Ausschreibung

Einsendeschluss 31.05.2021

Dark Empire

Lese-Tipp

Infinitum

Archive
Folgt uns auch auf

Captain Concho – Band 40

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 40
Todesritt nach Cold Harbor

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertrugrul Edirne / Becker-Illustrators

Kurzinhalt:
Wie sehr hat sich Captain Concho auf den Urlaub mit Christin Harrold gefreut! Doch daraus wird leider nichts. Er muss sich mit Christin durch die Linien der Yankees kämpfen, um in Cold Rarbor die vierte Brigade zu übernehmen. Es sieht nicht so aus, als könnte er pünktlich sein neues Kommando antreten. Denn er muss konföderierte Truppen vor einem Sabotagetrupp der Yankees warnen, der ein Nachschub- und Munitionslager der Konföderation in die Luft sprengen will. Doch da tauchen zwei der wackeren Reiter Conchos auf: Finnewacker und Forscreek. Und die beiden bereiten für ihren Captain ein ganz besonderes Feuerwerk vor …

Leseprobe:

Captain Concho hatte in Beaver Dam den Yankee-Major William Bishop erschossen. Nur eine Minute später war das Kavallerie-Regiment der Yankees in die kleine Stadt eingerückt.

Zwei Yankee-Schwadronen waren nun schon seit mehreren Stunden hinter Concho und Christin her. Über Stock und Stein war die Jagd gegangen. Bevor der Braune unter der doppelten Last zusammenzubrechen drohte, war es Captain Concho gelungen, sich und Christin durch morastige Wiesen, die stellenweise unter Wasser standen, auf die andere Seite des Tals in den Wald zu retten.

Er hielt zwischen den ersten Bäumen, ließ Christin zu Boden gleiten, stieg ab und drückte ihr die Zügel in die Hände.

»Führe das Pferd tiefer in den Wald und lass es um Himmels willen nicht wiehern«, sagte er, nahm den Revolver in die Faust und lief zum Waldrand zurück.

Er atmete auf, als er auf die Knie sank und feststellte, dass die Yankees noch nicht zu sehen waren.

Aber im nächsten Moment tauchten sie schon auf. Der ganze Haufen befand sich in gestrecktem Galopp. Bis zu den Sätteln hinauf spritzten Wasser und Schlamm.

Schon seit einer Stunde hatten sie die geordnete Formation aufgegeben und ritten in dichtem Pulk, der Offizier mit dem Säbel in der Faust vorneweg.

Die Spitzengruppe bestand aus etwa dreißig Reitern. Einzeln und in kleinen Gruppen folgten weit auseinandergezogen die Nachzügler, deren Pferde dieses mörderische Tempo nicht halten konnten.

Captain Concho duckte sieh.

Durch das ganze Tal hatte er keine Spuren mehr hinterlassen. Aber unentwegt waren ihm die Yankees auf den Fersen geblieben. Weshalb, zum Teufel, ließ der Offizier ausgerechnet jetzt halten? Hatte ihn der Anblick des Waldes misstrauisch werden lassen?

Die Entfernung betrug ungefähr sechshundert Yards.

Als der Offizier zum Wald schaute, hatte Captain Concho das unbehagliche Gefühl, als blickte er ihm direkt in die Augen.

Die Nachzügler schlossen auf. Ein Ruck lief durch die Schwadron, und die Yankees ritten weiter.

Captain Concho grinste erleichtert.

Es dauerte keine Minute, da war auch der letzte Nachzügler verschwunden. Mit dem Jackenärmel wischte Concho sich den Schweiß aus dem Gesicht.

Er schaute noch einmal in beide Richtungen, ehe er sich erhob und Christin folgte.

Weit war sie nicht mehr gekommen. Der Braune hatte sich einfach hingelegt.

Christin stand bei ihm und weinte, das hübsche Gesicht verschwitzt und schmutzig.

»Er kann nicht mehr weiter«, sagte sie. »Nicht einen Schritt. Und weißt du, was? Ich glaube, er wird nicht mehr aufstehen.«

Mit einem Blick sah er, dass sie das Pferd zuschanden geritten hatten und dass er es erschießen musste.

Major Bishops Pferd war das. Ein Tier aus edler Zucht. Captain Concho zog ihm den Sattel herunter und warf ihn achtlos zur Seite. Ein teurer Sattel aus bestem Leder. Wertlos ohne Pferd.

Er nahm sie in die Arme und säuberte ihr das Gesicht mit seinem Taschentuch. »Beruhige dich!«

Sie schlang die Arme um seinen Nacken und barg das Gesicht an seiner Brust. »0 Sam! Es ist alles so entsetzlich.«

Er drückte sie an sich. Sie war so ungeheuer mutig und tapfer. Aber sie war eben eine Frau, und die seelischen Belastungen und Strapazen waren zu groß für sie gewesen.

In Falmouth, nördlich von Fredericksburg, hatte er sie kennengelernt, als er in geheimer Mission unterwegs war, und einen Spionagering der Yankees aufdecken sollte, dessen Agenten mitten in Richmond, in der Hauptstadt der Konföderation, gesessen hatten und deren Verbindungen bis in General Lees Hauptquartier gereicht hatten.

Von der Basis her hatte er diesen Ring aufdecken sollen, der alle militärischen Planungen der Konföderierten Armee an den Feind verraten hatte, noch ehe die Operationen überhaupt begannen.

Über alles wusste der Yankee schon vorher Bescheid.

Major Bishop, Offizier in Yankee-General Hookers Stab, war der Initiator dieses Verschwörer- und Agentenringes. Er hatte geplant, durch seine Agenten in Richmond den Präsidenten der Konföderation und deren hohe Generäle zu entführen und auf Gebiet zu bringen, das von Yankees besetzt war. Bei Nacht und Nebel.

Da hatte ihm Captain Concho einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Bis nach Richmond hinein hatte Major Bishop Captain Concho und Christin verfolgt, die seinen großen Coup an Concho verraten hatte.

In Richmond waren sie dem Major und seinen Leuten in die Falle gegangen, hatten sich aber befreien können, und noch in der Nacht hatte der Captain vom Kriegsministerium aus sämtliche Spionage- und Agentennester ausheben lassen.

Damit hatte er Major Bishops großen Plan vereitelt.

Rachegefühle hatten Major Bishop zu unkontrollierten Handlungen verleitet. Er hatte Christin aus dem Hotel entführt, um mit Captain Concho abzurechnen.

In der Schmiede von Beaver Dam war es Concho gelungen, Christin zu befreien. Am folgenden Morgen waren sämtliche Yankee-Einheiten aus Beaver Dam abgerückt.

Nur Major Bishop war geblieben.

Um sich Pferde zu beschaffen, waren Christin und Captain Concho noch einmal in die von feindlichen Truppen geräumte Ortschaft zurückgekehrt. Dabei waren sie auf Major Bishop gestoßen, der das Revolverduell gegen Concho und damit sein Leben verloren hatte.

Nur Augenblicke später war feindliche Kavallerie eingerückt, und das einzige Pferd, das Captain Concho und Christin zur Verfügung gestanden hatte, war Major Bishops Pferd gewesen.

Da lag der Braune nun und war am Verenden.

Auch Captain Concho als Kavallerist schnitt der Anblick des leidenden Tieres ins Herz.

Drei Patronen besaß er nur noch und war trotzdem entschlossen, das Tier mit einem Schuss von seinen Qualen zu erlösen.

»Geh weiter«, sagte er und nahm den Revolver in die Faust. »Ich komme sofort nach.«

»Tu es! Ich sehe nicht hin«, erwiderte Christin und presste das Gesicht auf seine Brust.

Captain Concho zielte und drückte ab. Der Schuss krachte, und der Braune fiel dumpf wiehernd auf die Seite, verstummte und rührte sich nicht mehr. Die Echos des Schusses wetterten durch den Wald.

Concho schob den Revolver ins Leder, legte den Arm um Christin und ging mit ihr weiter.

Er musste nach Cold Harbor, um dort die vierte Brigade zu übernehmen. Das war sein neues Kommando. Er wurde dort dringend erwartet.

Als ihm der Kriegsminister die Kommandierung überreichte, war er trotzdem nicht sehr erbaut davon gewesen. Er wollte zu seiner alten Einheit zurück.

Seine Abteilung, die erste der fünften Kavallerie-Division, war neu aufgestellt worden und bestand nun wieder aus vier Schwadronen zu je hundert Mann. Lieutenant Benson führte die Abteilung, und Captain Concho konnte sich über das neue Kommando, so hoch diese Stellung auch war, erst freuen, als ihm der Kriegsminister offenbarte, dass seine alte Kavallerieabteilung der vierten Brigade zugeteilt worden war.

Christin war Engländerin, und als Concho sie kennenlernte, wollte sie nach England zurück. Captain Concho hatte ihr zugesagt, ihr eine Passage auf einem der konföderierten Blockadebrecher zu beschaffen. Doch in jenem Hotel in Richmond, aus dem sie von Major Bishop entführt worden war, hatte sie sich anders besonnen.

Concho wenigstens von Zeit zu Zeit wiederzusehen.

Acht Tage Urlaub hatte ihm der Kriegsminister zugebilligt.

Doch was war daraus geworden!

Zwei Tage blieben noch. Die brauchte er, um Cold Harbor zu erreichen. Sofern er ein Pferd besaß. Doch, was wurde aus Christin?

Er musste zumindest dafür sorgen, dass sie sicher nach Richmond gelangte. Das war er ihr schuldig. Ohne ihre Hilfe wäre es ihm niemals möglich gewesen, Major Bishops Spionagering zu zerschlagen.

Dass er als Captain in die Dienststellung eines Brigadiers befördert worden war, hatte er zu einem gehörigen Teil ihr zu verdanken.

Es war unmöglich, dass er sie einfach ihrem Schicksal überließ. Das wollte er auch nicht. Mittlerweile hatte er sich in diese hübsche und mutige Frau verliebt. Sie sich in ihn schon lange. Bereits in Falmouth war ihr das widerfahren. Nur deshalb hatte sie ihm alles verraten, was sie von Major Bishop wusste. Und das war verdammt viel gewesen. Es hatte Captain Concho in die Lage versetzt, den Agentenring im eigenen Land völlig zu zerschlagen.

Nun war auch der Major tot. In einem von Captain Concho nicht gesuchten Duell hatte er den Major töten müssen, damit er und Christin am Leben blieben.

Doch dieses Kapitel war abgeschlossen. Nun musste er sehen, dass er so rasch wie nur möglich Cold Harbor erreichte.

Der Wald lichtete sich vor ihnen auf der Höhe. Und von dort oben her trug der Wind auf einmal Hufschlag heran, den auch Christin sofort vernahm.

Sie hielten an.

Die hübsche schwarzhaarige Frau, deren Gesicht noch immer verschmutzt und verweint war, blickte Captain Concho entsetzt an.

Da tauchten die Reiter dort oben schon auf.

Concho und Christin liefen geduckt zur Seite und ließen sich im Knieholz auf alle viere nieder.

Einer hinter dem anderen trabten die Reiter auf der Höhe durch das Gebüsch und in den Wald herunter.

Captain Concho ruckte hoch. Die sechs Männer trugen graue Uniformen. Es waren Konföderierte. Er nahm Christin an die Hand.

»Komm! Das sind unsere!«, sagte er hastig.

Winkend liefen sie den konföderierten Kavalleristen entgegen. Beide lachten vor Freude. Das war die Rettung!

Der Trupp hielt sofort. Er wurde von einem Lieutenant geführt.

Es handelte sich um einen bärtigen Mann um die fünfzig. Nase und Augen erinnerten an einen Jagdfalken. Seine Männer schlossen neben ihm auf. Sie führten mehrere Packpferde mit.

»Gott sei Dank, dass wir Sie hier treffen«, sagte Concho außer Atem, als er mit Christin vor den Männern stehen blieb. »Ich bin Captain Concho von der fünften Kavalleriedivision. Ich bin im geheimen Auftrag hinter den feindlichen Linien unterwegs gewesen. Darf ich Ihnen Christin Harrold vorstellen. Sie ist eine unserer besten Agentinnen.

(wb)