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Secret Service Band 1 – Kapitel 5

Francis Worcester Doughty
Secret Service No. 1
Old and Young King Brady Detectives
Black Band
Oder: Die zwei King Bradys gegen eine unnachgiebige Bande
Eine interessante Detektivgeschichte aus dem Jahr 1899, niedergeschrieben von einem New Yorker Detektive

Kapitel 5

Falsche Fährte

Die blutrünstige Bande kam den Gang hinunter.

Natürlich standen die beiden King Bradys nicht einfach so da und wollten sich nicht wie Ochsen zur Schlachtbank führen lassen.

Sie würden um ihr Leben kämpfen, falls sie dazu getrieben wurden, auch wenn es ein verzweifelter Kampf werden sollte.

Die Chancen standen zwölf zu eins gegen sie. Das heißt, es war ein Mann gegen zwölf.

Aber eine überlegene mentale Kraft reduziert solche Chancen manchmal auf ein Minimum.

Die beiden Detektive blieben nicht, wo sie waren.

Stattdessen begaben sie sich in eine der Nischen eines weiteren Ganges. Aber nur einen Ausgang kannten die Black Band.

Daher rechneten sie nicht damit, dass Eindringlinge auf einem anderen Weg entkommen könnten.

Aber der Zufall begünstigte die Detektive.

Sie tauchten sofort in eine andere Kammer ein und bezogen Posten.

Die Black Band hatte an diesem Ort viele ihrer Gegenstände und einen Großteil ihrer Beute aufbewahrt. Es war in der Tat eine Art Lagerhaus.

Der alte King Brady richtete seine Laterne auf die Szenerie und verinnerlichte die Situation. Er machte einen Sprung zu einigen Fässern.

»Komm hier rüber, Harry«, sagte er rasch. «Damit werden wir eine Barrikade für uns errichten. Wir können jeden Mann erschießen, der durch die Tür kommt.«

Der alte King Brady richtete die Strahlen seiner Laterne auf die Tür und zog gleichzeitig seine Revolver.

Denn es ging um Leben und Tod. Es ging um das Überleben der Detektive gegen das der Black Band.

Es ist nicht schwer einzuschätzen, welches das wertvollste war.

Old King Brady war entschlossen, der starken Bande trotzdem einen lebhaften Kampf zu liefern.

Die Detektive setzten sich auf den Boden der Kammer. Sie konnten die Schreie und Flüche der Suchenden hören.

In wenigen Augenblicken mussten sie die Lagerkammer erreichen und die Laterne von Old King Brady sehen.

Der Höhepunkt wäre damit erreicht. Was dann folgte, würde allein von den Gesetzlosen abhängen.

Doch plötzlich gab Young King Brady einen Ausruf von sich.

»Bei Jupiter!«, rief er. »Hier ist ein Loch. Eines meiner Beine hat den Boden dieses Ortes durchbrochen.«

»Was!«, rief Old King Brady und leuchtete mit seiner Laterne auf besagte Stelle.

Tatsächlich gab es unter Young King Brady eine Öffnung im Lehmboden. Der Dreck hatte sich gelöst und der junge Detektiv war bis zur Taille versunken.

»Beim Rotschopf!«, rief Old King Brady. »Kriech heraus, Harry, und lass uns sehen, was das ist.«

Der junge Detektiv fügte sich.

Die Öffnung war wirklich tief. Old King Brady konnte mit seinem Arm nicht den Boden erreichen.

Er zögerte nicht, sondern leuchtete mit seiner Laterne hinein. Er gab einen Ausruf der Überraschung von sich.

»Harry!«, sagte er scharf, »wir sind gerettet!«

»Zum Teufel, was du meinst …?«

»Es ist wahr!«

»Aber …«

»Was aber?«

»Wie hast du dies herausgefunden?«

»Schau hier unten! Siehst du den Ziegelbogen eines Durchgangs? Es war zweifellos ein großer Abfluss, den der Gutsherr gebaut hatte, um alle Wasserablagerungen, die in seine Pilzkeller eindringen könnten, abzuführen.«

»Es sieht so aus«, gab der junge Detektiv zu. »Aber Abflüsse werden normalerweise nicht so groß gemacht.«

»Das ist eine andere Sache. Sie ist groß genug, um uns eine Fluchtmöglichkeit zu bieten.«

Der alte Detektiv rutschte in den Gang hinunter. Er sah, dass sie hoch genug war, um sich mit Leichtigkeit auf Händen und Knien fortbewegen zu können.

Das reichte aus.

Ein Fluchtweg bot sich an. Das Schicksal hatte sich zu ihren Gunsten entschieden.

Doch bevor er seinen Weg durch den Abfluss fortsetzte, wies Old King Brady den jungen Detektiv an, ein Fass über die Öffnung zu schieben.

Alle Spuren ihrer Befreiungsaktion waren nun beseitigt.

Entlang des Abflusses krochen sie weiter.

Das Licht der Laterne von Old King Brady zeigte ihnen mit Leichtigkeit den Weg.

Nach einer Weile führte der Abfluss steil nach unten.

Es schien, als wären sie bereits mehrere Stunden unterwegs gewesen, als plötzlich Old King Brady die Hand des jüngeren Detektivs ergriff.

»Schau!«, sagte er.

Weit entfernt war ein Lichtschimmer.

Es war nicht der einer Laterne oder irgendeiner anderen künstlichen Art. Es war Tageslicht.

Noch einen Moment und sie kamen aus dem langen unterirdischen Gang heraus.

Sie waren unter der Krone eines hohen Ufers. Zu ihren Füßen floss das Wasser des Hudson River.

Es war gerade Sonnenaufgang und die ganze Natur blühte. Die Vögel sangen, und eine Brise wehte den Duft blühender Bäume bis in ihre Nasenlöcher.

Sie blickten instinktiv zurück zu der Erhebung in einer Viertelmeile Entfernung, auf der Marble Manor stand.

»Schade, dass wir entdeckt wurden«, sagte Young King Brady. »Eine Zeitlang kamen wir dort gut voran.«

»Du hast recht«, stimmte der alte Detektiv zu. »Es war schwierig, und kein Fehler, aber wir müssen dafür büßen.«

»Soll ich nach New York gehen?«

Old King Brady zögerte. »Das würde Zeit kosten«, sagte er. »Während du weg bist, können die Vögel verschwinden.«

»Aber wenn sie die Keller durchsuchen und uns nicht finden, werden dann nicht ihre Ängste besänftigt?«

»Oh, ich fürchte nicht«, sagte der alte Detektiv. »Diese Halunken sind so schlau, wie man sich nur vorstellen kann. Es braucht nicht viel, um sie zu verscheuchen; zumindest für eine Weile.«

»Nun«, sagte Young King Brady überzeugt, »sie können noch nicht weg sein.«

«Sei dir nicht zu sicher. Wenn sie überhaupt Alarm ausgelöst haben, sind sie um diese Zeit bereits über alle Berge, junger Mann.«

»Ich stimme dir nicht zu.«

Der alte Detektiv lächelte grimmig. »Wir stimmen nicht in allen Punkten überein«, sagte er. »Das kann schon sein. Bleib bei deinen Überzeugungen. Dabei ist es dir egal, ob ich bei meiner bleibe?«

»Kein bisschen!«, sagte der jüngere Detektiv lächelnd. »Aber was sollen wir tun?«

Der alte Detektiv dachte nach. Dann sagte er unverblümt: »Junge, diese Halunken sind nicht da oben …«

»Nicht da oben?«, rief Young King Brady. »Wie kommst du darauf?«

»Gibt es keine Spur von ihnen?«

Der junge Detektiv war verblüfft. »Hast du eine Spur von ihnen vermutet?«, fragte er.

Old King Brady sagte voller Überzeugung: »Du kannst sicher sein, dass die Bande bei der Suche ernsthaft zugange war. Sie würden ihre Suche nicht nur auf diese Keller beschränken. Nicht ein Teil des Guts oder des Geländes und auch nicht das Flussufer hätten sie außer Acht gelassen.«

»Glaubst du das?«

»Ich bin mir sicher.«

Der junge Detektiv war verlegen. »Ich werde schwach«, sagte er nüchtern. »Du hast mehr als recht. Ich verstehe, worauf du hinauswillst. Du denkst also, sie haben dort Spuren unserer Anwesenheit entdeckt?«

»So ist es!«

»Puh!«, rief Young King Brady. »Das ist nicht gut.«

»In der Tat ist es für uns eine Umkehrung des Schicksals, denn es kann zu sehr ernsten Ergebnissen führen.«

»In welcher Hinsicht?«

»Nun«, sagte der ältere Detektiv, »Partland und seine Bande werden vielleicht zur Verzweiflung getrieben und das Leben ihres Gefangenen in Gefahr bringen. Natürlich wissen sie, dass ihr Versteck entdeckt worden ist.«

Young King Brady stieg den Hügel hinauf.

»Wo willst du hin?«, fragte der alte Detektiv.

»Ich gehe da rauf, um mich umzuschauen.«

»Dann bist du also zufrieden, dass meine Theorie stimmt und sie weg sind?«

»Natürlich bin ich das. Hätte ich eine solche Weitsicht wie du, hätte ich es auch auf Anhieb erkannt.«

Old King Brady folgte dem jungen Detektiv den Hang hinauf.

Als sie sich dem Herrenhaus näherten, sah es verlassener und baufälliger aus als je zuvor.

Die beiden Detektive betraten den Ort ganz unverfroren. Sie waren sich so sicher, dass die Bande geflohen war, dass keiner der beiden zögerte, in die Pilzkeller hinabzusteigen.

Old King Brady entdeckte die verborgen liegende Feder und öffnete die Tür zur Höhle der Gesetzlosen.

Sie war völlig verlassen.

Die Bande hatte wirklich Alarm geschlagen und war geflohen. Ihre Vorräte und ihr Proviant verblieben jedoch an Ort und Stelle.

Die Flucht war natürlich nur ein Vorwand, um zu erfahren, ob ihr Versteck bekannt war. Wenn sie Grund zur Annahme hatten, dass dies nicht der Fall war, würden sie zweifellos irgendwann zurückkehren.

Keiner der beiden Detektive rührte etwas an. Sie begnügten sich damit, den Ort zu durchqueren.

»Nun«, sagte Young King Brady, als sie schließlich zurückkehrten, »ist die Frage, wo sind sie hin?«

»Das ist es, was wir herausfinden müssen«, antwortete der ältere Detektiv.

»Wie?«

»Wir müssen den nächsten Zug zurück nach New York nehmen.«

Der junge Detektiv sah ihn eindringlich an, aber Old King Brady war nicht durchschaubar.

»Ich glaube, ich verstehe, was du meinst«, sagte Young King Brady schließlich.

Der alte Detektiv senkte den Kopf. »Und was ist das?«, fragte er scharfsinnig.

»Sie glauben, der nächste Akt kann nur in New York stattfinden?«

»Ja.«

»Und sie haben nun Melburne Jayne als Opfer unserer Ermittlungen ausgewählt.«

»Genau!«, stimmte Old King Brady zu. »Gut kombiniert, junger Mann.«

Natürlich wusste der gerissene Detektiv, dass Partland und seine Black Band dadurch unerreichbar für ihn waren. Es wäre so, als wollte er den Mond herunterreißen, um den neuen Zufluchtsort zu finden, zu dem sie aufgebrochen waren.

Denn die Black Band hatte eine Menge Rückzugsmöglichkeiten.

Marble Manor war nur eine von vielen. Es war unwahrscheinlich, dass sie jemals dorthin zurückkehren würden.

Der gewöhnliche Spürhund könnte seine Zeit damit verschwendet haben, die Bande durch Fußabdrücke und andere aufgefundene Spuren vom Herrenhaus aus zu verfolgen.

Aber Old King Brady wusste, dass dies die Quintessenz der Torheit sein würde.

New York City sollte nun sein Zufluchtsort für den nächsten Hinweis sein. Melburne Jayne war der Mann, den er wollte.

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