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Reklame muss sein!

W. Granville Schmidt
Reklame muss sein!
Eine Gaunergeschichte
Aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, 1914, Band 2

»So, das hätten wir hinter uns! Achtzehn Monate in diesem Kasten nehmen doch bös’ mit.«

Der Sprecher, ein ungefähr dreißigjähriger Mann mit scheuem Blick und verschlagenen Gesichtszügen, warf noch einen hasserfüllten Blick auf den düsteren Backsteinbau des Zentralgefängnisses und zog dann die schwere eiserne Ausgangspforte hinter sich ins Schloss.

Sein jüngerer Gefährte nickte und entgegnete in einem Anflug von Galgenhumor: »Vorteilhaft haben wir uns jedenfalls nicht verändert. Du siehst im Gesicht wie eine Wasserleiche aus, und ich, als hätte man mich eben aus der Mehlkiste gezogen. Deinen Spitznamen, der schöne Adolf, verdienst du wahrhaftig nicht mehr.«

Der andere sah ingrimmig an seiner schlotternden Kleidung hinab und brummte: »Vierzig Pfund habe ich mindestens abgenommen. Und in dieser Kluft können wir uns in der Stadt nicht sehen lassen. Wir müssen uns vor allen Dingen neu einkleiden.«

»Nee, vor allen Dingen möchte ich anständig essen und mein Diner selbst bestimmen.«

Der Ältere lachte rau auf, erwiderte aber nichts.

Schweigend schritten sie den staubigen Feldweg entlang, der zu der Stadt führte.

 

***

 

Eine Stunde später verließen die beiden Gefährten neu eingekleidet ein Trödelgeschäft in der Vorstadt.

»Ich fühle mich wie neugeboren«, stellte der schöne Adolf mit innerer Befriedigung fest und zupfte sich noch einmal die Weste seines mausgrauen Jackettanzuges zurecht.

Auch der Jüngere machte sich ganz vorteilhaft in seinem neuen Sommeranzug. Von Zeit zu Zeit streiften seine Blicke wohlgefällig die scharf gekniffte Bügelfalte in den Beinkleidern.

»Wie ‘n Graf!«, spöttelte der Ältere, der die Eitelkeit seines Begleiters kannte. Ernster werdend fügte er hinzu: »Nun ist mein Vermögen aber auch mächtig zusammengeschmolzen. Wenn wir nicht bald was drehen können, sitzen wir auf dem Trockenen!«

»Ach was! Jetzt wollen wir erst einmal da drüben in die Weinstube. Mir ist ganz schwach. Das macht ja wohl die ungewohnte Freiheit. Eine Pulle Wein können wir uns schließlich zur Feier des Tages noch genehmigen. Wir können da gleich ungestört über unser nächstes Geschäft sprechen.«

Der schöne Adolf zog missmutig die Schultern hoch, folgte aber doch seinem jüngeren Gefährten über die Straße. Vor dem Lokal musterte er sich noch einmal schnellen Blickes. Die Gewissheit, gut gekleidet zu sein, gab ihm schnell die alte, im Gefängnis verlorene Sicherheit wieder. Mit einem herablassenden Kopfneigen erwiderte er den Gruß des Kellners.

Behaglich ließen sie sich in einer versteckten Ecke auf dem Plüschsofa nieder. Als der Wein vor ihnen stand, leerten sie das erste Glas vergnügt auf die wiedergewonnene Freiheit.

Eine Weile saßen sie so in flüsterndem Gespräch, als zwei sehr elegant gekleidete Herren das Lokal betraten. Augenscheinlich schienen sie in der Weinstube bekannt zu sein, denn der eine Inhaber selbst begrüßte sie sehr entgegenkommend.

Die Herren nahmen in einem Verschlag Platz, neben dem die beiden Kumpane saßen. Dort unterhielten sie sich ziemlich laut.

So erfuhren die Lauschenden bald, dass der eine Herr kein Geringerer war als der berühmte Geigenvirtuose Viktor Isaro. Sein Begleiter war zweifellos sein Impresario.

Anfangs horchte der schöne Adolf nur gewohnheitsmäßig, aber plötzlich stellte er sein Weinglas geräuschlos nieder und ermahnte den Kameraden durch einen warnenden Blick, still zu sein, denn die Unterhaltung in der Nebenbox nahm eine unerwartete Wendung.

Viktor Isaro schien schlechter Laune zu sein. Seine Stimme hatte einen grämlichen Klang, als er, zu dem Impresario gewandt, meinte: »Ich bin gar nicht recht zufrieden, mein lieber Landsky. Das vorige Konzert war viel besser besucht. Damals waren schon am Tag vor meinem Auftreten alle Karten ausverkauft, diesmal waren es kaum sechshundert. Es ist, als ob das Interesse des Publikums für mich erlahmte.«

Der Impresario rieb sich sinnend die Stirn.

»Ja, Sie haben recht. Wir müssen mal wieder etwas ausfindig machen, das Ihren Namen wieder mehr in den Mund der Leute bringt. So ein kleines Sensatiönchen könnte absolut nicht schaden. Voriges Jahr hatten wir ja die Sache mit der kleinen Amerikanerin, die Sie wegen Bruch des Eheversprechens auf eine halbe Million Schadenersatz verklagte. Vor zwei Jahren die Duellgeschichte. Ja, ja, ich sage immer: Reklame muss sein!«

Viktor Isaro winkte ungnädig ab. »Der Schwindel hat mich Geld genug gekostet. Erst gab der Kerl sich mit fünf blauen Scheinen zufrieden, und nachher verlangte er noch weitere fünf unter der Drohung, es sonst in die Presse zu bringen, dass das ganze Duell nur eine von mir in Szene gesetzte Komödie war und dass wir mit Platzpatronen geschossen haben. Nein, Landsky, eine etwas originellere Reklame müsste es schon sein. Etwas ganz Neues, damit kein Verdacht erweckt wird.«

Der Impresario starrte nachdenkend in sein Glas. Dann sagte er: »Schön – sollen Sie haben. Wenn nicht morgen die ganze Stadt von Ihnen spricht, dann will ich – ich wollte sagen, dann soll mein bester Freund auf der Stelle tot umfallen!«

»Schießen Sie los, Landsky! Sie wissen, Geld spielt bei mir keine Rolle.«

Landsky nahm einen tiefen Zug aus seinem Glas. »Sie wissen doch, was für einen Aufruhr es gegeben hat, als die Mona Lisa gestohlen wurde. Mit einem Schlag waren Paris und der Louvre in jedermanns Mund. Was meinen Sie nun, wenn Ihnen plötzlich die Geige abhanden käme, Ihre berühmte Stradivari, auf der schon Paganini gespielt hat? Das wäre eine Sensation allerersten Ranges. Die Presse wird den Fall bearbeiten, in den Kaffeehäusern wird man von nichts anderem reden – kurz und gut: Sie bilden das Tagesgespräch.«

Der Violinvirtuose hob entsetzt die Hand: »Aber, bester Landsky, welch wahnsinnige Idee! Meine Violine sollte ich mir stehlen lassen? Meine Stradivari, die einfach unersetzlich ist, für die mir Pierpont Morgan sofort eine Million Dollar in bar auf den Tisch zahlen wollte? Nein, ich begreife einfach nicht …«

»Verehrtester, wozu die Aufregung! Natürlich soll die Geige nur zum Schein gestohlen werden. Hören Sie mich an. Ich kenne hier in der Stadt einen Filmfabrikanten, der Aufnahmen für Kinematografentheater liefert. An den wenden wir uns vertrauensvoll. Er wird uns ein paar als Einbrecher verkleidete Mitglieder seiner Truppe schicken, und Sie können sich darauf verlassen, dass die Leute den Einbruch bis ins Kleinste täuschend inszenieren werden. Er hat nur bewährte Kräfte, auf deren Ehrlichkeit und Geschicklichkeit wir uns vollauf verlassen können. Sowie die Pseudoeinbrecher die Geige im Besitz haben, werden sie sich mit ihrer Beute zu Herrn Vangelow begeben, und von dort holen wir sie zu gelegener Zeit wieder ab. Es heißt dann eben, ein von uns engagierter Privatdetektiv hat sie wieder aufgespürt, oder der Dieb hat sie, von Gewissensbissen gepeinigt, anonym zurückgesandt, nachdem er erfahren hatte, welchem gottbegnadeten Künstler sie gehört. Nicht wahr, der Plan ist famos und ohne Risiko?«

»Sie sind ein Genie, Landsky!«, rief Isaro begeistert und schenkte neu ein. »Wahrhaftig, das wird eine Sensation werden, und ich werde mit meiner Geige einmal wieder das Tagesgespräch. Die Leute werden allein schon deshalb in hellen Scharen kommen, um zu hören, ob ich mein Reserveinstrument ebenso beherrsche. Wissen Sie was – meine Ehrengaben von Fürstlichkeiten müssen mir Ihre famosen Einbrecher auch noch stehlen. Die Liste der gestohlenen Sachen wird ja in allen Tageszeitungen unter Angabe des Schenkers veröffentlicht werden. Dann wird das Publikum doch einmal wieder daran erinnert, dass mir der Zar eine kostbare Uhr, der König von Spanien eine wundervolle Busennadel und der Sultan einen prächtigen Diamantring verehrt haben. Ich kann ja meinen Schmuckschrank offen stehen lassen, damit die Einbrecher nicht zu viel Zeit verlieren …«

»Nein, es ist besser, wir verschließen die Sachen. Das Schloss ist ja sehr leicht herauszunehmen. Wenn nicht ein bisschen Gewalt angewendet wird, könnte es leicht Verdacht erregen. Ihre Idee ist übrigens vorzüglich.«

»Schmeichler!«, entgegnete Isaro lächelnd und fuhr dann eifrig fort: »Natürlich müssen wir diesen Plan unverzüglich ins Werk setzen. Ich brenne darauf, wieder Mittelpunkt zu werden und die Leute reden zu machen. Wann kann die Sache also gemacht werden?«

»Noch Morgen in aller Frühe, damit schon die Morgenzeitungen berichten können. Vielleicht wird gar ein Extrablatt erscheinen.« Der Impresario rieb sich schmunzelnd die Hände, ehe er fortfuhr: »Ich gehe noch heute Nachmittag zu Direktor Vangelow. Zwei Leute stehen uns immer von seinen bewährten Kräften zur Verfügung. So zwischen vier und fünf Uhr morgens finden die meisten Einbrüche statt, denn um diese Zeit schlafen die Menschen am tiefsten. Es genügt wohl, wenn die beiden Leute um halb oder ein Viertel fünf kommen. Wir verstecken uns vorher im kleinen Gartenhäuschen. Von dort können wir die ganze Front der Villa übersehen, und Sie können sich durch den Augenschein überzeugen, wie gewandt die Leute arbeiten. Sowie die Einbrecher verschwunden sind, verlassen wir den Gartenpavillon, begeben uns ins Haus und legen uns zur Ruhe, als ob nichts passiert sei. Wenn dann die Dienstboten um sechs zum Reinemachen kommen, werden sie uns schon wecken. Also, abgemacht: Die Geige sollen sie holen und die Geschenke der Fürstlichkeiten! Ich werde Herrn Vangelow noch instruieren, dass seine Leute das Schloss vom Silberschränkchen nicht sprengen und dadurch den ganzen Schrank verderben, sondern dass sie es möglichst glatt herausstemmen.«

»Teilen Sie dem Herrn auch mit, dass ich die Geige und den Silberschrank im Balkonzimmer belassen will, damit die Leute nicht mit Suchen zu viel Zeit verlieren«, warf Isaro ein.

»Wird alles gemacht! Sie sollen schon mit mir zufrieden sein«, versicherte der Impresario siegesgewiss. »Sie sollen sehen, der Erfolg wird enorm. Wie gesagt, meine Devise ist: Reklame muss sein!«

Gleich darauf zahlten die Herren und verließen das Lokal.

Auch der schöne Adolf winkte den Kellner heran, und während er die Zeche berichtigte, horchte er den jungen Menschen geschickt über die Lage der Isaro‘schen Villa aus.

Als die beiden Kameraden ins Freie traten, sahen sie sich mit verständnisinnigem Grinsen in die Augen.

Der Jüngere meinte: »Du, ich glaube, die Flasche Wein macht sich bezahlt. Ich bin pünktlich da und werde noch heute Abend telefonieren, damit wir freie Bahn haben.«

Einen festen Händedruck wechselten sie noch, dann trennten sich ihre Wege.

 

***

 

Kurz nach vier Uhr morgens klopfte der Impresario, der das Fremdenzimmer in der Isaro‘schen Villa bewohnte, an die Schlafstubentür des Virtuosen.

Viktor Isaro öffnete ihm verdrießlich. »Ich habe eine recht unruhige Nacht gehabt, mein lieber Landsky. Sie wissen ja, wie nervös ich bin. Wenn nur alles ordentlich klappt?«

»Keine Sorge!«, tröstete der Impresario. »Ein kleiner Nervenkitzel lässt sich nicht vermeiden. Große Ereignisse werfen eben ihre Schatten voraus.«

Er lachte selbstgefällig über seine Bemerkung und schritt dem Künstler leise voran die breite Treppe vom Oberstock hinab. Unten öffneten sie geräuschlos die Haustür.

Es war Spätsommer, und draußen wurde es eben erst dämmerig. Fröstelnd traten sie in den Vorgarten hinaus und eilten zu dem kleinen Pavillon, der hart an dem Gitter lag, das den Garten von der Straße trennte. Als sie die fensterlose Tür hinter sich zugezogen hatten, stellten sie sich an das winzige ovale Seitenfenster auf ihren Beobachtungsposten. Von hier aus hatte man die Front der Villa gerade vor sich und konnte das Balkonzimmer zum Teil übersehen.

Reichlich eine Viertelstunde verging, die den Harrenden zu Ewigkeiten wurde, da knarrte leise die Gartenpforte, und zwei Männer betraten den Kiesweg. An dem Pavillon vorbei gingen sie geradewegs auf das Haus zu.

»Aha, endlich!«, seufzte Isaro.

»Nun passen Sie nur gut auf!«, mahnte Landsky. »Sie werden Ihr Wunder erleben, wie die Leute klettern können.«

Wirklich entwickelten die beiden Männer eine fabelhafte Geschwindigkeit. Der Größere von beiden kletterte auf des Gefährten Schulter und von da, die Mauervorsprünge benutzend, auf den Balkon im ersten Stock. Aus einem Sack, den er bei sich führte, holte er eine Strickleiter hervor und befestigte sie am Geländer. Jetzt klomm auch der Zurückgebliebene mit Leichtigkeit hinauf.

Sachgemäß drückte der eine einen mit Seife bestrichenen Lappen gegen die Scheibe der Balkontür, bis das Glas mit leichtem Knistern barst und die Splitter an dem Lappen hängen blieben.

Dann verschwanden die beiden im Inneren des Zimmers.

Isaro hatte den Vorgang mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgt. »Fabelhaft«, lobte er, »wie die Kerle geschwind und geräuschlos zu Werke gehen! Besser hätten professionelle Einbrecher es auch nicht gekonnt.«

»Na ja, habe ich es nicht gesagt!«, triumphierte Landsky, der sich schon im Besitz einer fürstlichen Belohnung für seine smarte Reklameidee sah. Plötzlich zuckten die beiden Beobachter zusammen. Ein schwerer Schritt näherte sich auf der Straße, und wenige Augenblicke später klinkte wiederum die Gartenpforte.

»O weh, das ist der Wächter!«, stöhnte Isaro. »Ich habe vergessen, ihn gestern Abend abzubestellen. Wenn er das zertrümmerte Fenster sieht, schlägt er Lärm und bringt uns damit in eine fatale Lage. Es hilft nichts, wir müssen ihn einweihen, wenn auch noch ein blauer Lappen flöten geht.«

In diesem Augenblick hatte der Wächter auch schon die scheibenlose Balkontür bemerkt. Er zauderte und machte dann Miene, auf das Haus zuzueilen.

Geschwind steckte der Impresario den Kopf zur Tür hinaus und winkte den Mann durch einen leisen Anruf heran.

Der machte ein recht einfältiges Gesicht, als er Isaro selbst gewahrte. Aber als der ihm in Kürze den wahren Sachverhalt mitteilte und ihm ein blaues papierenes Schweigegeld in die Hand drückte, wollte er sich königlich amüsieren und stellte sich ebenfalls mit ans Fenster.

Zehn Minuten vergingen, da tauchten die beiden Einbrecher wieder im Türrahmen auf. Der eine trug den Geigenkasten, der andere einen ziemlich prallgefüllten Sack.

Behände kletterten sie die Strickleiter hinab.

»Na ja«, meinte der Wächter bedächtig, »da ist es kein Wunder, wenn die Bilder im Kientopp immer so natürlich sind. Die können es reichlich so gut wie ein paar abgefeimte Spitzbuben. Der eine hat ‘n richtiges Galgengesicht und hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem berüchtigten Adolf Pingel – wissen Sie nicht mehr, der erst vor zwei Jahren zu Zuchthaus verurteilt wurde. Ich habe sein Bild damals in der Zeitung gesehen.«

Die beiden Einbrecher hatten inzwischen den Erdboden erreicht. Sie kamen nicht wieder an dem Pavillon vorbei, sondern überquerten im Geschwindschritt den Rasen und schwangen sich über die seitliche Einfriedung, die auf eine Nebenstraße führte.

Sowie sie verschwunden waren, verließen die drei ihren Beobachtungsposten.

»Was wohl in dem Sack war?«, forschte Isaro nachdenklich.

»Ihr Geschirr. Vielleicht haben Sie auch noch ‘n bisschen anderen Plunder mitgehen lassen, um die Sache natürlicher zu machen«, meinte der Impresario, der sehr viel von der Darstellungskunst dieser Kintoppschauspieler hielt.

Der Virtuose schickte den Wächter nach Hause und begab sich dann mit dem Impresario lautlos nach oben.

Als er die Tür zum Balkonzimmer öffnete, blieb er mit einem Ausruf peinlichster Überraschung stehen.

In dem Zimmer sah es wüst aus. Alle Behälter waren aufgebrochen, und der Inhalt der Schreibtischschubladen lag zerstreut auf dem Perserteppich.

»Zum Teufel«, zürnte der Künstler, »die Leute haben ihre Mission aber gar zu naturgetreu ausgeführt! Etwas mehr Schonung hätte ich doch erwartet!«

Plötzlich weiteten sich seine Augen, und seine Finger umkrampften des Impresarios Arm.

Keuchend kam es über seine Lippen: »Landsky, um Gottes willen, das Geheimfach im Schreibtisch, das geschlossen war, ist ja auch geöffnet! Dort lagen noch ungefähr fünfzehntausend Mark in Wertpapieren. Und die beiden schwersilbernen Leuchter auf dem Kamin – wo sind die geblieben?«

»Ich – ich weiß nicht!«, stammelte der Impresario erbleichend und blickte mit stieren Augen umher.

Da wurden unten im Garten leise, knirschende Schritte vernehmbar.

Nichts Gutes ahnend trat Isaro auf den Balkon hinaus und bemerkte drei Männer, von denen der eine gerade eine Leiter an die Hauswand lehnen wollte.

»Was wollen Sie hier?«, rief der Künstler vom Balkon«

»Landsky, schnell kommen Sie her und bringen Sie meinen Revolver aus dem Schlafzimmer mit!«

Der auf der Leiter Stehende prallte erschrocken zurück und zog schnell ein Papier aus der Brusttasche. Entrüstet rief er dann: »Aber Herr, was wollen Sie eigentlich? Wir kommen von Herrn Vangelow und sind hier herbestellt. Hier ist eine Legitimation, die hat Herr Vangelow uns für alle Fälle mitgegeben.«

Viktor Isaro war aus allen Himmeln gefallen. »Hier sind aber eben doch schon zwei Leute gewesen. Um halb fünf kamen sie, und zu der Zeit hatte ich sie auch bestellt. Warum kommen Sie denn jetzt erst?«

Der Mann auf der Leiter zuckte beleidigt die Schultern. »Wir sind pünktlich gekommen. Ihr Impresario hat noch gestern Abend telefoniert, wir sollten erst um fünf kommen, halb fünf sei Ihnen noch zu früh.«

»Das ist mir nicht eingefallen«, beteuerte Landsky, der auch auf den Balkon hinaus getreten war. »Ich bin gestern Nachmittag persönlich bei Ihrem Chef gewesen und weiß nichts von einer telefonischen Bestellung.«

»Dann sind wir reingelegt worden durch ein paar echte Gauner!«, ächzte Isaro ganz gebrochen. »Oh, Landsky, Sie sind ein – sind ein …!«

Er sprach lieber nicht aus, was er dachte, sondern wankte ins Zimmer zurück.

Ein weißer Zettel, der ihm jetzt erst auffiel und der auf der Kante des Schreibtisches lag, enthielt folgende, mit Bleistift hingekritzelte Worte: »Geehrter Gönner! Nach einer längeren Ruhepause, die wir uns unfreiwillig auferlegen mussten, hatten wir nun endlich einmal wieder Gelegenheit, zu beweisen, dass wir unsere Arbeit noch nicht verlernt haben. Den Ruhm wollten wir uns nicht nehmen lassen, und Sie wissen ja – Reklame muss sein!«

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