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Slatermans Westernkurier 06/2017

Auf ein Wort, Stranger, Holster oder Halfter, das ist hier die Frage.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich gerade bei den Westernfans im deutschen Sprachbereich immer noch Worte und Begriffe halten, die sowohl der historische als auch der heutige Cowboy niemals benutzte und sie auch nie benutzen wird.

Es sind die Namen einfacher Dinge aus dem Alltag des Wilden Westens, die sich hierzulande in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben und die leider unausrottbar erscheinen. Was das Ganze so schlimm macht, ist die Tatsache, dass selbst heutzutage noch Autoren und Übersetzer, die sich ihrer historischen Kenntnisse rühmen, diese immer noch verwenden.

Der schlimmste Fauxpas ist wohl das Wort Lasso, eine Ableitung des spanischen Lazo, was Schlinge bedeutet.

Dieses Wort ist wohl auf den Märchenerzähler Karl May zurückzuführen, der leider viele solcher historischer Falschbekundungen in seinen Geschichten von seiner Sicht des Wilden Westens, den es aber in dieser Form nie gab, verbreitete.

Der Cowboy Fay Ward sagte in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, dass man im ganzen Rinderland von Kanada bis Mexiko einen blutigen Anfänger daran erkannte, dass er sein Wurfseil Lasso nannte. Das einzige richtige Wort hierfür ist nämlich Lariat, abgeleitet vom mexikanischen Lazo Reata (Schlingenseil) oder der Begriff Rope (Wurfseil).

 

***

 

Ein weiteres No Go ist der Begriff Herde, wenn es sich bei den Tieren um Pferde oder Maultiere handelt. Ein Cowboy verwendet dieses Wort nur bei Rindern. Ist es eine Stierherde, wird das Wort Rinderherde benutzt, sind es nur Muttertiere heißt es Kuhherde. Eine Ansammlung von Pferden hingegen bezeichnet man stets als Rudel oder Pferdebande. Beide zusammen, also Rinder und Pferde, werden hingegen Bunch (engl.: Bündel, Gebund) genannt.

Und es geht munter weiter.

Gringo ist kein mexikanisches Schimpfwort für Amerikaner, wie heute immer noch behauptet wird, sondern bedeutet soviel wie Fremder und wird hauptsächlich für Nordamerikaner verwendet. Es stammt aus dem spanischen Dialektwort Griego, was Grieche heißt.

Hablar en griego (Kauderwelsch reden), bedeutet nichts anderes wie in einer Sprache sprechen, die man nicht versteht, in etwa, wie dem Deutschen etwas spanisch vorkommt.

Dann gibt es da noch den Begriff Kolben, der den Griff eines Revolvers benennen soll.

Auch falsch!

Der Griff eines Revolvers heißt auch so, nämlich Griff.

Er besteht aus dem Stahlrahmen, gleich Griffstück und den Griffschalen.

Also warum verdammt nennt man es Kolben?

Die Antwort liegt auch hier in den deutschen Westernromanen der Nachkriegszeit, als die Autoren ähnlich wie Karl May sich in der Hauptsache auf Zeitungsartikel und Reiseberichte verlassen mussten.

Kommen wir zum Schluss zu dem oben erwähnten Wort.

Holster, also eine offene am Gürtel getragene Revolvertasche, wird oft fälschlicherweise als Halfter oder Holfter bezeichnet.

Generationen von Westernautoren der Leihbuchära haben dazu beigetragen, dass sich das in den Köpfen der Leser festgesetzt hat, obwohl Holster schon seit Jahren in den offiziellen Sprachgebrauch deutscher Büchsenmacher, Waffenhändler und Waffensammler aufgenommen ist.

Wer interessiert ist, kann ja mal in die nächste Ausgabe des Westernkuriers reinlesen.

Denn Holster ist nicht gleich Holster, sondern eine Wissenschaft für sich.

Genauso wie der Hut, die Stiefel oder die Kleidung eines Cowboys. Vieles erscheint heute banal, aber hinter jedem Begriff steckt die Erfahrung und Experimentierfreudigkeit von Generationen ohne die wir so geniale Dinge wie einen Stetson oder einen Texas Lone Star Cowboystiefel niemals kennengelernt hätten.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal

Euer Slaterman

Quellenhinweis:

  • H. J. Stammel der Cowboy von A bis Z