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Slatermans Westernkurier 04/2018

Auf ein Wort, Stranger, warum musste James Averell sterben?

James Averell kam als Jüngstes von sieben Kindern von John und Sarah Ann Averell am 20. März 1851 im Renfrew County im Bundesstaat Ontario, Kanada, zur Welt.

Sein Vater starb kurz nach seiner Geburt.

Die Familie übersiedelte nach Amerika, wo sich James mit 20 in Fort Douglas, Utah, zum Militär meldete. Später wurde er nach Fort Fred Steele in Wyoming abkommandiert. Seine Armeezeit beendete er schließlich in Wyoming in Fort Mc Kinley.

Am 23. Februar 1882 heiratete er ein blutjunges Mädel namens Sophie Jaeger, die keine sechs Monate später mitsamt ihrem erstgeborenen Sohn an Kindbettfieber verstarb.

James erwarb nach den Statuten des Heimstättengesetzes ein Stück Land, das er schon bald wieder aufgab, weil er im Gegensatz zu seinem Vater in landwirtschaftlichen Dingen einfach kein glückliches Händchen hatte.

1886 erwarb er unweit von Independence Rock, in der Nähe des Sweetwater River, also mitten im Viehzuchtgebiet von Wyoming, eine neue Parzelle. Aber er hatte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Ein kleines Gemüsegärtchen war alles, was er in Sachen Landwirtschaft bewerkstelligte. Er baute einen Store mit angrenzendem Saloon für die immer zahlreicher werdenden Neusiedler und die Cowboys der umliegenden Ranches.

Dabei lernte er seine Nachbarin Ellen Kate Watson kennen und lieben.

Ellen, die recht passabel aussah, verdiente sich zu ihrem kargen Lohn als Farmerin ein Zubrot, indem sie in Averells Saloon auftrat und den Männern dort etwas vorsang und mit ihnen tanzte. Da sie ihre Gage in der Regel in Naturalien verlangte, hauptsächlich gebrechliche oder ausgesonderte Rinder, bekam sie bald den Beinamen Cattle Kate.

Im Herbst desselben Jahres war sie fast nur noch auf Averells Anwesen anzutreffen.

Damit nahm das Unglück seinen Lauf.

 

*

 

Der Winter 1886/87 war extrem lang und ungewöhnlich kalt.

Auf den Weiden erfroren die Rinder zu Hunderten.

Die Rancher erlitten fürchterliche Verluste.

Die Spannungen zwischen den Neusiedlern, die nach dem Heimstättengesetz ihre Parzellen im County völlig legal erworben und abgesteckt hatten, und den Ranchern, die dieses Land nach wie vor für sich als freie Weide beanspruchten, spitzten sich immer mehr zu.

Es kam zu den ersten Gewalttaten.

James Averell, der als ehemaliger Student der Cornell Universität und durch seine langjährige Armeezeit nicht nur klug, sondern auch ziemlich redegewandt war, machte sich zum Sprecher der Siedler und lenkte durch zahlreiche Schreiben an die Redaktionen verschiedener Zeitungen und an Regierungsstellen das allgemeine Interesse auf die rüden Methoden der Viehzüchter.

Daraufhin beschuldigten diese Averell und seine Partnerin Cattle Kate des Viehdiebstahls.

Aber James ließ sich nicht einschüchtern.

Als A. J. Bothwell, der mächtigste der Viehbarone, damit drohte, sein gesamtes Weidegebiet gegen Neusiedler abzusperren, erreichte er mit einem geharnischten Protestschreiben in Washington, dass der Großrancher diese Absicht aufgeben musste.

Die Viehzüchter kochten vor Wut.

In der Nacht zum 20. Juli 1889 erschienen die Rancher Bothwell, Tom Sun, John Durbin, E. McLain, Bud Connor, R. M. Galbraith und George Henderson vor Averells Drugstore und hängten diesen und Cattle Kate ohne viel Federlesen an den nächsten Baum.

Averell war zu diesem Zeitpunkt noch keine 39 Jahre alt.

Der feige Lynchmord war schließlich der Auslöser jener Auseinandersetzung, der als Johnson-County-Weidekrieg in die Annalen des Wilden Westens einging.

Historiker wissen heute, dass die Anschuldigungen gegen Averell und Ellen Watson völlig haltlos waren.

Die beiden waren unschuldig!

Quellenhinweis:

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