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Slatermans Westernkurier 06/2018

Auf ein Wort, Stranger, wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Es erübrigt sich wohl, zusätzlich Begriffe wie Freitag den 13., schwarze Katzen oder zerbrochene Spiegel mit ins Spiel zu bringen, denn nach dem Lesen dieser Überschrift ist wohl jedem klar, mit was für einem Thema wir uns diesmal in unserem Westernkurier beschäftigen.

Vielleicht wird sich jetzt der eine oder andere fragen: Aberglaube im Wilden Westen – geht das eigentlich oder passt dieses Thema nicht eher in den Bereich Mittelalter oder Berichte über primitive Zivilisationen?

Die Antwort ist, ja, es geht, und zwar gerade im Wilden Westen.

Der Begriff Aberglaube wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch mit Unvernunft und Unwissenschaftlichkeit gleichgesetzt und steht dem lateinischen superstitio nahe. Er kann auch als falsche Einsicht in die Natürlichkeit von Geschehnissen interpretiert werden.

Aberglaube findet sich im Leben und Handeln von Menschen in allen Kulturen und Zeiten.

Gerade bei der ländlichen Bevölkerung der amerikanischen Pionierzeit, Trapper wie Siedler, Cowboys, Büffeljäger oder einfache Farmer, die tagtäglich den Naturgesetzen der Wildnis unterworfen und bis in die letzte Faser ihres Seins davon überzeugt waren, dass das Leben an sich schon allen Sinn in sich trägt, wurzelte zwar der christliche Glaube, aber gleichzeitig waren es gerade sie, die durch die Abgeschiedenheit des Landes, den Kräften der Natur, die für einen Europäer geradezu unfassbar waren, und durch den Kontakt mit den Indianern gewisse Vorstellungen verinnerlichten, mit denen sie Unerklärliches zu erklären versuchten.

Diese Vorstellungen manifestierten sich zusammen mit den Bauernregeln ihrer alten Heimat und dem dortigen Aberglaube innerhalb einer Generation zu unumstößlichen Thesen, die, je mehr sie die pragmatische und nur in Zahlen denkende Stadtbevölkerung infrage stellte, zu ehernen Gesetzen wurden.

 

*

 

Eine dieser Thesen besagte, dass es den Tod bedeutete, wenn nachts Hunde heulen oder Fruchtbäume Blüten außerhalb der Zeit tragen, eine andere, wenn plötzlich ein Bild von der Wand fällt oder plötzlich ein Vogel ins Haus fliegt.

Es bedeutete Unglück, wenn man drei schwarze Krähen sah, einem Baby die Fingernägel schnitt, bevor es ein Jahr alt war, oder wenn man beim Auszug alle alten Besen mitnahm.

Auch das Wetter war damit zu erklären.

Fliegen ballen sich ums Haus, wenn Regen kommt.

Da Regen im Wüstenklima des Westens lebensnotwendig war, wurden gerade hierbei die Zeichen besonders sorgfältig beachtet.

Es war allgemein bekannt, das es regnen würde, wenn der Gelbhalskuckuck zweimal rief oder die Pferde am Abend spielten und die Sturmwolken gegen den Wind zogen.

Regen zu Ostern bedeutete sieben Sonntage hintereinander Regen, und wenn es um 7 Uhr morgens regnete, dann wurde es um 11 wieder klar.

Einen milden Frühling sagte man voraus, wenn der März wie ein Raubtier kommt und geht wie ein Lamm, und der Schnee ließ nicht lange auf sich warten, wenn der Rauch am Boden bleibt oder wenn Schweine warme Nester bauen.

An bestimmten Tieren und ihrem Verhalten ließ sich auch die unmittelbar bevorstehende Zukunft deuten.

Wenn du die erste Schlange tötest, die du im Frühjahr siehst, wirst du allen deinen Widersachern in diesem Jahr trotzen.

Wenn du eine Schlange tötest, wackelt der Schwanz, bis die Sonne untergeht, und Pferdehaare verwandeln sich in Würmer, wenn sie einige Tage im Wasser liegen.

Es kündigte sich Besuch an, wenn eine Katze ihr Gesicht putzt oder wenn beim Spülen ein Löffel zu Boden fiel.

Allgemein Glück bedeutete es, wenn man das Haar eines Hundes, der einen gebissen hatte, bei sich trug und für die Hochzeit war Mittwoch der beste Tag und Freitag der schlechteste.

 

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Die meisten dieser Regeln sind wohl jedem Bewohner der westlichen Welt bekannt, auch wenn es von Land zu Land verschiedene Versionen davon gibt. Man nimmt sie zur Kenntnis, belächelt sie und erinnert sich eigentlich nur an sie, wenn man daraus einen persönlichen Nutzen oder Spaß ziehen kann. Schadenfreude am 1. April zum Beispiel oder das Bleigießen an Silvester, das Bewerfen der Braut mit Reis usw.

In unserer globalisierten und ach so optimierten Welt ist eben kein Platz mehr für solcherlei Dinge, zumal die Wissenschaft fast alles davon untersucht und als Humbug deklariert hat.

Fast alles!

Denn es gibt noch einige Menschen, gerade solche, die besonders naturnah leben, die noch eine gewisse Spiritualität und mystische Denkweise besitzen, die selbst mit modernsten Mitteln nicht zu erklären ist.

Gerade in den unendlichen und menschenleeren Weiten der amerikanischen Wildnis gibt es noch heute aus dem Aberglauben heraus entstandene Dinge, die wohl für immer unerklärbar sein werden, stellvertretend dafür sei der Goatman, Bigfoot, Jackalope oder der Wendigo genannt.

Also aufgepasst, nie jemanden vor seinem Geburtstag gratulieren, freitags zu einer Reise aufbrechen oder ein Haus durch eine andere Türe verlassen als durch jene, durch die man hereingekommen ist.

Wir wollen doch nicht, dass ein Unglück passiert, oder?

Quellenangabe:

  • H. J. Stammel, Der Cowboy, Legende und Wirklichkeit, ISBN 3570054381

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