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Abenteuer des Captains Bonneville 22

Washington Irving
Abenteuer des Captains Bonneville
oder: Szenen jenseits der Felsengebirge des fernen Westens
Verlag von J. D. Sauerländer. Frankfurt am Main, 1837

Einundzwanzigstes Kapitel

Pläne des Captains Bonneville. Der große Salzsee. Expedition zu seiner Untersuchung. Vorbereitungen zu einer Reise zum Bighorn River.

Captain Bonneville fand sich nun an der Spitze einer entschlossenen, gut eingeübten und gut abgerichteten Brigade von Biberfängern, welche alle die Erfahrungen eines Jahres in den Gebirgen benutzt hatten und fähig waren, sich vor der Hinterlist und den Schlichen der Indianer zu sichern, und sich mit Subsistenzmitteln zu versehen, wo nur immer Wild anzutreffen war. Er hatte ebenfalls eine vortreffliche Herde von Pferden, die in vorzüglichem Zustand und für den schweren Dienst geeignet waren. Er beschloss daher nun, kühnere Pläne auszuführen. Einer von diesen war, seine Expeditionen bis zu irgendeinem unbekannten Landstrich des fernen Westens zu erstrecken, jenseits des gewöhnlich sogenannten Büffelbezirks. Dies würde etwas vom Verdienst und dem Reize einer Entdeckung gehabt haben, die für jeden braven und kühnen Geist so viel Wert hat. Ein anderes seiner Lieblingsprojekte war, einen Handelsposten an dem unteren Columbia River in der Nähe des Multnomah Valley anzulegen, und sich zu bemühen, seinem Vaterland einen Teil des verlorenen Handels von Astoria wiederzugewinnen.

Der erste der oben erwähnten Pläne, war derjenige, was ihn gegenwärtig vorzüglich beschäftigte; nämlich der, unbekannte Regionen zu erforschen. Unter den erhabenen Gegenständen der ungeheuren Wildnis, in der er umherschwärmte, befindet sich einer, der einen lebhaften Eindruck auf ihn gemacht zu haben scheint und dem seine Einbildungskraft einen gewissen idealistischen Reiz lieh. Dies ist ein großer See von Salzwasser, der den Fuß der Gebirge umspült, sich aber gegen West-Süd-West in eines jener weiten und hochliegenden Plateaus erstreckt, das sich hoch über die Fläche des Stillen Ozeans erhebt.

Captain Bonneville gibt eine auffallende Beschreibung von diesem See, wenn er von Land aus gesehen wird.

»Wenn Ihr« sagte er, »an seinen Ufern das Gebirge hinaufsteigt, so seht Ihr eine ungeheure Wassermasse sich vor Euch ausbreiten und sich immer weiter und weiter in eine ferne Wasserebene erstrecken, bis das Auge von der beständigen Anstrengung ermüdet, in blauer dämmernder Ferne aus hohen Gebirgsketten ruht, die sich, wie zuverlässig versichert wird, aus dem Schoß der Wasser erheben. Näher bei Euch ist die glatte ruhige Wasserfläche mit kleinen Inseln besät, auf welchen das Gebirgsschaf in beträchtlicher Anzahl herumstreift. Welche Strecken von Ebenen jene hohen Gebirgskuppen umfassen, muss für jetzt bloß eine Sache der Vermutung bleiben, obwohl die Gestalt der Gipfel und der Feldstrecken, die man dazwischen liegen sieht, wenig Zweifel übrig lässt, dass aus ihnen Ströme entspringen, die bestimmt sind, große Ebenen zu bewässern, die dem Auge wahrscheinlich durch die Wölbung des Sees verdeckt sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird einst die reiche Ernte von Biberfellen, die man in diesen Gegenden zu erhalten hoffen darf, Abenteurer versuchen, diese jetzt noch zweifelhafte Region mit Gewissheit des Erfolgs in eine besuchte zu verwandeln. Jedoch von den Mitteln entblößt, sich Boote zu bauen, steht der Biberfänger jetzt an der Küste und blickt nach einem verheißenen Land hinüber, dass seine Füße nie betreten werden.«

Dies ist die etwas phantasiereiche Beschreibung, welche Captain Bonneville von dieser Wassermasse macht. Offenbar hat er einen Teil seiner Ideen darüber von den Vorstellungen anderer entlehnt, welche die Schilderung etwas übertrieben haben. Man behauptet, dass der See hundertfünfzig Meilen lang und fünfzig breit sei. Die Gebirgsketten, wovon Captain Bonneville spricht, dass sie sich aus seinem Schoß erheben, sind wahrscheinlich die Gipfel von jenseits desselben liegenden Gebirgen, die in einer großen Entfernung gesehen werden können, wenn man sie von einer Anhöhe in der durchsichtigen Atmosphäre dieser hohen Region erblickt. Es liegen sicher mehrere große Inseln in dem See, von welchen eine sehr gebirgig sein soll, aber keineswegs von dem Umfang, der erforderlich wäre, eine solche Reihe von Bergkuppen zu liefern, wie oben erwähnt wurde.

In einer seiner früheren Expeditionen über das Gebirge soll Captain Sublette in einem Kahn von Tierhäuten vier Mann abgeschickt haben, um den See zu untersuchen, welche auch angegeben hätten, ihn umschifft zu haben, allein außerordentlich vom Durst gelitten hätten, da das Wasser äußerst gesalzen sei und keine Ströme von frischem Wasser in denselben liefen.

Der Captain Bonneville zweifelt an der Wahrheit dieses Berichtes oder dass die Leute ihn rund umschifft hätten, weil, wie er sagt, der See mehrere große Flüsse aus den Gebirgen aufnähme, die ihn gegen Osten begrenzten. Im Frühling, wenn diese Ströme vom Regen und durch das Schmelzen des Schnees angeschwollen sind, dann steigt der See mehrere Fuß über seinen gewöhnlichen Stand. Während des Sommers fällt er allmählich wieder und lässt einen schimmernden Gürtel des schönsten Salzes an seinen Ufern zurück. Die Erhebung dieses weiten Plateaus, auf dem dieser See liegt, wird von Captain Bonneville auf eine und drei Viertel Meile über die Fläche des Ozeans geschätzt. Die bewundernswürdige Reinheit und Durchsichtigkeit in dieser Atmosphäre, welche in einer erstaunenden Entfernung Gestände zu sehen und den Knall der Feuergewehre zu hören erlaubt, ihre Trockene, welche veranlasst, dass die Wagenräder in Stücken fallen, wie wir in früheren Stellen dieses Werkes gesehen haben, sind Beweise der großen Höhe der Felsgebirgsebenen. Dass eine Masse Salzwasser in einer solchen Höhe vorhanden ist, wird von Captain Bonneville als eine besondere Erscheinung angeführt, obwohl der Salzsee in Mexiko nicht viel niedriger liegt.1

Diesen See und seine Schlupfwinkel genau zu erforschen, war des Captains Hauptplan für das gegenwärtige Jahr. Da an demselben seine Einbildungskraft offenbar den Hauptanteil hatte, so glaubte er, dass dessen Ausführung von großem Nutzen begleitet sein würde, der zahlreichen Biberströme wegen, womit dieser See umgeben sein müsse.

Dieses wichtige Unternehmen übertrug er seinem Lieutenant, Herrn Walker, in dessen Erfahrung und Geschicklichkeit er ein großes Zutrauen setzte. Er wies ihn an, sich längs den Küsten des Sees hinzuhalten und auf seinem Weg an allen Flüssen Biber zu fangen. Er befahl ihm ebenfalls, ein Tagebuch zu halten, um in dasselbe die Begebenheiten eines jeden Tages genau einzuschreiben, alles Merkwürdige und Interessante in demselben zu bemerken, und auf seinem Weg Karten von der umliegenden Gegend zu entwerfen.

Es wurde weder Mühe noch Kosten gespart, die Partie auszurüsten, über die er den Befehl übernehmen sollte, und die vierzig Mann stark war. Sie hatten hinlänglich Lebensmittel für ein Jahr und sollten mit dem Captain Bonneville in dem folgenden Sommer an den von ihm bestimmten Sammelplatz im Tal des Bear River, dem Größten der in den Salzsee sich ergießenden Ströme, zusammentreffen.

Die nächste Sorge des Captains Bonneville war, Anstalten zum sicheren Transport der von ihm gesammelten Pelzwaren zu den atlantischen Staaten zu treffen. Die Leitung dieser Sendung sollte Herr Cerré übernehmen. Es war notwendig, den Weg zu bestimmen, den er einschlagen sollte.

Herr Robert Campbell, der Gesellschafter von Sublette, befand sich zu dieser Zeit in dem Versammlungsplatz der Rocky Mountain Fur Trade, deren Vorräte er dorthin überbracht hatte. Er stand im Begriff, mit den im laufenden Jahr gesammelten Pelzwaren zurückzukehren, und beabsichtigte, durch das Land der Crow bis zum Bighorn River, wo derselbe schiffbar wird, und von da in Booten diesen Fluss, den Missouri und Yellowstone hinab nach St. Louis zu gehen.

Captain Bonneville beschloss, seine Pelzwaren auf derselben Route zu befördern, Cerré bis an den Punkt seiner Einschiffung zu begleiten und hierauf eine Herbstjagd im Land der Crow zu halten.

Show 1 footnote

  1. Der Texcoco-See, der die Stadt Mexiko umgibt, der größte und niedrigste von den fünf Seen auf dem Mexikanischen Plateau, der am meisten mit Salzteilen geschwängert ist, liegt 7468 Fuß oder beinahe ein und eine halbe Meile über der Fläche des Meeres.

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