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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 16

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

16. Wie Rübezahl zwei ehrliche Handwerksburschen beschenkt

Zwei ehrliche Drechslergesellen aus dem Vogtland – sie kamen eben aus Polen und wollten wieder in ihre Heimat zurück – stiegen das Gebirge hinauf, um durch Böhmen ins Vogtland zu gelangen. Der eine war eine ehrliche Haut von Landwüst und freute sich gar sehr, dass doch die Leute hier im Gebirge wieder deutsch redeten, wenn man es just auch nicht verstünde, denn freilich in Landwüst sei einmal das schönste Deutsch. Wie er sich nun so freute, so sang er auch aus voller Kehle auf Landwüstisch:

Strouhschneiderle wist mich houb’n,
Geih ner here thou mers soug’n
Fei ball!

Der andere, so aus Klingenthal war, hatte dabei ganz andere Gedanken, dachte an seine Christel in Schöneck und wie bei aller Armut sie doch wohl noch sein werden könne, wenn es Gottes Wille wäre, und Genügsamkeit und Zufriedenheit im Herzen wohne. Als der Bruder Landwüster mit seinem Strohschneiderle fertig war, so sang er sich ein anderes Voigtländisches, und zwar zum Trost, und seine Stimme wurde recht kräftig und hell, als er an den Satz kam:

Wennch’s Hietel afsetz
Jß’s Häusle schoi deckt.

Den Kräuterklauber rührt es, wenn er das erzählt, denn es ist ihm auch in seiner Blütenzeit, die jetzt längst vorüber ist, manchmal so gewesen, und dachte er auch, wenn er sein Hütlein aufsetzte, so wäre sein Häuslein gedeckt. Warum soll da nicht eins auf dem Fleck heiraten?

Durch Steigen und Singen wurden sie aber endlich beide durstig. Es war ihnen ganz recht, als sie vor sich einen Baum sahen, der voller Äpfel hing, obwohl im wilden Wald sonst kein Obstbaum zu sein schien.

Neben dem Baum stand ein Bäuerlein, welches von Zeit zu Zeit am Baum schüttelte.

Sie gingen also hin, fragten den Mann, ob er die Äpfel verkaufe. Da er das bejahte, kauften sie ihm ein Schock ab und steckten sie ein. Sie waren noch nicht weit, so kam ihnen der Appetit an und sie langten einen Apfel heraus. Wie sie ihn aber anbeißen wollen, da war er ein Kieselstein. Sie probieren es mit einem anderen und mit mehreren, und es war ebenso. Nun entschlossen sie sich, wieder zurückzugehen und ihr Geld wieder zu fordern, aber sie fanden weder Bauer noch Apfelbaum.

Nur ein fremder Mann saß unter den Sträuchern und lachte sie weidlich aus, als sie ihm ihren Unfall erzählten. Ärgerlich über diesen albernen Spaß, wie sie es nannten, setzten sie hierauf ihren Weg fort. Da ihnen die Steine unnütz schienen, so schütteten sie, jeder die seinen, auf den Weg hin. Aber sie machen nicht kleine Augen, als jeder in seinem Häuflein ein Goldstück blinken sah und eine Stimme aus den Sträuchern heraus ihnen zurief: »Nehmt das nur als ein Zehrgeld, ihr Gesellen, weil ihr nicht getobt und geschimpft, sondern euren Schaden in Geduld ertragen habt.«

Nun, sie konnten es recht gut gebrauchen, denn bis Landwüst und Klingenthal war es noch weit.

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