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Al Capone – Band 40

Al Capone
Band 40
Graziella opfert sich für Scarface

1. Kapitel
Eine unerwartete Zeugin

Die Flucht Al Capones und seiner Freunde aus dem Untersuchungsgefängnis, wo man sie einstweilen untergebracht hatte, und das Abenteuer mit dem Polizeitransportwagen, in dem der Polizei auf so geschickte Weise ein Schnippchen geschlagen wurde, war die Ursache dazu, dass die Presse Spalten über Spalten der ausführlichen Berichterstattung über diese beiden Geschichten widmete.

Aber gleich darauf ereignete sich ein Vorfall, der noch aufsehenerregender war, der die Öffentlichkeit in noch weit größerem Maße beschäftigte und der überall erregt diskutiert wurde.

Der Staatsanwalt Mac-Swigging war an einem einsamen Ort ermordet aufgefunden worden, und zwar lag er in einem jener bekannten Gangsterautos, und, was das Sonderbarste war, neben ihm lagen zwei Bootlegger, die den allerübelsten Ruf genossen und die ausgerechnet zur North Side-Bande gehörten, also derjenigen Bande, die die größte Konkurrentin Al Capones war! Wer hatte den Staatsanwalt ermordet, der noch am Morgen desselben Tages, an dem das Verbrechen begangen worden war, Scarface ganz energisch beschuldigt hatte, den Mord an Dion O’Banion begangen zu haben?

Das Publikum glaubte natürlich, dass entweder Capone selbst oder aber seine Untergebenen den Mord begangen hatten.

Diese Ansicht wurde noch bestärkt, als die Tatsache bekannt wurde, dass Al Capone aus dem Gefängnis geflohen sei, und zwar gerade ungefähr zur selben Zeit, als das Verbrechen an dem Staatsanwalt begangen worden war.

An diesem Morgen, als alles das bekannt wurde, saß der Vorsitzende des Schwurgerichts in seinem Büro bei einer Besprechung mit Shoemaker, den er in einer dringenden Sache hatte zu sich bitten lassen. Er sagte zu diesem: »Herr Hauptmann, Sie müssen jetzt unbedingt ganz Chicago von einem Ende zum anderen durchsuchen lassen. Ich bezweifle jetzt nicht mehr, dass Al Capone auf den elektrischen Stuhl gehört. Ich habe die Leiche des armen Mac-Swigging im Leichenschauhaus gesehen, und ich kann Ihnen sagen, diesen Eindruck werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen!

Also, wie gesagt, Herr Hauptmann, ich verlange, dass Sie und Ihre Untergebenen unter allen Umständen Scarface verhaften, und zwar so schnell wie möglich!

Er soll für die beiden Morde büßen, für den an Mac-Swigging und den an Dion O’Banion.«

»Was den letzteren anbetrifft …!?«, meinte der Polizeichef skeptisch.

»Wollen Sie immer noch nicht daran glauben, dass Capone den Iren ermordet hat? Ich habe ja zwar gestern auch noch nicht ganz daran geglaubt, aber jetzt glaube ich es doch!«

In diesem Augenblick flog die Tür des Büros heftig auf.

Ein auffallend schönes Mädchen, das einfach gekleidet war, stürmte wie ein Wirbelwind herein.

Der Vorsitzende des Schwurgerichts, durch die Ereignisse der letzten Zeit nervös geworden, sah überall Mörderhände und Leichen mit aufgeschlitztem Bauch und Leute mit durchschossener Stirn; er bekam beim Eindringen dieses Mädchens in sein Zimmer einen großen Schreck und krampfte angsterfüllt die gepflegten Hände um die Lehnen seines Sessels.

Hinter dem schönen Mädchen kam ein Justizwachtmeister voller Wut hergelaufen.

Als er den Vorsitzenden erblickte, teilte er mit: »Ich habe sie nicht hereingehen lassen wollen; aber dieses Mädchen hat Muskeln von Stahl; ich wollte sie zurückhalten, sie wehrte sich aber und gab mir zwei Fausthiebe, die Sharkey nicht besser hätte austeilen können, sodass ich hinfiel und mir jetzt noch der Kinnbacken weh tut.«

»Bringen Sie sie hinaus, bringen Sie sie hinaus!«, befahl der Vorsitzende erregt.

Da ballte das Mädchen wieder die kleinen Fäuste, und der Justizwachtmeister, der schon die Hand ausstreckte, um sie am Arm zu packen, hielt furchtsam inne.

Der Kinnbacken tat ihm immer noch weh, außerdem blutete er etwas aus der Nase. Es war auch nicht gerade sehr angenehm, sich von einem jungen Mädchen lächerlich machen zu lassen! Und er war alt und verstand nichts von der Boxkunst.

Nun machte ihm auch William Shoemaker ein Zeichen, dass er dem jungen Mädchen gegenüber keine Gewalt anwenden solle.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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