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Im Gespräch mit Markus K. Korb

Markus K. Korb gilt in der Horrorszene als Meister des Genres. Der gebürtige Franke findet in allem und jedem Ideen für Storys, bedient sich in der Geschichte genauso wie in der Gegenwart. Dass Edgar Allan Poe eines seiner literarischen Vorbilder ist, erkennt man als Leser an der Subtilität der Geschichten, die das Genre in seiner ganzen Vielfalt repräsentieren.

Hallo Markus,

den 9. Geburtstag des Geisterspiegels möchte ich zum Anlass nehmen, dir ein paar Fragen zu deinem literarischen Schaffen zu stellen. Auch wenn ich davon ausgehe, dass dich viele unserer Leser bereits kennen, stell dich doch bitte denen, die dich heute über dieses Interview kennenlernen, kurz vor.

Markus K. Korb: Danke für die freundlichen Worte. Ich bin enthusiastischer Schreiber von zumeist unheimlicher Phantastik, und das schon seit meinem zehnten Lebensjahr. Inzwischen bin ich 44 Jahre alt und darf auf neun Buchveröffentlichungen zurückschauen, die in den letzten ca. zehn Jahren erschienen sind. Dazu kommen noch Veröffentlichungen in Anthologien und Magazinen, die ich nicht mehr zahlenmäßig im Blick habe. Den Deutschen Phantastik Preis und den Vincent Preis habe ich für meine Kurzgeschichten erhalten, die ich ausschließlich schreibe, da ich diese Textform für die bestgeeignete im Bereich der dunklen Phantastik halte.

Geisterspiegel: Wann hast du dein großes Interesse für Horrorliteratur entdeckt und welcher Autor zeichnet sich dafür verantwortlich?

Markus K. Korb: Das war mit zwölf. Ein Freund hat mir John Sinclair-Hefte gezeigt. Ich habe sie wie süchtig gelesen und da habe ich eine eigene Serie erfunden: Mark Demon. Sie ist allerdings niemals erschienen, sondern lagert – gut gegen fremde Augen gesichert – in einem Tresor am Meeresgrund …

Parallel dazu gefielen mir Gespenster-Geschichten schon immer sehr. Auch heute halte ich dieses Subgenre für ein leider viel zu oft unterschätztes.

Mit dreizehn habe ich dann Edgar Allan Poe für mich entdeckt. Es war wie eine Offenbarung, ein Erweckungsereignis. Von da an war mir klar – ich muss dunkle Phantastik schreiben! Zwanghaft.

Geisterspiegel: Was reizt dich an dem Genre? Ist dir das Leben nicht grausam genug?

Markus K. Korb: Oh nein, um das Leben geht es hier nicht. Die Literatur geht bewusst andere Wege. Die Literatur verarbeitet Leben, erhöht es, gibt ihm eine andere Bedeutung. In der Phantastik geht es um das Dunkle, das Grausame, Unheimliche. Sobald die Geschichte fertig und erzählt ist, schlägt man das Buch zu und weiß: Es war nur eine Geschichte. Die Dämonen sind im Inneren des Buches gebannt. Im echten Leben laufen sie mitten unter uns, menschliche Bestien. Oder Katastrophen, Kriege oder alles zugleich.

Doch die Phantastik leistet noch mehr. Sie kann ohne erhobenen Zeigefinger Themen aufgreifen und anprangern, wie beispielsweise in meinem neuesten Buch Amerikkan Gotik, wo es um die dunkle Seite des amerikanischen Traums geht: Rassismus, Indianer-Massenmord, Kapitalismuskritik und anderes wird angesprochen, kritisiert. Oder man denke an philosophische Fragen, die in der dunklen Phantastik durchdacht, durchgespielt werden können. Und all das auf unterhaltsame Art.

Geisterspiegel: Du verarbeitest in deinen Geschichten so ziemlich jedes Thema, das sich irgendwie anbietet. Aber auf die Ideen muss man ja erst einmal kommen. Was inspiriert dich? Wo und wie entdeckst du deine Themen?

Markus K. Korb: Ideen sind überall: Hier höre ich etwas, da sehe ich etwas, dort lese ich etwas – und irgendwie merke ich dann, dass Elemente davon zusammenpassen. Und so denke ich darüber nach, forme Gedanken, packe mal hierhin, mal dorthin – und irgendwann ist es soweit: Eine Idee zündet, wie eine neu entstandene Sonne. Das ist der Wahnsinn!

Geisterspiegel: Letztes Jahr erschien im Blitz Verlag Der Struwwelpeter Code. Für dieses Buch und die gleichnamige Kurzgeschichte hast du beim Vincent Preis 2014 gut abgeräumt. Wie wichtig sind dir solche Preise und inwieweit beeinflussen sie deine weitere Arbeit?

Markus K. Korb: Die Preise sind eine Bestätigung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich freue mich wie ein Schnitzel darüber, bin stolz und zeige sie herum. Dann aber – nachdem die Freude etwas abgeklungen ist – ordne ich die Urkunden in einen Ordner ein und mache weiter.

Ich stelle sie nicht wie Rockstars die Goldenen Schallplatten im Treppenhaus aus. Preise sind toll, eine Rückmeldung der Fans, und für die schreibe ich doch! Daher sind sie mir wichtig.

Ich darf stolz sein auf das Erreichte, aber nicht arrogant oder überheblich. Von daher kühle ich mich immer wieder ab.

Geisterspiegel: Der gute alte Struwwelpeter musste schon als Mordvorlage herhalten, nun für eine Verschwörungstheorie, dabei sind die Geschichten an sich ja schon gruselig genug. Erinnerst du dich noch an deine erste »Begegnung« mit dem Struwwelpeter? Wie hast du das als Kind empfunden?

Markus K. Korb: Ich hatte eine furchtbare Angst vor dem Schneider, der dem Kind mit einer Riesenschere die Daumen abzwickt.

Geisterspiegel: Und wie bewertest du die Inhalte heute, nachdem du dich für deine Geschichte intensiv damit auseinandergesetzt hast?

Markus K. Korb: Nicht groß anders. Es sind moralische Geschichten, Warnungen. Dabei finde ich besonders für die damalige Zeit interessant, dass zur Toleranz gegenüber dem Mohren aufgerufen wurde. Sehr fortschrittlich für das 19te Jahrhundert.

Geisterspiegel: Ganz neu erschienen ist deine neue Kurzgeschichtensammlung Amerikkan Gotik im Luzifer Verlag. Ein deutscher Horrorautor wirft einen Blick ins »Land der unbegrenzten Möglichkeiten«. Wie kam es zur Idee für dieses Buch und bietet das Land auch für dein literarisches Schaffen diese unbegrenzten Möglichkeiten?

Markus K. Korb: Ich bin ein Kind der 80er Jahre. Und in den 80ern kam man an Stephen King nicht vorbei. Viele wollten so schreiben wie er, benutzten amerikanische Helden und Orte. Auch ich. Doch ich merkte schnell, dass das aufgesetzt wirkte. Ich bin ein Deutscher und warum sollte ich nicht auch über deutsche Themen schreiben? Nach über 30 Jahren kehre ich aber zurück in die USA, aber mit einer anderen Prämisse: Ich sehe die USA nicht generell schwarz, aber es gibt finstere Flecken auf der Weste. Und auf die wollte ich hinweisen. Rassismus, Indianer-Massenmord, Kapitalismus, laxe Waffengesetze und anderes.

Geisterspiegel: Was hat es mit der ungewöhnlichen Schreibweise des Titels auf sich?

Markus K. Korb: Da ich ein Deutscher bin, habe ich – wie oben erwähnt – eine Außensicht auf Amerika. Eine schiefe Sicht. Und daher wollte ich das auch im Titel ausdrücken. Und wegen der drei Ks.

Geisterspiegel: Im Buch finden sich sehr trashige aber auch äußerst subtile Geschichten. Sie alle zeigen den ganz dunklen Traum von Amerika, wobei mir die »leiseren« Texte mehr Gänsehaut bescheren als die blutigen mit viel »Gekröse«. Welche Art Geschichten »fließen« dir leichter aus der Hand?

Markus K. Korb: „Gekröse-Storys“ gehen prinzipiell leichter, denke ich. Die subtilen erfordern ein behutsames Vorgehen, ein Herantasten an das Grauen, den richtigen Moment zum Zuschlagen abpassen.

Geisterspiegel: Wenn du besonders blutige Szenen beschreibst wie zum Beispiel in Abels Rückkehr, musst du dich an anatomische Gegebenheiten halten. Recherchierst du dafür oder lässt du es einfach bluten?

Markus K. Korb: Nein, einfach bluten lasse ich es nicht. Ich orientierte mich im konkreten Fall an Zombie-Filmen und ließ meine Phantasie den Rest erledigen.

Geisterspiegel: Recherche ist so ein Thema in phantastischen Genres. Inwieweit setzt du dich vorher mit deinen geplanten Themen auseinander?

Markus K. Korb: Sehr intensiv. Selbst ein Zombie-Slasher wie Abels Rückkehr bedarf wegen des Ku-Klux-Klan-Themas Recherchearbeit. Noch heftiger war es bei Entfremdung. Ich habe sehr viel über das Auswahlverfahren auf Ellis Island gelesen. Dazu die Bilderrecherche, die Fotos des Ortes. Damals und heute. Aber das macht Spaß, das ist keine Arbeit. Es inspiriert auch.

Geisterspiegel: Wie ich dich kenne, wirst du dich nicht auf deinen bisherigen Erfolgen ausruhen, sondern sicher schon am nächsten Projekt arbeiten. Darfst und möchtest du unseren Lesern schon etwas darüber verraten?

Markus K. Korb: Nun, bei meinem nächsten Projekt geht es wieder um ein politisches Thema. Diesmal geht es um Angst vor dem Fremden.

Geisterspiegel: Zum Abschluss hast du nun die einmalige Gelegenheit, deinen Lesern all das zu sagen, wozu du bisher noch keine Gelegenheit hattest.

Markus K. Korb: Ich danke allen Lesern für ihre Treue. Euer Enthusiasmus, der mir in Foren und auf Lesungen entgegenschlägt ist es, der mich weiterträgt. Ich würde zwar auch ohne euch weiterschreiben, da bin ich ehrlich. Aber es wäre bei Weitem nicht so erfüllend. Ein Autor sucht Öffentlichkeit, da bin ich keine Ausnahme.

Geisterspiegel: Lieber Markus, ich danke dir ganz herzlich für das Interview, wünsche dir weiterhin viele gute Ideen und Erfolg und deinen Lesern noch viele spannende und blutige Lesestunden.

Die Fragen stellte Anke Brandt.

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