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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 49

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


IV. Vermischte Sagen

49. Suggenthal

In diesem Grund befanden sich vor Zeiten viele reiche Gold- und Silbergruben, worin 1500 Bergleute arbeiteten. Er war so voll Häuser, dass die Katzen von der Elz bis zum obersten Hof auf den Dachfirsten kommen konnten. Und auf der heutigen Schlossmatte stand ein stattliches Grafenschloss. Darin und in dem ganzen Ort herrschte große Reichtum, aber auch große Hoffart und Üppigkeit. Die Gräfin hatte eine einzige, wunderschöne Tochter, um die sich viele bewarben. Allein dieselbe wollte nur denjenigen nehmen, welcher im Schloss einen gläsernen Weiher mit lebendigem Wasser anlegen würde, dass sie aus ihrem Bett die Fische darin umherschwimmen sähe. So schwer diese Bedingung auch zu erfüllen war, so ließ doch der Anführer der Bergleute sich nicht abschrecken, sondern führte mit unsäglicher Mühe eine dreistündige Wasser Leitung, deren Überbleibsel nun der Mauerweg heißt, von der Platte bis zum Schloss, wo er den Weiher ganz nach des Fräuleins Verlangen anlegte. Somit schenkte sie ihm ihre Hand. Die Hochzeit wurde im Schloss und Ort aufs Üppigste gefeiert und endlich der Übermut und die Frechheit so groß, dass sie die Brotsamen des Weißbrotes herausgeschnitten und in der Kruste wie in Schuhen tanzten, ja ganz nackt Reigen aufführten.

Währenddessen ging der Pfarrer mit dem hochwürdigsten Gut am Schluss vorüber zu einem Kranken, wobei der vorangehende Messner üblicherweise schellte.

Da wollten einige mit dem Tanz einhalten und niederknien, aber die Gräfin rief: »Was fragt ihr nach der Schelle, jeder meine Kühe hat auch eine solche!«

Nun ging es fort mit Spielen und Tanzen. Auf dem obersten Hof bei dem Kranken, der ein christlicher alter Mann war, angekommen, versah ihn der Pfarrer mit den heiligen Sakramenten und entfernte sich dann wieder in Begleitung des Messner. Nicht lange darauf schickte der Mann seinen 16-jährigen Sohn, welcher allein bei ihm war, an das Fenster, um nachzusehen, ob am Himmel keine Wolke sei.

Die Antwort lautete: »Es kommt ein Wölkchen, so groß wie ein Hut, über den Schwarzenberg.«

Noch zweimal musste der Sohn nach der Wolke schauen. Das erste Mal hinterbrachte er, sie sei so groß wie eine Wanne, das zweite Mal, sie habe die Größe eines Scheuertors. Da befahl ihm sein Vater, ihn geschwind auf den Lufer zu tragen, denn Gottes Gericht breche nun über das Tal herein. Nachdem sie auf dem Berg angelangt waren, setzen sie sich nieder und betrachteten das kohlschwarze Gewitter, welches inzwischen über das Tal sich zusammengezogen hatte und nun mit schrecklichen Blitzen, Donnerschlägen und einem ungeheuren Wolkenbruch sich entlud. Alle Gebäude, außer der Kirche und dem obersten Hof ,wurden entweder vom Wasser weggerissen oder von den einstürzenden Bergen bedeckt, sämtliche Gruben zerstört und von der ganzen Einwohnerschaft nur der alte Mann mit seinem Sohn und ein kleines Kind am Leben erhalten. Dieses Kind, ein Knäblein, schwamm in seiner Wiege mitten in der Flut. Bei ihm befand sich eine Katze. So oft die Wiege auf eine Seite sich neigte, sprang die Katze auf die entgegengesetzte und brachte so die Wiege wieder ins Gleichgewicht. Darüber gelangte diese glücklich bis unterhalb Buchholz, wo sie im Dold oder Wipfel einer hohen Eiche hängen blieb. Als der Baum wieder zugänglich geworden war, holte man sie herunter und fand Kind und Katze lebend und unverletzt. Da niemand wusste, wer des Knäblein Eltern gewesen waren, so nannte man es nach dem Gipfel des Baumes Dold, und dieser Name wird von seinen Abkömmlingen noch heute geführt. Nachdem das Wasser aus dem Tal abgelaufen war, fanden die Leute der Nachbarschaft viele Leichen, die sie noch erkannten. Auch stifteten sie für die Umgekommenen zahlreiche Seelenmessen. An der Kirche hatte das Wasser ein Zeichen seiner Höhe hinterlassen, das auf keinerlei Weise mehr weggebracht werden konnte.

Der ganze Grund, welcher bisher Reichenthal geheißen hatte, erhielt nun den Namen Sunkenthal. Daraus ist in der Folge Suggenthal geworden.

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