Zweiter Advent

Story-Tipps

Eiszeit

Archive
Folgt uns auch auf

Die Strauchdiebe der Literatur …

Die Strauchdiebe der Literatur …
oder
… wenn mit Hoffnungen und Stolz junger Autoren Kasse gemacht werden soll.

Es begab sich Ende letzten Jahres, Schauplatz des Geschehens war Facebook, Grube aller menschlichen Hoffnungen, Sehnsüchte, Dramen und Zweifel.

Und es begann mit einem glücklichen Thread!

Ein FB-Freund schrieb, dass er Post von der Frankfurter Bibliothek erhalten habe. Sein Gedicht sei in die Endauswahl eines Wettbewerbs gekommen und würde nun in einem entsprechenden Jahrbuch erscheinen, das in diversen Nationalbibliotheken zu finden sei. Seine Nachbarn würden schon bald sehen, dass …

Ich verzichte darauf, den Wortlaut exakt wiederzugeben; auch, um mich nicht des Nachtretens schuldig zu machen. Denn dieses liegt mir fern; tatsächlich tut mir besagter FB-Freund leid.

Doch zurück zum Dezember 2014. Ich bin nicht gerne der Überbringer schlechter Nachrichten, in diesem Fall aber hatte ich keine andere Wahl. Die Frankfurter Bibliothek ist Teil eines Konglomerats zwielichtiger und undurchsichtiger Verlage, die nicht mit den Werken und dem Können der Autoren ihr Geld verdienen, sondern mit deren Stolz und Unerfahrenheit. All diese zu diesem Konglomerat zählenden Verlage verlangen nämlich von ihren Autoren Druckkostenzuschüsse.

Nun ist dies ein freundlicher Begriff für ein Modell, bei dem der Autor große Summen für relativ wenig Leistung zahlt; weit mehr als einen Druckkostenzuschuss.

Dieser ganze Rattenkönig verschiedener Verlage war schon häufiger zu Gast bei warnenden und mahnenden Sendungen, Artikeln und Berichten. Wieder und wieder zogen sie deshalb vor Gericht, wieder und wieder verloren sie.

Als ich nun also las, wo mein FB-Freund sein Werk eingereicht hatte, schrillten meine Warnglocken derart laut, dass unsere Kleine aus dem Schlaf gerissen wurde. Und so machte ich mich daran, ihn zu warnen.

Ich schrieb, dass ich sein Gedicht nicht kenne, nichts über dessen Qualität sagen könne oder wolle, sondern ihn einzig und allein vor diesem Verlag warnen möchte.

Ich schrieb exakt, warum ich das täte und wo er weiterführende Informationen finden könne.

Die Reaktion erfolgte prompt. Die Romantruhe sei auch nicht gerade ein großer Verlag, mit dem von mir genannten Modell könne man nicht viel Geld machen und er würde ohnehin höchstens zwei Bücher kaufen.

Da hatte ich es nun! Oder, wir es so schön heißt: Keine gute Tat bleibt ungestraft.

Ich ließ mich nicht entmutigen und schrieb insgesamt drei Postings, in denen ich sehr genau aufführte, wie das Modell funktioniert und warum er keinesfalls mit einer Veröffentlichung dort werben könne. Von den Nachbarn, denen es er es zeigen wolle, ganz zu schweigen. Sie würden nach einem Blick bei Google nur noch lauter über ihn lachen.

Es kam, wie es kommen musste – andere FB-Freunde von ihm stellten meine Ausführungen in Abrede und beteuerten, wie toll sein Gedicht doch sei.

Als hätte ich das jemals in Zweifel gezogen!

Nur einer schrieb, dass er für die Information dankbar sei. Die anderen sahen in mir hingegen einen Störer; sie machten sich nicht die Mühe, den von mir geposteten Links zu folgen. Nein, sie bestärkten den Autor darin, dass dies alles wunderbar sei und sie es schon immer gewusst hätten.

Oder so ähnlich …

Eines war mir klar – die Strauchdiebe der Literatur, sie hatten wieder zugeschlagen und neue Opfer für ihr Buch gefunden.

Ich hingegen hatte eine Lektion gelernt – konfrontiere einen hoffnungsvollen, stolzen Jungautor nie im Moment seines Glücks mit der traurigen Wahrheit – er will sie nicht hören.

Und seine FB-Freunde auch nicht!

Die Monate vergingen, und die Realität holte meinen FB-Freund dieser Tage ein. Die Frankfurter Bibliothek schrieb ihm erneut und nun hieß es: Wenn er X Bücher für über 400 Euro kaufen würde, käme sein Gedicht in besagtes Buch. Er könne aber auch ein anderes abdrucken lassen.

Irgendeines.

Natürlich führte dieses Schreiben den gesamten »Wettbewerb« ad absurdum und zeigte dem Autor, dass es dem Verlag rein nur darum geht, genug Bücher an die Autoren zu verkaufen.

Zum Glück ist er weder zu stolz, ihnen eine Absage zu erteilen, noch dumm genug, diesen Weg tatsächlich einzuschlagen.

Aber wie viele der anderen Autoren – ich tippe mal auf 200 bis 300 – werden das Angebot annehmen? Und welch eine Summe käme zusammen, würden tatsächlich alle Autoren darauf eingehen?

Das ist also das traurige Schicksal meines dichtenden FB-Freundes, der noch etwas darauf warten muss, bis er es seinen Nachbarn zeigen kann.

Die Jagd nach dem Geld der Autoren geht natürlich weiter.

Im englischsprachigen Raum werden solche DKZ-Verlage auch Vanity Press genannt, denn sie machen mit der Eitelkeit (Vanity) der Autoren ihr Geld. Und jedes Jahr fallen wieder junge Autoren auf diese Lockangebote herein. Zumal gerade diese Verlagsgruppe damit ködert, dass auch andere große Autoren ihre ersten Werke finanziert hätten. Selbst Goethe habe … Es sei also normal!

Nein, liebe angehenden Kollegen, das ist es nicht.

Und seid gewarnt – es gibt etliche Arten, die Autoren über den Tisch zu ziehen. Oftmals erhalten sie ganz unverblümt ein Angebot. So erging es mir in meinen frühen Tagen. Man sei begeistert von meinem Werk, man wolle es unbedingt verlegen – und freue sich, mir ein Angebot unterbreiten zu dürfen. Für nur 1.800 Euro könnte schon bald auch mein Buch … bla.

Und dies war nur der Einstiegspreis; Cover, Layout und Lektorat wurden als Sonderleistungen angeboten. All das, was ein ordentlicher Verlag leistet, hätte dort weit über 5.000 Euro gekostet.

Und das war noch billig; manche Berichte nennen fünfstellige Summen, die Autoren gezahlt haben.

Einige Verlage verstecken ihre Absichten auch; gerade bei Ausschreibungen heißt es oft, der Autor verpflichte sich, mindestens x Bücher zum Preis von yy,yy Euro abzunehmen.

Ebenfalls beliebt – man schreibt, das Risiko für gerade diesen Titel sei doch hoch und man müsse ausnahmsweise um einen Zuschuss bitten!

Der weiße Zauberer … Pardon … die DKZ-Verlage sind trickreich. Sie tauchen hier und da auf, meist verkleidet.

Am Ende bleibt aber, dass sie die Strauchdiebe der Literatur sind. Sie ruinieren nicht nur den Geldbeutel des Autors, sondern auch dessen Reputation. Wer einmal in den DKZ-Beutel zahlte, den mag man nicht, und wenn er auch den Bestseller in der Schublade hat!

Fallt nicht auf sie rein!

Zahlt nicht!

Niemals!

Und hört auf jene, die euch warnen. Oder schaut euch zumindest die Verlage im Internet an. Was schreiben andere, welche Erfahrungen machen Autoren, Künstler, Leser?

Aber fallt nicht auf sie rein!

Zahlt nicht!

Niemals!

Ihr seid besser als das!

(ga)

5 Kommentare zu Die Strauchdiebe der Literatur …

  • Alexander Gail sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel der absolut treffend die (traurige) Wahrheit beschreibt. Bei meiner ersten Buchveröffentlichung vor über zehn Jahren kam ich auf eine Kostenbeteiligung von “nur” rund 200 Euro, dennoch, ärgerlich war es im nachhinein trotzdem, zudem die Texte nicht einmal nachgeprüft und 1:1 abgedruckt wurden. Jüngst trat ich Kontakt mit einem Verlag, dessen Name ich nicht nennen möchte, da wäre mein Kostenanteil über 1000 Euro gewesen. Ne ne, da lasse ich meine geschriebenen Geschichten lieber nur auf dem eigenen PC …

  • @Alexander: Du solltest den Namen ruhig nennen, man kann gar nicht oft genug vor solchen Scharlatanen warnen.

  • Paule sagt:

    Gunter? Gehört book-rix auch zu den Räubern?

    • W. Brandt sagt:

      Paule,
      BookRix ist eine Plattform für das Einstellen von Werken von Selfpublishern als E-Books. Laut abrufbaren Vertragsentwurf als PDF ist wie in dieser Branche üblich, so unter anderem auch bei Neobooks (Droemer Knaur), ein Autorenhonorar von mindestens 70 % vom Nettoerlös zu zahlen. Somit gehört für mich BookRix nicht zu den Räubern.

  • Durch Zufall wurde ich eben auf die NEO-Rezension aufmerksam, schaute den Autor nach, stieß auf diesen Text … sehr gut, diese Problematik offenzulegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.