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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 45

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


IV. Vermischte Sagen

45. Schönenberg

Vor Zeiten waren in Schönenberg mehrere ergiebige Silbergruben nebst einem Goldbergwerk. Wohlstand herrschte in der ganzen Gegend. Da diese keine eigene Pfarrkirche hatte, stiftete zu deren Erbauung eine reiche Grubenbesitzerin einen halben oder, wie andere sagen, einen ganzen Sester Silber. Hiermit konnte das Gotteshaus, ohne den Turm, aufgeführt werden, welches, statt auf dem Schönenberg, wo die Frau wohnte, darum nach Schönau kam, dass nicht die Talbewohner ihre Toten auf die beschwerliche Höhe bringen müssten. In der Kirche erhielten die Schönenberger als die Hauptstifter gewisse Vorrechte. Auch übernahm die Gemeinde, vor jedem Sonn- und Feiertag den Weg von der Wohnung der Bergfrau bis hinunter zum Gotteshaus sauber abzukehren.

Als es nachmals Krieg gab, verschütteten die Bergleute alle Gruben, nachdem sie ihr Arbeitszeug darein geborgen hatten, um sie vor dem kommenden Feind zu sichern. Sie hofften, sie später wieder zu öffnen. Allein das Landsterben brach herein und ließ niemand übrig, der die Bergwerke wieder zu finden wusste. Damals war die Sterblichkeit so groß, dass von Wieden, Geschwind, Utzenfeld und Präg nur noch drei Ehepaare in ihre Pfarrkirche zu Schönau kamen. Die Wiedener führten ganze Leiterwagen voll Toter auf den Schönauer Gottesacker. Einmal fiel unterwegs bei der Königshütte ein Leichnam vom Wagen, und davon heißt der Ort noch heute der Totenhügel.

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