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Felsenherz der Trapper – Teil 32.3

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 32
Die Belagerung von Fort Wallace
Drittes Kapitel
Der geheimnisvolle Feind

Fort Wallace, ein Viereck von Wällen, Palisaden und Wassergräben, lag am Nordufer des Smoky Hill River, sodass seine Südseite von den Wassern des Flusses bespült und seine tiefen, breiten Gräben durch diese auch gefüllt wurden.

All diese Forts an der Grenze der Indianergebiete waren fast in derselben Weise erbaut. Im durch die Wälle gebildeten Viereck standen die Blockhäuser für die Besatzung und das Haus des Kommandanten, das gleichzeitig als Innenfestung angelegt war, einen hohen Turm hatte und mit starkem Blech zum Schutz gegen Brandpfeile benagelt war. Auf den Wällen waren acht Vorderladekanonen verteilt, die ihre Kartätschenladung weit über den Fluss und bis zum Rand der das Fort umgebenden Hügel und Wälder senden konnten.

Die ebenso einfache wie praktische Anlage genügte denn auch meist zur Abwehr der roten Feinde.

Anders gestalteten sich dieses Mal die Dinge, als zwölf Stunden nach den soeben geschilderten Ereignissen am frühen Vormittag vor der kleinen, für den Empfang der Feinde gerüsteten Festung urplötzlich gegen zweitausend berittene Indianer auftauchten und das Fort sofort von der Landseite in weitem Halbkreis einschlossen.

Der Kommandant Captain Steamer hatte von seinen 120 Mann nur noch achtzig zur Verfügung. Vierzig der Kavalleristen waren, in Patrouillen von verschiedener Stärke eingeteilt, schon tagelang unterwegs und hatten sich offenbar nicht mehr durchschlagen können.

Captain Steamer war schon in der Nacht durch den Comanchenhäuptling Chokariga und den Trapper Tom Einaug, die nur mit knapper Not den Sioux noch entkommen waren, davon unterrichtet worden, dass er jede Stunde mit einem Angriff zu rechnen hätte.

So konnte er denn die vereinigten Sioux, Shoshoni und Utah durch zwei Kanonenschüsse in respektvoller Entfernung halten. Um neun Uhr vormittags näherten sich drei Rothäute ohne Waffen von Norden her, grüne Zweige schwingend, der Stelle des Nordwalles, wo in friedlichen Zeiten eine Zugbrücke über den Wassergraben führte.

Steamer, ein in den Grenzkämpfen ergrauter Soldat befahl, die Zugbrücke hinabzulassen, und begab sich mit zwei seiner Offiziere zu den Unterhändlern, die dreißig Schritt vor dem Graben haltgemacht hatten.

Die Sioux – es waren der Oberhäuptling Sastawura und zwei der ältesten Krieger – forderten die Übergabe des Forts und sagten der Besatzung freien Abzug mit Waffen auf dem Wasserweg zu. Ein großes plumpes Flachboot lag auf dem Fluss am Südwall vertäut und hätte die Besatzung bequem aufnehmen können.

Der grauhaarige Captain schickte die unverschämten Rothäute kurz unter Hinweis auf die Kanonen des Forts zurück, indem er sie seinerseits ermahnte, ihr Vorhaben aufzugeben und wieder in ihre Dörfer zurückzukehren.

Sastawura, ein hünenhafter Roter von verschlagenem Charakter, drohte jetzt, er würde die ganze Besatzung niedermachen, falls diese die Festung nicht bis zum Mittag geräumt hätte.

So verliefen die Verhandlungen denn, was vorauszusehen war, ohne jedes Ergebnis.

Steamer hatte die Zugbrücke kaum wieder hochziehen lassen, als er auch schon den Befehl gab, die Kanonen mit Vollkugeln zu laden und den Feinden zu beweisen, dass die Geschütze weiter trügen, als sie ahnten.

Noch war jedoch kein Schuss abgegeben, als alle Rothäute vom Vorgelände in die Wälder verschwanden. Mit einem Schlag war der busch- und baumfreie Gürtel um das Fort völlig leer.

Steamer hatte den berühmten Comanchenhäuptling und den nicht minder bekannten Trapper Tom Einaug in das große Blockhaus als Gäste aufgenommen. Er hatte von ihnen, die ja, auch Felsenherz’ Braunen mitgebracht hatten, den sie den Sioux glücklich entführt hatten, bereits erfahren, dass der blonde Jäger wahrscheinlich sehr bald versuchen würde, in das Fort hineinzugelangen. Die auf den Wällen postierten Wachen sollten denn auch alles tun, dem Trapper dies zu erleichtern. Nötigenfalls wollte Steamer, falls Felsenherz im Vorgelände verfolgt würde, einen Ausfall machen und die Rothäute zurückscheuchen.

Die Besatzung war trotz der erdrückenden Übermacht der Feinde bei gutem Mut. Man war mit Lebensmitteln und Munition für lange Zeit versehen, man hatte die Kanonen, die durch ihren Eisenhagel jeden Sturm aussichtslos erscheinen ließen, und verfügte auch über so zahlreiche Karabiner und Büchsen, dass jeder Mann drei für sich an den Palisaden bereitstellen konnte.

Nachmittags fünf Uhr geschah etwas, das die Zuversicht der Verteidiger arg ins Wanken brachte. Von Norden, Westen und Osten rollten die roten Belagerer Wände aus dicken Baumstämmen heran, denen selbst die Kanonenkugeln, wie sich bald zeigte, nichts anhaben konnten, da diese fünf Meter langen Schutzwände aus doppelten Lagen von Stämmen bestanden. Zwar durchschlugen die Eisenkugeln wohl die erste Schicht des Holzes, konnten aber die zweite doch nicht mehr durchdringen. Da außerdem diese auf plumpen Rädern stehenden Balkenwände immer zahlreicher wurden und schon gegen sieben Uhr abends in fünfzig Meter Entfernung vor dem Graben um die Landseite des Forts eine fortlaufende Linie bildeten, wo ferner weitere Schutzwände in Abständen von dieser Linie bis zu den Wäldern reichten, konnten die Rothäute, gedeckt durch diese Riesenschilde, einen engen Halbkreis um die kleine Festung schließen.

Mit Bangen sahen die Verteidiger der Nacht entgegen. Auch Chokariga wusste gegenüber dieser schlau erdachten Angriffsweise des listenreichen Sastawura dem Kommandanten keinen Rat zu geben, wie man die Rothäute, die langsam die hölzerne Mauer noch näher an die Gräben heranführten, vertreiben könnte.

So senkte sich denn die Dämmerung über das Fort herab. Bald war es so dunkel, dass die in großen Eisenkörben liegenden harzigen Scheite über den Palisaden angezündet werden mussten, damit die Wasserfläche der Gräben genügend beleuchtet würde, um die Rothäute unter Feuer nehmen zu können, sobald sie die Gräben zu durchschwimmen versuchten.

Das nur mit Gras bedeckte Areal war infolge wochenlanger Trockenheit völlig ausgedörrt.

Der Abendwind kam von Westen und wuchs gegen zehn Uhr zum Sturm an.

Captain Steamer und seine Offiziere machten gerade kurz nach zehn Uhr einen Rundgang um die Wälle, als im Westen am Waldrand plötzlich Flammenzungen hochleckten und blitzschnell sich weiter und weiter ausbreiteten.

Der Sturm trieb das Flammenmeer des lodernden Grases auf den hölzernen Wall der Angreifer zu, die jetzt scharenweise dem Wald zu flüchteten, wobei sie von den Wällen aus mit Kartätschen beschossen wurden.

Sastawura und die Häuptlinge der Shoshoni und Utah sahen ihre Krieger zu Dutzenden hingemäht werden. Ein anderer Grasbrand hatte auch auf der Ostseite des Forts kurz darauf sich weit und schnell ausgedehnt und es den Rothäuten unmöglich gemacht, sich hinter der hölzernen Mauer ostwärts zurückzuziehen.

Der Oberhäuptling der Sioux begriff nicht, wer sich durch die Wachen bis an die Waldränder vor geschlichen und die Feuer angelegt haben könnte. Zwei Männer mussten es mindestens sein, die den Belagerern diesen heißen blutigen Streich gespielt hatten. Sofort ließ Sastawura nun die Wälder sorgfältig absuchen. Mit Harzfackeln prüfte er selbst die Stellen, wo die Brände angelegt worden waren. Er sah, dass hier jede Spur sorgfältig verwischt worden war. Er konnte er sich denn keinen Aufschluss darüber verschaffen, wem er diese Verluste – etwa hundertvierzig Rothäute waren tot oder verwundet – verdankte.

Zu seiner namenlosen Wut machte ein Teil der Besatzung des Forts nun auch einen Ausfall und kippte die meisten Schutzwände um. Er sah sich vorläufig so um den Erfolg seiner List betrogen. Sofort ließ er jedoch neue Balkenwände herstellen, die bis zum Morgen fertig sein würden. Dann gab es für die geheimnisvollen Gegner, die den Grasbrand entfacht hatten, keine Möglichkeit mehr, in ähnlicher Weise seine Pläne zunichte zu machen.

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