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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel VIII

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

VIII. Gegen Indianer

Bald nach unserer Ankunft machten wir uns fertig, auf eine Expedition gegen feindliche Indianer zu ziehen. Wir ritten den Fluss Madina hinauf in die Guadeloupe-Berge, wo wir in allen Ecken und Winkeln herumstöberten. Da wir alle in diesem Geschäft neu und sehr kampflustig waren, so kam manches Lächerliche vor. Während einer Nacht zum Beispiel, als Luni auf Wache war, ging ein junger Kerl, Porter, hinaus zum Lager. Kurz darauf sah ihn Luni im Gebüsch. Ihn für einen Indianer haltend, fing er an, auf ihn zu schießen. Porter, der ebenfalls Luni für einen Comanchen ansah, lief ins Lager, holte seinen Karabiner und eröffnete das Feuer auf Luni, wobei er ihm eine Kugel durch die Hosentasche schoss, die ihm sein Taschenmesser zerstörte und seine Hüfte etwas verletzte. Das ganze Lager sprang zu den Waffen, um den vermeinten Angriff abzuschlagen. Der erste Sergeant stürmte umher, mit einem Revolver in jeder Hand und zwischen den Zähnen ein großes Messer haltend, und wollte fortwährend wissen, wo der Feind war, damit er sich auf ihn stürzen konnte. Endlich wurde Ruhe hergestellt, die Geschichte aufgeklärt und in wenigen Minuten war alles wieder in tiefem Schlaf. Früh am Morgen ging ich auf einen sehr steilen Berg, um einige Truthühner zu schießen, welche hier in großer Menge waren. Ich verwundete auch eines davon sehr schwer und wollte es gerade packen, als die Erde unter meinem Fuß nachgab und ich den Berg hinabrollte, gefolgt von losem Gestein und kleinen Felstrümmern, die ich auf dem Wege losgerissen hatte. Unten angelangt raffte ich mich zusammen und trat meinen Weg zum Lager an, wo ich gerade noch rechtzeitig zum Frühstück ankam.

Wir gingen noch einige Zeit in den Bergen umher, konnten aber keine frischen Spuren entdecken und gaben uns daher dem Glauben hin, dass keine Indianer im Land seien. Aber gleich während der nächsten Nacht krochen einige Rothäute in unser Lager, schnitten etliche Pferde los und wollten sich eben fortmachen, als sie die Wache noch entdeckte und Feuer gab. Darauf sprangen sie ins Gebüsch und wurden nicht mehr gesehen, ließen aber in der Ecke ein altes Pistol zurück, was wir als Siegestrophäe behielten.

Darauf suchten wir den Fluss Rio Frio auf. Da das Wasser nur stellenweise in diesem Fluss läuft und dann wieder sinkt, so ritten wir oft darüber, ohne ihn zu finden, bis spät gegen Abend. Am Morgen ließen wir zwei Mann zurück, deren Pferde etwas lahm waren und ritten in der Gegend umher. Gegen Abend traten wir den Rückzug zum Rio Frio an und ritten einmal kaum zweihundert Schritte an ihm vorbei. Die zwei Zurückgelassenen sahen uns kommen, hielten uns aber für Indianer und versteckten sich im Gebüsch. So ritten wir fort, bis wir frische Spuren trafen, welche wir sogleich als unseren zum Frio führenden Trail bezeichneten und ihm daher folgten. Wir ritten und ritten, jede halbe Stunde wurde die Spur größer. Nach ein paar Stunden fanden wir, dass wir schon den ganzen Abend im Kreis herumgeritten waren, immer unserer eigenen Spur folgend. Es wurde Halt gemacht, einige Mann ausgeschickt, und bald kam die freudige Nachricht, dass der Fluss gefunden sei, wo wir für die Nacht Halt machten.

Einige Tage später kehrten wir zum Camp Verde zurück. Unser Quartier war ein langes Haus, aus Baumstämmen gebaut. Jede Nacht wurde ich von etwas Eiskaltem geweckt, das mir über das Gesicht lief, konnte aber nie entdecken, was es war, bis ich eines Nachmittags ein Schläfchen machte und mir dieselbe Geschichte passierte. Ich sprang schnell auf und sah gerade noch den Schwanz einer Schlange unter das Dach hinter einem Brett verschwinden. Nachdem wir uns mit Säbeln bewaffnet hatten, riss ich das Brett weg. Da lag eine Hühnerschlange (Chicken Snake), welche etwas über acht Fuß lang war und uns ganz verwundert ansah, denn sie betrachtete sich wahrscheinlich schon seit Jahren als Herrin dieses Hauses.

Obwohl diese Art Schlangen nicht giftig sind, so machten wir doch einen heftigen Angriff mit Säbeln auf den Feind, welcher bald der Übermacht unterlag. Und ich konnte in Zukunft ungestört schlafen. Kurz darauf wurde ich kommandiert, die Post nach Fort Insh zu tragen, zu welcher Rundreise sechs Tage nötig waren. Die erste Nacht machten wir Halt am Frio-Wasserloch, was das einzige Wasser in einem weiten Umkreis ist und nur aus einer Pfütze besteht, mitten auf einem offenen Flecken im Gebüsch. Wir koppelten unsere Pferde und ließen sie gehen, worauf wir zu Abend speisten, uns dann ums Feuer setzten, rauchten und plauderten. Wir waren unserer drei. Als wir so gegen neun Uhr abends gerade recht gemütlich ums Feuer gelagert uns anlogen, ging es auf einmal: Sss, sss, sss. Eine Anzahl Pfeile flog an unseren Köpfen vorbei in das Feuer. Meinen Karabiner zu packen und einen Salto mortale rückwärts ins Gebüsch zu machen, war das Werk eines Augenblicks. Meine Kameraden waren nicht viel langsamer. Da lagen wir nun in der Finsternis und wussten nicht, ob zwei oder zweitausend Indianer uns überfallen hatten. Alles war totenstill. Nicht einen Laut konnten wir hören, außer das Kauen unserer Pferde.

Einer meiner Leute kroch an mich heran und flüsterte mir zu: »Du, krieche ins Gebüsch und schaue, wo sie sind!«

Ich sagte ihm ganz ruhig, dass ich keinen Indianer verloren hatte, fände mich daher nicht geneigt, einen zu suchen. Den anderen konnte er auch nicht dazu bewegen. Da er selbst keine Lust dazu hatte, so blieben wir alle ruhig bis Tagesanbruch, wo wir uns dann umsahen und fanden, dass die Indianer fort waren. Es war nur eine kleine Partie von höchstens fünf Mann, welche es wahrscheinlich auf unsere Pferde abgesehen hatten. Da ihnen das Schießen misslang, wagten sie sich nicht an die Pferde, sondern zogen sich ruhig zurück. Wir machten unsere Reise glücklich, doch hüteten wir uns in der Zukunft, nachts um große Feuer zu sitzen.

Kurz darauf gingen wir, etwa hundert Mann stark, auf eine Expedition gegen Indianer. Wir schweiften in der Gegend herum, bis wir an das verlassenes Fort Territt kamen. Dort machten wir Halt für die Nacht, ließen die Pferde ins Gras laufen und machten es uns bequem. Nun fing aber das Geklapper an. Hier war eine Klapperschlange, dort eine, hüben und drüben eine, und so weiter, kurz wir schienen in ein Nest Rattle Snake geraten zu sein, denn, nachdem wir fünfunddreißig totgeschlagen hatten, konnte man noch keine Verminderung derselben verspüren.

Die Wache getraute sich nicht im hohen Gras während der Nacht auf und ab zu gehen, aus Furcht, gebissen zu werden. Der Offizier, der hinausgehen wollte, um ihm den Standpunkt klarzumachen, zog sich eilig zum Feuer zurück, als er etwas vor sich klappern hörte. Manche liefen die ganze Nacht mit ihren Decken herum und konnten sich nicht entschließen, ihr Bett ins Gras zu machen. Andere, die sich schon zur Ruhe begeben hatten, standen wieder auf, wenn sie ein Geräusch hörten und suchten sich einen anderen Platz. Um es noch hübscher zu machen, wurden die Pferde durch ein Puma erschreckt und rissen aus. Da sie aber alle an den Vorderfüßen gekoppelt waren, blieben sie bald wieder stehen und ließen sich einfangen, außer zwei alte Gäule, die so weit in den Sumpf hineingerannt waren, dass sie sanken und mit Seilen herausgezogen werden mussten.

Gegen ein Uhr war alles in Ordnung und ich suchte mein Lager neben dem Feuer wieder auf. Nachdem ich meine Decken geschüttelt hatte, wobei eine Klapperschlange herausfiel, legte ich mich wieder und schlief den Schlaf des Gerechten, bis die Trompete mich am Morgen weckte. Beim Frühstück gab es vieles von den Erlebnissen der Nacht zu erzählen. Bald waren wir wieder im Sattel. Gegen neun Uhr fanden wir frische Indianerspuren, welchen wir den ganzen Tag bis gegen vier Uhr folgten, als wir einige Wasserlöcher erreichten, wo wir unsere Tiere tränkten und unsere Wassergefäße füllten, da wir an der Grenze der Wüste, den Staked plains, waren und voraussetzten, dass die Indianer darüber gehen würden. Während wir so beschäftigt waren, ritten unsere zwei Führer, Valentine und Toby Joy, der Letztere ein rothaariger lustiger Geselle, der immer frischer werdenden Spur nach. Als sie nun etwa fünfhundert Schritte vor uns um einen Berg ritten, fanden sie sich gerade im Lager von vierzehn Indianern wieder, welche um ein Feuer saßen und Fleisch rösteten. Da sie die beiden Führer noch nicht bemerkt hatten, winkte Valentine seinen Kameraden zu, dass sie sich ruhig verhalten sollten, während er uns rufen wollte. Aber sobald Toby die Indianer erblickte, stieß er sein Kriegsgeschrei aus und sprengte mitten unter sie, indem er einen mit einem Schuss leicht verwundete. Aa er aber eine elende, alte Muskete hatte, konnte er nicht wieder laden. Die Indianer, die sich von einer größeren Macht überfallen dachten, sprangen auf ihre Pferde, Sättel und alles außer ihren Waffen zurücklassend, gingen im vollen Galopp davon, Toby hinterher wie verrückt, seinen Hut auf das Gewehr steckend, während sein rotes Haar gerade in die Höhe stand. Sobald wir den Schuss vernahmen, sprang jeder zu Pferd und ging auf eigene Faust darauf los wie toll über Gebüsch, Baumstämme, Gräben und Löcher jagend. Die Packtiere, auf die niemand Acht gegeben hatte, wurden ebenfalls von der allgemeinen Heiterkeit angesteckt und kamen im rasenden Galopp daher, hinten und vorn ausschlagend, wobei die Kaffeekessel und Bratpfannen nebst anderen eisernen Geschirren ein solches Geklirre und derartigen Spektakel machten, dass man dachte, es käme das wütende Heer daher. Die Packstücke wurden losgeschüttelt, Mehlsäcke, Kaffeesäcke, ganze Seiten Speck lagen überall auf dem Boden, aber niemand dachte daran, zu halten. Etwa tausend Schritte voran war Toby dicht hinter den Indianern, ohne Hut, schreiend und jauchzend. Die Indianer sahen nun, dass Toby ganz allein war, und wandten sich schnell um, um ihm den Garaus zu machen. Allein Toby war auch nicht faul, er drehte sein altes gelbes Pferd auf einem Hinterfuß um und jagte nun zurück, seinen alten Hut schwingend und ein furchtbares Kriegsgeschrei ausstoßend. Wir waren nun so nahe, dass die Indianer von ihren Pferden sprangen und sich zu Fuß in ein sehr dichtes Zederngebüsch flüchteten, wo man sie auch nicht mehr fand. Bald wurde Halt geblasen, die zerstreuten Krieger sammelten sich wieder und die Beute wurde zusammengebracht.

Wir hatten fünfundzwanzig Indianerpferde, sieben Sättel, darunter ein sehr schöner, der an einem Busch hängend gefunden wurde, eine Anzahl Lariate (Lasso), Decken und andere Kleinigkeiten. Auf dem Platz, wo wir die Comanchen getroffen hatten, wurde für die Nacht Halt gemacht. Eine Portion Büffelfleisch, welches sich die roten Krieger gebraten, aber nicht Zeit hatten, zu essen, zogen wir uns zu Gemüte und verzehrten es mit dem größten Appetit. Die Packtiere wurden eingefangen und eine Abteilung der Mannschaft zurückkommandiert, um das Gepäck aufzusuchen. Bald herrschte die größte Gemütlichkeit im Lager. Kaffee wurde gebraut, Fleisch gebraten, geraucht und geplaudert. Wachen für die Nacht wurden ausgestellt. Valentine, Toby und ich gingen auf den Berg, im Gebüsch zu liegen, um, im Falle die Indianer zu ihren Sätteln kämen, bei der Hand zu sein. Wir lagen die ganze Nacht im Gebüsch, wo uns Moskitos, Mücken und anderes Ungeziefer beinahe auffraßen, da wir uns nicht rühren durften, um kein Geräusch zu machen, bis gegen drei Uhr morgens ein ungewöhnlich großes Moskito Toby biss. Er konnte es nicht mehr aushalten, sondern fing an zu fluchen und zu schimpfen, welches sich bald in ein allgemeines Gelächter verwandelte. Wir plauderten nun bis Tagesanbruch, da nach dem von Toby gemachten Lärm jeder Indianer in der Gegend wissen musste, dass wir im Gebüsch waren. Als sich die Morgenröte zeigte, wurden wir auch eines Indianers gewahr, der zu Pferd auf einen uns gegenüberliegenden Berge stand, von wo er unser Lager beobachtete. Da er aber zu weit für unsere Karabiner war, ließen wir ihn in Ruhe. Nun kehrten wir zum Lager ins Tal zurück, wo wir Frühstück fertig fanden und hörten, dass ein Indianerpferd während der Nacht spurlos verschwunden war. Bald waren wir wieder auf dem Weg, die Berge des Llano River zum Ziel nehmend. Gegen zehn Uhr morgens überraschten wir wieder einen kleinen Trupp Indianer, von welchen wir einen Skalp, dreizehn Pferde und andere Kleinigkeiten bekamen.

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