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Timetraveller – Episode 19

Von Huren, Mördern und Zeitreisenden

Im ersten Augenblick war da ein Nichts.
Im zweiten Augenblick glaubte Claire nebelhafte Umrisse, langsam dahinschreitende Personen zu erkennen.
Im dritten Augenblick fühlte sie einen unsagbaren Schmerz.
Dann hörte sie sich selber stöhnen.
Jemand berührte sie an der Schulter!
Dann war alles aus!

***

Dan Simon erging es nicht anders.
Er konnte im ersten Moment nicht sagen, wo, wie und wann er war. Er öffnete nur kurz die Augen, um sie gleich wieder zu schließen, als ein greller, sich in seinen Kopf bohrender Lichtstrahl aufflammte und den muskulösen Mann das Gesicht verziehen ließ.
Ein abgestandener, unangenehmer Geruch lag in der Luft, der Dan die Nase krausziehen ließ.
Alle Eindrücke, alle Empfindungen waren in diesem Augenblick bis an ihre Belastbarkeit gegangen. Dan war sich nicht einmal sicher, als er schwerfällig die Hand hob und sie sich über die Augen legte, ob er die immer stärker werdenden Kopf- und Gliederschmerzen ertragen konnte.
Ihm war es, als ob sich all seine Organe zusammenzogen, sich seine Muskeln in einem unkontrollierten Rhythmus kontrahierten und wieder entspannten. Dan war sich sicher, als die Kopfschmerzen unerträglich wurden, dass er jeden Augenblick sterben würde.
Warum?
Was war geschehen?
Dan konnte es nicht einmal sagen. Er wusste nicht, wo er war.
War er noch immer auf Rauenfels, in der Kommandozentrale, damit beschäftigt, mit Markus darüber zu diskutieren, was Sanfold noch alles tun und lassen würde, um endlich wieder in seine Zeit zurückkehren zu können?
Oder hatten sie eine Party gefeiert und zu viel getrunken, um sich an die zurückliegenden Ereignisse erinnern zu können?
Dan schluckte kurz, um die störende Trockenheit aus seinem Hals zu vertreiben.
Vergebens.
Es war, als ob das trockene Schlucken ihm noch mehr zusetzte und die schon angegriffenen Schleimhäute noch mehr reizte.
Erst als er unter völliger Körperspannung stand, jeder Muskel in seinem Körper zum Zerreißen gespannt war, drang ein leises, ihm unbekanntes Flüstern an die Ohren. Irgendjemand versuchte, sich mit ihm zu unterhalten, ohne dass Dan begriff, worüber.
Auch schaffte er es nicht, sich zu konzentrieren, als sich ein nasser, übel riechender Lappen auf seine Stirn legte und sanft über diese strich.
Ebenso empfand er die sanfte, beinahe liebevoll streichelnde Berührung als störend.
Dan wollte sich bewegen. Er wollte hochschnellen, dem in die Augen schauen, der ihn auf sonderbare Art und Weise zu helfen versuchte.
Sonderbar?
Dan begriff seine eigenen Gedanken nicht.
Alles wirbelte und drehte sich um ihn herum, und als er die weiche Stimme hörte, die sanft mit ihm sprach, schien es, als ob eine Art Wall durchbrochen worden war, der ihn bis eben davon abgehalten hatte, in die Realität eintauchen zu können.
Als er noch einmal die Augen öffnete, das immer noch viel zu grelle Licht beiseite zu blinzeln versuchte, hoben sich schattenhafte Konturen vor seinem Auge ab und bewegten sich langsam und träge, wirkten, als ob sie wie eine Nebelschwade jeden Augenblick auseinanderfasern würde.
Dan keuchte.
Er schluckte.
Dann wurde es Nacht um ihn.

***

»Lord Wallington?«
»Ja?«
Der hagere, spitzgesichtige Mann mit dem ausladenden Kinn und den hoch angesetzten Wangenknochen hob kurz den Kopf, um zu dem in einen Parka gekleideten, jungen Mann schauen zu können, der schüchtern in das Arbeitszimmer des Lords getreten war.
»Die Zielperson ist gesichtet worden.«
»Wo?«
»East End!«
»Zwischenfälle?«
»Noch keine!«
»Zugriffe?«
»Wir wollten auf Ihren Befehl warten, Sir!«
Lord Wallington lehnte sich in seinem reich verzierten Stuhl zurück, legte die Hand ans Kinn und dachte für einen kurzen Moment nach.
»Sir?«
»Moment«, murmelte Wallington und hob den Blick. »Nur einen kurzen Moment!«
Dem jungen Mann, der in das geräumige Dienstzimmer des Lords getreten war, sah man an, dass er ungeduldig wurde. Auf seinem blassen, beinah krankhaft wirkenden Gesicht lag eine Spannung, die Wallington körperlich zu spüren glaubte.
Er durfte sich jetzt keine Fehler erlauben. Es würde eine Hysterie geben, wenn auch nur eine seiner Planungen eine Schwachstelle aufwies.
Schließlich, als der junge Mann einen unsicheren Schritt nach vorne tat und wieder zum Sprechen ansetzte, nickte der Lord kurz und flüsterte: »Weiter beobachten!«
Die Haltung des jungen Mannes brach wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
»Beobachten?«, wollte er wissen und schüttelte irritiert den Kopf.
Lord Wallington gab keine Antwort. Er las schon den nächsten Bericht.

***

»Wie geht es ihm?« Lizzie Albrook schaute zu ihrer Freundin Mary Jane Kelly, die die ganze Nacht an dem Bett des seltsamen, fremden Mannes gesessen und ihre Freundin erheblich bei der Arbeit gestört hatte.
Beide Frauen teilten sich ein kleines Zimmer in einem dreckigen, von Wanzen heimgesuchten Mietshaus, in dem die Miete viel zu teuer war und die hygienischen Bedingungen gleich null gingen. Es gab kein Wasser, eine Feuerstelle war nur notdürftig in die Wand eingelassen und die Wände waren von Feuchtigkeit und Schimmelpilzen durchzogen.
Auf die Bitte der Frauen an den Vermieter John McCarthy, doch etwas angenehmere Wohnbedingungen zu schaffen, hatte der fettleibige, immer schwitzende Mann nur mit einem Schulterzucken geantwortet. »Dann werden auch die Mieten höher. Und das könnt ihr Mädels euch erst recht nicht leisten!«
»Er ist bisher noch nicht wach gewesen.«
»Ich hatte vorhin den Eindruck, dass er aufwachen würde!«
Die rothaarige, aus Irland stammende Mary schüttelte sanft den Kopf und presste die Lippen aufeinander. Sie machte sich Sorgen um den muskulösen, irgendwie fremd und doch faszinierend aussehenden Mann, der wie aus dem Nichts erschienen war.
Mary konnte es sich nicht einmal richtig erklären, woher der blonde Mann kam.
Er war plötzlich da gewesen.
Im ersten Moment, als Mary erschrocken zusammenzuckte und einen Satz in die Dunkelheit Whitechapels hinein tat, war sie der Meinung gewesen, der Fremde war einer der vielen Zuhälter, Halsabschneider, Betrüger oder Schläger. Erst, als der Blonde taumelnd auf sie zugekommen war, die Hand beinah flehend ausstreckte und auf die Knie sank, war Mary bewusst geworden, dass sie es hier mit einem noch ärmeren und bemitleidenswerteren Menschen zu tun hatte, als sie einer war.
Damals, als sie noch in Irland wohnte und ihre Eltern es sich leisten konnten, nach Wales umzuziehen, war die Welt freundlicher zu der rothaarigen, schönen Frau gewesen. Heute aber, wo sie sich ein Loch mit einer Freundin teilen und sich Nacht für Nacht von stinkenden, nach Alkohol riechenden und perversen Freiern durchnehmen lassen musste, schien es, als ob ihr Leben der buchstäblichen Hölle glich.
Auch wenn sie verhärtet war, ihr Herz nur noch an sich selber dachte und selbst ihr Sohn immer mehr in Vergessenheit zu geraten schien, hatte sich etwas in ihr geregt, als der Fremde vor ihr zusammengebrochen war.
Ein verloren gegangenes Gefühl.
Ein kurzer, kaum wahrgenommener Hauch von Mitleid, der Mary jetzt noch, gut zehn Stunden später, schüttelte und ihr gelegentlich, wenn sie sich unbeobachtet fühlte, Tränen in die Augen trieb.
Wieder tauchte sie den schmutzigen Lappen ins Wasser und wieder tupfte sie die Stirn des Blonden.
»Ich hoffe, der hat genug Kohle dabei. Das Bett gebe ich nicht umsonst her«, meinte Lizzie schließlich, nachdem das Schweigen unangenehm geworden und Mary glücklich darüber war, aus ihren trübseligen Gedanken gerissen zu werden.
»Es war Schicksal!«
»Was war Schicksal?«, wollte Lizzie patzig wissen, während sie sich das Band aus den Haaren löste und ihre blonde, lockige Haarpracht ausschüttelte, um die fettigen Strähnen auseinander wirbeln zu können.
»Er!«
»Warum?«
Mary zuckte mit den Schultern: »Ich hab das so im Gefühl. Der Knabe hier kann uns nützlich sein. Ganz bestimmt!«
»Er soll Kohle ranschaffen, damit wir die Miete bezahlen können«, schnaufte Lizzie, die alles andere als bärbeißig war. Aber in dieser Nacht war sie an drei Freier geraten, die alles andere als sanft mit ihr umgegangen waren. Der Erste hatte auf harte Schläge gestanden – solange er sie verteilen konnte. Der Zweite war so anal fixiert, dass Lizzie nach dem Schäferstündchen kaum noch sitzen konnte und der dritte Freier hatte es unbedingt am offenen Fenster treiben wollen, um seinen grölenden und jubelnden Freunden zeigen zu können, aus was für einem Holz er geschnitzt war.
Auch jetzt noch war sie sichtlich mitgenommen und sah schlagartig um mehrere Jahre gealtert aus.
Mary hatte diese Nacht mehr Glück gehabt – wenn man die Begegnung mit dem Fremden als Glück bezeichnen konnte. Aber dadurch hatte sie mit niemandem ins Bett gehen müssen.
Sie hatte gleich mit dem Blonden den Heimweg angetreten. Zu ihrem Glück war der Fremde kurz wieder zu sich gekommen, nachdem Mary ihn mit Straßenwasser wachgespritzt hatte. Danach, als sie kurz vor dem Mietshaus angekommen waren, war der Fremde wieder zusammengebrochen und Mary Ann Nichols, von allen nur Polly genannt, hatte freundlicherweise ihre Hilfe angeboten.
Zusammen hatten sie den jungen Mann aufs Zimmer gebracht und Lizzie bei der Arbeit mit ihrem zweiten Freier gestört – nicht dass der Freier sich hatte stören lassen.
Nun aber ergab sich das Problem, mit dem Mary sich in der gestrigen Nacht schon herumgeplagt hatte.
Wie sollte sie den Fremden versorgen?
So, wie der aussah, verputzte der alleine einen Laib Brot.
Mary seufzte leise, als Lizzie sich auf ihre Matratze warf, sich bis zur Nasenspitze zudeckte und sofort in tiefen Schlaf fiel.
»Du wirst nützlich sein, da bin ich mir sicher!«


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