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Captain Concho – Band 72

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 72
Ruhm und Ehre der Rebellen

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertugrul Edirne / Becker-Illustrators
Kurzinhalt:
Louisiana – einer der Staaten, die zur Konföderation gehören- ist fast völlig in der Hand der Yankees. Nur noch Shreveport wird von Rebellengeneral Smith gehalten, wie eine Insel im sturmgepeitschten Meer. Auch Alexandria ist schon vom Feind besetzt. Und hier arbeitet ein Verräter mit den Yankees Hand in Hand: Colonel Axtell, der ehemalige Adjutant von General Smith. Axtell ist sicher, dass die Blauröcke ihn für seine »Dienste« zum Gouverneur ernennen, sollten sie den Krieg gewinnen. Und er hat kostbare Informationen über Shreveport anzubieten. Doch der Verräter weiß, dass ein unerbittlicher Jäger, auf seiner Fährte sitzt: Captain Concho! Dennoch fühlt sich Axtell sicher, denn er hat einen mächtigen Beschützer – Yankee-Colonel Crocker, Conchos ehemaligen Lehrmeister auf der Militärakademie von Lexington …

Leseprobe:

In einem Anzug aus schwarzem Cord, den Revolver in der Schulter­holster unter dem Jackett verborgen, saß Captain Concho in der Hotelbar, starrte ins leere Glas und dachte darü­ber nach, wo er in dieser großen Stadt Colonel Axtell suchen sollte – vom Finden gar nicht zu reden.

Im General Kirby Smiths Auftrag war er nach Alexandria geritten, um den Colonel zu finden und nach Shre­veport zurückzubringen.

Doch wie vom Erdboden verschwun­den war dieser Axtell, der Adjutant von Kirby Smith. War er einem Ver­brechen zum Opfer gefallen, war er übergelaufen, einfach nur desertiert oder hatte er sich in einem Anflug von Resignation und Depression abgesetzt? Diese Fragen waren ungeklärt. Doch aus welchen Gründen auch immer der Colonel verschwunden war – Captain Concho hatte den Befehl, Axtell auf jeden Fall und um jeden Preis nach Shreveport zurückzubringen.

Dass der Colonel in Alexandria aufgetaucht sein sollte, war, die einzige Information gewesen, die ihm der Ge­neral gegeben hatte.

Concho kannte den Colonel persön­lich. Das aber musste kein Vorteil sein, eher ein Nachteil.

Eine zarte Hand riss Captain Concho aus seinen Gedanken. Es war eine un­gemein sanfte Berührung.

Er sah auf. Es war eines der Bar­girls, die hier angestellt waren, um die Yankee-Offiziere zu unterhalten. Eine Beschäftigung, der sich die Girls mit Eifer widmeten, wie er beobachtet hatte. Gewiss lag das an der harten Währung, in der die Yankees zahlten. Alexandria war die Hauptstadt von Louisiana, das zur Konföderation gehörte. Mithin waren die Yankees in dieser vom Krieg schon schwer heim­gesuchten Stadt Besatzungstruppen.

Doch davon war nichts zu spüren. Jedenfalls in der Hotelbar nicht.

Den Captain ärgerte das, und des­halb musterte er das hübsche, blonde Lockenköpfchen, mit verschlossener Miene.

Sie lächelte. »Ich mag Männer, die in ein leeres Glas schauen – lange und nachdenklich. Spendieren Sie mir einen Pfefferminzsoda?«

Schon hatte Concho eine abfällige Bemerkung parat, obwohl er sich da­rüber im Klaren war, dass alle, die mit dem Feind fraternisierten – ob es nun diese Girls im Hotel, die Kinder auf der Straße oder die Geschäftsleute in der Stadt waren – dies aus Hunger taten. Aber hungerten die Männer an der Front nicht auch? Wenn Concho da nur an seine Abteilung dachte …

Seine abweisende Miene ließ das Mädchen völlig unbeeindruckt.

Sie neigte sich vor, damit er ihr ins Dekolleté schauen konnte. »Finden Sie mich nett? Möchten Sie mit mir schlafen? Zwanzig Dollar, Mister! Sie werden es nicht bereuen.«

Er hatte es doch geahnt, dass diese Weiber auch mit den Yankees in die Betten gingen, wenn die Männer an der Front das wüssten, sie würden die Gewehre auf der Stelle in den Dreck schmeißen.

Er nahm das Glas in die Hand. »Kee­per!«

»Benehmen Sie sich nicht so albern, Captain«, sagte sie da raunend. »Sie sind erkannt worden. In fünf Minuten ist das Wachkommando vom Haupt­quartier hier.«

Concho sah sie an und kniff die Lider zusammen.

Das Girl lächelte unentwegt weiter und hakte sich bei ihm ein. »Erst ges­tern haben die Yankees zwei Spione erschossen.«

Ein Major, stockbetrunken, taumelte neben ihr gegen den Tresen. »Na, du Zuckerschnute? Wie ist es mit uns bei­den?«

Sie zog Captain Concho vom Ho­cker und fuhr dem Major dabei mit der linken Hand über die Wange. »Du weißt doch, dass ich dich liebe, Bill! Trink einen Whisky. Ich bin gleich wieder da.«

Das Girl schritt schnell aus, und Concho folgte ihr. Sie zog ihn einfach mit.

Der Major wankte herum. »Hör mal, du mieses Flittchen! Seit wann gibst du einem schäbigen Rebellen den Vor­zug?«, rief er mit tönender Stimme, dass in der Bar alle Gespräche verstummten.

Das reinste Spießrutenlaufen war das für Concho und das Mädchen!

Über zwanzig Offiziere befanden sich in der Bar. Die meisten waren schon sinnlos betrunken. Einige spran­gen auf.

»Schlagt die Rebellen, wo ihr sie trefft!«, brüllte einer lallend.

Ein junger Lieutenant trat dem Gin und Captain Concho in den Weg und zog blank.

»Komm her, Rebell! Damit ich es dir geben kann!«, schrie er und riss den Säbel hoch. Breitbeinig stand er da und wankte trotzdem wie ein Grashalm im Wind. Feucht klebte ihm das Haar auf der blassen Stirn.

Captain Concho an der Hand, schritt das Girl auf den Yankee zu. »Du spinnst doch! Er ist doch kein Rebell! Ihr seid ja alle betrunken.«

Nicht den geringsten Respekt hatte das Mädchen. Sie stieß den Lieutenant vor die Brust, dass er zurücktaumelte und zwischen zwei Tischen auf den Rücken krachte. Dabei riss er donnernd und polternd die Stühle mit. »Haltet den Rebell!«, brüllte einer der Yankees heiser.

Das Girl rannte mit Captain Concho zur Tür. Rasch waren sie draußen. Tumult entstand hinter ihnen.

Das Mädchen lief mit ihm durch den schwach beleuchteten Flur zur Hintertür. Dabei drückte sie ihm einen Schlüssel in die Hand.

»Ich gehe sofort zurück und sage den Yankees, dass Sie abgehauen sind«, sagte sie, als sie die Hintertür öff­nete: »Sie gehen die Straße entlang in Richtung des Glockenturmes. Ich habe einen Rosengarten vor dem Haus. Es ist der Einzige in der Straße. Warten Sie auf mich.«

Sie schob ihn ins Freie und schloss die Tür.

Captain Concho sah sich kurz um. Dann rannte er zum Tor, trat auf die Straße hinaus und verharrte.

In Doppelreihe, die Gewehre ge­schultert, marschierten da zwanzig Yankees heran. Befehle ertönten. Der Trupp hielt vor dem Hotel und stürmte hinein.

Rasch ging der Captain weiter, vor­bei an Ruinen zerschossener und aus­gebrannter Häuser. Die Dunkelheit war fast undurchdringlich. Plötzlich entdeckte er das etwas zurückgesetzt stehende, sehr kleine Haus. Die Rosen dufteten. Concho stieg über den knapp drei Fuß hohen Zaun und schaute da­bei zurück. Nicht ein Mensch war au] der Straße zu sehen. Auf dem Kiesweg schritt er zum Haus und blieb dort eine ganze Weile stehen, ehe er den Schlüssel aus der Tasche nahm und aufschloss.

Er trat ein, zog die Tür hinter sich zu und verharrte. Angestrengt versuchte er, etwas zu erkennen. Es roch nach Äpfeln. Ein vertrauter Geruch. Wo hatte er den schon wahrgenommen? Er erinnerte sich nicht …

Der Captain riss ein Streichholz an. Er befand, sich in einem kleinen Vor­raum. Einpaar Schuhe standen an der Wand. Auf Bügeln hingen ein Mantel und ein Kleid.

Zwei Türen zweigten von diesem Raum ab. Er tastete sich im Dunkeln vorwärts, öffnete die rechte Tür und riss ein neues Streichholz an. Ein Bett stand darin. Er blies das Streichholz aus und schloss die Tür sofort wieder.

Durch die andere Tür gelangte er in die Küche und in den Wohnraum. Er nahm meinem Sessel Platz und wartete im Dunkeln.

Plötzlich schreckte er hoch. Er war eingenickt. Stimmen drangen von draußen herein. Captain Concho stand sofort auf. Er warf einen Blick auf die Straße. Zwei Frauen sprachen mitei­nander. Der Kies knirschte unter den Schuhen. Wohnte das Blondchen nicht allein hier?

Er hatte den Schlüssel auf den Tisch gelegt und suchte danach. Aber das Girl besaß einen zweiten. Die beiden Frauen betraten das Haus. Eine Lampe leuchtete vorne auf. Die Flamme fla­ckerte hin und her, bis sie plötzlich ruhig brannte.

Die Lampe in der Hand, kam das blondhaarige Girl durch die Küche in den Wohnraum. Das andere Mädchen folgte ihr und war nur schemenhaft zu erkennen.

»Hallo!«, sagte Concho.

Die Blonde stellte die Lampe auf den Tisch und wandte sich dem anderen Girl zu.

Nun erkannte Concho, dass es sich nicht um ein zweites Animiermäd­chen handelte. Es war eine Frau um die Vierzig. Sie wirkte sehr vornehm und elegant, hübsch, mit silbergrauem Haar.

»Sie sind Captain Concho?«, fragte die Frau.

Der Captain schluckte. Woher kannte sie seinen Namen? »Ja!«, er­widerte er.

»Sie sind wegen Colonel Axtell nach Alexandria gekommen«, sagte die Frau schnell.

Der Captain verzog das Gesicht. Das Blondchen ging hinaus und schloss die Tür.

Die Frau kam zu ihm und griff nach seinen Händen. Ihre Lippen zitter­ten. »Ich bitte Sie inständig, Captain, kehren Sie nach Shreveport zurück. Colonel Axtell ist kein Verräter! Das müssen Sie mir glauben!«

»Ich verstehe nicht!«, erwiderte Con­cho. »Wer sind Sie – seine Frau, Mrs. Axtell?«

Sie sah ihm in die Augen. »Wir wer­den heiraten! Eines Tages – sobald der Krieg zu Ende ist. Er weiß nicht, dass ich bei Ihnen bin.«

Captain Concho entzog ihr die Hand.

»Ich bitte Sie um alles in der Welt, reiten Sie nach Shreveport zurück, Captain. Der Colonel ist kein Verräter.«

»Weshalb hat er Shreveport ver­lassen … ohne jemandem etwas zu sagen? Kann ich ihn sprechen?«, fragte Concho verwirrt.

»Besser, Sie sehen ihn nicht!«

»Ma’ am, niemand hat Colonel Ax­tell als Verräter bezeichnet. Er ist so urplötzlich verschwunden, dass wir ein Verbrechen nicht ausschließen können.«

»Ein Verbrechen?«

Hoffnung schimmerte in ihren hei­len Augen »Ja! Berichten Sie in Shre­veport, dass Colonel Axtell Opfer eines Verbrechens geworden ist!«

»Wie stellen Sie sich das vor, Ma ‘am?«

»Dieser Krieg ist für den Süden ver­loren, Captain!«, sagte sie hastig.

»Das sehen wir aber anders, Ma ‘am!«

»O nein! Captain, der Colonel hat wohl einen besseren Überblick als Sie. Dieser Krieg ist verloren. Hier in Loui­siana gibt es nur noch die Truppen in Shreveport. Die Yankees werden die Stadt einschließen und aushungern, wie sie es mit Vicksburg exerzieren. Der Sieger wird Gericht halten. Dann brauchen wir doch ein paar Männer, die hier zu Hause sind, die hier geboren wurden und die in der Lage sind, sich das Vertrauen des Siegers zu erwer­ben und versuchen, das Schlimmste für uns alle zu verhindern! Männer, denen der Norden voller Vertrauen die Regierungsgewalt übergibt, sodass wir unsere eigenen Herren sind. Louisiana braucht nach dem Krieg Persönlich­keiten, die das Vertrauen des Nordens haben, die uns regieren und in der Lage sind, den Sieger mild zu stimmen.«

(wb)