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Marshal Crown – Band 34

Shotgun Marlow, der Schlächter von Texas

Jesse Howell lag in einer flachen Büffelsuhle am südlichen Ufer des Pea Creeks und starrte nachdenklich auf das Staatsgefängnis von Huntsville, dessen rote Backsteinmauern meterhoch in den trüben Herbsthimmel ragten.

Er war dabei bemüht, sich so klein wie möglich zu machen, um nicht entdeckt zu werden, denn an dieser Stelle war das Land zu beiden Seiten des Flusses sowohl frei vom üblicherweise angrenzenden Wald wie auch von sonstigem Gebüsch. Es gab hier auf gut einer Meile in der Runde nicht einmal Felsen und außer ein paar Grasbüscheln absolut nichts, was auch nur im Entferntesten als Deckung dienen konnte.

Nichts und niemand konnte sich unbemerkt der Haftanstalt nähern.

Aus diesem Grund hielten sich seine Partner zusammen mit den Pferden auch in einem dichten Gehölz versteckt, das etwas mehr als eine halbe Meile hinter der Büffelsuhle lag.

Howell zog sein starkes Messing-Fernrohr zu voller Länge aus und suchte in aller Ruhe die roten Mauern nach einem bestimmten Hinweis ab.

Er war zwar davon überzeugt, dass sich außer ihm und seinen Partnern derzeit kein Mensch in dieser Gegend befand, trotzdem ließ er sein Fernrohr immer wieder auch einmal nach rechts und dann nach links über das Land schweifen.

Aber außer ein paar davon hoppelnden Wildkaninchen war nichts zu sehen.

Allmählich wurde Howell ungeduldig.

Es war ein grauer Oktobernachmittag. Ein kühler Wind strich über das karge Land und brachte immer wieder ein paar Regentropfen mit, die allmählich dafür sorgten, dass es auch in seinem Versteck zusehends ungemütlicher wurde. Der Boden wurde immer feuchter, der Wind kühler und die Sicht ständig schlechter. Howell nahm sich vor, noch eine Viertelstunde auszuharren, dann wollte er den Rückzug antreten. Sollten doch die anderen seinen Posten einnehmen, er jedenfalls hatte keine Lust, sich an diesem nasskalten Herbsttag noch eine Erkältung oder womöglich sogar eine Lungenentzündung einzufangen.

Howell war gerade dabei, die Frontansicht des Gefängnisses ein letztes Mal mit seinem Fernrohr abzusuchen, als er plötzlich stutzte.

Langsam ließ er sein Fernrohr noch einmal über die Mauern gleiten.

Dann sah er es.

Das vereinbarte Zeichen war unübersehbar.

Der weiße Stofffetzen, den jemand im zweiten Stock an den Gitterstäben eines Zellenfensters befestigt hatte, war trotz der trüben Sichtverhältnisse vor dem Hintergrund der roten Backsteinmauern deutlich auszumachen.

Howell ballte die Faust und nickte entschlossen.

»Marlow, du Teufelskerl, ich möchte bloß wissen, wie du das wieder fertiggebracht hast.«

Dann kroch er zurück zu seinen Partnern.

Er wusste jetzt, was zu tun war.

 

*

 

Mitternacht war längst vorüber, als Jason Rudd bei seinem Rundgang durch das Zellengebäude hinter einer der eisernen Türen ein leises Stöhnen vernahm.

Der Wärter hob die schmale Sichtklappe in der Tür an und starrte missmutig in die Zelle.

Fahler Mondschein tauchte den Raum in schummriges Licht, trotzdem reichte es aus, um ihn außer den drei Pritschen noch andere Einzelheiten erkennen zu lassen.

Verdammt!, durchzuckte es Rudd, ich bin noch keine Stunde im Dienst, und schon habe ich nur Scheiße an der Backe.

Auf einer der Pritschen wälzte sich ein Mann scheinbar unter Bauchkrämpfen hin und her.

»Was ist los, Marlow?«, fragte der Wächter halblaut durch die Luke. »Fehlt Ihnen was?«

Statt einer Antwort presste der Gefangene beide Hände auf den Leib und stöhnte erneut.

Im gleichen Moment hob der Mann, der auf der Pritsche über ihm lag, den Kopf und fluchte.

»Was zum Teufel stehst du da noch herum, Rudd? Hol gefälligst einen Arzt oder willst du, dass er hier verreckt?«

»Was … was ist mit ihm?«, fragte der Wärter. Die Nervosität in seiner Stimme war dabei nicht zu überhören.

»Er hat Bauchkrämpfe, das sieht man doch«, meldete sich der Mann auf der dritten Pritsche zu Wort.

»Das geht jetzt schon seit über einer Stunde so. Hol endlich Hilfe oder schaff den Kerl hier raus. Wie soll man denn bei diesem Gestöhne schlafen?«

Rudd wurde unsicher. »Ich komme gleich wieder«, sagte er nach einem letzten Blick in die Zelle. »Wartet hier! Macht so lange keinen Ärger.«

Der Mann, der auf der Pritsche über Marlow lag, spuckte wütend zu Boden. »Arschloch, was denkst du denn, wo wir sonst auf dich warten?«

Aber das hörte Rudd bereits nicht mehr, denn er hatte sich inzwischen umgedreht und rannte zum Aufenthaltsraum der Wachmannschaft zurück. Die Sohlen seiner genagelten Stiefel hallten bei jedem Schritt beinahe überlaut durch den dunklen Zellentrakt. Als er sein Ziel erreicht hatte, blickte er sich fluchend um.

Er war allein. Alles schlief.

Seine Schicht ging noch bis Sonnenaufgang, erst dann wurde er abgelöst. Er musste also allein zurechtkommen, wusste im Moment allerdings nicht, wie. Dementsprechend hilflos sah er sich in dem Raum um, bis sein Blick auf das kleine Arzneischränkchen fiel, das neben der Tür an der Wand hing. Er öffnete es und nickte beifällig, als er darin ein kleines Gläschen entdeckte, das dem Etikett nach ein starkes Schmerzmittel enthielt.

Er füllte eine Tasse mit Wasser und schüttete etwas von dem Pulver aus dem Gläschen hinein. Dann machte er sich wieder auf den Weg zu der Zelle, in der sich neben dem Killer und Bandenführer Lee Marlow auch der wegen zweifachen Mordes verurteilte Mike Donovan und der Farmer Will Graham befand, der seine Frau erwürgt hatte, nachdem er erfuhr, dass sie sich regelmäßig in der Scheune mit seinem Stallknecht vergnügte, wenn er auf den Feldern war.

Arglos öffnete Rudd die Zelle der drei Mörder und trat zur Pritsche von Marlow, der sich noch immer mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seinem Lager hin und her wälzte.

»Hier!«, sagte er und reichte dem Killer die Tasse. »Trinken Sie das, danach wird es Ihnen besser gehen.«

Marlow grunzte.

Im selben Moment hörte Rudd hinter sich ein seltsames Geräusch.

Er ließ die Tasse fallen, wirbelte herum und griff zur Waffe.

Zu spät.

Rudd spürte noch, wie er einen wuchtigen Schlag auf den Kopf erhielt, dann versank die Welt um ihn herum in einem blutigen Strudel. Während er bewusstlos zu Boden ging, richtete sich Marlow von seiner Pritsche auf.

Mit einem triumphierenden Grinsen musterte er seine Zellengenossen. Sein Trick hatte geklappt.

Der Rest war ein Kinderspiel. Draußen warteten seine Männer sicherlich schon mit frischen Pferden auf sie.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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