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Wolfram von Bärenburg – Teil 8

Wolfram von Bärenburg, genannt der Erzteufel
Der verwegenste Raubritter und schrecklichste Mörder, ein Scheusal des Mittelalters, von der Hölle ausgespien zum Verderben der Menschen
Eine haarsträubende Schauergeschichte aus den furchtbaren Zeiten des Faustrechts und des heimlichen Gerichts der heiligen Feme aus dem Jahr 1860
Kapitel 8
Rettung

Kurt, der sich auf fleißiges Zureden den lang entbehrten Wein trefflich munden ließ, und Martha plauderten noch einige Stunden von ihren Angelegenheiten.

»Du lebst aber sehr einsam und unbeschützt, Martha. Wenn nun doch einmal Räuber dich überfielen, in der Hoffnung, verborgenes Gut bei dir zu finden, oder auch nur, von Hunger getrieben, einige Lebensmittel, wie könntest du dich retten?«

»Sehr leicht, Ritter Kurt, durch diese Höhle.«

Sie öffnete eine unscheinbare kleine Falltür hinter den beiden Betten, nachdem sie eine alte Lampe angezündet hatte, und sagte dem Ritter, er möge ihr folgen. Gewohnt, immer bewaffnet zu gehen, ergriff dieser seine auf einem Stuhl liegende Axt und ging hinter Martha acht bis zehn Stufen hinunter. Dann musste er nach einem kurzen Rundgang auf einem stufenlosen schmalen, sandigen Pfad, der durch ein aus den Felsenwänden sickerndes Wasser schlüpfrig war, aufwärts in die eigentliche Halle steigen, wo ihn eine kalte, dumpfe Luft empfing.

»Dort, etwa zwölf Schritte von uns entfernt, wo sich ein schwaches Tageslicht zeigt, wenn ich die Lampe hinter der Hand halte, ist eine Felsenspalte mit einer Schiebewand von demselben rohen Stein versehen, die sich geräuschlos öffnen und schließen lässt, von außen durch hohe Büsche verdeckt. Durch diese Schiebewand erreicht man in etwa hundert Schritten das Ufer des Sees, an dessen jenseitigem Gestade das Kloster Marienzell liegt, dessen adelige Nonnen die Heiltränke und Salben größtenteils von mir beziehen und für selbst gefertigte ausgeben.«

Plötzlich hörte man draußen einen durchdringenden Hilfeschrei weiblicher Stimmen.

»Lass mich hinaus, Martha!«, flüsterte Kurt eilig. »Es ist Ritterpflicht, bedrängten Damen zu helfen.«

»Wie Ihr wollt, aber seid vorsichtig!«

Kurt sprang hinaus, erblickte die beiden Reisigen, welche Veronika und Elsbeth fortschleppten, holte sie rasch ein und zerschmetterte dem Nächsten der beiden, die wegen des lauten Geschreis der zwei Novizen seine Schritte nicht hörten, mit einem Axtschlag das Genick. Der andere, seine Beute loslassend, die zu der Schwester eilte, entfloh, mit weithin schallender Stimme seinen Kameraden um Beistand rufend. Der Ritter fasste die Geretteten bei den Händen und verschwand mit ihnen in wenigen Augenblicken durch die Schiebewand, die sich hinter ihnen wieder schloss.

Martha, mit der Lanze in der Hand, grüßte die eintretenden Novizen, die bei ihrem Anblick zitterten.

»Fürchtet Euch nicht«, beruhigte sie Kurt, »diese Alte ist ein herzensgutes Weib! Wer seid Ihr?«

»Die Töchter des Ritters Anselm von Alpenfall«, antwortete Veronika.

»Ah! Dann werdet ihr Euch aus früheren Jahren auch noch an einen guten Freund Eures Vaters erinnern, der oft auf Eure Burg kam und mit euch spielte. Ich bin Ritter Kurt von Steinau!«

Voller Freude über dieses Wiedersehen und mit dem innigsten Dank für ihre Rettung reichten ihm beide Schwestern die Hände.

»Still!«, mahnte Martha, »ich höre Lärm!«

Wirklich hörte man schwere Schritte, wie von einer Menge von Männern.

Eine Stimme rief: »Ich sah sie in dieses Gebüsch rennen. Über diese Felsenwand konnten sie nicht hinauf. Sie haben sich also nach rechts oder links gewandt. Verteilen wir uns also zu beiden Seiten und umgehen den Berg. Sie können uns nicht entwischen!«

Man hörte sie forteilen. Martha ging mit dem Ritter und den beiden Schwestern in ihre größere Kammer, wo die holden Flüchtlinge aßen und tranken, um sich zu stärken, und danach ihr Abenteuer ausführlich erzählten. In der Nacht schliefen sie in den beiden Gästebetten; Martha, mit der sie sich bald befreundeten, in der Vorkammer, und Kurt im ersten Raum auf dem Mooslager.

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