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John Sinclair Classics Band 9

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 9
Dämonos

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 30. 12. 2017, 66 Seiten, 1,80 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 20. 08. 1974 als Gespenster-Krimi Band 49.
www.john-sinclair.de
Kurzinhalt:
Die Dolchspitzen bohren sich links und rechts in das straffe Fleisch seines Halses. Garry Santer steht stocksteif. Er weiß, dass ihm die beiden Messer bei der geringsten Bewegung die Kehle zerfetzen. Zwei dünne Blutrinnsale laufen an Santers Hals hinab, benetzen den weißen Hemdkragen, und heißer, widerlich riechender Atem streift sein Gesicht.

Die beiden Kerle stehen neben Garry. Sie haben ihn in diese verdammte Rattenfalle gelockt. Garry Santer hat grässliche Angst. Er starrt vor sich in die Dunkelheit.

Und dann geschieht das, wovor er sich gefürchtet hat. Er sieht die beiden Augen! Wie helle, glasklare Flecke schweben sie vor ihm in der Finsternis.

Garry Santer beginnt zu zittern. Der Tod ist gekommen …

Leseprobe

Zwei Männer schlichen über den dunk­len Friedhof.

Es war die Zeit vor der Morgen­dämmerung. Die ersten dicken Ne­belschwaden waren bereits von der Themse hochgestiegen und krochen wie große weiße Watteschleier auf den nahen Friedhof zu.

Die beiden Männer waren Chinesen. Sie trugen dunkle, eng am Körper lie­gende Kleidung und schwere, höllisch scharfe Krummdolche in den Leder­gürteln.

Sie sprachen kein Wort und verstän­digten sich nur durch knappe Gesten.

Ihr Ziel war die Leichenhalle. Drei Tote, die morgen beerdigt werden soll­ten, waren dort aufgebahrt. Sie lagen bereits in den Särgen, doch die Deckel waren noch nicht zugeschraubt. Die Chinesen konnten sich auf den Mann, der ihnen diese Information gegeben hatte, hundertprozentig verlassen.

Der Nebel wurde immer dichter. Die Schleier legten sich um Gebü­sche, knorrige Aste und wanden sich wie spielerisch um hohe verwitterte Grabsteine.

Die beiden Männer störte der Nebel nicht. Im Gegenteil, er kam ihnen sehr gelegen. So brauchten sie wenigstens nicht damit zu rechnen, dass der Friedhofswärter draußen unterwegs war.

Das ziegelrote Backsteingebäude der Leichenhalle tauchte aus den dif­fusen Schwaden auf.

Die Chinesen passierten das Haupt­portal, gingen um das Gebäude herum und gelangten zu einer schmalen Hin­tertür.

Hier verharrten sie einen Augen­blick.

Lauschten konzentriert.

Doch kein verdächtiges Geräusch war zu hören.

Einer der Männer griff unter sei­nen Pullover. Er brachte einen langen Draht und eine schmale Taschenlampe zum Vorschein. Die Lampe reichte er seinem Kumpan, der sie anknipste und das Schloss anleuchtete.

Der zweite Chinese ging leicht in die Hocke und machte sich an dem Tür­schloss zu schaffen.

Er werkelte einige Minuten daran herum und stieß ein paar Mal zischende Verwünschungen aus.

Schließlich hatte er das Schloss ge­knackt. Mit dem Handhallen drückte er gegen das Türblatt.

Quietschend schwang die Tür nach innen.

Verbrauchte und abgestandene Luft schlug den Einbrechern entgegen. Sie rümpften unwillkürlich die Nasen. Doch dann huschten sie ins Innere des Leichenhauses.

Der Lichtstrahl schnitt durch die Finsternis. Die Halle war ziemlich ge­räumig, und die beiden Eindringlinge mussten erst noch einige Meter zurück­legen, ehe sie die Särge sehen konnten.

Sie standen nebeneinander. Auf einem Podest, zu dem drei Stufen hi­naufführten.

Katzengewandt schlichen die beiden Chinesen zu den Särgen hin. Es war ge­nauso, wie ihr Informant gesagt hatte. Die Särge waren offen.

Der Mann mit der Lampe leuchtete in jeden hinein.

In dem ersten Sarg lag ein junges Mädchen. Es hatte pechschwarzes Haar und mandelförmige Augen. Eine Eurasierin. Sie war durch einen Ver­kehrsunfall ums Leben gekommen.

In den zwei anderen Särgen lagen eine Frau und ein Mann. Beide hatten die Siebzig schon überschritten. Die Frau musste vor ihrem Tod sehr gelit­ten haben, denn noch immer spiegelte sich der Schmerz in dem Gesicht wider.

Die zwei Männer sahen sich kurz an. Dann nickten sie.

Einer von ihnen umschloss mit den Fingern den Griff seines Dolches.

Es gab ein leises schabendes Ge­räusch, als die Klingen aus den ge­schmeidigen Lederscheiden fuhren.

Der bläuliche Stahl blitzte im Schein der Lampe.

Die Männer beugten sich über die erste Tote.

Es war das junge Mädchen.

Der Dolch näherte sich den Augen der Leiche.

Sekunden später hatten die Chine­sen ihr grausiges Werk beendet.

Gelassen wandten sie sich den bei­den anderen Toten zu.

Hinterher schwammen sechs Augen in einem kleinen Plastikbeutel.

So lautlos, wie die zwei Männer gekommen waren, verließen sie auch die Leichenhalle wieder. An einer bestimmten Stelle des Friedhofs klet­terten sie über die Mauer. Hundert Meter weiter parkte ein dunkelgrüner Volkswagen.

Die Chinesen stiegen ein, und wenig später hatte sie der immer dicker wer­dende Nebel verschluckt.

 

 

Old Paddy war fast siebzig Jahre alt. Er hatte sein Leben meist in der freien Natur verbracht und nie große Ansprü­che gestellt.

Gearbeitet hatte er nur, wenn er mal Geld brauchte. Und da er sehr bescheiden war, hatte er auch nie viel von Arbeit gehalten.

Und doch gab es etwas, das Old Paddy immer wieder Spaß machte. Das Angeln.

Er angelte schon seit fünfzig Jahren und fast immer an der gleichen Stelle. Nämlich dort, wo der Londoner Hafen aufhörte und die Themse sich dem of­fenen Meer näherte.

Es gab dort eine Wiese, wo Old Paddy all seine Würmer und Maden fand, die er als Köder brauchte. Paddy angelte meist in den frühen Morgenstunden, wenn die ersten Nebelschwaden aus dem Fluss stiegen.

Auch an diesem Dienstagmorgen warf er wieder seine Angel aus. Nach­dem die Schnur in einem günstigen flachen Winkel die Oberfläche durch­stoßen hatte, steckte Old Paddy die Rute in dem feuchten Wiesengrund fest, pflanzte sich auf einen einbeini­gen Hocker und genehmigte sich seine Morgenpfeife.

Schon bald vermischte sich der würzige Tabakduft mit den Nebel­schwaden.

Es dauerte ungefähr zehn Minuten, als plötzlich das Glöckchen oben an der Angelrute anschlug.

»Das ging aber schnell«, murmelte Old Paddy und erhob sich ächzend.

Vorsichtig wollte er die Schnur ein­holen.

Es ging nicht. Sie saß irgendwo fest.

»Verdammt!«, fluchte Old Paddy.

Er kniff die Augen zusammen und starrte auf die graugrüne Wasserober­fläche.

Zu sehen war so gut wie nichts. Der Nebel hatte sich wie ein dickes Tuch ausgebreitet.

Doch Old Paddy gab nicht auf. Er wollte unbedingt herausbekommen, woran sich der Angelhaken festge­klemmt hatte.

Seitlich stieg Old Paddy die kleine Uferböschung hinunter. Der Boden war feucht, und Paddy musste aufpas­sen, dass er nicht ausrutschte.

Schließlich hatte er die ersten Steine, die sich am gesamten Flussufer hinzo­gen, erreicht.

Das Wasser umspülte Paddys Gum­mistiefel. Genau über seiner rechten Schulter spannte sich die Angelschnur.

Old Paddy umfasste die Schnur mit beiden Händen. Behutsam begann er zu ziehen.

Er musste eine gehörige Portion Kraft aufwenden, um den Gegenstand, in dem sich der Angelhaken verankert hatte, ans Ufer zu bekommen.

Dann sah Old Paddy den dunklen Fleck auf der Wasseroberfläche.

Ein komisches Gefühl stieg in dem Alten hoch.

Schließlich hatte Paddy den Gegen­stand so weit vorgezogen, dass er ihn mit beiden Händen greifen konnte.

Und da hatte Old Paddy Gewissheit.

Eine männliche Leiche war gegen den Angelhaken getrieben worden. Der Tote trug sogar noch seine Kleidung. Selbst die Schuhe fehlten nicht.

»Bestimmt irgendein Selbstmörder«, knurrte Paddy.

Keuchend zog er den Toten aufs Trockene.

Die Leiche lag auf dem Bauch. Old Paddy musste erst mal einige Sekunden verschnaufen, ehe er den Toten auf den Rücken drehte.

Doch dann hatte er plötzlich das Ge­fühl, sein Herzschlag würde aussetzen.

Paddys Augen weiteten sich ent­setzt. Seine faltige Hand krampfte sich um den dürren Hals.

»Das – das darf doch nicht wahr sein«, ächzte Old Paddy. »Das – das …« Paddy verstummte.

Zu grauenhaft war das, was er so­eben gesehen hatte.

Der Tote hatte keine Augen mehr. Man hatte sie ihm ausgestochen!

 

 

Mit einer knappen Bewegung zog Doc Simmons, der Polizeiarzt, das weiße Laken wieder über den Toten.

»Es steht einwandfrei fest, Sergeant, der Mann ist schon vor einigen Stunden umgebracht worden. Durch einen Stich in den Rücken.«

Sergeant Kilroy wischte sich über das Gesicht. Obwohl es in dem Obduk­tionsraum kühl war, schwitzte er. Der verdammte Fall ging ihm an die Nieren.

Old Paddy hatte ihn alarmiert. Buchstäblich aus dem Bett geworfen. Die Mordkommission hatte mit ihrer Arbeit begonnen und erst am späten Vormittag wieder aufgehört. Wenigs­tens der technische Stab. Die unan­genehmen Aufgaben lagen noch vor Sergeant Kilroy.

»Die Augen ausgestochen«, mur­melte der Polizeibeamte. »Wo gibt es denn so etwas. Das sind doch keine Menschen mehr, die das getan haben.« Kilroy fuhr sich mit dem Zeigefinger zwischen Hemdkragen und Hals.

»Das ist Ihr Job«, gab der ziemlich abgebrühte Doc zurück. »Finden Sie den oder die Mörder.«

Kilroy warf Doc Simmons einen wütenden Blick zu. »Nee, mein lieber Mann«, knurrte er. »Die Sache ist eine Nummer zu groß für mich. Und über­haupt, die ganzen Begleitumstände. Ich gebe den Fall ab.«

»Ihre Entscheidung«, erwiderte der Arzt trocken. »So, und nun lassen Sie mich allein. Ich habe zu tun.«

Simmons nickte dem Sergeant zu und verschwand.

Ein Gehilfe kam und rollte die Bahre mit dem Toten weg.

Sergeant Kilroy fuhr in sein Büro im Scotland-Yard-Gebäude.

Dort machte er sein Vorhaben wahr. Er ließ sich dann Superintendent Pow­ell verbinden und erklärte ihm den Fall.

»Was sagen Sie da?«, schnarrte Powell. »Dem Toten wurden die Augen ausgestochen?«

»Ja, Sir!«

»Bringen Sie mir sofort die Un­terlagen über den Mordfall. Ab jetzt übernehmen wir ihn.«

Kilroy grinste in sich hinein, als er das hörte.

Personen:

  • Chinesen
  • Old Paddy, Angler
  • Doc Simmons, Polizeiarzt
  • Sergeant Kilroy, Polizeibeamter
  • Sir James Powell, Superintendent
  • John Sinclair, Inspektor bei Scotland Yard
  • Samantha Croydon, Garry Santers Sekretärin
  • Cindy Nichols, Derek Nichols’ Tochter
  • Dämonos, Diener des Teufels
  • Mrs. Laura Peddleton, Mieterin
  • Simon Ross, junger Mann
  • Dr. Carl Möbius, Archäologe und Ethnologe
  • Blacky, Zuhälter
  • Dave Callum, Schlosser
  • Bobbys
  • Jerry Quinly, Corporal
  • Superintendent Cromwell, Leiter der Nottruppen
  • Bill Conolly, Reporter

Orte:

  • London

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 9. Bastei Verlag. Köln. 30. 12. 2017
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog.Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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