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Im Gespräch mit dem technischen Berater Peter Dachgruber und Autor Dietmar Schmidt über Band 10 von Terminus, Spur nach Nirgendwo

Dietmar Schmidt, mit dem wir bereits ein Interview zu Band 5 führten, umreißt den Inhalt von Spur nach Nirgendwo so:

In Band 7 und 8 haben Perry Rhodan und seine Begleiter das Arcanesystem in der Eastside der Milchstraße erkundet. Sie fanden einen Werftplaneten, auf dem das Heimliche Imperium Nachbauten terranischer Kampfschiffe anfertigte. Nach der Vernichtung der Welt ist Rhodan ohne Anhaltspunkte und muss mühsam das Raumgebiet durchsuchen, um wieder auf die Fährte der geheimnisvollen Gegner zu gelangen. Es mehren sich die Anzeichen, dass an Bord von Rhodans Raumschiff, der CART RUDO, nicht alles mit rechten Dingen zugeht, als ein Verbündeter auftaucht und einen entscheidenden Hinweis liefert. Die Spur scheint zunächst nach Nirgendwo zu führen … aber dann überschlagen sich die Ereignisse.

Der Oberbayer Peter Dachgruber ist Mitarbeiter bei Perry Rhodan NEO, Terminus, dem Perry-Rhodan-Technik-Forum und war früher als Risszeichner tätig. Gemeinsam mit Autor Dietmar Schmidt entwickelte er wesentliche Elemente von Technik und Setting des Romans

Alexandra Trinley: Peter, du bist der technische Berater bei Terminus. Welche Tätigkeiten umfasst deine Arbeit?

Peter Dachgruber: Alles, was mit Technik, Physik, Astronomie, Biologie und im Perryversum mit Hypertechnik und Hyperphysik zu tun hat. Von mir stammen die Datenblätter zu Raumschiffen, Robotern, Rangabzeichen, mit denen die Expokraten und Autoren arbeiten. Natürlich nicht in der Erstauflage. Da hat Verena Themsen diese Aufgabe von Rainer Castor übernommen. Im Prinzip arbeite ich wie sie, nur auf deutlich niedrigerem Level.

Bei Stardust und Terminus hatte mich Uwe Anton voll in das Expo-Team eingebunden. Ich war also an der Entstehung der Exposés beteiligt und lieferte auch eigene Ideen zur Handlung – überwiegend aber zum Setting. Die WOOGAN, TERMINUS-ALPHA und der VARIO 400 aus Band 9, Tom Bistamurti, haben auf meinem PC »das Licht der Welt« erblickt.

Vor allem aber bin ich als Datenlieferant, Korrekturleser und eben »technischer Berater« tätig. Als Beispiel: Wo liegt Terminus in der Milchstraße und wie können normale Raumer dorthin fliegen, ohne mit Halbraumspürern verfolgt zu werden? Welche Überlichtgeschwindigkeit haben eigentlich Handelsraumer im 35. Jahrhundert? Wo steht denn der Transmitter der Gezeitenschleuse? Wie kann es sein, dass die Dabrifa-Geheimagenten nach ihren Zeitsprüngen dauernd am selben Ort landen? Und so weiter und so fort.

Alexandra Trinley: Und was ist dein Lieblingsprojekt?

Peter Dachgruber: Meine bisher schönste Schöpfung im Perryversum ist die MAGELLAN bei NEO. Rüdiger und Michael gaben mir lediglich den Auftrag, ein Fernraumschiff zu konzipieren, das bis nach Andromeda fliegen sollte. Zwei Monate später waren dann die ersten Entwürfe fertig. Inklusive der FERNAO und dem HAFEN. Da durfte ich alles konstruieren: Vom innovativen Triebwerk bis zur Unterbringung der Transformkanone.

Auf dieses Schiff bin ich besonders stolz. Mein Baby.

Alexandra Trinley: Welche Lieblingscharaktere hat ein technischer Berater?

Peter Dachgruber: Die MAGELLAN, die RAS TSCHUBAI, die GILGAMESCH, die MARCO POLO, die SOL … ja genau: Raumschiffe. Auch die haben ihre eigenen inneren Werte und Eigenschaften, eine Vita und meistens charakteristische Verhaltensweisen. Wen ich gar nicht mag, ist Atlan. Der aufgeblasene Fantasyabenteurer darf ruhig bleiben, wo sich ES und Thez Gute Nacht sagen.

Alexandra Trinley: Reden wir über Terminus: Wie entstand die WOOGAN-237, das Kleinraumschiff, mit dem die dabrifanischen Agenten Juli Leann und Darren Zitarra sich ins Solsystem einschmuggelten? Wie kamst du auf die Kohlenstoffnanostreifen, aus dem es besteht?

Peter Dachgruber: Zuerst war da die Aufgabe von Uwe Anton: »Wie bringen wir zwei oder drei Dabrifa-Agenten ins schwer bewachte Solsystem, während das Antitemporale Gezeitenfeld eingeschaltet wird, das die Versetzung in die Zukunft bewirkt?«

Es musste ein Raumschiff sein. Ein sehr kleines Raumschiff – vielleicht 40 Meter im Durchmesser, Space-Jet-Form. Das nicht zu orten ist, also ohne Impulsantrieb. Raketenantrieb geht aber nicht, da es sehr hoch beschleunigt werden muss, denn die Entfernungen zwischen Kuipergürtel und Saturn sind gigantisch. Nicht ortbar heißt aber auch, dass die Albedo, die optische Rückstrahlung, gleich Null sein muss. Was ist lichtlos genug? Richtig schwarz ist Kohlenstoff. Deshalb heißt er ja so. Kohlenstoffnanostreifen waren dann der Baustoff erster Wahl.

Als Antrieb erfand ich noch einen Magnetfeldtreiber und die nicht ortbare Bewaffnung mit bunkerbrechenden konventionellen Raketen. All das habe ich dann gezeichnet – ich denke sehr optisch – und in ein Datenblatt verwandelt. Inklusive weiterer Details, die im Roman keine Rolle spielten.

Alexandra Trinley: In Band 8 kommt auch ein schwarzes Schiff vor, die Kommandoeinheit, die der angreifenden Flotte folgt. Das fand ich unrealistisch; Wie können sie bei den massiv vielen Ortungseindrücken von 261 aufeinandertreffenden Raumschiffen die Farbe der Außenwandung bemerken?

Peter Dachgruber: Du glaubst, dass Schwarz eine Farbe ist? Schwarz ist die Abwesenheit von Licht. Das Reflektionsvermögen eines Körpers, sein Albedo, lässt sich sehr einfach per Dreiecksmessung feststellen; wenn ich mich nicht irre, ist das die Lichtmenge ohne Körper geteilt durch die Lichtmenge reflektiert vom Körper.

Alexandra Trinley: In Band 8 kommt ein Hyperinmestron vor, eine Waffe aus dem Meister der Insel-Zyklus, aber die Funktion habt ihr verändert. Wie gründlich habt ihr das durchdacht?

Peter Dachgruber: Sehr gründlich. Das Hyperinmestron ist eine Waffe mit Absolutheitscharakter. Ähnlich wie die Arkonbombe. Solche Geräte sind Plotkiller übelster Sorte, wenn der Leser sagen kann: »Warum hat er nicht das xy-Gerät oder die yz-Bombe verwendet und schon wäre das Problem gelöst gewesen?«. Stimmt. Aber der Roman nach einer Seite vorbei. Ob noch mehr zum Hyperinmestron kommt, werden wir sehen.

Alexandra Trinley: Du bist Religionslehrer … wie stehst du zu Cynos mit Superkräften, die individuelle Selbstbestimmung aufgehen, und gottähnlichen Superintelligenzen wie ES?

Peter Dachgruber: Wie du die außeruniverselle Wirkmächtigkeit nennst, die die Dinge zu dem macht, was sie sind, die Leben spendet und die Welt zu immer komplexeren Strukturen – bis hin zum amateriellen Personenbegriff – treibt, ist dir überlassen. Die meisten Menschen nennen sie Gott. Alles, was sich in diesem Sein befindet, ist Geschöpf. Auch Kosmokraten, Superintelligenzen und amoralische PSI-Akrobaten. Somit sehe ich keine Konkurrenz. Das Perryversum steht nicht im Widerspruch zu Religionen – warum auch? Freude am Werk ist nach Augustinus ein Feld der Gotteserfahrung.

Alexandra Trinley: Dietmar und du haben das Setting von Band 10 entwickelt. Wie erfindet man ein Setting?

Peter Dachgruber: Was soll man groß über die Methode des Settingerfindens erzählen? Man bekommt einen Auftrag, sammelt Gedanken, dann recherchiert, sortiert und zeichnet man. Als Nächstes muss man mit den anderen in Kontakt treten. Ändern, neu formulieren, Hälfte rausschmeißen, wieder neu recherchieren, den einen oder anderen Gedankenblitz haben, wieder neuschreiben, Zeichnung ändern … Unterm Strich sind das 10 Prozent Inspiration auf 90 Prozent Transpiration. Aber das kennen wir Lehrer ja.

Dietmar und ich haben Terminus nicht konstruiert. Die Grundideen hatte, wie bei fast allem, Uwe Anton. Wir lieferten dann Stück für Stück Ideen zu HEER, SCHMIEDE und TROSS. Meistens nur Zwei- bis Dreizeiler per Email an alle und zurück kamen Fragen, Fragen, Fragen, die dann wieder zu neuen Ideen führten. Dietmar hat die Sammelarbeit und Bearbeitung übernommen. Wenn du so willst, ist das Setting von Terminus die Arbeit eines Kollektivs.

TERMINUS-ALPHA habe ich dagegen allein entworfen. Ich wollte bei der Expokonferenz unbedingt eine Raumstation, und Uwe meinte, »dann entwirf ein möglichst cooles Teil«. Der Trick bei ALPHA sind die verschwundenen Superschlachtschiffe mit 1500 Metern Durchmesser. Die gibt es nämlich in der Hauptserie ab Band 400 nicht mehr. Die werden wirklich nirgendwo mehr erwähnt. Die E-Book-Suche durch Sammelband 400 – 450 brachte 0 Treffer.

Meine Theorie lautet so: Sie wurden verschrottet, weil die Ultraschlachtschiffe in Serie gebaut werden und wesentlich kampfkräftiger sind. Und was tat man mit all den ausrangierten Superschlachtschiffen? Sie wurden verschrottet oder demilitarisiert. Dann parken sie an irgendeinem Ort, wo man sie kaufen oder klauen kann. Wo die Cynos sie kaufen oder klauen können. Schon einige Hundert Jahre vor dem Handlungszeitraum.

Als Nächstes habe ich mit den Terkonitmurmeln gespielt – und das Atomium in Brüssel ist mir eingefallen. Et voila! Und Tom Bistamurti, der Vario-400? Zu dem sage ich nicht mehr viel. Das hat Dennis Mathiak bereits auf geniale Art und Weise in Band 9 übernommen.

Dietmar Schmidt: Zum Terminussystem, das in Band 9 zum ersten Mal auftaucht, habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht und die astronomischen Grunddaten auch für Himmelskörper erstellt, die in den Romanen nicht einmal erwähnt werden. Die Umlaufzeiten von HEER, TROSS und SCHMIEDE stehen auf die Sekunde fest, aber sie spielen in der Handlung keine Rolle. Das Gleiche gilt für die Entwicklung des ehemals gelben Zwergsterns Terminus zum Roten Riesen. An der Chronologie habe ich lange gearbeitet, aber sie wird wohl genauso wenig eine Rolle spielen wie die kernphysikalischen Vorgänge bei der Sonnenentwicklung. Für einen Autor kann es aber wichtig sein, sie zu kennen, um ein Gefühl für die Welten zu erlangen und sie schildern zu können, und deshalb müssen solche Dinge formuliert und festgelegt werden.

Alexandra Trinley: Danke für die Auskünfte, Dietmar und Peter. Könnte ich auch bei Band 10 um eine Textprobe bitten?

Dietmar Schmidt: Aber natürlich. Hier ist der Beginn des ersten Kapitels.

1.

CART RUDO
2. Dezember 3430

Juki Leann bekam eine Gänsehaut. Das Kältegefühl kündigte den nächsten Zeitsprung an.

Darren Zitarra drehte den Kopf zu ihr. »Ich merke es auch.«

Sie nickte. »Zumindest das ist gleich geblieben: dass wir gleichzeitig springen.«

Die »Weite« und die Dauer ihrer Zeitsprünge hatten sich seit dem ersten Vorfall dieser Art mehrfach verändert. Auch die in der zweiten Novemberhälfte von Professor Renier Bievre festgestellte Systematik, dass die Sprünge ziemlich genau eine Stunde in die Zukunft beziehungsweise Vergangenheit führten und jeweils vierzig Prozent länger dauerten als zuvor, hatte sich bei den zurückliegenden zwei Sprüngen nicht als beständig erwiesen. Nur dass die Zeitversetzungen weiterhin grob alle drei Tage erfolgten, war ein verlässlicher Faktor.

Auf der Suche nach dem Heimlichen Imperium waren die Zeitspringer an Bord des terranischen Schlachtkreuzers CART RUDO in die Eastside der Milchstraße vorgedrungen. Sie hatten das Arcanesystem entdeckt, in dem ihr geheimnisvoller Gegner Raumschiffe baute. Dort waren sie auf Pläne für ein modifiziertes Hyperinmestron gestoßen, eine der schrecklichsten Waffen, die Menschen je entwickelt hatten.

Die CART RUDO suchte nun nach weiteren Systemen dieser Art, denn die Spur war im Arcanesystem erkaltet.

Das Schiff bildete mit seiner vollzählig ausgeschleusten Beibootflottille ein Ortungsnetz. Der Schlachtkreuzer, seine drei Korvetten, fünfundzwanzig Space-Jets, fünfzig Micro-Space-Jets und zahlreiche Ortungssonden verteilten sich über ein kugelförmiges Raumgebiet mit einem Durchmesser von zehn Lichtstunden. Mithilfe ihrer Masse- und Energietaster konnten sie die dreihundert Sonnensysteme der »näheren Umgebung« nach verborgenen Werftwelten absuchen. Das allerdings dauerte seine Zeit – Tage würden vergehen.

Der Großadministrator hatte die CART RUDO inzwischen als Expeditionsschiff der Explorerflotte tarnen lassen. Nach wie vor legte Perry Rhodan größten Wert auf Geheimhaltung. Dass das Solsystem und er selbst noch existierten, durfte keinesfalls bekannt werden. Seit der stellvertretende Leiter der Solaren Abwehr, Admiral Sadinoha, als Agent des Heimlichen Imperiums enttarnt worden war, wusste Rhodan nicht, wem er noch trauen konnte.

Noch ein Kälteschauer durchfuhr Leann. Gleich würde sie springen. Sie begann unkontrolliert zu zittern …

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