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Baker Street Tales 8

Barbara Büchner
Baker Street Tales 8 (Hrsg.: Alisha Bionda)
Doktor Watson und das Geheimnis der Affenmumie

Krimi, E-Book, Arunya Verlag, Köngen, 19. März 2018, 2,99 Euro, ASIN: B07BLKKD5K, Cover- und Innengrafik, Coverartwork: Shikomo
www.arunya-verlag.de

»Noch bevor ich das Leinentuch auseinanderfaltete, spürte ich, wie ein Gefühl des Abscheus mich übermannte – mich, einen altgedienten, abgebrühten Militärchirurgen! Ich kann das Gefühl wirklich nur mit Dorits Worten beschreiben: Es war, als ob ich Ungeziefer anfasste – ein riesiges, staubiges, übel riechendes Stück Ungeziefer, das jeden Augenblick in meiner Hand zu zappeln und zu krabbeln anfangen würde!«

Eine wenig schmeichelhafte Bemerkung seines Freundes Sherlock Holmes über seine deduktiven Fähigkeiten weckt in John Watson gleichermaßen Wut wie Ehrgeiz. Kaum hat Holmes London verlassen, bietet sich dem Doktor bereits die Möglichkeit, sich zu beweisen. Mrs. Hudson tritt mit einer merkwürdigen Geschichte in dessen Eigenschaft als Holmes‘ Vertreter an ihn heran.

Im Haus, in dem ihre Nichte Dorit als Hausmädchen arbeitet, sei ein Paket angekommen, das sich von selbst bewegt habe, obwohl der Inhalt lediglich aus einigen trockenen Krümeln und einem Stofffetzen bestand.

Nach einigen Untersuchungen ist sich Watson sicher: Das geheimnisvolle Kästchen befindet sich inzwischen in Mrs. Hudsons Wohnung. Das Behältnis enthält die mumifizierte Pfote eines Affen. Nun gilt es herauszufinden, was es mit dem Fund auf sich hat.

»Ich muss gestehen, mir war ziemlich weich in den Knien, während ich am Straßenrandwartete und nach einer Droschke Ausschau hielt. Mir war zumute wie einem Hobby-Archäologen, der ein wenig im Sand der Wüste herumkratzt und dabei die zwei steinernen Tafeln des Moses entdeckt. Mein erster eigener Fall, und ich stieß auf ein so ungeheuerliches Artefakt! Es war zu schön, um wahr zu sein.«

Folge 8 der Baker Street Tales nutzt den Reihentitel richtig aus und erzählt zum ersten Mal eine Geschichte, in der Sherlock Holmes lediglich zu Beginn als unsympathischer Stichwortgeber vorkommt. Der Rest der Erzählung bleibt dem gutmütigen Doktor Watson überlassen, dessen Vorgehen zur Aufklärung des Falls – Absicht oder nicht – sich von den deduktiven Methoden seines Mitbewohners merklich unterscheidet.

Freundschaftliche Verbindungen zum Britischen Museum, zum Bischof und zu einem Spezialisten des Okkulten bringen immer neue Theorien über die geheimnisvolle Mumienhand auf den Tisch. Sind Dorits Dienstherren lediglich harmlose Anhänger pseudo-okkulter Veranstaltungen, wie sie in Londons Oberschicht gerade in Mode sind? Ist das Objekt tatsächlich die »gedörrte Hand eines abscheulichen Schneemenschen«, die aus einem tibetischen Kloster gestohlen wurde und tödliche Kräfte besitzt? Handelt es sich um ein religiöses Artefakt aus der Zeit König Salomons, das schon in der Bibel erwähnt wurde? Oder ist das alles am Ende ein abgekartetes Spiel von Holmes, der seinem Kompagnon einen Streich spielen will?

Um dieser Vielzahl an Theorien gerecht zu werden, bewegt sich Watson wie eine Flipperkugel zwischen seinen Informanten hin und her, ohne dass sich eine deutliche und logische Spur abzeichnet. Die Fülle an teils abstrusen Informationen und Möglichkeiten bringt es auch mit sich, dass der Fall Affenmumie bis zum Ende nicht richtig rund werden will. Statt an gegebener Stelle auf eine Zielgerade einzuschwenken und das Tempo anzuziehen, bleibt alles vage. Eine Nebenhandlung um vergiftete Pralinen trägt auch nicht zur Straffung der Spannungskurve bei. Immerhin bleibt Barbara Büchner ihrer Linie der Baker Street-Novellen Der geheimnisvolle Mister Scrabb, Das Geheimnis von Rougemont treu und webt wieder eine angenehme Portion Mystik-Flair in die Story ein.

Fazit:
Man gönnt dem sympathischen Doktor seinen ersten eigenen Fall. In Sachen Zielstrebigkeit muss er jedoch noch nachlegen.

(eh)