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Bau und Einrichtung von Burgen im Mittelalter – Einleitung

Herleitung des Wortes Burg

Der Name Burg wird in deutscher Sprache auf verschiedene Wurzelwörter zurückgeführt. Er wird hergeleitet von Berg, auf welchem die Burg gewöhnlich lag, oder von dem Wort Bergen d. h. in Sicherheit bringen; oder auch von dem veralteten Byrgen, was so viel wie verschließen bedeutet. Letztere Mutmaßung findet darin einige Begründung, dass auch das Wort Schloss von schließen abstammt.

Der Ausdruck Schloss bezeichnet aber im Mittelalter gewöhnlich nur ein festes und verschlossenes Wohnhaus, während im Wort Burg mehr der Begriff eines festen Platzes liegt, der auch eine kriegerische Bestimmung und Anordnung hatte und nicht nur als Wohnsitz eines oder mehrerer Geschlechter, sondern auch noch zur Aufnahme und Verwendung einer bewaffneten Besatzung eingerichtet war.

Das Wort Burg ist indessen viel älter als die deutschen Burgen. Bei den byzantinischen Griechen bedeutet πύργος einen Turm und überhaupt jedes hervorragende Gebäude. Seit dem 6. Jahrhunderte wurde es auch für Burg angewendet. Bei den Römern hieß burgus ein kleines Kastell.

Recht zum Burgenbau

Das Recht, Burgen zu bauen, welches die ersten karolingischen Kaiser ausschließlich in Anspruch nahmen, ging gegen Ende des 9. Jahrhunderts auf die weltlichen und geistlichen Fürsten über und wurde im Laufe des 10. Jahrhunderts den Grafen- und bald auch den Herren- oder Baronengeschlechtern überlassen, besonders wenn sie in ihrem Großgrundbesitz die Landeshoheit ausübten. Nur auf fremden Gebieten war ihnen der Bau der Burgen gesetzlich verboten. Später wurde man in der Zulassung des Burgenbaues auch gegen die mindermächtigen und kleineren Lehnsträger nachsichtiger.

Wollte jemand eine Burg oder ein befestigtes Haus bauen, so musste er sich ausweisen, dass er von der nächsten Umgebung 30 Pfund Geldes an Einkünften beziehe und die umliegenden Gutsbesitzer mussten versichert werden, dass sie von der neuen Burg keinen Nachteil zu befürchten haben. Auch durfte im Umkreis einer schon bestehenden Burg und zwar in der Distanz einer Rast1 keine neue, einem anderen Eigentümer gehörige Burg erbaut werden. Endlich konnte ohne Einwilligung des begüterten Adels eines Gaues selbst der Landesfürst keine Erlaubnis zum Bau einer Burg erteilen. Später jedoch, im 14. Jahrhundert, genügte seine alleinige Genehmigung.

Als gegen das Ende des 13. Jahrhunderts nach der kaiserlosen Zeit wieder geregeltere Zustände zur Geltung kamen, wurden die Vorschriften über den Burgenbau verschärft und um die zahlreiche Errichtung der kleinen Burgen des niederen Adels zu beschränken, angeordnet, dass niemand in eines Grafen oder Barons Gebiet, wenn er auch darin ein Gut besaß, ohne Bewilligung des Grafen oder Barons eine Burg bauen dürfe.

Alle diese Gesetze über den Burgenbau wurden unter schwachen Regenten und in den Zeiten der so häufigen Gruppierungen und Anarchie nur zu oft umgangen und verletzt.

Beweggründe zum Burgenbau

Die Burgen des 8. und 9. Jahrhunderts waren bloß für rein militärische Zwecke des Staates erbaut worden, und zwar zur Unterwerfung der Sachsen und zur Bewachung der Grenzen. Später errichtete man sie zum Widerstand gegen die Ungarn, zur Behauptung der eroberten slawischen Gebiete und Schutz der östlichen Landesgrenze gegen die Einfälle der benachbarten slawischen Stämme. In ihnen hatten oft die im kaiserlichen Dienst stehenden Mark- und Grenzgrafen ihre Amtswohnung.

Die Familiensitze der großen Adelsgeschlechter befanden sich im 8. und 9. Jahrhundert in ausgedehnten Herrenhöfen, die aus mehreren niedrigen und hölzernen Gebäuden bestanden und durch eine Palisade umschlossen waren, welche bloß die Zusammengehörigkeit andeuten, nicht aber zur Befestigung dienen sollte. Im Herrenhaus war der Saal für die Versammlungen und Gastmähler, ein anderes Haus hatten die Frauen für sich, die übrigen Gebäude dienten zur Unterkunft der Gäste und Dienstleute, zu Werkstätten und als Küche, Stallung und Speicher.

Der Bau der eigentlichen erblichen Burgen oder wehrhaften Wohnsitze adliger Familien begann im 10. Jahrhundert und da vorerst nur bei den großen Geschlechtern.

Als mit dem allmählichen Verfall der kaiserlichen Macht gegenüber den Großen die angestellten Grafen selbstständige Dynasten und Eigentümer von Staatsgütern wurden, und es nun galt, die auf verschiedene Art erworbenen und in erblichen Familienbesitz genommenen Ländereien mit dem Schwert festzuhalten, zu verteidigen und dauernd zu behaupten, musste man darauf bedacht sein, sich mit starken Schutzmitteln zu versehen. Zu diesem Zweck wurden nun die Herrenhöfe mit Schanzen und Gräben umzogen und zur Verstärkung ein Turm hinzugefügt. Bald jedoch suchte man sich solche Plätze ans, die durch ihre Lage und Beschaffenheit des Bodens besonders widerstandsfähig und fest waren, und führte da von Grund aus neue wehrhafte Sitze auf.

Im 11. und 12. Jahrhundert erwuchsen zahlreiche Adelsgeschlechter des Herren- oder Baronenstandes. Mit ihnen mehrte sich das Streben nach neuem Ländererwerb und wurde bei dem sich immer mehr ausbildenden Lehnswesen und in anarchischen Zeiten leicht befriedigt. Dies und das jetzt herrschend gewordene Ritterwesen war eine weitere Ursache, dass eine Menge von Burgen entstanden.

Als nach dem Untergang der Hohenstaufen im 13. Jahrhundert, während der kaiserlosen Zeit, Zersplitterung und Anarchie das Deutsche Reich zerklüfteten, stets neue Fehden erzeugten und bei der zunehmenden allgemeinen Verwilderung die Kampflust in Raubsucht ausartete, erhoben sich abermals viele Burgen. Dieses Mal nicht nur des hohen Adels und der reichen geistlichen Stifte, sondern auch des niederen Adels, der sich aus der Dienstmannschaft, d. h. aus den oberen Klassen der Hörigen mittlerweile herangebildet hatte.

Die Burgen wurden nicht bloß als Schutzwehr, sondern auch aus Erwerbsucht, ja nicht selten für den Raub gebaut. Sie waren nicht nur ein Bollwerk gegen Feinde, sondern gaben auch die Mittel, um Freiheit, Unabhängigkeit und Eigentum zu erringen und zu vermehren.

Gemeinschaftlicher Aufbau und Besitz einer Burg

Der Bau, die wohnliche Einrichtung, Kriegsausrüstung und Erhaltung einer Burg, besonders wenn sie umfangreich und in ihrer äußeren Erscheinung schön sein sollte, war immer mit großen Auslagen verbunden. Nur das rohe Baumaterial und die niederen Arbeitskräfte kosteten nichts, weil sie von den zum Frondienst
verpflichteten Leibeigenen verrichtet wurden. Allein diese, oft in größerer Anzahl, mussten doch während einer langen Bauzeit verpflegt und die in solchen Bauten erfahrenen Bau- und Werkmeister in Lohn genommen werden. Um die vielen Kosten zu bestreiten, reichte das Vermögen eines Einzelnen und die Beiträge seiner Untertanen an Geld und Lebensmitteln nicht hin, und so geschah es nicht selten, dass mehrere Adelsfamilien von derselben Abstammung oder befreundeten Gesinnung in Gemeinschaft eine einzige Burg erbauten oder kauften und sich über deren Miteigentum, Erhaltung und Verteidigung in sogenannten Burgfriedensurkunden, Familienteilungen, Eintrittsservituten einigten. Diese Verbindung hieß in Deutschland Ganerbschaft2.

Burgbaumeister

Der erste in der Geschichte bekannte deutsche Burgbaumeister war Bischof Benno II. von Osnabrück, † 1088, wie überhaupt die Geistlichen damals bis zu den Kreuzzügen, als Träger aller geistigen Tätigkeit, die Baumeister der gesamten abendländischen Welt waren. Seit dem 13. Jahrhundert aber, als die Macht und Bildung in den Städten wuchs, wurden die bildenden Künste als bürgerliches Handwerk von zünftigen Meistern aus dem Laienstand betrieben und seitdem lieferte Deutschland Festungsbaumeister in großer Zahl. Sie waren eigentlich wandernde Ingenieure, welche gegen Entgelt für die Fürsten, Adeligen und Städte die Anlage, den fortifikatorischen Plan besorgten und die weitere Ausführung der Baulichkeiten gewöhnlich den einheimischen Meistern überließen.

Als Leitfaden dienten die Werke Vitruvius de architectura und Epitome institutorum rei militaris, welche der römische Militärschriftsteller Vegetius um das Jahr 375 n. Chr. in fünf Büchern verfasst hatte. Die zahlreich vorhandenen Abschriften dieser Werke sind ein Zeugnis für ihre große Verbreitung im Mittelalter.

Burgstelle

Bei Erbauung einer Burg wählte man wo möglich felsigen oder mit Steinblöcken gemischten Grund und einen dominierenden Platz oder ein Terrain, welches an und für sich den Angriff erschwerte, die Befestigung erleichterte, der Kunst nicht zu viel zu tun übrig ließ und den passiven Widerstand, auf den es hauptsächlich abgesehen war, förderte.

Sehr gerne baute man auf den Grundmauern römischer Burgen, deren Überreste aus dem Untersatz der Ringmauern und Türme, ja sogar aus einem ganzen Turm bestehend, am Rhein und an der Donau hin und wieder zu finden waren. So entstand wahrscheinlich die Burg Linz.

Wasser- und Uferburgen

Im flachen Land wurden Plätze ausgesucht, die von fließenden oder stehenden Gewässern, Seen, Teichen oder Sümpfen ganz oder zum Teil umgeben waren, oder wo die breiten Gräben von einem benachbarten Fluss oder Teiche mit Wasser gespeist werden konnten.
Die auf solchen Plätzen erbauten Burgen führten den Namen Wasser- oder Uferburgen.

Höhenburgen

Günstiger für den Burgenbau war eine gebirgige Gegend. Man wählte hier entweder isolierte, massig hohe, selten sehr hohe Bergkegel und völlig freie Bergkuppen, die durch einen Einschnitt vom Gebirgsstock getrennt waren, oder nach allen Seiten hin jäh abfallende Felsen und half im Notfall durch Abmeißeln des Gesteins oder Ausmauern minder abschüssiger Stellen der Natur nach, da bei der Befestigung die Steilheit des Platzes die Hauptsache war. Auch suchte man sich und zwar mit Vorliebe eine Stelle aus, die wie eine Halbinsel als Bergzunge vortrat oder an Abhängen als steile Felsklippe vorsprang, in Staffeln niederstieg und nur auf einer Seite mit dem Gebirge zusammenhing. Hier bot sich dem Angriff nur eine kurze Front dar, auf welche dann alle Künste der Befestigung und Verteidigung tiefe, breite Gräben, hohe, dicke Mauern, starke Türme angewendet wurden, während die Seiten und der Rücken durch nicht ersteigbare Felsabhänge und Steinrauschen gesichert waren.

Solche auf hohen Plätzen oder auf Felsen und Klippen an deren äußersten Rande hingeklebten Burgen nennt man Höhenburgen, Felsburgen oder Bergvesten.

Bauplan

Beim Burgenbau war der Bauplan namentlich seit dem 13. Jahrhunderte vorerst durch die Bestimmung der Burg bedingt, sei es als Landesveste, Herrenburg oder als Schutzwehr und Festhaltung der Grenze, der anliegenden Besitzung, einer Stadt, eines Engpasses, einer Land- oder Wasserstraße und anderer wichtiger Punkte; wohl auch als Gefängnis oder als Schlupfwinkel von Raubrittern. Die Vesten bloß für den Raub baute man gern in einer versteckten Lage, in tiefen Felsschluchten. Sie waren des raschen Baues und der leichteren Verteidigung wegen gewöhnlich klein, aber stark befestigt.

Der Bauplan hing ferner von der Beschaffenheit der Burgstelle ab. Da man diese vorzugsweise auf Bergen und Felsenhöhen wählte, so suchten die Baumeister alle Erhöhungen, Vorsprünge und Windungen des Felsgesteines zu benutzen, um, freilich oft auf Kosten der Bequemlichkeit der Wohnungen und architektonischen Schönheit, dem Hauptzweck eines solchen Baues, Festigkeit und Unbezwingbarkeit, nach den Ideen jener Zeit zu entsprechen. Daher die Unregelmäßigkeit der Umfassung, die bewunderungswürdige Kühnheit und Mannigfaltigkeit im Detail der inneren Anordnung und der äußerlichen Gestalt solcher Baue, wobei Übereinstimmung der Grundrisse einer Veste mit einer zweiten oder dritten Burg unmöglich war, und nur bei gleichförmigem Terrain mehr oder weniger vorkommen konnte. Doch wurden dabei gewisse allgemeine Grundsätze beobachtet, welche beiläufig dieselbe Anlage der hauptsächlichen Gebäude und der Befestigung nachweisen und aus der nachfolgenden Schilderung einer Burg der größeren Art ersichtlich werden sollen.

Eine andere Ursache der Regellosigkeit im Baustil der Burgen lag auch darin, dass manche anfänglich kleine Burg infolge des Aufblühens der Adelsfamilie oder der eingeführten Ganerbschaft erweitert oder die ursprünglich größere Burg umgebaut und verändert werden musste, namentlich seit Einführung neuer und besserer Befestigungsformen und des immer größeren Luxus in den Lebens- und Wohnungsbedürfnissen, dann nach harter Belagerung, teilweiser Zerstörung oder nach einem Brand. Da man dabei, wo an die älteren Teile neue Gebäude angefügt wurden, ganz willkürlich und regellos verfuhr, so findet man auch in solchen Burgen kein Ebenmaß ihrer Bestandteile und fast niemals eine regelmäßige Reihe von Zimmern und Fenstern. Darum ist aus dem früheren Mittelalter keine Burg, die noch im späteren gedient hat, unverändert geblieben. Beinahe jedes Jahrhundert richtete sie mehr oder weniger für seine Bedürfnisse zu.

Je älter eine Burg, desto regelloser ihre gesamte Struktur, desto roher die Anordnung der Wohnung, niedriger und enger die Stuben, kleiner und weniger zahlreich die Fensteröffnungen und dicker die Mauern, desto unzugänglicher oder fester die Burgstelle. Die ältesten Anlagen der Höhenburgen lagen zumeist auf der höchsten oder steilsten Stelle, an welcher sich dann die späteren Zubauten meist staffelartig anschlossen.

Fortifikatorische Anordnungen

Die fortifikatorische Anordnung einer Burg war anfänglich sehr einfach. Bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestand sie aus einer durch das Terrain bedingten Umfassung, einem Turm, einem Wohnhaus und, wenn Terrain und Mittel es zuließen, aus einem Graben vor der Umfassung mit einer Zugbrücke. Die Ringmauer hatte oben einen Wehrgang, jedoch keine Spur vertikaler oder horizontaler Bestreichung, sie war vielmehr durch zahlreiche, meist nach außen gerichtete Strebepfeiler gestützt. Der Turm erhob sich auf der dominierenden Stelle im Inneren der Burg. Er stand gewöhnlich ganz frei, war häufiger viereckig als rund und hatte eine Plattform mit Zinnen. In seiner Nähe befand sich das Wohnhaus, welches gewöhnlich auf die Ringmauer gestutzt war. Das Ganze stellte sich in seiner äußeren Erscheinung als ein fester und kräftiger, aber roher Verteidigungsbau dar, dem die Bequemlichkeit und aller architektonischer Schmuck fehlten.

Gegen das Ende des 12., besonders aber im 13. Jahrhundert kamen eine Menge neuer Befestigungsformen hinzu: die Zwinger, Friesbögen, Schutzdächer, Umgänge, Bergfried- oder Schildmauern, Erker, flankierende Türme, Maschikulis oder Gießlöcher und anderes mehr. Sie stammen meistens aus dem Orient, wo die Kreuzfahrer in der Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts mit ihnen bekannt wurden, und sie als fortifikatorische Errungenschaft heimbrachten.

Das Oströmische Reich nämlich, dessen Kultur durch keine Völkerwanderung vernichtet worden war, und das somit der Bewahrer und Förderer vielfacher Kunstfertigkeit blieb, war besonders auf die Pflege der Befestigungskunst hingewiesen. Seit Justinian (6. Jahrhundert) erhoben sich auf der asiatischen Küste des Mittelmeeres eine Menge fester Städte und Burgen, welche von den Sarazenen nach der Eroberung nicht nur im wehrhaften Stand erhalten, sondern auch mit neuen eigentümlichen Werken verstärkt worden sind. So fanden denn die abendländischen Kreuzfahrer im Orient eine Menge neuer und, wie sie durch die Kriegserfahrung belehrt wurden, sehr zweckmäßiger Befestigungsformen, welche sie nach ihrer Rückkehr an ihren Burgen einführten. Es bedurfte aber eines ganzen Jahrhunderts, bis alle diese fortifikatorischen Anlagen auf dem heimischen Boden herrschend wurden. Dabei wurde die ästhetische Seite der mittelalterlichen Befestigungsbauten im Detail durchgebildet, und die Burgen gewannen dadurch in ihrer äußeren Erscheinung an künstlerischer Bedeutung und Schönheit.

Baumaterial

Die ersten in Deutschland von den karolingischen Kaisern im 8. und 9. Jahrhundert erbauten Burgen bestanden nur aus Erdwällen, dornigen Zäunen, Flechtwerk, Spitzbalkenumfassungen und hölzernen Türmen. Damit die zur Umfassung aufgeschüttete Erde sich stehend erhielt, wurde sie sowohl außen als auch innen durch starke Holzbauten eingefasst. Auch bestand der Erdwall aus einem Verhau von Baumstämmen mit Steinen und Erde ausgefüllt und auf der Oberfläche mit Rasen bekleidet. Die Türme wurden aus Eichenholz zusammengefügt und mit Ton verklebt. Karls des Großen endlose Kriege, in denen oft dasselbe Terrain immer wieder erkämpft werden musste, bestätigen den Mangel feuerfester Steinburgen, mit deren Hilfe der Kaiser das angestrebte Ziel in viel kürzerer Zeit erreicht und sein Reich nach allen Seiten gesicherter zurückgelassen hätte.

Zwar führte er 768 – 814 die Kunst des Steinbaues unter den Deutschen ein; da er aber die künstlichen Materialien, behauene Steine, Quadern, Marmorplatten, Säulen, wie die Baumeister und Handwerker aus Italien kommen lassen musste, so baute er nur einige Paläste und, wie die Sage erzählt, so viele Kirchen aus Stein, wie es Buchstaben im Alphabet gibt. Diese Bauten wurden von den Zeitgenossen als etwas Außerordentliches angestaunt. Die übrigen Kirchen und auch die Klöster, welche damals in Deutschland errichtet wurden, waren Holzbauten, und diese hörten erst mit dem 12. Jahrhundert auf.

Bald nach Karl dem Großen wurden in einigen Klöstern Deutschlands Bauschulen eingeführt. Allein sie entwickelten sich sehr langsam und schwerfällig und widmeten sich anfänglich nur der kirchlichen Architektur. Was sie damals aufgebaut hatten, ist spurlos verschwunden. Die ältesten Überreste kirchlicher Gebäude in Bayern, wohin damals Oberösterreich gehörte, reichen bloß in das 11. Jahrhundert und sind nur in Augsburg, Regensburg und Eichstätt zu finden. Im Erzherzogtum Österreich sind solche in irgend namhafter Bedeutung bis jetzt nicht nachgewiesen.

Der Burgenbau aus Stein kam in Deutschland erst im Verlauf des 10. Jahrhunderts in Anwendung, nachdem die Steinbautechnik einige Verbreitung gewonnen, und man den Nutzen steinerner Befestigungsbauten erkannt hatte. In der ersten Zeit wurde nur der Turm, später die Umfassung und endlich auch das Wohnhaus des Burgherrn aus Mauerwerk aufgeführt.

Steinbautechnik

Das Mauerwerk der Burgen bestand im 10. Jahrhundert und Anfang des 11. aus rohen, nur hin und wieder mit dem Hammer an den Spitzen abgeschlagenen, nicht horizontal gelagerten Bruch- und Feldsteinen, die durch reichlichen, aber schlechten, mit unreinem Sand und kleinem Geröll gemischten, unregelmäßig aufgetragenen Mörtel verbunden waren. Derselbe wurde dick aufgetragen, die Steine in denselben gelegt, mit leichten Schlägen des Hammers angetrieben, wobei der aus den nicht ganz genauen Fugen heraustretende Mörtel mit dem Polierbrett an die zunächst gelegenen Flächen angedrückt und niedergeebnet und sodann mittelst der Kelle die Lager und Stoßfugen mit freier Hand, daher unregelmäßig, eingeritzt wurden. In dieser Zeit kam auch der aus der Römerzeit stammende und von den nach Deutschland berufenen italienischen Baumeistern angewendete Mauerguss in Gebrauch. Es war dies jene Bauweise, wo nur die beiden Außenflächen einer Mauer aus verbundenen Steinen bestanden, während das Innere mit kleinen Steinen unregelmäßig ausgefüllt und sodann mit reichlichem Mörtel übergossen wurde. Dies geschah größtenteils beim Bau der ersten großen und dicken Haupttürme. Ferner verbreitete sich auch der ebenfalls aus der Römerzeit stammende sogenannte Heringsgrätenbau oder jener Mauerverband, wo Bruchsteinplatten ährenförmig geschichtet waren und horizontale Bänder durchliefen. Diese Technik kam Ende des 10. Jahrhunderts an den nördlichen Abhängen der Alpen zuerst vor. Mit ihr vereinigt erscheinen gut eingepasste Steinblöcke und Findlinge, die zur Umrahmung von Fenstern und Toren dienen, und in ihren sehr genau gearbeiteten Tür- und Fensterfalzen eine tüchtige Führung des übrigens noch sehr spärlich angewendeten Meißels erkennen lassen.

Im Laufe des 11. Jahrhunderts war die Mauer gemischt aus regelmäßiger behauenen Steinen und aus einfachen Bruch- und Feldsteinen und zeigte immer mehr das Streben nach horizontaler Lagerung.

Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts kommen horizontal gelagerte, mit dem Hammer hergerichtete Bruchsteine von größerer, jedoch verschiedener Höhe und Breite durch guten, nicht allzu reichlichen Mörtel verbunden, allgemein vor. Sie wurden aus Rücksicht auf größere Haltbarkeit besonders bei den unteren Mauerteilen, den Ecken, Strebepfeilern und bei dem als letzte Zufluchtsstätte dienenden inneren Turm, bisweilen auch bei Kapellen und Zisternen angewendet. Wo man sie nur zu der äußeren und inneren Fläche der Mauer nahm, wurde der Zwischenraum stets mit rohen Steinen und Mörtel ausgefüllt.

Im 12. und 13. Jahrhundert wendete man beim Burgenbau häufig die Buckelsteine an. Das aus ihnen aufgeführte Mauerwerk erscheint als ein Quaderbau mit tief liegenden Fugen.

Es wurden nämlich die zur Außenseite des Baues bestimmten Quader an der Fläche, welche nach außen zu kommen sollte, nur wenig vom Meißel bearbeitet und bloß am Rand, auf den Lager- und Stoßfugen, etwa 1Zoll breit sorgsamer behauen, um scharfe und genau anschließende Kanten zu erzielen. Infolge dessen hatte die Vorderseite dieser Steine verschiedene Ausbiegungen. Dadurch entstand eine große Ungleichheit der Außenseite eines solchen Baues, indem die weiter vorragenden Buckel vom Wetter geschwärzt gegen die minder vorstehenden und darum heller gefärbten in verschiedenen Abstufungen abstechen. Die Römer ließen den hervorragenden Teil dieser Quader ganz unbehauen. Wo man also an alten Türmen einen Buckelquaderbau findet, bei welchem die Vorderseite sämtlicher Steine eine rohe Naturfläche ohne alle Spur des Meißels darbietet, kann man annehmen, dass dies ein Römerbau sei. Der Zweck der Kropfquader war offenbar äußere Gewalt, Stöße und Würfe abzufangen und die Fugen des Baues vor diesen und den Einflüssen der Witterung zu schirmen. Denn Schnee und Regen trafen nur jene Buckel, die Taunässe und das Regenwasser tropften von einem zum anderen herab, die Fugen blieben verschont, was zur Dauerhaftigkeit des Baues viel beitrug.

Um die Mitte des 12. Jahrhunderts kommt der eigentliche Quaderbau vor. Er besteht aus vom Steinmetz mit dem Meißel regelmäßig bearbeiteten, an der rechteckigen Vorderseite völlig glatt geebneten Haustein. Die Eckverfestigung aus abwechselnd übergreifenden Quadern deutet auf das 13. Jahrhundert hin. Wo man die Quader auf felsigen Boden als Grundsteine oder Untersatz einer Bruchsteinmauer legte, wurde früher in dem Felsen eine Stelle von der Größe des Quaders waagerecht ausgemeißelt (eine Bettung) und ebenso ging es der Reihe nach mit jeder folgenden fort. Wo man nun in den Ruinen solche Bettungen antrifft,  kann man sicher auf einstige Mauern schließen.

Backsteinbau

Der Backsteinbau wurde im 13. Jahrhundert im Norden Deutschlands, wo Stein nur spärlich zu finden ist, durch den deutschen Ritterorden in Preußen eingeführt und blieb dort sowie auch im Osten vorherrschend, während im westlichen und südlichen Deutschland der Steinbau noch lange vorkam. Erst später wurde die Anwendung von Ziegeln allgemeiner.

Das Tonmaterial übte einen sehr großen Einfluss auf die Verschönerung der mittelalterlichen Befestigungsbauten. Da sich Friese, Konsolen und ähnlicher architektonischer Schmuck in Ton mit viel weniger Mühe und Auslage herstellen lassen, so wurden die Backsteinbauten in den meisten Fällen reicher verziert und mit schöneren Formen ausgestattet, als es bei Befestigungsbauten aus Stein angebracht war.

Festigkeit des alten Mörtels

Was den später so vorzüglichen Mörtel der Alten anbelangt, zu dessen Besitz wir bei allen schon gemachten Versuchen noch nicht gelangt sind, so hat man verschiedene Ursachen seiner Festigkeit angegeben. Einige suchen sie im langsamen Bauen, andere darin, dass der Kalk ehedem besser gebrannt und verarbeitet worden sei als jetzt. Eine dritte Meinung ist, dass man den Kalk Jahre lang in tiefen Gruben ruhen ließ, wodurch er eine ungemeine Bindungskraft erhalten habe. Übrigens muss man berücksichtigen, dass auch schlechter Mörtel mit der Zeit mehr und mehr erhärtet.

Rangunterschied der Burgen

Die Burgen lassen sich im Allgemeinen in zwei Klassen unterscheiden, und zwar in Herrenburgen und in Burgställe oder kleine Ritterburgen, Vesten des niederen Adels. Zwischen diesen beiden Klassen gab es aber viele Abstufungen je nach der sozialen Stellung und dem Vermögen der Burgbesitzer und der davon bedingten umfassenderen oder enger zusammengedrängten Anlage der Burgen. Danach gestalteten sich auch die innere Ausstattung und das Leben in den Herrenburgen mehr oder weniger luxuriös. Im späteren Mittelalter wurden der immer mehr gesteigerte Aufwand und die Verschwendung des Adels eine der Hauptursachen seines Sinkens und Verarmens.

Im nächsten Kapitel wollen wir eine mittelalterliche Herrenburg mit allen Teilen des Baues, soweit deren Merkmale noch vorhanden sind, oder von denen irgendeine Erwähnung geschieht, und welche aus der Zeit vor dem allgemeinen Gebrauch des Schießpulvers herstammen, samt der Einrichtung und dem Leben darin beschreiben, und dann auch die kleine Ritterveste mit ihrem sehr einfachen häuslichen Leben schildern.

Quelle:

  • Johann Nep. Cori: Bau und Einrichtung der deutschen Burgen im Mittelalter mit Beziehungen auf Oberösterreich. Verlag des Museum Francisco-Carolinum.Linz. 1874.

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  1. alte nordische Bezeichnung für Meile; ca. 9 km vor 1541
  2. Meist ist von gemeinsamem und unteilbarem Besitz die Rede, communiter et indivise teuere, wie die Urkunden sich öfters ausdrücken.

Eine Antwort auf Bau und Einrichtung von Burgen im Mittelalter – Einleitung

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