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Paraforce Band 38

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Jackson – Teil 27

Der Franzose

Die Aufforderung des Franzosen war so unmissverständlich wie seine Messerklinge an meiner Kehle. Das Teil war so scharf, das bereits der Hauch einer Berührung Blut fließen ließ. Da ich nicht die Absicht hatte, noch mehr von meinem kostbaren Lebenssaft zu verlieren, blieb ich stocksteif in der Flugzeugkanzel sitzen und hütete mich, auch nur die geringste Bewegung zu machen.

Sekundenlang kam ich mir vor wie ein Mitglied der royalen Garde.

Sie wissen schon, diese Burschen mit den Bärenfellmützen und den roten Uniformjacken, die rund um die Uhr vor dem Buckingham Palast Wache schieben und selbst dann keine Miene verziehen dürfen, wenn ihnen die Touristen an die Wäsche gehen.

»Sehr schön, so gefällt mir das schon viel besser«, sagte der Franzose.

»Und jetzt aussteigen, aber Beeilung, ich habe heute noch etwas anderes vor, als auf zwei Vögel wie euch aufzupassen.«

Linda und ich gehorchten, zumindest was das Aussteigen anging.

Als er uns aber befahl, zurück zu dem Aufzug zu gehen, der uns wieder in die Katakomben des Headquarters hinunterbefördern würde, rührten wir uns nicht von der Stelle.

Einmal im Aufzug und die Sache war gegessen.

Fieberhaft suchte ich nach einem Ausweg.

Zunächst versuchte ich, den Franzosen einzuschätzen.

Der Kerl hatte sich seit unserem ersten Zusammentreffen überhaupt nicht verändert. Er war immer noch dasselbe Arschloch wie damals.

Ein stämmiger, untersetzt wirkender Endvierziger, dem der Regen wahrscheinlich in die Nasenlöcher tropfte, weil er den Kopf so hoch trug. Er musste verdammt von sich überzeugt sein oder noch einen Trumpf in der Hinterhand halten, jedenfalls hätte ich es mir nicht zugetraut, zwei Erwachsene mit einem Messer in Schach zu halten. Ich wusste nicht, wie gut er mit dem Messer war, das er jetzt abwechselnd auf mich und Linda richtete, aber wenn es damit so weit her war wie damals in London mit seinen Boxkünsten, sollte er für mich kein Problem darstellen.

»Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass ihr damit durchkommt«, sagte er. »Wenn ihr nicht augenblicklich eure Beine in die Hand nehmt, wird hier ziemlich schnell Blut fließen und ich verspreche euch, dass es nicht meines sein wird.«

»Was du nicht sagst«, entgegnete ich zynisch.

Der Franzose seufzte. Dann machte er eine blitzschnelle Bewegung mit dem Messer.

Linda schrie auf und starrte totenbleich auf ihren rechten Hemdärmel, der vom Ellbogen bis zum Handgelenk aufgeschlitzt war. Ich konnte deutlich erkennen, wie im nächsten Augenblick Dutzende blutiger Punkte auf ihrem Arm erschienen, die aneinandergereiht einer rubinroten Perlenkette glichen.

»Hör zu«, sagte Pasquale, der Franzose, kalt. »Und hör gut zu, denn ich erkläre nie etwas zweimal. Wenn ihr nicht macht, was ich sage, werde ich dieser Schlampe hier alle zehn Sekunden mit dem Messer einen Kratzer zufügen. In spätestens fünf Minuten wird sie aussehen wie ein Steak, das in den Fleischwolf gefallen ist. Habt ihr beide das verstanden?«

Ich ballte die Fäuste und machte gerade Anstalten, mich auf ihn zu stürzen, als hinter mir wie aus dem Nichts ein Mann auftauchte.

Pasquales Trumpf Ass.

Er kam von der anderen Seite her um das Flugzeug herum und hielt eine funkelnagelneue Heckler & Koch MP7 Maschinenpistole in den Händen. Die kreisrunde Mündung der Präzisionswaffe zeigte genau auf meinen Bauch.

Da ich wusste, dass ihr Hochleistungskaliber sogar den NATO-Standard für den CRISAT-Schutz außer Kraft setzte, wurde mir plötzlich schlecht.

Nicht, dass Sie denken, ich hätte mich unvermittelt in einen Hasenfuß verwandelt, es ist nur so, dass unter jenem Schutz eine kugelsichere Weste zu verstehen ist, die aus einer 1,6 mm starken Titanplatte und 20 Lagen Kevlar, einem bruch- und schusssicheren Faserkunststoff, besteht. Die derzeitig gängige NATO-Munition ist nicht in der Lage, diese zu durchschlagen, die der MP7 aber sehr wohl, sogar bis auf eine Entfernung von 200 Metern.

Ich denke, dass nun jeder verstehen wird, warum ich mir damals beim Anblick dieses Höllengeräts fast in die Hose geschissen habe.

 

***

 

»Irgendwelche Probleme, Pasquale?«, fragte der Mann mit der MP7. Er war ein hagerer Schlacks in Jeans und Lederjacke mit einem militärischen Kurzhaarschnitt und einem Rattengesicht, der uns aus hämisch funkelnden Augen musterte.

»Non«, antwortete der Franzose.

Ich schwieg. Was hätte ich auch angesichts eines jähzornigen Messerhelden und einer Präzisionswaffe tun sollen, die jemand keine drei Schritte entfernt von mir auf mich richtete?

Mir blieb nur eines übrig, die Schnauze halten, die beiden Typen beobachten und darauf zu hoffen, dass sie einen Fehler machten. Dieser Fehler musste allerdings in den nächsten drei Sekunden passieren, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, das Linda und ich endgültig verloren waren, sobald wir uns im Aufzug befanden.

Nicht, dass ich großartig christlich war, das bin ich heute noch nicht, aber in diesem Moment zu leugnen, dass ich den lieben Gott um Beistand gebeten habe, wäre gelogen gewesen.

Meine Gedanken überschlugen sich.

Bitte lieber Gott, flehte ich mit jeder Faser meines Körpers, bitte lass diesen Froschfresser noch einen Schritt nach vorne machen.

Ich sehnte diesen Schritt förmlich herbei – und er tat mir den Gefallen!

Halleluja!

Damit hatte ich die beiden.

Niemand, der im Sicherheitsgewerbe tätig ist oder seine Brötchen sonst irgendwie mit dem Umgang von Waffen verdient, läuft seinem Partner in die Schusslinie. Außer einem eitlen Franzosen vielleicht, der so von sich überzeigt ist, dass er der Meinung ist, über diesen Dingen zu stehen.

Der Mann mit der Maschinenpistole bemerkte den Fauxpas als Erster, aber da war es bereits zu spät.

Ich explodierte förmlich.

Was dann kam, sprengte zwar den Rahmen der Genfer Konvention, aber das interessierte mich in diesem Augenblick einen Scheißdreck.

Ich wollte überleben und dazu war mir jedes Mittel recht.

Ich unterlief Pasquales Messerhand, riss sie mit aller Kraft zu mir heran und drehte mich gleichzeitig zur Seite. Der Franzose flog über meine Hüfte, schlug einen Salto in der Luft und knallte dann mit einem Geräusch auf den Boden, das sich anhörte, als würde jemand ein nasses Handtuch auf Beton klatschen.

Als er versuchte, den Kopf zu heben, trat ich ihm mit der genagelten Sohle meines Stiefels mitten ins Gesicht. Ich konnte das Knirschen seines gebrochenen Nasenbeins deutlich hören und wusste im gleichen Moment, dass sich Pasquale in diesem Augenblick von der Welt verabschiedet hatte.

Die splitternden Knochen seines Riechorgans hatten sich direkt in sein Hirn gebohrt. Aber damit war die Sache noch nicht beendet.

Herumwirbeln, das Bein hochreißen und dem Maschinenpistolenmann in die Eier treten war eine Bewegung, sein verzerrtes Gesicht zu sehen, während er in die Knie ging und seine Hände auf den Schritt presste, die andere.

Danach war alles nur noch Makulatur.

Ein Karateschlag gegen die Kehle, fünf Minuten Schwitzen und ich hatte den Franzosen und seinen Partner versorgt. Es hatte mich zwar einige Mühe gekostet, die leblosen Körper der beiden in der Besenkammer im Hangar unterzubringen, aber dafür waren sie dort gut aufgehoben.

Es musste schon mit dem Teufel zugehen, wenn man sie innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden entdecken sollte. Dazu waren die Putzeimer, Schrubber, Müllbeutel und die unzähligen Flaschen von Reinigungsmitteln, hinter denen ich sie versteckt hatte, einfach zu zahlreich.

 

***

Wir versuchten es ein zweites Mal.

Während ich mich im Cockpit der Cessna neben dem Pilotensitz auf meinem Stuhl anschnallte, drückte Linda auf den Anlasserknopf.

Der Motor keuchte ein paar Mal wie ein lungenkranker Kettenraucher, der Propeller drehte sich, zweimal, aber danach wurde es wieder still.

Mir rutschte das Herz in die Hose.

»Tut mir leid«, sagte Linda mit einer Stimme, in der deutlich Panik mitschwang. »Das war keine Absicht, normalerweise beherrsche ich diesen Vogel im Schlaf, aber ich bin einfach nervös.«

Ich nickte, was hätte ich auch anderes tun können?

Gleichzeitig wurde auch ich immer nervöser, wobei das gelinde gesagt pure Untertreibung war. Mein Herz begann zu rasen, in meinen Ohren rauschte das Blut und meine Handflächen waren schweißnass, während Linda versuchte, den Motor ein weiteres Mal zu starten.

Das Ding spuckte und rülpste erneut und auch der Propeller schien sich nur widerwillig in Bewegung zu setzen. Ich befürchtete schon das Schlimmste, als die Maschine plötzlich mit einem Dröhnen durchstartete.

Linda griff mit beiden Händen nach dem Steuerknüppel und ließ unser Flugzeug langsam aus dem Hangar rollen. Mein Herzschlag beruhigte sich im gleichen Maße, wie die Cessna an Fahrt aufnahm. Als wir in der Luft waren, hätte ich am liebsten laut aufgeschrien.

Aber dann bemerkte ich Lindas verbissenen Gesichtsausdruck.

Mein Kopf ruckte herum, und als ich neben ihr aus dem Fenster starrte, war meine ganze Euphorie so schnell dahin, wie sie begonnen hatte.

Keine fünfzig Yards neben uns tauchten plötzlich die Umrisse eines Fluggeräts auf, das ich nur allzu gut in Erinnerung hatte.

Eine riesige, fliegende Scheibe mit zwei gewaltigen Hauptrotoren.

Genau dasselbe Ding, das mich damals vom Himmel geholt hatte, als ich meinen Australienjob antrat.

Diesmal schien das Fluggerät zu meinem Schicksal zu werden.

Das Ding beschleunigte, machte einen Schlenker und kam dann direkt wieder auf uns zu. Als ich die Feuerblitze sah, die aus den beiden Bordkanonen auf uns zukamen, schloss ich die Augen.

Fortsetzung folgt …

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