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Abenteuer des Captains Bonneville 12

Washington Irving
Abenteuer des Captains Bonneville
oder: Szenen jenseits der Felsengebirge des fernen Westens
Verlag von J. D. Sauerländer. Frankfurt am Main, 1837

Elftes Kapitel

Die gegenseitigen Biberfänger-Partien. Manöver. Ein verzweifeltes Spiel. Vanderburgh und die Blackfeet. Verlassene Lagerfeuer. Finsterer Engpass. Indianischer Hinterhalt. Blutiges Handgemenge. Unglückliche Folgen. Fitzpatrick und Bridger. Vorsicht von Biberfängern. Zusammenkunft mit den Blackfeet. Noch ein weiteres Gefecht. Anekdote von einem Mexikaner und einem indianischen Mädchen.

Während Captain Bonneville und seine Leute bei den Nez Percé am Salmon River verweilen, müssen wir uns nach dem Schicksal jener wackeren Nebenbuhler von der Rocky Mountain Fur Company und der American Fur Company umsehen, die zu ihren Biberfangrevieren im Nord-Nordwesten aufgebrochen waren. Da Fitzpatrick und Bridger von der erst genannten Compagnie ihre Vorräte, wie wir bereits erzählt haben, erhalten hatten, so hatten sie sich an die Spitze ihrer Leute gestellt und hofften zuerst in ihren Jagdrevieren anzukommen. Durch außerordentliche Anstrengung wurden jedoch Vanderburgh und Dripps, die beiden residierenden Teilhaber der anderen Compagnie, bald in den Stand gesetzt, ihnen auf dem Fuß folgen zu können. Sie setzten ihren Weg mit solcher Eile fort, dass sie sie einholten, als sie eben das Innere der Biberreviere erreicht hatten. Da ihnen die besten Biberfangreviere unbekannt waren, so war es in der Tat ihre Absicht, der anderen Partie nachzugehen und sich ihre bessere Kenntnis zunutze zu machen.

Nichts konnte dem Ärger von Fitzpatrick und Bridger gleichkommen, als sie sich so von ihren unerfahrenen Nebenbuhlern auf dem Fuß verfolgt sahen, besonders nach dem ihnen gemachten Erbieten, dass sie sich in das Land teilen wollten. Sie versuchten es, sie auf alle Weise zu hintergehen und irre zu leiten, ihnen einen Tagesmarsch zuvor zu kommen oder sie auf eine unrechte Fährte zu bringen; allein alles vergeblich. Vanderburgh ersetzte durch Tätigkeit und Einsicht, was ihm an Kenntnis des Landes abging, war immer vorsichtig und auf der Hut, entdeckte jede Bewegung seiner Nebenbuhler, so geheim sie auch gehalten sein mochte, und ließ sich nicht täuschen oder irreleiten.

Fitzpatrick und seine Kollegen verloren nun alle Geduld. Da seine Gegner darauf bestanden, sie zu verfolgen, so entschlossen sie sich, ihnen die Jagd zu verderben und ihre vorhabende Jagdzeit eher aufzuopfern, als deren Ergebnisse mit ihren Nebenbuhlern zu teilen.

Sie nahmen demnach ihre Richtung den Missouri hinab, hielten sich hauptsächlich auf der Spur der Blackfeet und setzten ihren Weg eigensinnig fort, ohne sich aufzuhalten, um auch nur eine einzige Falle zu stellen. Die anderen folgten ihnen eine Zeit lang auf der Ferse nach, fingen aber bald an, gewahr zu werden, dass sie an der Nase herumgeführt wurden und sie in ein für den Biberfang völlig unergiebiges Land kamen.

Sie machten demnach einen Halt und bedachten sich, wie sie ihre verlorene Zeit wieder ersetzen und den Rest der Jahreszeit vorteilhaft verwenden könnten.

Sie hielten es für das Ratsamste, ihre Kräfte zu teilen und sich in verschiedene Jagdrevieren zu versuchen.

Während Dripps nach einer Richtung hinzog, verfolgte Vanderburgh mit ungefähr fünfzig Mann eine andere.

Der Letztere war auf seinem übereilten Marsch mitten in das Land der Blackfeet geraten, schien aber von seiner Gefahr nichts geahnt zu haben.

Als seine Späher eines Tages aus waren, kamen sie auf die frische Spur einer Gruppe von Wilden. Sie fanden verlassene Feuer, die noch rauchten, von den Gerippen eben getöteter Büffel umgeben. Es war offenbar, dass eine Partie Blackfeet von ihrem Jagdlagerplatz verscheucht worden war, und dass sie sich in der Absicht zurückgezogen hatten, Verstärkungen an sich zu ziehen. Die Späher eilten in das Lager zurück und er zählten Vanderburgh, was sie gesehen hatten. Er nahm die Sache von der leichten Seite und ritt mit neun seiner Leute weg, um selbst Kundschaft einzuziehen. Er fand den verlassenen Lagerplatz gerade so, wie sie denselben ihm beschrieben hatten. Hier lagen die Gerippe der Büffel zum Teil zerstückelt, hier sah man die dampfenden Feuer, die noch schwache Rauchkränze aufsteigen ließen. Es hatte alles das Ansehen eines hastigen Rückzugs und gab zu der Vermutung Anlass, dass die Wilden noch in der Nähe lauerten.

Mit nutzloser Verwegenheit verfolgte Vanderburgh ihre Fährte, um ihnen bis zu dem Platz nachzuspüren, wo sie sich verborgen hielten. Sie führte ihn über Prärien durch Waldgürtel, bis er in eine finstere und gefährliche Schlucht kam. Vanderburgh drang mit seiner kleinen Gruppe ohne Bedenken hinein. Sie befanden sich bald zwischen hohen, von Bäumen überwachsenen Ufern, in einer tiefen, dunklen Telle, wo die tiefe Stille nur durch das Getrabe ihrer eigenen Pferde unterbrochen wurde.

Plötzlich vernahmen sie furchtbares Kriegsgeschrei, vom Losfeuern der Büchsen begleitet. Eine Legion von Wilden sprang heulend, zum Scheumachen der Pferde, ihre Büffelhautkleider schüttelnd, aus ihrem Versteck hervor. Vanderburghs Pferd stürzte tödlich verwundet beim ersten Schuss, in seinem Sturz seinen Reiter unter sich werfend, der vergeblich seine Leute zum Beistand herbeirief, ihm hervor zu helfen. Einer von ihnen wurde ein Paar Schritte weit von ihm niedergeschossen und skalpiert. Die meisten anderen wurden schwer verwundet und suchten ihr Heil in der Flucht.

Die Wilden näherten sich nun, um den unglücklichen Führer zu töten, der sich herauszuhelfen mühend unter seinem Pferd lag. Er hatte seine Büchse noch in der Hand und seine Pistolen im Gürtel. Der erste Wilde, der sich ihm näherte, erhielt den Inhalt der Büchse in die Brust und sank auf der Stelle tot nieder. Ehe Vanderburgh eine Pistole hervorziehen konnte, streckte ihn ein Streich von einem Tomahawk nieder und wurde aufgrund mehrerer Wunden getötet.

Dies war das Schicksal des Majors Henry Vanderburgh, eines der besten und würdigsten Anführer der American Fur Company, der durch sein männliches Betragen und feixen unerschrockenen Mut sich unter den kühnherzigen Wanderern der Wildnis allgemein beliebt gemacht haben soll.

Diejenigen, die von dem kleinen Trupp entkamen, flohen bestürzt zum Lager und verbreiteten die schrecklichsten Berichte über die Stärke und Grausamkeit des Feindes. Die Partie, die sich ohne Führer befand, war völlig in Verwirrung und Schrecken und ergriff übereilt die Flucht, ohne den Versuch zu machen, die Reste ihres hingeschlachteten Führers wieder zu erhalten.

Sie machten nicht eher Stillstand, als bis sie das Lager der Pend d‘Oreille oder Lappohren erreicht hatten, wo sie eine Belohnung aussetzten, um den Leichnam wieder zu bekommen; jedoch vergeblich, er konnte nicht aufgefunden werden.

Inzwischen war es Fitzpatrick und Bridger von der Rocky Mountain Fur Company nur wenig besser gegangen, als ihren Nebenbuhlern. In der Begierde, sie irrezuführen, waren sie selbst in Gefahr und in das von den Blackfeet unsicher gemachte Gebiet geraten. Sie fanden bald, dass Feinde auf sie lauerten, waren aber in der indianischen Kriegsweise erfahren und ließen sich weder bei Nacht überfallen noch bei Tag in einen Hinterhalt locken.

So wie die Nacht eintrat, wurden die Pferde zusammengetrieben, an Pfähle gebunden und Wachen um das Lager aufgestellt. So wie morgens der Tag graute, bestieg einer der Führer sein Pferd und ritt in aller Eile ungefähr eine halbe Meile weit und sah sich dann nach Fährten von Indianern um, um sich zu überzeugen, ob Kundschafter um das Lager gestrichen wären. Indem er langsam zurückkehrte, untersuchte er alle Hohlwege und Gebüsche, in welchen sich ein Hinterhalt befinden konnte. Als dies geschehen war, ritt er in der entgegengesetzten Richtung weg und wiederholte seine Nachforschung auf dieselbe Weise. Wenn er alles in Ordnung fand, dann wurden die Pferde losgebunden, und man ließ sie grasen; immer unter der Aufsicht einer Wache.

Eine gleich umsichtige Wachsamkeit wurde auf dem Marsch beobachtet, wenn man sich Engpässen oder Plätzen näherte, wo der Feind lauern konnte. Es wurden immer Späher voraus oder über die Bergrücken und Anhöhen in der Flanke geschickt.

Endlich ließ sich eines Tages eine große Truppe von Blackfeet im offenen Feld, allein in der Nachbarschaft von Felsen und Klippen, sehen. Sie hielten sich vorsichtig in der Entfernung, gaben aber ihre friedliche Gesinnung durch Zeichen zu erkennen. Die Biberfänger erwiderten solche auf dieselbe Weise, hielten sich aber ebenfalls in der Entfernung. Es näherte sich nun eine kleine Partie Indianer, welche die Friedenspfeife trugen, und eine gleiche Anzahl weißer Männer ging ihnen entgegen. Sie bildeten eine Gruppe mitten zwischen den beiden Gruppen. Die Friedenspfeife ging von Hand zu Hand im Kreis herum und wurde mit gehöriger Zeremonie geraucht. Bei diesem friedlichen Zusammentreffen ereignete sich ein Vorfall, der ein Beispiel natürlicher Liebe darbot. Unter den freien Biberfängern in der Gruppe der Rocky Mountain Fur Company befand sich ein junger munterer Mexikaner, namens Loretto, der im Laufe seiner Wanderungen ein schönes Mädchen von einer Gruppe Crew losgekauft hatte, von welchen sie gefangen worden war. Er hatte sie nach der Weise der Indianer zu seiner Frau gemacht, und sie war ihm seitdem mit der treuesten Anhänglichkeit gefolgt.

Unter den Kriegern der Blackfeet, die sich mit der Friedenspfeife näherten, erkannte sie einen Bruder. Ihr Kind Loretto überlassend, eilte sie auf ihn zu und warf sich dem Bruder um den Hals, der seine lang verloren geglaubte Schwester mit einer Wärme an sein Herz drückte, die wenig der stoischen Kälte entsprach, die man den Wilden so gern zum Vorwurf macht.

Während dieser Vorgang stattfand, verließ Bridger die Haupttruppe der Biberfänger und ritt langsam auf die Truppe der Rauchenden zu. Seine Büchse hatte er quer über den Sattelknopf gelegt. Der Häuptling der Blackfeet ging ihm entgegen. Aus einem unglücklichen, misstrauischen Gefühl spannte Bridger den Hahn seiner Büchse, als eben der Häuptling ihm seine Hand entgegenreichte. Das scharfe Ohr des Wilden vernahm das Knacken des Schlosses und im Nu erfasste er den Lauf, hielt die Mündung mit Gewalt nach dem Boden zu, und die Ladung ging zu seinen Füßen in den Boden. Seine nächste Bewegung war, Bridger die Waffe aus der Hand zu ringen und ihn damit zu Boden zu schlagen. Er würde dies nicht so leicht gefunden haben, hätte nicht der unglückliche Führer während des Kampfes zwei Pfeile in den Rücken erhalten.

Der Häuptling sprang nun in den leeren Sattel und sprengte seinen Leuten zu. Es erfolgte nun eine stürmische Lärmszene. Beide Partien flohen auf die Absätze von Felsen und Bäumen, um vorteilhafte Stellungen zu gewinnen. Es wurde ein unregelmäßiges Feuer von beiden Seiten unterhalten, jedoch ohne große Wirkung. Das indianische Mädchen war von den ihren bei Ausbruch des Handgemenges weggeschleppt worden. Sie wollte, den Gefahren des Gefechtes trotzend, zu ihrem Mann und ihrem Kind zurückkehren, wurde aber von ihrem Bruder daran gehindert. Der junge Mexikaner sah, wie sie sich wehrte, ihre Angst und hörte ihr lautes Geschrei. Von einem großmütigen Impuls getrieben, nahm er das Kind in seine Arme, stürzte, die Pfeile und Büchsen der Indianer nicht achtend, auf sie zu und legte es in Sicherheit an ihren Busen. Selbst das raue Herz des Häuptlings der Blackfeet wurde durch diese edle Tat gerührt. Er nannte Loretto wegen seiner Verwegenheit einen tollkühnen Menschen und hieß ihn, in Frieden ziehen. Der junge Mexikaner nahm Anstand. Er drang darauf, dass man ihm seine Frau zurückgeben möchte, allein ihr Bruder legte sich dazwischen und das Gesicht des Häuptlings verzog sich düster.

»Das Mädchen«, sagte er, »gehöre seinem Stamm und sie müsse bei ihrem Volk bleiben.«

Loretto wollte noch verweilen, allein seine Frau bat ihn, zu gehen, damit er nicht sein Leben gefährde. Er kehrte äußerst ungern zu seinen Begleitern zurück.

Der Anbruch der Nacht machte dem Scharmützel beider Teile ein Ende. Die Wilden zogen ab, ohne ihre Feindseligkeit zu erneuern.

Wir können uns nicht enthalten, zu bemerken, dass sowohl bei diesem Vorgang als auch bei jenem in der Pierre’s Hole die Händel durch ein feindseliges Benehmen vonseiten der weißen Männer in dem Augenblick veranlasst wurden, als der indianische Krieger die Hand zur Freundschaft bot.

In keinem der beiden Fälle, soweit uns die Umstände durch verschiedene Personen berichtet worden sind, sehen wir einen Grund, den wilden Häuptling im Verdacht eines treulosen Benehmens beim Anbieten seiner Freundschaft zu halten. Sie kamen mit dem, unter Indianern gebräuchlichen Vertrauen, wenn sie die Friedenspfeife tragen und halten sich alsdann vor einem Angriff geschützt. Wenn wir die Heiligkeit dieser Zeremonie durch eine feindliche Bewegung von unserer Seite verletzen, so sind wir es, die den Vorwurf der Treulosigkeit verschulden. Wir zweifeln nicht, dass in beiden Fällen, die Weißen von den Blackfeet als der angreifende Teil betrachtet und folglich als Menschen hingestellt worden sind, welche kein Zutrauen verdienen.

Ein Wort zum Schlusse der romantischen Begebenheit zwischen Loretto und seiner indianischen Braut. Einige Monate nach dem eben erwähnten Vorfall rechnete der junge Mexikaner mit der Rocky Mountain Fur Company ab und erhielt seine Entlassung. Er verließ hierauf seine Kameraden und reiste ab, um sich zu seiner Frau und seine Kinde unter ihrem Volk zu begeben. Wir vernehmen, dass zu dieser Zeit, wo wir dieses schreiben, er sich in einem, unlängst durch die American Fur Compagnie im Land der Blackfeet errichteten Handelshaus befindet, wo er den Dolmetscher macht und seine Indianerin bei sich hat.

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