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Die Role Play Convention 2015

Die Role Play Convention 2015
Ein Bericht zu Sonntag, dem 17. Mai 2015

Die Role Play Convention ist für die deutschen Phantastikszenen ja so ein bisschen, was die Met Gala für Hollywood & Co.: Menschen (und Orks, Elfen, Werratten etc.) in aufwendigen Designerkleidern laufen über den roten Teppich die Rolltreppe, während um sie herum das Blitzlichtgewitter tobt. Das Sehen und Gesehenwerden war schon immer ein besonderer Reiz der Role Play Convention, die wie kaum eine andere Phantastik-Con in Deutschland auf ein sinnliches Erleben setzt.

Ein Event für alle und keinen?

Das liegt nicht nur an den Kostümen und Gewandungen der Zuschauer; auch das Ambiente zwischen Mittelalter und Cyberpunk, die Gerüche nach Myrrhe und Flammkuchen und die Geräuschkulisse von Metal bis Trailershow trägt ihren Teil dazu bei. Mitunter führt das Ganze schon ein wenig zur Reizüberflutung und der bunte Mix ist nicht immer für jeden etwas. Schon seit mehreren Jahren muss sich die RPC die Kritik gefallen lassen, dass ihr ein roter Faden fehlt. Ganz aus der Luft gegriffen ist dieser Vorwurf nicht: In ihrem Versuch, eine möglichst breite, Phantastik-orientierte Masse anzusprechen, wirkt sie mitunter beliebig, überladen und paradoxerweise dennoch inhaltsarm. Andererseits ist es gerade auch einer der Vorzüge der RPC, sich eben nicht zu spezialisieren. An vielen anderen Wochenenden muss man sich als Szenehybrid entscheiden: heute lieber Cosplay-Event, Metalkonzert, Mittelaltermarkt oder Rollenspiel-Con? Auf der RPC hat man trotz der Rollenspielfokussierung mehr oder weniger alles, was ich durchaus als positive Alternative empfinde. Für stärkere Spezialisierungen gibt es andere Veranstaltungen. Und das Konzept wird weiterhin angenommen: Samstags war die RPC so gut besucht, dass ab mittags bereits keine Tageskarten mehr verkauft wurden. Was vielleicht den einen oder anderen Besucher sonntags vom Besuch abgeschreckt hat, denn da ließ es sich durchaus angenehm durch die Gänge laufen.

Gelungenes Lesungs- und Konzertprogramm

Zwischen dem Betrachten all der faszinierenden Cosplays, Gewandungen und Kostüme ist das Programm fast ein wenig zweitrangig. Aber eben nur fast und man muss sagen: Es war gelungen. Gut, der Workshop-Bereich war dieses Jahr eher uninteressant. Wer gerne mit Met kocht oder intensiv Cosplay und LARP betreibt, konnte hier durchaus praktische Tipps bekommen. Doch spannende Vorträge blieben weitestgehend aus. Dabei würde sich gerade die RPC für einen szeneübergreifenden Blick anbieten. Aber vielleicht ist das zu viel verlangt von einer Messe, die eben doch mehr auf sinnliches Erleben und Unterhaltung als auf Information setzt.

Außerdem wurde man durchaus entschädigt: Da war zum einen das abwechslungsreiche Konzertprogramm auf dem Mittelaltermarkt, das mal sehr metallhaltig und dann doch wieder deutlich folkiger war. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht immer, wer genau auf der Bühne stand und dank Zeitverzögerung war auf das Programmheft auch nicht immer Verlass. Gefallen hat aber ausnahmslos jede Band. In bester Erinnerung sind die Auftritte von Tanzwut und natürlich den obligatorischen Ye Banished Privateers geblieben. Besagte Zeitverzögerung hat aber leider dazu geführt, dass Xandria – für mich eigentlich das musikalische Highlight der Con – ganze 50 Minuten später als angekündigt angefangen haben und damit zehn Minuten vor Ende der RPC. Für uns hieß das leider, dass wir nach dem ersten, vielversprechenden Lied gehen mussten. Äußerst schade. Am Zeitmanagement müsste noch irgendwie gefeilt werden; zu ähnlichen Problemen ist es offenbar auch bei einigen Workshops gekommen.

Besser funktioniert hat das beim Lesecafé, das in diesem Jahr von Feder&Schwert organisiert wurde. Die richtig großen Namen haben sonntags zum Großteil gefehlt, aber macht ja nichts: Newcomerin Kirsten Brox konnte mit ihrer Lesung aus Matamba ebenso unterhalten wie Preisabräumerin Ann-Kathrin Karschnick, die eine gelungene Lesung aus ihren Phoenix-Bänden zum Besten gab. Angenehmerweise wurden die Akustik-Probleme der letzten Jahre endlich gelöst. Heißt: Zwar wurde das Lesecafé räumlich verkleinert, aber dafür konnte man selbst in der letzten Reihe die Vorlesenden noch verstehen. Wahnsinn. Hier also eine deutliche Verbesserung. Dass sich Feder&Schwert dieses Bereichs angenommen hatten, brachte im Vergleich zum Vorjahr auch einen atmosphärischen Pluspunkt mit sich. Einen Treffpunkt wie früher mit WerkZeugs bedeutete das zwar nicht, aber dafür hielt dann der in diesem Jahr besser ins Gesamtgeschehen eingebundene Fandom-Bereich her.

Tanzende Golems und siegreiche Zeitreisende

Vor der Mainstage von Roccat konnte man derweil ausgiebig kreischenden Leuten im Kampf um in die Menge geworfene Gimmicks, Merchandise und Gaming-Zubehör zusehen bzw. zuhören. Zwischendurch gab’s Trailer und mal mehr, mal weniger unterhaltsame Game-Präsentationen. Hier bestanden die im Lesecafé überwundenen Akustik-Probleme allerdings weiterhin: Keine Ahnung, was über Xhodon erzählt wurde – die Metalband nebendran verstand es deutlich besser, sich Gehör zu verschaffen.

Gelungenes Highlight auf der Mainstage war der erstmalig stattgefundene Performance-Wettbewerb. Anders als beim samstägigen Kostümwettbewerb zählten hierbei nicht nur die Kostüme, sondern auch die in kurzen Szenen vorgetragenen Darstellungen. Nachdem die Technik funktionierte und alle Teilnehmer da waren (also etwa eine halbe Stunde später als geplant), erwarteten die Zuschauer unterhaltsame Darbietungen mit zankenden Faunen, kämpfenden Zwergen oder tanzenden Golems. Den ersten Platz des Juryentscheids gewann eine Gruppe Werratten, beim Publikumspreis lagen zwei Zurück in die Zukunft-Cosplayer vorn.

Fazit

Rein subjektiv betrachtet war die diesjährige RPC dank netter Leute und unterhaltsamer Programmpunkte sehr gelungen. Unter kritischer Betrachtung gibt es aber trotz Verbesserungen auch einige Schwachstellen, derer sich die Veranstalter noch annehmen sollten: Das Zeit- und Akustikmanagement ist weiterhin nicht problemfrei, außerdem wird in vielerlei Hinsicht einfach stark an der Oberfläche gekratzt. Einerseits bei der breiten Thematik verständlich – andererseits hätte da trotzdem mehr drin sein können.

Dennoch – für mich bleibt die Role Play Convention ein jährliches Pflichtevent.

Fotos:
Verwendung der Fotos 2,3 und 5 mit freundlicher Genehmigung von Stefan Kulpa.

Rine komplette Galerie seiner RPC-Fotos findet man unter: www.facebook.com. Die Copyrights liegen bei ihm.

(ar)

 

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