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Ich bilde mir meine Meinung

Ich bilde mir meine Meinung

Es war schon immer so und wird auch weiterhin so bleiben. Beim Näherkommen eines Polizisten in Uniform beschleicht mich oft ein mulmiges Gefühl. Schweißperlen bilden sich auf der Haut, und ich komme leicht ins Schwitzen. Ich nehme eine abwartende Haltung ein, bleibe zumindest äußerlich ruhig und atme tief durch. Die alles entscheidende Frage in solch einer Situation entfaltet sich vor meinem geistigen Auge: Habe ich etwas falsch gemacht?

Ähnliches geschieht bei der Begegnung mit Personen im Business Dress, denen ich oft ihrem Äußeren nach eine gehobene Position zuordne und mir bewusst oder unbewusst eingestehe, dass das, was sie von sich geben, einfach stimmen muss. Einem Obdachlosen hingegen glaubt man nicht so einfach, auch wenn dieser innerhalb einer angerissenen und diskutierten Thematik weitaus mehr punkten kann als der Anzugsmensch. Doch zerschlissene Kleidung und ungepflegter Körper sagen über den Intellekt besagter Menschen überhaupt nichts aus. Man schenkt der gut gestylten Person Glauben. Ergo spielt Wissen dabei nicht die entscheidende Rolle; wie man sich präsentiert jedoch schon. Und gerade darin liegt des Pudels Kern.

Wir lassen uns immer mehr von Alphamenschen mit vermeintlich hoher Autorität lenken, befolgen deren Anweisungen oder ahmen diesen Autoritäten nach, auch wenn wir im Innern unseres Geistes eine Dissonanz spüren, die uns sagt, dies nicht zu tun. Immer mehr steigen wir hinab in den Bereich der notorischen Ja-Sager, widersprechen nicht, nur weil unser Alphatier tagtäglich eine gewisse Autorität für sich in Anspruch nimmt. Wir dagegen verkümmern zum Mitläufer, schalten dabei unser eigenes Denkvermögen ab, prüfen die Tatsachen nicht mehr und trotten einfach dem Leittier hinterher. In gewissen Situationen, in denen mit Gefahren für Leib und Leben zu rechnen ist, mag dies richtig sein und wir befolgen gegebenen Anweisungen. Doch wenn wir bereits im Vorfeld intuitiv wissen, dass wir nicht so handeln würden, wie es uns das Alphatier aufdiktiert, sollten wir wachsam sein und darüber nachdenken, ob die Meinung der autoritären Person uns gut tut oder ob hinter dieser nur eigennützige Motive stehen. Dieses zu durchschauen, erfordern ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein sowie das Vermögen, die Meinung des Alphatieres zu durchschauen, um sich danach seine eigene Meinung zu bilden. Denn nicht immer hat das Alphatier recht.

Ich sage nicht zu allem, was mir aufgetischt wird, Ja und Amen. Ich begebe mich in die entsprechende Situation, fühle in mich hinein und analysiere, ob das Verhaltensmuster meines Gegenübers aufrichtig und authentisch auf mich wirkt oder ob sich ein Gefühl von Skepsis in mir breitmacht. Bei Letzterem schaue ich mir die Tatsachen persönlich an, verschaffe mir ein klares Bild über die Situation und bilde mir letztendlich meine eigene Meinung. Dabei reduziere ich die Übernahme des vermeintlichen Wissenspotenzials anderer Personen auf ein Minimum. Ich überprüfe das Input, welches ich als sicher geglaubte Fakten und Tatsachen aus meiner Umgebung bekomme. Woher zum Beispiel will jemand die Verkaufszahlen eines Verlages kennen, wenn der Verlag selbst keine Verkaufszahlen preisgibt. Dieser jemand äußert persönliche Vermutungen und stellt sie als wahr der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese Mutmaßungen halten der Formel ZIMBE (Ziel-Inhalt-Methode-Beweis-Ergebnis) nicht stand und suggeriert lediglich, dass dieser jemand entsprechendem Verlag sehr nahe stehen könnte. Doch wer genau hinter die Fassade schaut, erkennt sehr schnell die Schaumschlägerei und Rattenfängerei. In all den Jahren habe ich feststellen müssen, das der größte Teil von dem, was mir diese Schaumschläger und Rattenfänger über die Welt erzählen wollten, absoluter Schwachsinn ist. Diese Leute haben selbst keinen Plan darüber, wie die Welt funktioniert, und sind nur darauf aus, ihre ach so wichtigen Weisheiten zu verkaufen.

Auch wenn andere der Meinung sind, ihren Mitmenschen ihre »Weltglaubenssätze« auftischen zu müssen, macht sie das um keinen Deut intelligenter oder wissender, auch wenn man diese bei den ersten Aufeinandertreffen vielleicht unbewusst als solches einschätzt. Mit den Jahren vermag man nach genauem Hinschauen und Hinterfragen zum eigentlichen Vermögen jener Persönlichkeiten vorzudringen. Man erkennt während dieser Prozesse sehr schnell, dass sie meist nur an der Oberfläche kratzen und nicht zum Kern der Sache vordringen können. Kurzum: Ihr Wissen ist so breit wie ein Ozean und so tief wie eine Pfütze. Es gibt für mich ergo keinen Grund, dem von solchen Menschen suggerierten Weltbild Glauben zu schenken; auch nicht dann, wenn ihre Argumente von Fremdworten durchwebt sind und dadurch Wissen vortäuschen. Meist wissen diese arme Seelen, die sich für den Nabel der Welt halten, genauso viel oder sogar weniger als man selbst. Doch sie dulden keine Widerworte und lassen schon mal hin und wieder persönliche Meinungen aus Postings verschwinden, sodass Kommentare aus dem Zusammenhang gerissen werden. Und dies unter dem Deckmantel des Hausrechts, was juristisch gesehen völliger Schwachsinn ist, da dieses für solch eine Situation nicht greifen kann.

Deshalb mein persönlicher Rat an dieser Stelle: Schaltet euer Gehirn ein, prüft die Fakten- und Sachlage. Und danach könnt ihr euch eure Meinung bilden. Meine habe ich bereits gefunden!

(wb)

Ein Kommentar zu Ich bilde mir meine Meinung

  • Paule sagt:

    Wolfgang,
    deinem Beispiel folgen nach meiner Beobachtung viele.
    Deshalb laufe ich eher abgerissen durch die Gegend, feine Klamotten findet keiner in meinem Schrank.
    Personen, welche mich kennen, lassen sich natürlich nie anstecken.
    Einzig: eingerissenen Jeans sind für mich kaputt – nie modern; dann setze ich ‘nen Flicken drauf!
    ** mehr Sein als Schein ** so komme ich nebulös an allen vorbei, egal ob Business- oder Uniformlook.

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