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Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger
Ein Heftromanfan zum Thema Jerry Cotton, Perry Rhodan und Co.

Meine Helden sind unsterblich.

Manche groß gewachsen, mit stahlblauen Augen und tief geschnallten Colts, manche mit weißem Kittel oder im Raumanzug. Andere gar von blauem Blut oder in Pfarrrobe oder Lederhose.

Aber egal, ob in den Straßenschluchten von New York oder in der Unendlichkeit des Weltalls, in den Weiten der Prärie, vor dem Hintergrund der Alpen, in unheimlichen Gemäuern oder in einem neonlichtdurchfluteten, steril wirkenden Krankenhausflur; ihre Erlebnisse und Abenteuer haben stets ein Happy End.

Mit diesem Wissen fiebern sowohl ich als auch Millionen von Männern und Frauen jeder Altersstufe Woche für Woche mit unseren Helden mit, deren Namen inzwischen genauso zahlreich sind wie die Anzahl der Jahre, seit es diese Art von Romanen gibt.

Eine genaue Aufzählung dieser Heroen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher an dieser Stelle nur eine Auflistung der Bekanntesten im deutschsprachigen Raum, als da wären Billy Jenkins, Rolf Torring, John Drake, Kommissar X, Jerry Cotton, Dr. Norden, Lassiter, Perry Rhodan, John Sinclair, der Bergpfarrer, Professor Zamorra, Dr. Stephan Frank, der Arzt, dem sie vertrauen können, und Maddrax.

Kenner der Szene mögen mir verzeihen, wenn ich den einen oder anderen Namen aus diesem Genre nicht erwähnt habe, aber wie bereits geschrieben, würde eine solche Auflistung bis zur Unendlichkeit ausufern und schließlich soll dies ein unterhaltsamer Beitrag sein und keine trockene Aneinanderreihung irgendwelcher Namen und Jahreszahlen.

Heftromane gelten im besten Fall als trivial, trotzdem sind sie bereits seit mehr als siebzig Jahren auf dem Markt.

Viele rümpfen verächtlich die Nase, wenn sie hören oder sehen, dass jemand Groschenromane liest, und oft leugnen sogar deren Leser selber, dass sie nur allzu gerne in die Welt der gut aussehenden Ärzte, Pfarrer, Grafen und Agenten eintauchen.

Ich denke, es ist dasselbe Phänomen wie bei jener Zeitung mit den vier großen Buchstaben.

Jeder kennt sie, keiner will sie gekauft, geschweige denn gelesen haben, aber trotzdem erscheint sie täglich in vielfacher Millionenauflage.

Wie auch diese Zeitung gilt hierzulande die Meinung, dass die Groschenromane trivial und Lektüre für intellektuell Minderbemittelte sind.

Das ist ungerecht.

Okay, Inhalt und Sprache sind einfach strukturiert. Es bedarf lediglich kurzer Sätze, einer guten Mischung aus Dialog und Erzählung, vieler Adjektive, einer Prise Herzschmerz und einem Happy End. In der Tat trivial, aber es geht schließlich nicht um irgendwelche nobelpreisverdächtige literarische Ergüsse, sondern schlicht und einfach um Entspannung; und die ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Der eine sitzt auf dem Sofa und liest Automagazine, die andere Modezeitschriften, Kochanleitungen oder Gartenhefte.

Haben die etwa einen intellektuellen Mehrwert?

Im Übrigen wurde in diversen Studien festgestellt, dass ein Interesse an seichter Unterhaltung in jeder Bildungsschicht und in jedem Alter zu finden ist. Nur hat man aufgrund von Fernsehen, Internet und einem breiten Angebot an verschiedensten Magazinen mehr Möglichkeiten als früher. Der Groschenroman ist jetzt nur noch eine unter vielen, was mit ein Grund für den Rückgang der Auflagen ist. Wo früher Fabelzahlen von 150.000 Heften einer Serie gang und gäbe waren, sind es jetzt bei den Spannungsromanen noch rund 30.000 pro Ausgabe und bei Arzt-, Liebes-, Adel- und Bergromanen rund 20.000.

Dass die Faszination aber immer noch ungebrochen ist, zeigt die Verfilmung diverser Heldenserien wie Jerry Cotton, der Bergpfarrer oder Dr. Stefan Frank.

Also ihr Nörgler und Pappnasen, hört endlich damit auf, diese Literaturgattung totzureden.

Solange es noch Menschen gibt, die jede Woche für 2 Euro in ihre eigene Welt eintauchen wollen, solange wird es Heftromane geben.

Es mag kitschig klingen, aber mal ehrlich, eine Welt ohne Probleme, Liebe, Glück und Frieden, auch wenn sie nur für einige Stunden existiert, was kann es Schöneres geben?

(gs)

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