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John Sinclair Classics Band 4

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 4
Das Leichenhaus der Lady L.

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 24.10.2017, 66 Seiten, 1,80 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 05.03.1974 als Gespenster-Krimi Band 25.
www.john-sinclair.de
Kurzinhalt:
In einem düsteren, halb verfallenen Schloss treibt ein ebenso genialer wie wahnsinniger Wissenschaftler sein Unwesen und führt grausige Experimente an Menschen durch, um sich eine Armee untoter Monster zu schaffen. Kann John Sinclair, allein auf sich gestellt, diesen grausamen Irren stoppen, den die Bewohner der Umgebung Dr. Satanos nennen?

Leseprobe

Es war eine unheilschwangere Nacht.

Grelle Blitze zuckten über den wol­kenverhangenen Himmel. Die kurz danach folgenden Donner rollten über das Land wie Todesgrüße aus einer anderen Welt.

Doch es fiel kein Regen. Eine drü­ckende Schwüle breitete sich aus. Es war eine Nacht, in der die Men­schen zu Hause blieben, die Fenster verriegelten und sich in ihren Betten verkrochen.

Es war die Nacht der Dämonen und Geister.

Die junge Frau auf dem breiten Bett störte das Unwetter jedoch nicht. Diese Nacht war für sie eine Liebes­nacht. Schier unersättlich war ihre Leidenschaft.

Der junge Marquis, der auf dem Bettrand saß und sich gerade sein Hemd über den Kopf streifte, war ihr neuester Favorit.

Lady Laduga war eine schöne Frau. Das lange schwarze Haar reichte ihr bis weit über die Schultern. Ihre grü­nen, leicht schrägstehenden Augen erinnerten den jungen Marquis immer an eine Katze.

Lady Laduga war auch fast wie eine Katze. Manchmal sanft, dann wieder leidenschaftlich, zügellos.

Die Hände des Marquis streichelten bebend die samtene Haut der Frau.

Ein Blitz erhellte das fast halb­dunkle Zimmer, ließ die beiden nack­ten Körper kurz aufleuchten.

Im gleichen Moment wurde die Tür aufgestoßen. Hart knallte sie gegen die Wand.

Mit einem Schrei wichen der Marquis und die Lady auseinander.

Im Zimmer stand Istvan Laduga. Lady Ladugas Gatte!

Zwei, drei Herzschläge lang sah er sich die Szene an. Darm griff Laduga mit einer blitzschnellen Bewegung zu seinem Degen. Er riss ihn aus der Scheide, hob den Arm …

Die schlanke Klinge zischte durch die Luft und durchstieß die Brust des Marquis.

Der Marquis war sofort tot.

Lady Laduga bekam einen Schrei­krampf.

»Sei ruhig!«, brüllte ihr Mann. »Du verdammte Hexe wirst sterben. Ich werde dich zu Tode quälen. Du wirst mich nie mehr mit einem anderen Mann betrügen können!«

Wie Hammerschläge drangen die Worte in Lady Ladugas Ohren. Sie warf einen entsetzten Blick auf den toten Marquis und wusste, dass ihr Mann kein Erbarmen kannte …

 

 

Drei Wochen wurde die junge Frau in einem Verlies gefangen gehalten. Sie bekam kaum etwas zu essen, musste ungeheure Qualen erdulden, wurde gefoltert und vergewaltigt. Zum Schluss war sie nur noch ein Wrack. Sie wünschte sich ihr Ende förmlich herbei.

Nach der dritten Woche änderte sich die Behandlung. Sie bekam wie­der zu essen. Sogar einen Arzt schickte man ihr zur Untersuchung. Sie durfte sich waschen und baden, nur aus dem Verlies ließ man sie nicht heraus.

Lady Laduga schöpfte wieder Hoff­nung. Hatte ihr Mann ihr verziehen?

Vielleicht. Aber warum war er dann nie gekommen? Wollte er warten, bis sie wieder so aussah wie früher? Lady Laduga wusste darauf keine Antwort.

Inzwischen hatte sie auch jegliches Zeitgefühl verloren. Und dann – sie konnte noch nicht einmal sagen, ob es Tag oder Nacht war – öffnete sich wieder die schwere Eisentür.

Ihre ehemalige Kammerzofe betrat das Verlies.

Sie hielt etwas in der Hand. Ein Kleidungsstück. Schneeweiß und bis auf den Boden reichend.

Ein Totenhemd!

Lady Laduga erkannte es mit na­hezu grausamer Deutlichkeit. Sie wusste, was das zu bedeuten hatte.

Die beiden Wächter, die die Kam­merzofe begleitet hatten, bauten sich links und rechts der Tür auf und er­stickten allein durch ihre Anwesenheit jeden Fluchtversuch schon im Keim.

Lady Laduga zitterte, als die Kam­merzofe ihr das Totengewand reichte.

»Sie müssen es anziehen, Lady. Ihr Mann hat es befohlen.«

»Ja, erbat es so befohlen«, flüsterte die Lady.

Langsam schlüpfte sie in das Ge­wand. Der Stoff fühlte sich kalt an. Kalt wie eine Totenhand.

»Wir müssen gehen«, sagte die Kammerzofe.

»Wohin?«

»Ihr Gatte erwartet uns.«

Die Wärter nahmen die beiden Frauen in die Mitte. Es ging nach oben, in die prunkvollen Gemächer des Schlosses. Dann führten die Wär­ter sie nach draußen.

Es war wieder Nacht. Wie damals, als Istvan Laduga seine Frau mit einem Liebhaber erwischt hatte. Und wieder zuckten Blitze durch die Dun­kelheit. Doch diesmal war es mehr ein Wetterleuchten.

Vielleicht wird das Gewitter später kommen, dachte Lady Laduga. Spä­ter? Ob ich dann noch lebe? Plötzlich überfiel sie eine nie gekannte Angst. Ihre Blicke hetzten zu den Wärtern.

Sie dachte an Flucht. Doch die dro­henden Blicke der beiden Bewacher machten diesen Gedanken zunichte.

Sie entfernten sich immer weiter vom Schloss und gingen auf den Wald zu.

Wieder zuckte ein Blitz auf.

Und da sah Lady Laduga das Haus.

Es war neu. Es musste während ihrer Gefangenschaft gebaut worden sein. Menschen standen davor. Lady Laduga erkannte unter ihnen ihren Mann.

Finster sah er seiner Frau entgegen. Dicht vor ihm blieben sie stehen. Die beiden Wärter hatten Lady Laduga an den Oberarmen gepackt.

Die schöne Frau versuchte ein scheues Lächeln. »Bitte, Istvan«, flüs­terte sie, »verzeih mir. Ich werde …«

»Du wirst sterben«, sagte ihr Mann finster.

Lady Laduga sank zurück. Hätten die beiden Wärter sie nicht festgehal­ten, wäre sie zusammengebrochen.

»Du hast mich betrogen, und ich habe dir Hexe den Tod prophezeit. Ich werde mein Versprechen jetzt einlösen. Ich habe mir etwas Beson­deres einfallen lassen. Während deiner Gefangenschaft wurde hier ein Lei­chenhaus errichtet. Für dich. Du wirst darin eingemauert und elendig ver­hungern. Das ist meine Rache, Hexe!«

Lady Laduga bekam die letzten Worte gar nicht mehr bewusst mit. Sie hörte nur noch, dass sie sterben musste.

»Bitte«, flehte sie schluchzend. »Bitte …«

Ihr Mann kannte keine Gnade. Mit einer herrischen Bewegung gab er den beiden Wärtern ein Zeichen.

Sie wussten, was sie zu tun hatten.

Brutal schleiften sie die um Gnade flehende Frau auf das Leichenhaus zu.

Die Erbauer hatten eine Öffnung gelassen. Gerade groß genug, dass sich ein Mensch hindurchzwängen konnte.

Die Männer hoben die Frau an und schoben sie durch die Öffnung. Dann traten sie zurück.

Die letzte Arbeit wollte Istvan La­duga selbst verrichten. Steine lagen bereit. Auch Bindemittel.

Langsam mauerte der Mann die Öffnung zu. Er kümmerte sich nicht um das verzweifelte Schluchzen seiner Frau. Stein auf Stein setzte er.

Als die Öffnung nur noch kopfgroß war, sah er plötzlich das Gesicht der Lady vor sich.

Die Männer, die ihm mit Fackeln leuchteten, traten unwillkürlich zu­rück.

Das einst so schöne Antlitz der Lady war zu einer grauenhaften Fratze ge­worden.

»Ja, du hattest recht!«, schrie sie ihrem Mann ins Gesicht. »Ich bin eine Hexe. Ich werde mich rächen. Du wirst mich nicht töten können. Ich komme wieder und nehme dich mit in das Schattenreich. Denke daran!«

Ein hysterisches Gelächter folgte ihren Worten.

Den Zuschauern gefror das Blut in den Adern, als die Frau schrie: »Auch ihr werdet meine Rache spüren. Alle, die ihr dabei wart. Das Unglück wird über eure Kinder und Kindeskinder kommen. Seid verflucht!«

Mit einer fast hektischen Eile mau­erte Istvan Laduga den letzten Teil der Öffnung zu.

Danach war Stille.

Die Zuschauer gingen wieder. Vol­ler Unbehagen, denn ein böser Fluch war gesprochen worden.

Noch Wochen später wurde Istvan Laduga von Schlaflosigkeit geplagt. Manchmal glaubte er, gehende Schreie aus dem Totenhaus zu vernehmen.

Aber das war wohl nur Einbildung.

Dann hörten auch die Schreie auf, und Lady Laduga geriet in Vergessen­heit …

Personen:

  • Lady Laduga, weiße Frau
  • Marquis Istvan Laguda
  • junger Marquis, Lady L.’s Liebhaber
  • Gräfin Elena Laduga
  • Linda Carrigan
  • Frank Gibson, junger Mann
  • Bob Elkham, Hausmeister im Internat
  • Peter Sandford, Konstabler
  • John Sinclair, Inspektor bei Scotland Yard
  • Mrs. Pellingham, Pensionsinhaberin
  • Mrs. Bruns, Vorzimmerdame
  • Sir James Powell, Superintendent
  • Sir Charles Carrigan
  • Bill Conolly, Reporter
  • Andrew Cunningham, Rektor des Internats
  • Rita Wilcox, Internatsbewohnerin
  • Janet Seymor, Internatsbewohnerin
  • Emmy, Köchin
  • Doc Grayson
  • Marc Potter, Bauunternehmer

Orte:

  • London
  • Hillside

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 4. Bastei Verlag. Köln. 24.10.2017
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog.Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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