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Oberhessisches Sagenbuch Teil 22

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Weiße Frau im Altenburgskopf bei Schotten

Auch in den Altenburgskopf bei Schotten ist eine weiße Frau verwünscht schon seit langen Zeiten, die erschien einem Michelbacher Mann und bat ihn um ihre Erlösung.

Als der Mann verwundert sie fragte, was er denn dazu tun könne, sagte sie: »Komme morgen Mittag mit deiner Frau und ihrem ungetauften Säugling hierher! Du wirst mich dann zwar als eine Schlange antreffen, aber lass es dich nicht anfechten. Es wird dir kein Haar auf dem Haupt gekrümmt.«

Der Mann ließ sich willig finden und brachte zur bestimmten Stunde Frau und Kind an Ort und Stelle. Nun rauschte durchs Laub die Schlange daher und ringelte sich um die Frau, um aus ihrer Brust zu trinken. Stillschweigend litt es diese, als die Schlange den ersten und zweiten Zug tat. Bei dem dritten jedoch konnte sie sich vor Schmerz nicht mehr halten und schrie laut auf. Alsbald fuhr die weiße Frau in die Luft und verschwand unter Wimmern und lautem Klagen.

Dieselbe weiße Frau erschien auch einem Schäferknecht und bat ihn, in eine Schlange verwandelt, nur um drei Küsse. Sie erlaubte ihm sogar ein weißes Schnupftuch vor den Mund zu nehmen, wenn er sich das so nicht getraute. Den Burschen schüttelte es zu sehr inwendig und ließ sich auf Nichts ein. Da ging sie betrübt hinweg und sagte: »Dann muss ich noch lange Jahre warten.«


Weiße Frau im Laug vor dem Oberwald

Im Laug heißt man den Kreuzweg, wo die Pfade von Herchenhain nach Mulstein und von Burkhards nach Ilbeshausen vor dem Oberwald zusammentreffen. Daselbst sprach eine schöne weiße Frau einmal den Herchenhainer Schäfer darum an, dass er den folgenden Tag mit seinem kleinen Kind herkommen möge, damit dieses sie dreimal küsse und so von ihrer Strafe erlöse. Der Schäfer willfahrte ihr, und die weiße Frau hatte schon das Kind auf dem Arm, als die Schäfersche atemlos daher gerannt kam und voll Bosheit, weil sie glaubte, dem Kind geschähe etwas, ihr zurief: »Willst du gleich mein Kind gehen lassen!« Alsbald setzte die weiße Frau dasselbe auf den Boden und ging weinend hinweg. Man hat sie seitdem nie wiedergesehen.


Weiße Frau im Hellberg

Das Ende des Waldes zwischen Hirzenhain und Lißberg heißt der Hellberg. Drüben in Lißberg schlug es zwölf Uhr, da trat zu einer armen Weibsperson, die im Feld dort arbeitete, eine saubere weiße Fran stillschweigend hinter den Bäumen hervor, ging vor sie hin und reichte ihr mit flehentlichen Gebärden ein Körbchen mit der Hand entgegen. Aber das dumme Weib wagte die Gabe nicht anzurühren, sondern sprang mit Geschrei davon. Die weiße Frau hatte es für mitleidiger gehalten, als es war.


Die Schlossjungfer im hohen Michelstein

An sonnigen Tagen im Herbst lässt sich die Schlossjungfer sehen, die im Michelstein wohnt. Sie trägt ein blendend weißes Gewand und hängt ihre Wäsche zum Trocknen hin oder klengt (breitet aus) ihre Knoten auf großen Tüchern am Boden in der Nähe des Felsens.

Jüngst im Sommer ging ein Mann von Landenhausen durch den Wald, da schimmerte ihr helles Kleid durch die Bäume. Sie hatte eine Herde junger Hühner samt der Glucke bei sich, fütterte und liebkoste sie und tat zärtlich mit ihnen. Als der Mann aber näher trat, erschrak das holdselige Fräulein und verschwand sogleich vor seinen neugierigen Blicken. Er wusste nicht, wo es hinkam.

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