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Felsenherz der Trapper – Teil 17.5

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 17
Der kleine Kundschafter
Fünftes Kapitel

In letzter Minute

Zu ihrer großen Freude erkannten sie dann in zwei etwas abseits weidenden Pferden ihren Fuchs und ihren Rappen wieder. Außerdem aber sahen sie weiter nordwärts im Tal mehrere tote Apachen liegen. Ohne Zweifel war also Tim Brax mit seinen vier Freunden hier mit den dreißig Rothäuten, die Felsenherz und Chokariga absichtlich bis zum See gedrängt hatten, handgemein geworden.

Der nasenlose Trapper rief jetzt den beiden vom Ufer aus zu: »Hallo, Boys! Wir wollten uns gerade so ein wenig nach euch umschauen! Ist es denn wahr, dass die Apachen die Ansiedlung bereits angegriffen haben? Dort drüben im Gebüsch haben mir auch den kleinen Edward gebettet, den wir den verwünschten Rotfellen glücklich entrissen haben. Auch eure Büchsen könnt ihr wiederhaben!«

Der verwitterte, magere Brax, so recht das Urbild des Trappers, wirkte infolge der fehlenden Nase recht abstoßend, war aber doch ein Mann von Herz, wie er schon dadurch jetzt bewiesen hatte, dass der Knabe von ihm sorgfältig aufs Neue verbunden worden war.

Die fünf Männer kamen mit ihren Pferden an Bord. Auch der kleine Edward fand in einer der Deckhütten ein weiches Lager. Er war jetzt bei Besinnung und drückte Felsenherz und dem Schwarzen Panther in heller Wiedersehensfreude immer wieder die Hände.

Tim Brax’ Freunde waren ebenfalls erprobte Savannenläufer. Nur einer von ihnen machte einen mehr städtischen Eindruck, war sorgfältig gekleidet und wurde von Brax mit einer gewissen Hochachtung stets mit Sennor Pacharo angeredet. Als Felsenherz erzählte, auf welch abenteuerliche Weise er die Apachen von der schwimmenden Festung verscheucht hatte, und daher auch den Tod des alten, skalpierten Ansiedlers schilderte, rief dieser Pacharo schmerzbewegt: »Oh, es ist mein Schwiegervater Thomas Halper! Mr. Felsenherz, Sie sollen jetzt alles erfahren. Mein Schwiegervater lebte bis vor seiner Übersiedlung hierher in der mexikanischen Stadt Matamaros. Ich heiratete seine Tochter Luzie gegen seinen Willen. Der alte Mann hatte einen ganz unbegründeten Hass gegen mich. Ich bin Ranchero (Besitzer einer Viehfarm). Plötzlich verschwand meine Frau. Ich traf zum Glück bei der Suche nach ihr Tim Brax, der mir seinen Beistand versprach. Er war es, der endlich ermittelte, dass drei Weiße meine Frau gewaltsam entführt und dass sie sich einem nach dem Norden gehenden Auswandererzug angeschlossen hatten. Kurz, mein Schwiegervater war es gewesen, der Luzie in diese gefährlichen Indianergebiete mitgeschleppt hatte, nur um sie mir wieder zu entziehen. Deshalb warb ich noch drei andere Fallensteller an, und wir fünf folgten den Auswanderern, deren Spuren jetzt nach so vielen Monaten nur ein Mann von Tim Brax vielfachen Erfahrungen noch entdecken konnte. So kamen wir schließlich nach mancherlei Abenteuern hierher. Ich schlich mich auf die Insel und konnte mich denn auch bis an meines Schwiegervaters Blockhütte heranpirschen. Luzie folgte mir sofort freiwillig. Gerade als wir auf einem kleinen Floß über den See setzten, hatten die Ansiedler die Apachen bemerkt und wechselten mit ihnen die ersten Schüsse. Wir fünf und Luzie bezogen dann das sichere Lager auf jener Felskuppe. Nun wisst Ihr, Mr. Felsenherz, weshalb wir Euch nicht auf die Spitze des Hügels ließen. Ihr solltet Luzie nicht sehen. Es sollte geheim bleiben, wer sie entführt hatte. Jetzt haben wir meine Frau, um sie hier nicht einer Gefahr auszusetzen, auf dem Hügel zurückgelassen, der, wie ich Euch nur andeuten darf, ein Geheimnis besonderer Art enthält. Jedenfalls ist Luzie dort völlig sicher, selbst wenn Apachenspäher die Kuppe erklimmen sollten.«

Währenddessen war das große Flachboot von Tim Brax und den drei Pelzjägern bis in die Mitte des Sees gerudert werden.

Der von Süden, also auch von der lang gestreckten Insel herüberwehende Wind trug der Besatzung der schwimmenden Festung jetzt den Knall zahlreicher Schüsse zu.

Der Comanchenhäuptling erklärte sofort: »Die Apachen wissen, dass sie mithilfe der großen Donnerbüchse (er meinte die Kanone), bald von der Insel vertrieben sein werden. Sie wollen daher um jeden Preis die in dem einen Blockhaus eingeschlossenen Ansiedler in ihre Gewalt bringen. Die weißen Jäger tun gut, mit aller Kraft das große Kanu vorwärtszurudern. «

Alle Mann mühten sich an den langen Rudern ab. Nur Tim Brax handhabte das Steuer. Selbst der Häuptling griff mit zu. Das Flachboot kam daher immer mehr in Fahrt.

Sennor Pacharo, der ja bereits auf der Insel gewesen war und die Bucht kannte, rief dem alten Trapper die nötigen Weisungen zu, wie er steuern sollte.

Man konnte jetzt schon die Uferbäume genau erkennen, konnte jeden einzelnen Schuss vernehmen und hörte auch das wilde Gebrüll der angreifenden Rothäute, die nach einer drüben aufsteigenden Qualmsäule zu urteilen ein paar der Blockhütten in Brand gesteckt haben mussten.

Nun bog das plumpe Fahrzeug in die etwa vierzig Meter breite Bucht ein. Kaum hatte es hier in dem engen Fahrwasser eine kurze Strecke zurückgelegt, als vom linken Ufer aus den Büschen ein förmlicher Hagel von Pfeilen und Kugeln sich über das Flachboot ergoss. Brax erhielt eine Kugel in den linken Oberarm, während zwei seiner Freunde durch Pfeilschüsse schwer verletzt wurden.

Felsenherz, der schon vorher das Schiffsgeschütz auf das Dach der vorderen Deckhütte geschafft hatte, sprang eilends hinauf, blies die bereitgehaltene Lunte an und schickte den Bleihagel der bis zur Mündung geladenen Kanone in das Ufergestrüpp. Dem überlauten Knall des Schusses folgte ein wildes Wutgebrüll. Eine Schar von einigen zwanzig Apachen flüchtete aus den Büschen über eine Lichtung in den dichteren Wald.

Nachdem der blonde Trapper das Geschütz rasch wieder geladen hatte, half er seinem roten Bruder beim Rudern, da Sennor Pacharo und der einzige unverwundet gebliebene Fallensteller genug mit den Verletzten zu tun hatten.

Das Flachboot glitt um eine Halbinsel herum. Auf der Südseite dieser Halbinsel lagen die Blockhütten der Ansiedler und auch das sogenannte Beratungshaus, das zugleich als Festung für den Fall der Not dienen sollte und daher mit einem Palisadenzaun und einem tiefen Wassergraben umgeben war.

Im selben Augenblick, als das schwerfällige Fahrzeug nahe genug gekommen war, um mit dem Geschütz in den Kampf eingreifen zu können, erhoben die Apachen ein helles Triumphgeschrei, da es ihnen soeben geglückt war, den Palisadenzaun, der von der Sonne vollkommen ausgedörrt war, an mehreren Stellen in Brand zu setzen und einzelne Pfähle einzureißen. Durch zwei dieser offenen Stellen stürmten die Rothäute unter Führung ihres durch Felsenherz’ und Chokarigas Flucht noch mehr zur Mordgier entflammten Oberhäuptlings hinein und auf die große Blockhütte zu, in die der kleine Rest der Verteidiger sich zurückgezogen hatte. Eine dieser offenen Stellen der Umzäunung lag so, dass Felsenherz vom Dach der Deckhütte gerade hineinschauen konnte. Auf dem Hof des Beratungshauses wimmelte es von Apachen. Der blonde Trapper zielte kurz, schob das Geschütz in die nötige Richtung und feuerte es ab. Die Wirkung war furchtbar. Nicht weniger als zwanzig Apachen wurden niedergemäht. Die anderen, obwohl noch gegen hundert Krieger, flohen sofort in die Wälder der Insel und versuchten, auf Flößen und Kanus das Ufer des Sees zu erreichen. Hierbei wurden sie jedoch abermals von dem Flachboot aus so wirksam beschossen, dass sie die Hälfte ihrer Krieger verloren hatten und froh sein mussten, mit ihren Pferden das Weite suchen zu können.

Von den Männern der Ansiedlung lebten nur noch sechs, von den Frauen fünf. Alle Übrigen waren bei der Verteidigung ihrer neuen Heimat gefallen.

Da die Überlebenden damit rechnen mussten, dass die Apachen sehr bald mit Verstärkung zurückkehren würden, um die erlittene Schlappe wettzumachen, nahmen sie des Comanchenhäuptlings Angebot gern an, der ihnen im Jagdgebiet seines Stammes einen Platz ihrer Niederlassung anweisen wollte. Dort fanden die Vielgeprüften eine sichere Heimat und ihr gutes Auskommen. Auch Sennor Pacharo erreichte mit seiner Gattin glücklich seinen Rancho an der mexikanischen Grenze.

 

Ende