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Romantruhe-Western Band 31

C. C. Slaterman
Romantruhe-Western Band 31
Stadt in Angst

Western, Paperback, Romantruhe, Kerpen-Türnich, September 2018, 70 Seiten, 4,95 Euro, Titelbild: Pujolar
www.romantruhe.de

Kurzinhalt:

Die Männer kamen vom Westen, als die Sonne am höchsten Punkt Himmels stand. Die kleine, einsam gelegene Farm lag nur unweit vom Ufer des Sweetwater Creeks entfernt. Zu der Farm gehörten ein Kartoffelacker und ein brachliegendes Maisfeld. Als die vier Reiter den schmalen Karrenweg entlang ritten, der zwischen dem Fluss und dem Kartoffelacker direkt zu dem Anwesen führte, wurde auf der Stirnseite des Farmhauses die Eingangstür geöffnet …

Leseprobe

Mit einem Knacken zersprang der letzte Pinienzweig im prasselnden La­gerfeuer. Kleine Flammen züngelten aus den rot glühenden Holzresten empor und warfen ihr flackerndes Licht auf den Mann.

Während er eine rußgeschwärzte Kaffeekanne auf das Dreibein im Feu­er stellte, begrüßte irgendwo in der Nähe ein einsamer Kojote heulend den neuen Tag. Der Mann war groß, mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Unter der Krempe seines breitrandigen Texashutes quoll dunkles, lockiges Haar in dichten Strähnen hervor.

Ernste, rehbraune Augen, eine kurze, gerade Nase und ein nachdenkli­cher Zug um den Mund verliehen seinem Gesicht eine kantige Härte.

Er trug die Armeehosen eines Sergeants der ehemaligen konföderierten Armee, dazu ein kariertes Baumwollhemd und hochhackige Cowboystie­fel. Der Mann hieß Jim Crown.

Seitdem der Krieg vor etwas mehr als zwei Jahren mit der Kapitulation von Appomattox sein unrühmliches Ende gefunden hatte, irrte er ziellos durch den Westen.

Ein einsamer Mann ohne festes Ziel, nur auf der Suche nach Ruhe und Geborgenheit. Gerade in Texas, das besonders unter der Willkür der Blaurocksoldaten zu leiden hatte, kein leichtes Unterfangen.

Als der Kaffee in der Kanne zu kochen begann, schenkte sich Jim etwas von der schwarzen Brühe in eine verbeulte Blechtasse und spitzte vor­sichtig die Lippen, um sich nicht gleich beim ersten Schluck den Mund zu verbrennen.

Der Kaffee rann wie flüssige Lava durch seinen Körper und vertrieb au­genblicklich die Morgenkälte aus seinen Knochen.

Dennoch zog Crown fröstelnd die Schultern hoch.

Mit dem August war zwar der heißeste Monat des Jahres ins Land gezo­gen, aber die Nächte in diesem Teil von Texas waren immer noch emp­findlich kalt.

Als er zum zweiten Mal an der Tasse nippte, schrien am Himmel ein paar Krähen.

Jim Crown legte seine Rechte instinktiv über den zerschrammten Wal­nussholzgriff seines Navy Colts und löste langsam die Sicherungsschleife vom Abzug der Waffe.

Hufschlag kam auf, und als er den Kopf zur Seite drehte, erkannte er zwei Reiter, die sich langsam von Osten her seinem Lager näherten. Hin­ter den Männern zeigte sich am Horizont das erste Licht des neuen Tages.

»Das ist nah genug, Amigos«, rief Jim, zog den Colt und spannte den Hahn seines Navys.

Es klang, als ob jemand eine Walnuss knackte.

Die Reiter zügelten ihre Pferde und für einen Moment herrschte eine seltsam angespannte Stille, die nur vom Schnauben der Pferde und dem Prasseln und Knacken des Lagerfeuers unterbrochen wurde.

»He, Feuer«, meldete sich schließlich der Vordere der Reiter zu Wort. »Hier spricht City Marshal Tanner aus Rath City. Besteht vielleicht die Möglichkeit, in diesem Camp für zwei müde Reiter eine Tasse heißen Kaffee zu bekommen?«

»Gewiss«, antwortete Jim. »Es hängt allerdings davon ab, wie hoch ihr die Hände gen Himmel reckt, wenn ihr ans Feuer kommt.«

»Wenn es sein muss, so hoch, dass die Fingerspitzen die Wolken berüh­ren«, erwiderte der Sprecher gleich darauf. »Aber ich warne dich, sollte dein Kaffee nicht genauso stark sein wie dein Misstrauen Fremden ge­genüber, wirst du mit dem Gesetz von Rath City gewaltigen Ärger be­kommen.«

Crowns Lippen verzogen sich zu einem schmalen Grinsen, obwohl ihm irgendetwas in der Stimme des anderen seltsam vorkam.

Trotzdem überwog seine Neugierde, denn wie jeder andere Mann wuss­te auch er ganz genau, dass ein City Marshal normalerweise nur innerhalb der Grenzen seiner Stadt Gesetzgewalt hatte.

Der Stadtrand von Rath City musste demnach ungefähr halb so groß wie Texas sein, oder aber der Marshal hatte seine Befugnisse ganz einfach überschritten.

Crown stellte seine Tasse zu Boden und erhob sich.

Instinktiv richtete er dabei die kreisrunde Mündung seines Navys wie zufällig auf den Bauch des vorderen Reiters.

Inzwischen hatten die Männer sein Lager erreicht.

Einer von ihnen war ein großer, hagerer Mann, dessen Gesicht fast gänzlich von einem gewaltigen, weißen Bart bedeckt war. Als Jim er­kannte, dass auf der rechten Seite seiner Kalbfellweste ein fünfzackiger Stern prangte, der in der Morgensonne wie ein blank polierter Golddollar funkelte, nahm der den Finger wieder vom Abzug.

Er erlaubte den Männern, die Hände wieder herunterzunehmen, behielt seine Waffe aber trotzdem weiterhin in der Hand.

Die Stiefelhügel im Westen waren voll von Männern, die ihren Colt senkten, nur weil sie einen Sternträger erblickt hatten.

Jim legte die Stirn in Falten, als er erkannte, dass die Mundwinkel die­ses Reiters schmerzvoll verzerrt waren und sich der Mann nur noch ge­krümmt im Sattel hielt.

Sein Begleiter, ein junger Bursche mit flachsblondem Haar und wasser­hellen, kalten Augen hingegen verzog keine Miene.

Irgendwie hatte Jim das Gefühl, als ob der Mann sogar schadenfroh grinste.

»Mein Name ist Tanner, Will Tanner«, stieß der Sternträger mühsam zwischen seinen zusammengepressten Zähnen hervor. Dabei presste er eine Hand auf eine Stelle an seiner linken Seite, an der sich auf dem Hemd ein dunkler Fleck abzeichnete.

»Ich bin auf dem Weg zurück nach Rath City, um diesen …« Was er sonst noch sagen wollte, erfuhr Jim nicht mehr.

Der Mann gab plötzlich ein leises Stöhnen von sich, sackte nach vorne auf den Hals seines Pferdes und rutschte aus dem Sattel. Seltsamerweise machte sein flachsblonder Begleiter nicht die geringsten Anstalten, ihm in irgendeiner Art und Weise zu helfen.

Er blieb stattdessen reglos auf seinem Pferd sitzen und verzog sein Ge­sicht lediglich zu einem abfälligen Grinsen.

»Wollen Sie Ihrem Sattelpartner nicht helfen?«, fragte Jim verwundert und lief auf den am Boden liegenden Sternträger zu.

Ein metallenes Klirren ließ ihn aufhorchen.

Der Blonde streckte beide Hände in die Höhe, damit Jim einen Blick auf die stählernen Fesseln werfen konnte, die seine Handgelenke eng anein­ander pressten.

»Das würde ich ja gerne«, erwiderte er höhnisch. »Aber dazu müssten Sie mich erst von diesen verdammten Dingern hier befreien.«

 

*

 

Abrupt blieb Jim stehen und richtete seine Waffe auf den Gefesselten. »Wer zum Teufel sind Sie?«

»Dieser maisblonde Bastard hier heißt Frank Miller. Er hat vor zwei Wochen in der Nähe des Sweetwater Creeks einen Farmer kaltblütig nie­dergeschossen. Sein Pech war, dass der alte Charly zäh genug war, noch so lange am Leben zu bleiben, um mir den Namen seines Mörders zu ver­raten.«

Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Jim, wie der Marshal müh­sam versuchte sich aufzurichten. Keuchend stützte er sich mit dem Ellbo­gen auf dem Boden ab, während der Fleck auf seinem Hemd immer grö­ßer wurde.

»Und dafür wird er hängen«

»Glauben Sie ihm kein Wort«, stieß Miller schnell hervor. Zu schnell für Crowns Geschmack. »Der spinnt doch, der Alte. Hören Sie nicht, dass der schon fantasiert?«

»Was du nicht sagst«, zischte Tanner wütend. »Und die Kugel, die ich mir deinetwegen eingefangen habe, als deine sauberen Freunde versuch­ten, dich zu befreien, ist wohl auch meiner Fantasie entsprungen?«

»Das ist doch alles gar nicht wahr«, erwiderte Miller schrill. »Das Gan­ze ist doch nur ein dummes Missverständnis. Hören Sie Mister, ich …« »Runter vom Gaul!«

»Aber wieso, ich …«

»Runter«, wiederholte Crown und spannte knackend den Abzugshahn seiner Waffe. Seine Stimme klang dabei wie gesprungenes Glas. Es war deutlich zu hören, dass es eine nochmalige Aufforderung nicht mehr ge­ben würde.

»Okay, okay, ich mach ja schon«, maulte Miller und kletterte umständ­lich aus dem Sattel. »Aber mit gefesselten Händen geht es nun mal nicht

schneller.«

»Geh rüber ans Feuer und setz dich hin, damit ich dich besser im Auge behalten kann«, sagte Jim und deutete mit dem Lauf seines Navys zum Lager hin. »Und keine Dummheiten, ich habe einen verdammt nervösen Zeigefinger, wenn du verstehst, was ich meine.«

»Ist ja schon gut«, erwiderte der Gefesselte gedehnt. »Nur keine Panik.« Einen Moment lang war Crown drauf und dran, Miller das schmierige Grinsen aus dem Gesicht zu hämmern, aber ein letzter Rest von Anstand hielt den groß gewachsenen Mann dann doch von seinem Vorhaben ab. »Sei vorsichtig!« Die Stimme Marshal Tanners riss Jim aus seinen Ge­danken

Sie klang schwach und brüchig. Das Gesicht des Sternträgers war bleich und eingefallen und Tanner konnte kaum noch seine Hand heben, als er auf Miller deutete.

»Lass dich von seinem jugendlichen Aussehen und seinem Gehabe nicht täuschen. In Wirklichkeit ist dieser Bastard ein eiskalter Mörder, den ich unbedingt vor Gericht bringen muss. Das bin ich nicht nur Charly, son­dern auch allen anderen rechtschaffenen Bürgern in meiner Stadt einfach

schuldig.«

»Das mag schon sein, aber ich glaube kaum, dass Sie in Ihrem Zustand

dazu noch in der Lage sind.«

Tanner lachte bitter. »Das ist mir klar. Darum war ich bis vor Kurzem auch drauf und dran, diesem Scheißkerl einfach eine Kugel zu verpassen. Es kann nicht sein, dass er ungeschoren davonkommt. Jetzt aber bin ich froh, dass ich dich getroffen habe.«

»Wieso das? Was habe ich denn mit dieser Sache zu tun?«, fragte Jim erstaunt.

»Du könntest dir ein paar Dollars dazu verdienen, wenn du mir hilfst, Miller in die Stadt zu bringen.«

Jim legte die Stirn in Falten.

Der Gedanke, mit in diese Geschichte hineingezogen zu werden, behagte ihm absolut nicht.

»Wieso sollte ich das tun, und überhaupt, wer sagt Ihnen denn, dass ich nicht auf Millers Seite wechsle, wenn es dort mehr zu verdienen gibt?«

»Deine Augen, Junge«, sagte der Marshal, dessen Stimme immer schwächer wurde. »Außerdem kenne ich euch Texasboys. Ihr seid zwar stolz bis in die Stiefelspitzen hinein, aber ihr habt euer Wort noch nie gebrochen. Also versprich mir, dass du mir hilfst.«

Der Blick aus seinen bereits todgeweihten Augen verursachte Jim bei­nahe körperliche Schmerzen.

»Versprich es mir …«

Die Stimme des Marshals war kaum noch zu hören. Unsagbare Qual lag in seinem Blick. Er stöhnte und krümmte sich zusammen.

»Ich verspreche es dir«, flüsterte Crown.

Der Marshal nickte.

Sein schmerzverzerrtes Gesicht entspannte sich.

Hellroter Speichel tropfte aus seinem Mund, während sein Kopf lang­sam zur Seite sank.

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