zu folgen und sie anzusprechen. Sie blieb auch stehen, allein auf seine Frage, wer sie sei und ob er sie begleiten dürfe, gab sie ihm eine verneinende Antwort, bat ihn auch, er möge nicht mehr in sie dringen und sie ihres Weges ziehen lassen. Da sich der Jüngling aber nicht abweisen ließ und ihr viel von seiner heißen Liebe vorredete, so sagte sie, sie sei eine Nixe und wohne tief unten auf dem Grund des Elbstromes bei ihrem Vater und ihrem Bruder, für die sie auf dem Markt einkaufen müsse. Dadurch ließ sich der Jüngling nicht abhalten, noch mehr in sie zu dringen und sie zu bitten, ihm ihre Liebe zu schenken und versprach ihr auch, wenn sie ihn zu ihrem Gatten annehmen wolle, wolle er hinabsteigen von der schönen Erde zu ihr unter die Wellen und dort bei ihr bleiben. Das hat die Jungfrau dermaßen gerührt, dass sie ihm versprach, sie wolle ihre Eltern fragen, ob sie ihn mitnehmen dürfe. Er solle wohl achtgeben, wenn sie ins Wasser gesprungen sein werde. Wenn nämlich ein Teller mit einem Apfel aus dem Wasser herauskommen werde, dann sei es gut, dann könne er ihr getrost nachspringen, sie werde ihn in ihren Armen auffangen und zu ihren Eltern und Brüdern führen. Färbten sich aber die Wellen rot, so sei es um sie geschehen und sie müsse dann mit ihrem Leben das ihm nun gegebene Versprechen büßen, denn ihre strengen Brüder hätten sie dann umgebracht. Sie blickte ihn noch einmal zärtlich an und tauchte in die Flut. Allein nach wenigen Augenblicken wallte es aus dem Wasser auf wie Blut. Da wusste der Jüngling, dass die Jungfrau von ihren Brüdern umgebracht worden war, und ging tief betrübt zur Stadt zurück.

Man erzählt sich noch heute in Magdeburg auch viel von einer bösen Nixe in der Elbe, welche die hinüber schwimmenden Leute hinunterzieht und ersäuft. Sie lässt sich bisweilen bei hellem Tage sehen, wie sie am Ufer oder auf einem nahen Baum sitzend sich sonnt und die langen goldgelben Haare strählt. Man hat sie schon mehrmals fangen wollen, aber sobald ihr jemand zu nahe kommt, schlüpft sie hurtig ins Wasser.

Überhaupt sind die Wassergeister bei Magdeburg sehr mächtig. Einst wollte die Magdeburger Bürgerschaft eine Wasserleitung aus der Elbe in die Stadt bauen und ließ Pfähle in den Fluss einrammen. Da tauchten nackte Männer empor, rissen alle Pfähle wieder aus und trieben es so arg, dass der ganze Bau wieder aufgegeben werden musste.

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