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John Sinclair Classics Band 3

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 3
Dr. Satanos

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 10. 10. 2017, 66 Seiten, 1,80 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 08. 01. 1974 als Gespenster-Krimi Band 17.
www.john-sinclair.de
Kurzinhalt:
In einem düsteren, halb verfallenen Schloss treibt ein ebenso genialer wie wahnsinniger Wissenschaftler sein Unwesen und führt grausige Experimente an Menschen durch, um sich eine Armee untoter Monster zu schaffen. Kann John Sinclair, allein auf sich gestellt, diesen grausamen Irren stoppen, den die Bewohner der Umgebung Dr. Satanos nennen?

Leseprobe

Mitternacht!

Dumpf hauten die zwölf Schläge der alten Kirchturmuhr über das Land.

Alwine Jackson trat fester in die Pedale. Sie kam aus dem Nachbar­dorf von einer Geburtstagsfeier ihrer Schwester.

Der Strahl der Fahrradlampe war der einzige Lichtfleck auf der holpri­gen Landstraße.

Trotz der kühlen Luft schwitzte Alwine Jackson. Sie schwitzte vor Angst. Um Mitternacht hatte sie im­mer Angst, draußen zu sein. Vor allen Dingen jetzt, da der Herbst begann und sich der Nebel über das Land legte.

Fast hätte sie den Karton über­fahren. Er lag mitten auf der Straße. Alwine Jackson bremste. Die Neugier besiegte ihre Angst. Die Frau legte das Fahrrad in den Straßengraben und hob den Karton auf.

Er war nicht sehr schwer. Alwine hielt ihn schräg. Etwas schlug gegen die Seitenwand des Kartons.

Alwine Jackson hielt es nicht mehr aus. Mit zitternden Fingern riss sie die Streifen los, die quer über den Karton geklebt waren. Vorsichtig hob sie den Deckel ab.

Ihr gehender Schrei zerfetzte die nächtliche Stille.

In dem Karton lag ein Kopf!

Wie ein Stück glühendes Eisen ließ Alwine Jackson den Karton fallen.

Er prallte mit einer Kante auf die Erde, kippte um, und der Kopf rollte heraus.

Es war ein Männerkopf.

Aber darauf achtete Alwine Jackson schon nicht mehr. Sie hatte bereits ihr Fahrrad geschnappt, sich auf den Sat­tel geschwungen und fuhr so schnell es die holprige Straße erlaubte, in Richtung Blyton, ihrem Heimatdorf.

Alwine Jackson bremste erst vor dem Haus des Konstablers. Hastig drückte sie auf den Klingelknopf.

Sie musste dreimal läuten, ehe sich im Haus etwas rührte.

»Verdammt noch mal!«, fluchte eine tiefe Stimme. »Wissen Sie eigentlich, wie spät wir es haben?«

Schritte näherten sich der Haustür.

Sekunden später starrte Alwine Jackson in das rosige Gesicht von Konstabler Brown.

»Was wollen …«

Alwine Jackson unterbrach den Beamten mitten im Satz. »Kommen Sie schnell, Konstabler«, japste sie. »Ich … ich … ich habe einen … Kopf gefunden.«

Die buschigen Augenbrauen des Konstablers zogen sich zusammen. »Spinnen Sie?«

»Nein!«, schrie Alwine die Jackson, die im Dorf als alte Jungfer verschrien war. »Auf der Landstraße, ein Kopf … Er … er lag in einem Karton. Ich hab ihn selbst aufgemacht. Ich …«

Konstabler Brown kam die Sache komisch vor. »Sie haben doch nicht etwa getrunken, Miss Jackson?«

»Nein!«, schrie die Jackson los. »Kommen Sie. Los.«

Durch ihr Geschrei waren mittler­weile auch einige Anwohner wach ge­worden, und einige beschwerten sich lautstark, was bei Konstabler Brown den Ausschlag gab.

»Also, gut. Ich ziehe mir schnell was über. Aber wenn das nicht stimmt, Miss Jackson …«

Die weiteren Worte ließ er unaus­gesprochen.

Alwine Jackson lehnte sich gegen die Hauswand. Ihre Knie zitterten.

Kalter Angstschweiß lag auf ihrer Stirn. Mit blutleeren Lippen brabbelte sie unverständliches Zeug.

Drei Minuten später war Konsta­bler Brown fertig. Er musste nur noch sein Fahrrad holen.

»Ich … ich … fahre aber nicht mit zurück«, sagte Alwine Jackson be­stimmt. »Keine zehn Pferde kriegen mich je wieder an diese Stelle.«.

»Sie müssen«, erwiderte Brown nun knapp. »Denken Sie, ich suche eine halbe Stunde, bis ich Ihren komischen Kopf finde?«

Es gab noch einiges Hin und Her. Schließlich erklärte sich Alwine Jack­son bereit, doch mitzufahren.

Auf der Fahrt schwiegen die bei­den. Nur der Konstabler brummte manchmal einen Fluch vor sich hin. In Gedanken malte er sich aus, was geschehen würde, wenn die Alte ihn angelogen haben sollte.

Alwine Jackson, die etwas vorfuhr, stoppte plötzlich. Sie sprang vom Rad und deutete mit einer Hand nach vorn. »Da, hinter der nächsten Kurve, ist es. Ich fahr nicht mehr weiter.«

Konstabler Brown, der zwangsläu­fig ebenfalls angehalten hatte, stieg wieder auf den Sattel. »Ist gut, Miss Jackson. Aber warten Sie hier auf mich.«

Alwine Jackson gab keine Antwort, sondern drehte ihr Rad schon wieder in Richtung Blyton.

Brown fuhr noch einige Meter und lehnte sein Fahrrad dann gegen einen Baumstamm. Den Rest wollte er zu Fuß gehen. Er schaltete die starke Taschenlampe ein, die er vorsorglich mitgenommen hatte.

Der Strahl geisterte über die Straße, erfasste den Karton.

»Hat die Alte doch recht gehabt«, murmelte Brown.

Ein unbehagliches Gefühl überkam ihn.

Brown blieb neben dem Karton stehen. Er leuchtete hinein, doch der Karton war leer.

Wo, zum Teufel, war der Kopf?

Konstabler Brown hob die Lampe an, schwenkte sie langsam zum Rand der Straße.

Plötzlich sträubten sich ihm die Nackenhaare.

Ein männlicher Schädel lag im grel­len Licht der Lampe.

»Au, verdammt!«, flüsterte Brown.

Mit eckigen Bewegungen näherte er sich seinem grausigen Fund. Dabei sah er sich den Kopf genauer an.

Ein Meister seines Fachs musste hier an der Arbeit gewesen sein. Mit einem sauberen Schnitt waren Kopf und Körper voneinander getrennt worden.

Wie mit einem Schwert. Oder einer Guillotine!

Konstabler Brown merkte gar nicht, wie er zitterte. Was er tat, wurde ihm gar nicht richtig bewusst.

Brown lief zurück, holte den Karton und legte ihn so auf die Erde, dass er den Schädel mit dem Fuß hineinstoßen konnte. Dann schloss er den Deckel und klemmte den Karton hinten auf dem Gepäckträger fest.

Alwine Jackson hatte doch nicht auf ihn gewartet. Sie war wie von Furien gehetzt ins Dorf gefahren.

Das tat Konstabler Brown jetzt auch.

Als er vor seinem Office ankam, wagte er es nicht, den Karton vom Gepäckträger zu nehmen. Er fuhr mit seinem Fund in den Stall, wo er sein Fahrrad immer abstellte. Dann erst lief er ins Haus.

Mary, seine Frau, war wach geblie­ben.

»Was war los, Jim?«

Brown musste erst einen dreifachen Whisky trinken, ehe er antworten konnte.

Doch dann flossen ihm die Worte wie Wasser über die Lippen.

Mary Brown war bei der Erzählung ihres Mannes immer bleicher gewor­den. Nur mit Mühe unterdrückte sie ein Schluchzen. Sie hatte die rechte Hand auf den Mund gepresst.

Als Konstabler Brown fertig war, klebten seine Sachen am Körper. Die Geschichte hatte ihn mehr mitgenom­men, als er sich eingestehen wollte.

»Was hältst du davon, Mary?«, fragte er seine Frau.

Mary Brown setzte dreimal an, ehe sie antworten konnte. »Das … das war … Dr. Satanos …«

Personen:

  • Alwin Jackson
  • Konstabler Jim Brown
  • Mary Brown, dessen Ehefrau
  • Dr. Satanos
  • Tom, der Bucklige, Diener von Dr. Satanos
  • Sir James Powell, Superintendent
  • John Sinclair, Inspektor bei Scotland Yard
  • Mr. Barney, Wirt
  • Jeff Brown, Sohn der Eheleute Brown
  • Fischer
  • Father Syndham, Dorfgeistlicher
  • Jane Hillary, Studentin
  • Cora Wilkens, Studentin

Orte:

  • Blyton
  • Cornwall
  • Helston
  • London

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 3. Bastei Verlag. Köln. 10. 10. 2017
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog.Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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