Ausschreibung

Einsendeschluss 31.05.2021

Dark Empire

Story-Tipps

Danach kommt nichts

Archive
Folgt uns auch auf

Was ist ein Bestseller?

Was ist ein Bestseller?

Eine Veranstaltungseinladung auf Facebook für den 20. August 2015 animierte mich, dieser Frage einmal nachzugehen. Ghostwriter und Lektoren kennen sie zur Genüge, diese Frage, welche sie immer wieder heimsucht. Es ist das Gespenst des Bestsellers. Autoren, mit denen ich bisher – in welcher Form auch immer – zu tun hatte, wagen es nicht, dies laut zu sagen, aber jeder von ihnen fragt: »Könnte mein Buch ein Bestseller werden?« Zu denen, welche mich unverblümt fragen, antworte ich in der Regel, dass es dafür keine Garantien gibt. Der richtige Zeitpunkt und etwas Glück sind alles, was man braucht. Das Verlegen ist kein Geschäft, sondern vielmehr ein Roulette wie im Spielkasino. All die alten Sprüche vieler Verlagsleute kennt man bereits seit Ewigkeiten und sind zum größten Teil nichts weiter als höflich formulierte Floskeln. Stattdessen sollten sowohl Autoren als auch Verlage den Fokus auf eine andere Frage lenken. Was ist ein Bestseller? Die Antwort darauf ist nicht so einfach, wie das Wort »Bestseller« – Verkaufsschlager – bereits sagt.

Es gibt drei Hauptwege, welche ein Buch beschreiten kann, um einen Bestseller-Status zu erreichen:

1. Es kann einen Platz auf einer Bestsellerliste landen.

2. Es kann zu einem Amazon-Bestseller werden.

3. Es wurde eine beträchtliche Anzahl von Exemplaren verkauft.

Die Bezeichnung »Bestseller« ist jedoch irreführend, da jeder dieser drei Wege nicht geregelt ist. Bestsellerlisten haben keine Standardformel, der Bestseller-Status bei Amazon kann missbraucht werden. Denn es gibt keine bestimmte Anzahl der Verkäufe, die ein Buch offiziell zu einem Bestseller macht.

Unter den Bestsellerlisten, die hierzulande zusammengestellt werden, dürfte die des Spiegels als der Heilige Gral gelten und ist in puncto Fokussierung des Kundeninteresses zu einem bedeutenden Werkzeug des Buchhandels geworden. Die Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG mit Sitz in Dortmund, seit 2007 eine Tochter des Spiegel-Verlags, ist vor allem durch die seit über 40 Jahren für den Buchhandel und Verlage herausgegebene Branchenzeitschrift buchreport bekannt und wertet Verkaufsdaten aus. Auch die GfK Entertainment GmbH mit Sitz in Baden-Baden verfährt nach gleicher Methode. Da stellt sich für mich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um auf Bestsellerlisten zu gelangen. Auf Buchreport findet man umfangreiche Details, welche meine Frage ausführlich beantworten und ich an dieser Stelle aufgrund der Länge auf eine Veröffentlichung derselben verzichte.

Amazonrankings sind sehr fließend. Das System, welches niemals schläft, schenkt einem den Bestseller-Status, wenn man die gesetzte »Schallmauer« der Top 100 durchbricht, und sei es auch nur für einen Tag. Für Autoren und Verlage dauert es lediglich circa 30 Sekunden, um dies erkennen zu können, wenn sie eine Kampagne gestartet haben oder per E-Mail darum bitten, ein bestimmtes Buch am gleichen Tag zu kaufen, um dem Buch die Chance einzuräumen, unter die Top 100 zu kommen. Dann könnte es ehrlich gesagt zu einem Amazon-Bestseller kommen, vorausgesetzt, der Titel bliebe für längere Zeit in den Top 100. Keine leichte Aufgabe, vor die man durch Amazon dabei gestellt wird.

Und nun in einigen Sätzen, was aus meiner bescheidenen Sicht Autoren und Verlage in Bezug auf Bestseller beherzigen sollten.

Wie viele Exemplare muss man verkaufen, bevor sich ein Buch ein Bestseller nennen kann?

Im Gegensatz zu dem, was manche Menschen unter uns glauben, wird kein Buch ein Bestseller, wenn es eine bestimmte Umsatzschwelle erreicht hat. Ein Bestseller-Status ist nicht kumulativ oder ein Verkauf auf Lebenszeit. Es gibt keine Verkaufsformel, die ein Buch zum Bestseller macht. Es ist eher ein Wettbewerb, ein Rennen: Wer die meisten Exemplare in einem festgelegten Zeitfenster (in der regel eine Woche) verkauft hat, ist der Sieger. Abhängig davon ist der fakt, dass es Wochen mit viel Umsatz gibt und Wochen, in denen Flaute herrscht. Was im Monat Juli an die Spitze der Bestsellerlisten geschafft hat, kann möglicherweise rund um Weihnachten nicht mehr unter den Top 100 sein, da anderes, Zeitbezogenes in der Regel in den Abverkäufen höher rangiert.

Kann man ein Buch als Bestseller ansehen, solange man weiß, dass es mehr verkauft wurde als andere Titel?

Nun ja, da gibt es ein klares Nein. Technisch gesehen kann ein Buch nur als ein Bestseller bezeichnet werden, wenn es auf einer veröffentlichten Bestsellerliste angezeigt wird. Wenn es nicht auf einer offiziellen Bestsellerliste steht, ist es nicht als ein Bestseller identifiziert worden. Die meisten wichtigen Publikationen wie Zeitungen und manchmal Zeitschriften oder Websites, die Bestsellerlisten veröffentlichen, gewährleisten, dass diese auf umfassende nationale Verkäufe basieren, und nennen ihre Quellen. Diese Quellen sollten sachlich korrekte Informationen enthalten.

Werden alle meine Buchverkäufe im Ranking mitgerechnet?

Fast. Der Haken dabei ist, dass die Verkäufe gemeldet werden. Media control ist der Service, der Bestseller-Informationen zu renommierten Listen bereitstellt. Wenn die Verkäufe von Buchhändlern nicht gemeldet werden, besteht keine Möglichkeit zu wissen, ob der Verkauf tatsächlich vollzogen wurde.

Wenn ein Buch ein Bestseller ist, bedeutet dies, dass es sich mehr als jedes andere Buch verkauft?

Nicht unbedingt. Da die meisten Bestseller-Platzierungen auf wöchentliche Verkaufszahlen basieren, ist für ein Buch es möglich, innerhalb einer Woche sehr gut verkauft zu werden, um auf der Bestseller-Liste zu erscheinen, und technisch als ein Bestseller gerechnet wird, auch wenn danach keine weiteren Exemplare verkauft werden. Ein anderer interessanter Aspekt ergibt sich aus der Tatsache, dass es Bücher gibt, die durchweg gut sind, aber nicht gut genug, um es auf die Rankinglisten zu schaffen. In solchen Fällen kann es manchmal auftreten, dass der Jahresumsatz als Richtwert genommen wird, damit der Titel am Jahresende auf den Bestsellerlisten erscheint.

Bestimmte Typen von Büchern (siehe Buchreport) werden im Allgemeinen vom Ranking ausgeschlossen, auch wenn sie sich wie zum Beispiel Wörterbücher super verkaufen.

Was hat es damit auf sich, wenn auf einem Cover das Wort »Bestseller« steht?

Ein Bestseller-Anspruch auf einem Buchcover kann bedeuten, dass er sich dabei auf eine der Bestsellerlisten bezieht. Steht auf dem Cover das Wort »Bestsellerautor«, weist dies darauf hin, dass der Autor mit einem früheren Buch einen Bestseller-Status erreicht hat.

Ist ein Bestseller der einzige Weg, damit mein Buch als Erfolg betrachtet werden kann?

Auf keinen Fall! Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um als Autor und Verlag Aufmerksamkeit zu bekommen. Eine effiziente Public Relation kann einiges bewirken. Und mit einem oder mehrere Quäntchen Glück schafft man es auch auf eine Bestsellerliste. Es dauert halt ein wenig, und man sollte Geduld aufbringen. Eine Woche Umsatzentwicklung bedeutet nicht, dass das Buch erfolgreicher als andere ist. Verkäufe sind nicht immer ein Indikator für Rentabilität. Es gibt so vieles mehr, was ein Buch wirklich erfolgreich macht, vor allem, wenn es innerhalb der vorab anvisierten Zielgruppe gelesen und geliebt wird. Verkäufe sind nicht das Nonplusultra. Bewertungen, Nominierungen bei Awards, Bildungsziele und Zufriedenheit der Leser sind ein Teil von dem, was den Erfolg eines Buches ausmacht.

Fazit:
Ich hoffe, mit meinen Ansichten und Antworten auf die anfangs aufgeworfene Frage in den Mythos Bestseller etwas Licht gebracht zu haben. Die oben aufgeworfenen Fragen und Antworten sind nur als Richtlinien zu verstehen – nicht als Regelwerk. Es gibt sicherlich unterschiedliche Auslegungen zu dieser Thematik, jedoch keine Bestseller-Security, welche dies strikt durchzusetzen versucht.
Es scheint mir zu einfach, zu unüberlegt, auch etwas überheblich und über das Ziel hinausgeschossen zu sein, wenn einem in der Community Facebook auf einem Waschzettel, Flyer, Banner oder Ähnliches eines Verlages das Wort »Bestsellerautor« ins Auge sticht, ohne irgendeinen Hinweis zu finden, mit welchem Werk der Autor auf einer der Bestsellerlisten rangiert(e).

(wb)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.