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Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 17. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel beutelt beim Mondenschein Mehl in den Hof.

ls Eulenspiegel sich von Braunschweig heimlich fortgemacht hatte, ritt er im Land umher und kam nach Uelzen, wo er sich abermals für einen Bäckerknecht ausgab. Hier bekam er wieder bei einem Bäcker Arbeit. Einstmals richtete der Meister des Abends zum Backen an, unterdessen sollte Eulenspiegel Mehl auf dem Boden beuteln.

Da sprach er zu seinem Meister: »So gebt mir Licht, dass ich bei der Arbeit sehen kann.«

Der Meister erwiderte: »Ich gebe dir kein Licht, andere Knechte haben dergleichen Arbeit beim Mond getan (er meinte beim Mondschein), wenn der Mond so hell schien, wie diesen Abend, und das kannst du auch tun.«

Da fragte Eulenspiegel: »Wo haben jene Knechte denn das Mehl hingebeutelt?«

Der Meister wurde unwillig und sprach: »In den Hof!«, setzte aber hinzu, »so viel Verstand wirst du doch haben, dass du weißt, wohin das Mehl gebeutelt werden muss.«

Eulenspiegel ging nun auf den Boden, nahm einen Beutel nach dem anderen, hielt ihn zu dem Fenster hinaus, wo der Mond hereinschien und beutelte die Nacht hindurch das schöne Mehl in den vom Mond erhellten Hof.

Als der Meister am anderen Morgen früh aufstand, um zu backen, beutelte Eulenspiegel noch, und der Meister sah, dass derselbe den ganzen Hof voll Mehl gebeutelt hatte.

Da sprach er zu Eulenspiegel: »Was machst du schändlicher Mensch da? Kostet denn das Mehl kein Geld, dass du es in den Dreck beutelst?«

Eulenspiegel antwortete: »Habt Ihr mir doch geheißen, in den Hof zu beuteln. Ich habe getan, was Ihr mir geheißen habt.«

Der Bäcker sprach: »Ich hieß dir zwar das Mehl im Mondschein, aber nicht in den Hof zu beuteln. Du bist ein Schurke!«

Eulenspiegel antworte: »Gebt Euch nur zufrieden, es ist nun einmal geschehen, und geschehene Dinge sind nicht immer wieder gut zu machen. Was bringt eine Handvoll Mehl. Das Übrige ist bald wieder zusammengefegt und schadet dem Mehl nichts.«

Der Bäcker sprach: »So willst du die Zeit vertändeln, unterdessen wird auch kein Teig gemacht und zum Backen wird es dann für heute zu spät.«

Eulenspiegel antwortete: »Mein lieber Meister, ich weiß einen guten Rat, dass wir früher als unser Nachbar backen können. Sein Teig liegt fertig in der Molle. Wollt Ihr den haben, so will ich ihn gleich herholen und ihm stattdessen das Mehl hinschütten.

Der Meister sprach zornig: «Gehe lieber hin zum Galgen und hole die Diebe auch her.«

Eulenspiegel sprach: »Das will ich tun.« Nun lief er schnell zum Galgen und holte ein von demselben heruntergefallenes Gerippe von einem Dieb, brachte es dem Meister und sprach: »Hier habt Ihr ein Stück von einem Dieb. Was wollt ihr damit machen?«

Der Meister fragte: »Bringst du sonst nichts?»

Eulenspiegel antwortete: »Weiter war nichts davon da.«

Der Meister sagte: »Warte, das soll dir teuer zu stehen kommen! Du hast das Herrengericht bestohlen! Nun will ich dich bei dem Bürgermeister verklagen.«

Wirklich lief der Bäckermeister im Zorn sofort zu dem Bürgermeister und Eulenspiegel lief hinter ihm her. Der Bäcker eilte aber so sehr, dass er sich gar nicht umsah, wusste also nicht, dass Eulenspiegel hinter ihm war.

Der Bürgermeister stand gerade vor seiner Haustür, als der Bäcker zu ihm kam, wo er sogleich seine Klage anbrachte. Eulenspiegel, der auch gleich ankam, stellte sich dicht neben seinen Meister hin und sperrte Mund und Augen auf.

Als der Bäcker den Eulenspiegel neben sich stehen sah, fuhr er ihn zornig an und sprach: »Was willst du?« Und vergaß in seinem Ärger, was er dem Bürgermeister klagen wollte.

Eulenspiegel antworte: »ch will weiter nichts, als was Ihr sagtet. Ich sollte sehen, wie Ihr mich verklagen würdet vor dem Herrn Bürgermeister, und da ich das sehen soll, so musste ich hinter Euch herlaufen und sperre deshalb meine Augen weit auf.«

Der Bäcker sprach: »Geh mir aus den Augen, du bist ein böser Schalk!«

Eulenspiegel antwortete: Säße ich Euch in den Augen, so müssten die Beine aus den Nasenlöchern hängen, und wenn Ihr nun die Augen zutätet, wo wollte ich dann bleiben?»

Da nun der Bürgermeister merkte, dass er mit einem Narren zu tun hatte, ließ er beide stehen und ging ins Haus. Als das Eulenspiegel sah, ließ er seinen Meister auch stehen, lief zurück, packte ein, was er kriegen konnte, und reiste wieder fort.

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