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Die drei Musketiere 32

Alexander Dumas d. Ä.
Die drei Musketiere
4. bis 6. Bändchen
Historischer Roman, aus dem Französischen von August Zoller, Stuttgart 1844, überarbeitet nach der neuen deutschen Rechtschreibung

XVI.

Ein Prokuratormahl

Das Duell, bei welchem Porthos eine so glänzende Rolle gespielt hatte, ließ ihn indessen das Mittagsmahl nicht vergessen, wozu er von der Frau Prokuratorin eingeladen worden war. Am anderen Tag gegen ein Uhr ließ er sich von Mousqueton den letzten Bürstenstrich geben und wanderte der Rue aux Ours zu. Sein Herz klopfte, aber nicht wie das von d’Artagnan, von einer jungen und ungeduldigen Liebe. Nein, ein materielles Interesse leitete seine Schritte. Er sollte endlich die geheimnisvolle Schwelle überschreiten, die unbekannte Treppe ersteigen, welche die alten Taler des Meisters Coquenard einer um den anderen erstiegen hatten. Er sollte wirklich eine gewisse Kiste sehen, deren Bild ihm zwanzigmal in seinen Träumen erschienen war; eine Kiste von langer und tiefer Form, mit Schlössern und Riegeln versehen, und mit eisernen Bändern an den Boden befestigt; eine Kiste, von der er so oft sprechen gehört hatte und welche die Hände des Prokurators nun vor seinen bewundernden Blicken öffnen sollten.

Und er, der in der Welt umherirrende Mensch, der Mann ohne Vermögen, ohne Familie, der an Herbergen, Gasthöfen, Schenken und Wirtschaften aller Art gewöhnte Soldat, der Gourmand, der meistens nur auf zufällige Schmausereien angewiesen war, sollte sich an den Tisch einer bürgerlichen Haushaltung setzen, die Annehmlichkeiten eines so wohlhäbigen Heimwesens kennenlernen.

Täglich in der Eigenschaft eines Vetters bei einer guten Tafel erscheinen, die gelbe gefaltete Stirn des alten Prokurators entrunzeln, die jungen Schreiber durch den Unterricht im Bassettspiel, im Lanzknecht und im Würfeln mit den feinsten Kunstgriffen rupfen und ihnen in Form eines Honorars für die Lektion, die er ihnen in einer Stunde geben würde, die Ersparnisse eines Monats abnehmen. Alles dies lag in den seltsamen Sitten jener Zeit und war in der Voraussicht ungemein ergötzlich für Porthos.

Der Musketier erinnerte sich wohl der schlimmen Gerüchte, welche über die Prokuratoren, ihre Knickerei, ihre Fasttage im Umlauf waren. Da er aber im Ganzen die Prokuratorin, abgesehen von einigen ökonomischen Anfällen, welche er stets sehr unzeitig fand, ziemlich freigebig gesehen hatte, wohl verstanden für eine Prokuratorsfrau, so hoffte er ein angenehm eingerichtetes Haus zu finden.

An der Tür regten sich jedoch einige Zweifel in dem Musketier. Der Zutritt hatte durchaus nichts Einladendes. Er fand einen übel riechenden schwarzen Gang, eine nur schlecht beleuchtete Treppe mit einem Fenster, durch dessen eiserne Stangen das graue Licht eines benachbarten Hofes mühsam eindrang. Im ersten Stock kam er vor eine niedere und wie die Haupttür des großen Chatelet mit ungeheuren eisernen Nägeln beschlagene Tür. Porthos klopfte mit dem Finger an. Ein großer, bleicher und unter einem Wald von struppigen Haaren verborgener Schreiber öffnete und grüßte mit der Miene eines Mannes, der sich genötigt sieht, an einem anderen den kräftigen hohen Wuchs, eine militärische Uniform und das frische rote Gesicht zu achten, das die Gewohnheit, gut zu leben, andeutet.

Ein zweiter, kleinerer Schreiber hinter dem ersten, ein anderer größerer Schreiber hinter dem zweiten, ein Gassenjunge von zwölf Jahren hinter dem dritten.

Im Ganzen drei und ein halber Schreiber, was für jene Zeit eine Schreibstube von sehr bedeutender Kundschaft ankündigte.

Obwohl der Musketier erst um ein Uhr erscheinen sollte, war doch die Prokuratorin seit der Mittagstunde mit ihren Blicken auf der Lauer und versah sich zum Herzen und vielleicht auch zum Magen ihres Anbeters, dass er vor der bestimmten Zeit erscheinen werde.

Madame Coquenard kam also beinahe in demselben Augenblick aus der Zimmertür, wo ihr Gast durch die Treppentür eintrat. Die Erscheinung der würdigen Dame entzog Porthos einer großen Verlegenheit. Die Schreiber sahen äußerst neugierig aus, und er blieb völlig stumm, da er nicht wusste, was er zu dieser aufsteigenden Tonleiter sagen sollte.

»Das ist mein Vetter!«, rief die Prokuratorin. »Tretet doch ein, Monsieur Porthos!«

Der Name Porthos brachte die gehörige Wirkung auf die Schreiber hervor, welche zu lachen anfingen. Aber Porthos wandte sich um und auf alle Gesichter kehrte der Ernst zurück.

Man gelangte in das Kabinett des Prokurators, nachdem man ein Vorzimmer, wo die Schreiber waren, und die Schreibstube, in der sie hätten sein sollen, durchschritten hatte. Die Letztere war eine Art von schwarzem Saal, mit beschriebenem Papier tapeziert. Aus der Schreibstube heraustretend, ließ man die Küche zur Rechten und gelangte in das Empfangszimmer.

Alle diese Zimmer, welche miteinander in Verbindung standen, brachten Porthos durchaus keine guten Begriffe bei. Man musste die Worte von fern durch alle diese offenen Türen hören. Dann hatte er im Vorübergehen einen raschen, forschenden Blick in die Küche geworfen und sich zur Schande der Prokuratorsfrau und zu seinem eigenen Bedauern gestanden, dass er nichts vom Feuer, von der Belebtheit, von der Bewegung wahrzunehmen vermochte, wie dergleichen gewöhnlich im Augenblick eines guten Mahles im Heiligtum der Gern- und Gutesserei zu herrschen pflegt.

Der Prokurator war ohne Zweifel zum Voraus von seinem Besuch in Kenntnis gesetzt worden, denn er gab nicht das geringste Erstaunen beim Anblick von Porthos kund, der sich ihm mit vollkommen ungezwungener Miene näherte und ihn höflich begrüßte.

»Wir sind Vettern, wie es scheint, Monsieur Porthos?«, sagte der Prokurator und stand, sich mit den Armen stützend, von seinem Rohrstuhl auf.

Der Greis war in ein großes schwarzes Wams gehüllt, in welchem sich sein schmächtiger Körper verlor, und sah gelb und vertrocknet aus. Seine kleinen grauen Augen glänzten wie Karfunkel und schienen nebst seinem Mund, der in beständigen Grimassen begriffen war, der einzige Teil seines Gesichtes zu sein, wo noch Leben wohnte. Leider fingen die Beine an, dieser ganzen Knochenmaschine den Dienst zu verweigern. Seit den fünf oder sechs Monaten, wo sich diese Schwäche fühlbar gemacht hatte, war der würdige Prokurator beinahe der Sklave seiner Gattin geworden.

Der Vetter wurde mit Resignation aufgenommen und nicht weiter. Wäre Meister Coquenard noch flink auf den Beinen gewesen, so würde er alle Verwandtschaft mit Porthos abgelehnt haben.

»Ja, wir sind Vettern«, sprach Porthos, der nie auf eine begeisterte Aufnahme vonseiten des Gatten gerechnet hatte, ohne sich aus der Fassung bringen zu lassen.

»Durch die Frauen, glaube ich«, sagte der Prokurator boshaft.

Porthos fühlte diesen Spott nicht und hielt ihn für eine Naivetät, worüber er in seinen dicken Schnurrbart lachte. Madame Coquenard, welche wusste, dass der naive Prokurator eine äußerst seltene Varietät in der Gattung ist, lächelte ein wenig und errötete stark.

Monsieur Coquenard hatte seit der Ankunft von Porthos seine Augen unruhig auf einen großen, seinem eigenen Schreibtisch gegenüberstehenden Schrank geworfen. Porthos begriff, dass dieser Schrank, obwohl er seiner Form nach durchaus nicht demjenigen entsprach, welchen er in seinen Träumen gesehen hatte, das glückselige Gerät sein musste. Er beglückwünschte sich darüber, dass sie Wirklichkeit sechs Fuß mehr Höhe hatte, als im Traum.

Meister Coquenard trieb seine genealogischen Forschungen nicht weiter. Seinen unruhigen Blick vom Schrank wieder Porthos zuwendend, begnügte er sich, zu sagen:

»Euer Monsieur Vetter wird wohl, ehe er ins Feld zieht, uns die Ehre erweisen, mit uns zu Mittag zu essen, nicht wahr, Madame Coquenard?«

Diesmal empfing Porthos den Stich in den vollen Leib und fühlte ihn. Madame Coquenard schien ihrerseits nicht unempfindlicher zu sein, denn sie fügte bei:

»Mein Vetter wird nicht wiederkommen, wenn er findet, dass wir ihn schlecht behandeln, aber im entgegengesetzten Fall hat er zu wenig Zeit noch in Paris zuzubringen und folglich uns zu sehen, als dass wir ihn nicht um jeden Augenblick bitten sollten, über den er noch zu verfügen vermag.«

»Oh! Meine Beine, meine armen Beine!«, murmelte Monsieur Coquenard und versuchte zu lächeln.

Diese Hilfe, welche Porthos in dem Augenblice zugekommen war, wo man ihn in seinen gastronomischen Hoffnungen angegriffen hatte, flößte dem Musketier große Dankbarkeit gegen seine Prokuratorin ein.

Bald schlug die Mittagsstunde. Man ging in das Speisezimmer, eine große dunkle Stube der Küche gegenüber.

Die Schreiber, denen, wie es scheint, die ungewöhnlichen Gerüche im Haus nicht entgangen waren, beobachteten eine militärische Pünktlichkeit und hielten, bereits sich niedersetzend, ihre Bestecke in der Hand. Man sah sie zum Voraus mit furchtbarem Tätigkeitsdrang ihre Kinnbacken bewegen.

Bei Gott!, dachte Porthos, indem er einen Blick auf die drei Ausgehungerten warf, denn der Gassenjunge wurde, wie man sich denken kann, nicht zu der Ehre eines Herrentisches zugelassen. Bei Gott! An Stelle meines Vetters würde ich solche Fresser nicht behalten. Sie sehen aus wie Schiffbrüchige, die seit sechs Wochen nicht gegessen haben.

Monsieur Coquenard wurde auf seinem Rollstuhl von Madame Coquenard hereingeschoben, welche Porthos, bis er den Tisch erreichte, zuvorkommend im Rollen unterstützte. Kaum war er im Zimmer, als er Nase und Kinnbacken nach dem Beispiel seiner Schreiber in Bewegung setzte.

»Oh! Oh!«, sagte er, »das ist eine einladende Suppe.«

»Was zum Teufel riechen sie denn Außerordentliches in dieser Suppe?«, sagte Porthos zu sich selbst beim Anblick einer blassen, weißlichen, aber ganz blinden Fleischbrühe, auf der einige seltene Krusten wie die Inseln eines Archipels schwammen.

Madame Coquenard lächelte und auf ein Zeichen von ihr beeilte sich jedermann niederzusitzen.

Monsieur Coquenard wurde zuerst bedient, dann Porthos. Hierauf füllte Madame Coquenard ihren Teller und teilte die Krusten ohne Fleischbrühe unter die Ungeduldigen aus.

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür des Speisezimmers knarrend von selbst. Porthos erblickte durch die halb geöffneten Flügel den kleinen Schreiber, der, da er nicht an dem Mahl teilnehmen durfte, sein Brot bei dem doppelten Geruch von der Küche und dem Speisezimmer verzehrte.

Nach der Suppe brachte die Magd eine gesottene Henne, ein Prachtstück, bei dessen Anblick sich die Augenlider der Gäste so sehr erweiterten, dass man glaubte, sie müssten zerreißen.

»Man sieht, Ihr liebt Eure Familie, Madame Coquenard«, sprach der Prokurator mit einem beinahe tragischen Lächeln, »das ist offenbar eine Galanterie, die Ihr Eurem Vetter erweist.«

Die arme Henne war alt und mit einer von den dicken, rauen Häuten bekleidet, welche die Knochen mit aller Anstrengung nicht zu durchdringen vermögen. Man musste sie lange gesucht haben, um ihre Aufsitzstange zu finden, auf die sie sich zurückgezogen hatte, um an Altersschwäche zu sterben.

Teufel!, dachte Porthos, das ist doch sehr traurig. Ich ehre das Alter, aber ich mache mir wenig daraus, wenn es gesotten oder gebraten ist.

Er schaute in der Runde umher, um zu beobachten, ob seine Meinung geteilt würde, aber er sah im Gegenteil nur flammende Augen, welche im Voraus diese erhabene Henne, den Gegenstand seiner Verachtung, verschlangen.

Madame Coquenard zog die Platte zu sich heran, löste geschickt die zwei großen schwarzen Hühnerbeine, die sie ihrem Gatten auf den Teller legte, schnitt den Hals ab, den sie mit dem Kopf für sich nahm, trennte einen Flügel für Porthos ab und gab der Magd, welche es gebracht hatte, das Tier zurück, sodass es beinahe unberührt zurückkehrte und verschwunden war, ehe der Musketier Zeit hatte, die Veränderungen zu beobachten, welche diese Enttäuschung je nach den Charakteren und Temperamenten der Umsitzenden auf den Gesichtern hervorbrachte.

Nach der Henne machte eine Platte mit Bohnen ihre Aufwartung, in der sich einige Schöpsenknochen zu zeigen schienen, von denen man anfangs glauben konnte, sie seien mit Fleisch bekleidet. Aber die Schreiber ließen sich durch diesen Trug nicht betören, und ihre düsteren Mienen wurden ergebungsvolle Gesichter.

Madame Coquenard teilte dieses Gericht mit der Mäßigung einer guten Hauswirtin unter die jungen Leute aus.

Nun kam die Reihe an den Wein. Monsieur Coquenard schenkte aus einem sehr mageren Weinkrug jedem von den jungen Leuten das Dritteil eines Glases ein, nahm für sich ungefähr in gleichem Verhältnis. Die Flasche ging sogleich zu Porthos und Madame Coquenard über.

Die jungen Leute füllten das Drittel Wein mit Wasser. Als sie die Hälfte des Glases getrunken hatten, füllten sie es abermals. So machten sie dies fortwährend, wodurch sie am Ende des Mahles ein Getränk verschluckten, das von der Farbe des Rubins zu der des Rauchtopases übergegangen war.

Porthos verspeiste schüchtern seinen Flügel. Er trank auch ein halbes Glas von diesem so spärlich zugemessenen Wein und erkannte ihn als einen Montreuil. Meister Coquenard sah ihn den Wein ungemischt trinken und stieß einen Seufzer aus.

»Esst Ihr vielleicht von diesen Bohnen, mein Vetter Porthos?«, sprach Madame Coquenard mit jenem Ton, welcher sagen will: Glaubt mir, esst nichts davon.

»Ich danke meiner Base«, erwiderte er, »ich habe keinen Hunger mehr.«

Es trat ein Stillschweigen ein. Porthos wusste nicht, wie er sich benehmen sollte.

Der Prokurator wiederholte mehrmals: »Ah, Madame Coquenard, ich mache Euch mein Kompliment. Euer Mittagsbrot ist ein wahres Festmahl!«

Porthos glaubte, man wolle ihn zum Besten halten, und fing an, seinen Schnurrbart in die Höhe zu streichen und die Stirn zu runzeln. Aber der Blick von Madame Coquenard ermahnte ihn zur Geduld.

In diesem Augenblick standen die Schreiber auf einen Wink des Prokurators langsam vom Tisch auf, legten ihre Servietten noch langsamer zusammen, verbeugten sich und traten ab.

»Geht, Ihr jungen Leute, geht und verdaut durch Arbeiten«, sagte der Prokurator ernsthaft.

Als die Schreiber sich entfernt hatten, erhob sich Madame Coquenard und holte aus einem Speiseschrank ein Stück Käse, eingemachte Quitten und einen Kuchen, den sie aus Mandeln und Honig selbst gefertigt hatte.

Monsieur Coquenard runzelte die Stirn, weil er zu viel Gerichte erblickte.

»Ein Festmahl, ganz entschieden!«, rief er, ungeduldig sich auf seinem Stuhl hin und her bewegend. »Ein wahres Festmahl! Epulae epularum: Lukullus speist bei Lukullus zu Mittag!«

Porthos schaute die Flasche an, die in seiner Nähe stand, und hoffte sich im Wein, Brot und Käse gütlich zu tun. Aber der Wein ging bald aus, die Flasche war leer. Monsieur und Madame Coquenard taten, als ob sie es nicht bemerkten.

»Das ist gut«, sprach Porthos zu sich selbst, »ich weiß nun, woran ich bin.«

Er leckte ein wenig an einem Löffel voll eingemachter Quitten und verbiss sich die Zähne im zähen Teig von Madame Coquenard.

»Nun ist das Opfer gebracht«, sprach er.

Monsieur Coquenard fühlte nach den Leckereien eines solchen Mahles, das er einen Exzess nannte, das Bedürfnis, Siesta zu halten.

Porthos hoffte, dies würde an Ort und Stelle und in demselben Raum vorgehen, aber der Prokurator wollte nichts davon hören. Man musste ihn in sein Zimmer zurückbringen. Er schrie, so lange er nicht vor seinem Schrank war, auf dessen Rand er sodann aus Vorsicht seine Füße stellte.

Die Prokuratorin führte Porthos in ein angrenzendes Zimmer. »Ihr könnt dreimal in der Woche zu Tisch kommen«, sagte Madame Coquenard.

»Ich danke«, erwiderte Porthos, »ich mache nicht gerne Missbrauch von solchen Einladungen. Überdies muss ich an meine Equipierung denken.«

»Das ist wahr«, sprach die Prokuratorin seufzend, »diese unglückliche Equipierung nimmt Euch in Anspruch, nicht wahr?«

»Ach ja«, sagte Porthos.

»Aber worin besteht denn die Equipierung Eures Korps, Monsieur Porthos?«

»Oh! In mancherlei«, sprach Porthos, »die Musketiere sind, wie Ihr wisst, Elitesoldaten. Sie brauchen viele Dinge, welche die Garden und die Schweizer entbehren können.«

»Nennt sie mir einzeln.«

»Das beläuft sich etwa auf …«, erwiderte Porthos, der sich lieber über den Gesamtbetrag, als über die einzelnen Punkte aussprechen wollte.

Die Prokuratorin wartete zitternd.

»Auf wie viel?«, fragte sie, »ich hoffe, es wird nicht mehr als …« Hier geriet sie ins Stocken, es fehlte ihr das Wort.

»Oh! Nein, es beträgt nicht über zwei tausendfünfhundert Livres. Ich glaube sogar, dass ich bei einiger Sparsamkeit mit zweitausend ausreichen könnte.«

»Guter Gott! Zweitausend Livres!«, rief sie, »das ist ja ein ganzes Vermögen. Mein Mann wird sich nie herbeilassen, eine solche Summe zu borgen!«

Porthos machte eine sehr bezeichnende Grimasse. Madame Coquenard verstand ihren Sinn.

»Ich fragte nach den einzelnen Punkten«, sprach sie, »weil ich viele Verwandte und Kunden beim Handelsstand habe und folglich überzeugt sein kann, dass ich die Sache um hundert Prozent unter dem Preis bekomme, den Ihr dafür bezahlen müsst.«

»Ah! Ah!«, rief Porthos, »wenn Ihr damit andeuten wolltet …«

»Ja, mein lieber Monsieur Porthos. Ihr braucht also vor allem …«

»Ein Pferd.«

»Ja, ein Pferd. Gut! Das ist es gerade, was ich für Euch abmachen kann.«

»Ah!«, sprach Porthos strahlend, »in Beziehung auf mein Pferd stehen also die Angelegenheiten ganz gut. Dann brauche ich noch ein Pferd für meinen Bedienten und ein Felleisen. Was die Waffen betrifft, so dürft Ihr Euch nicht darum bekümmern, diese habe ich bereits.«

»Ein Pferd für Euren Bedienten?«, versetzte die Prokuratorin zögernd. »Aber das klingt sehr vornehm.«

»Ei! Madame!«, sprach Porthos stolz, »bin ich etwa ein armer Schlucker?«

»Nein. Ich wollte Euch nur sagen, ein hübsches Maultier sehe gleichsam ebenso gut aus, wie ein Pferd. Es scheint mir, wenn ich Euch ein gutes Maultier für Euren Mousqueton verschaffen würde …«

»Es mag sein, ein hübsches Maultier. Ihr habt recht, ich habe sehr vornehme spanische Messieurs gesehen, deren ganzes Gefolge auf Maultieren ritt. Aber Ihr werdet dann begreifen, Madame Coquenard, dass ich ein Maultier mit Federbusch und Schelle haben muss.«

»Seid unbesorgt«, erwiderte die Prokuratorin.

»Nun ist noch das Felleisen übrig«, sagte Porthos.

»Oh! Das darf Euch nicht beunruhigen«, rief Madame Coquenard, »mein Mann besitzt fünf oder sechs Felleisen, und Ihr sucht Euch das Beste aus. Es ist besonders eines darunter, das er sehr gern mit auf Reisen nahm. Man könnte eine ganze Welt hineinpacken.«

»Euer Felleisen ist also leer?«, fragte Porthos.

»Gewiss, es ist leer«, antwortete die Prokuratorin.

»Ah! Dasjenige, welches ich brauche«, rief Porthos, »ist ein wohl ausgerüstetes, meine Teure.«

Madame Coquenard stieß neue Seufzer aus. Molière hatte damals seinen Geizhals noch nicht geschrieben. Madame Coquenard gebührt also der Vorrang vor Harpagon.

Der Rest der Equipierung wurde nach und nach auf dieselbe Weise debattiert. Das Resultat der Sitzung war, dass die Prokuratorin von ihrem Gatten achthundert Livres in barem Geld verlangen, das Pferd und das Maultier liefern sollte, welchen beiden Geschöpfen die Ehre zugedacht war, Porthos und Mousqueton zum Ruhm zu tragen.

Als diese Bedingungen festgestellt und die Interessen vertragsmäßig bestimmt waren, nahm Porthos von Madame Coquenard Abschied und kehrte mit abscheulichem Hunger in seiner Wohnung zurück.