Story-Tipps

Des Teufels Sohn

Archive
Folgt uns auch auf

Sammlung bergmännischer Sagen Teil 29

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


IV. Vermischte Sagen

10. Die Kirche zu Zellerfeld

Früher hat auf dem Zellerfelder Gottesacker auch eine Kirche gestanden. Wenn nun ein Bergmann umkommen sollte, so war die Nacht vorher die Kirche ganz erleuchtet, und wenn einer den Mut hatte, hineinzutreten, so sah er den Bergmann, welcher umkommen sollte, vor dem Altar im Sarg.

Einmal kam eine Frau des Nachts von Goslar mit einer Tracht grüner Ware. Die Frau sah die Kirche hell erleuchtet. Da sie ein mutiges Frauenzimmer war, ging sie hinein. Drinnen war es so hell wie von tausend Lichtern, obwohl nirgends eines zu sehen war. Vor dem Altar stand ein Sarg. In dem Sarg lag ihr eigener Mann als Leiche. Erschreckt eilte sie nach Hause und bat ihren Mann, doch am nächsten Tag nicht einzufahren. Aber der Bergmann hatte doch umkommen müssen, obwohl er nicht angefahren war. Denn als er sich des anderen Tags zum Schlafen auf die Ofenbank legte, fiel vom Gesimse ein Plätteisen herab, ihm gerade auf den Kopf, und tötete ihn auf der Stelle.


11. Der Stollen bei Blankenburg

Vormals waren bei Blankenburg zwei gräfliche Mühlen, die eine am Blässengehege, die Untermühle, und die andere da, wo der kleine Schot an den großen stößt, die Obermühle genannt. Zwei Brüder hatten diese Mühlen in Pacht. Der Jüngere, weil seine Mühle der Stadt näher lag, hatte oft Mahlgäste, wenn sein Bruder in der Obermühle keine hatte. Da wurde der Brotneid rege, und das Wasser im Teich an der Obermühle wurde der Untermühle vorenthalten. Darum ging einst der Untermüller mit einer Hacke hinauf, den Wasserlauf stärker zu machen. Da sich sein Bruder dem widersetzte, so kam es von Worten zu Tätlichkeiten. Der jüngere Bruder schlug mit der Hacke den älteren auf den Kopf, sodass er tot zur Erde fiel. Der Mörder wurde ins Gefängnis geführt, wo er einen Bergmann antraf, welcher gleichfalls das Leben verwirkt hatte. Beide sannen auf Rettungsmittel. Endlich machten sie den Vorschlag, dass sie die Stadt Blankenburg vom Wassermangel, welchen dieselbe bei einem schlecht angelegten Stollen im Tiergarten noch immer empfand, befreien wollten, wenn ihnen das Leben geschenkt würde. Sie trieben hierauf im Tiergarten einen Stollen am rechten Ort, die Stadt bekam Wasser, und die Übeltäter wurden begnadigt.


12. Verschüttete Silbergruben

Die reichsten Silberbergwerke am Harz waren die schon seit langen Jahren eingegangenen beiden Gruben: der große Johann und der goldene Altar. Davon geht folgende Sage: Vor Zeiten, als die Gruben noch gebaut wurden, war ein Steiger darüber gesetzt Der hatte einmal, als die Ausbeute groß war, ein paar reiche Stufen beiseitegelegt, um, wenn der Bau einmal schlechter und ärmer würde, damit das Fehlende zu ersetzen und immer gleichen Gewinn hervorzubringen. Was er also in guter Absicht getan hatte, das wurde von anderen, die es bemerkt hatten, als ein Verbrechen angeklagt und er zum Tode verurteilt. Als er nun niederkniete und ihm das Haupt abgeschlagen werden sollte, da beteuerte und beschwor er nochmals seine Unschuld und sprach: »So gewiss bin ich unschuldig, dass mein Blut sich in Milch verwandeln und der Bau der Grube aufhören wird. Wann dem gräflichen Haus, dem diese beiden Bergwerke zugehören, ein Sohn geboren wird mit Glasaugen und mit Rehfüßen, und er bleibe am Leben, so wird der Bau wieder beginnen. Stirbt er aber bald nach seiner Geburt, so bleiben sie auf ewig verschüttet.

Als der Scharfrichter den Hieb getan und das Haupt herabfiel, da sprangen zwei Milchströme statt des Blutes schneeweiß aus dem Stumpf in die Höhe und bezeugten seine Unschuld. Auch die beiden Gruben gingen alsbald ein. Nicht lange danach wurde ein junger Graf mit Glasaugen und Rehfüßen geboren, aber er starb gleich nach der Geburt, und die Silberbergwerke sind nicht wieder aufgetan, sondern bis auf diesen Tag verschüttet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.