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Dark Empire

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Jackson – Teil 22

Ein mörderisches Trio

Ich konnte den Ärger förmlich spüren, obwohl ich diese Männer in meinem Leben noch nie gesehen hatte. Zum einen wirkten die drei Typen, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatten, alles andere als vertrauenswürdig, und zum anderen war sowohl ihre Wortwahl als auch ihre Gestik geradezu auf Krawall gebürstet.

Der Größte von ihnen, ein Glatzkopf, dessen Gesicht von unzähligen Messernarben verunstaltet war, musterte Linda einen Moment lang in einer beinahe entwürdigenden Weise.

Dann schenkte er mir einen kurzen Blick und grinste. Dabei entblößte er sein schadhaftes Gebiss.

»Verpiss dich, ab jetzt übernehmen wir die Puppe!«

Ich schob Linda mit der Hand eine Stufe höher und betrachtete das Trio eingehender. Der glatzköpfige Riese schien der Anführer zu sein. Ich glaubte zu wissen, dass von ihm die meiste Gefahr ausging. Der Kerl zu seiner Rechten war ein dürres, schwindsüchtiges Männchen, das den Eindruck machte, schon umzufallen, wenn ich ihn nur anpustete, und der andere kam mir vor wie ein ausgemachter Idiot. Der Kerl grinste ständig, atmete durch den offenen Mund und sabberte. Außerdem schien er seine Nerven nicht im Griff zu haben, ständig zuckte es irgendwo in seinem Gesicht, er blinzelte oder aber er drehte den Kopf hin und her.

»Hast du Hühnermist in den Ohren?«, meldete sich Glatze wieder. Es klang wie das heisere Bellen eines Kampfhundes. »Ich habe dir doch gesagt, du sollst verschwinden. Was stehst du also noch herum und glotzt blöde durch die Gegend?«

Ich sagte nichts.

Durch meine langjährige Erfahrung wusste ich, dass bei solchen Typen Angriff die beste Verteidigung war. Ich nahm also die Strecke von den Treppenstufen bis zu ihm mit zwei großen Sätzen, baute mich vor dem Glatzkopf auf und trat ihm mit einem humorlosen Grinsen kraftvoll in die Kronjuwelen.

Seine Kinnlade klappte jäh herunter, seine Augen wurden so groß wie Spiegeleier und seine Gesichtshaut färbte sich aschgrau. Während er die Hände auf den Schritt seiner Hose presste, ging er mit einem Wimmern in die Knie. Ich machte einen Schritt zur Seite, drehte mich um und empfing den heranstürmenden Idioten mit einem Faustschlag.

Mein Hieb schleuderte ihn quer durch die Hotellobby. Er segelte förmlich durch den Raum. Sein Gesicht schrammte dabei über die ausgetretenen Holzdielen, als er mit ausgebreiteten Armen drei, vier Schritte auf dem Fußboden entlang rutschte.

Im selben Moment vernahm ich links von mir ein Geräusch, das ich nur allzu gut kannte.

Ich erstarrte.

Meine Kopfhaut zog sich zusammen.

Ich glaube, so reagiert jeder, in dessen unmittelbarer Nähe eine Schusswaffe gespannt wird.

Langsam und jede unvorsichtige Bewegung vermeidend, die den Kerl vielleicht dazu veranlassen konnte, den Abzug zu betätigen, drehte ich den Kopf.

 

***

 

Verdammt, so hatte ich mich noch nie geirrt.

Ich hatte mir immer eingebildet, ein großes Maß an Menschenkenntnis zu besitzen, aber diesmal lag ich voll daneben. Nicht der Glatzkopf war der Boss des Trios, er war lediglich der Lautsprecher. Der Dürre war der eigentliche Chef. Jener Mann, der oberflächlich betrachtet den Eindruck machte, jeden Moment an Schwindsucht zu sterben.

Nachdem ich seine beiden Freunde ausgeschaltet hatte, war davon überhaupt nichts zu erkennen. Im Gegenteil, die Art, wie er sein Schießeisen auf mich richtete, war die eines Profis. Ein Blick in sein Gesicht beseitigte meine letzten Zweifel.

Er war der Boss.

Sein Gesicht zeigte keinerlei Emotionen, seine Augen waren so klar und kalt wie ein Bergsee und die Waffe in seiner Hand ruckte nicht einen Millimeter. Ich wusste, auch ohne es gesehen zu haben, dass er sein Ziel nie verfehlte.

»Nicht schlecht«, sagte er und fügte, nachdem er den fragenden Blick in meinen Augen erkannt hatte, hinzu: »Ich meine die kleine Showeinlage. Aber ich muss dich enttäuschen. Damit hast du vielleicht meine Partner beeindruckt, aber nicht mich.«

Er musterte mich nachdenklich, während der Lauf seiner Waffe unverrückbar auf meinen Bauch gerichtet blieb.

»Woher kommst du?«

»Wie meinst du das?«

»Wenn du mir noch einmal mit einer Gegenfrage antwortest, schieße ich dir ein Loch ins Knie. Also noch mal, woher kommst du? Und lass dir ja nicht einfallen, mich anzulügen, du bist nämlich nicht von hier. Kein Mann, der seine Sinne noch beisammenhat, kommt mit einer Frau wie der da in dieses Kaff.« Dabei deutete er mit vorgerecktem Kinn auf Linda, die immer noch auf der Treppe stand.

Fieberhaft suchte ich nach einer Antwort, die den Dürren zufriedenstellte, denn die Zeit wurde knapp. Während der Idiot inzwischen wieder neben ihm stand und mit weinerlicher Stimme berichtete, was ich ihm angetan hatte, kam auch der Glatzkopf langsam wieder auf die Beine. Seine Worte klangen allerdings weitaus bedrohlicher.

Mir die Scheiße aus dem Balg zu prügeln, war noch die netteste Formulierung.

»Wir sind aus der Zentrale«, sagte ich deshalb ins Blaue hinein. »Wir waren in der Wüste spazieren.«

»Spazieren?«, echote der Dürre ungläubig.

Ich nickte. »Ich weiß, das klingt komisch, aber wer weiß, wo wir arbeiten, wird uns verstehen. Abgedunkelte Büros, vergitterte Fenster, Klimaanlage und der ständige Druck, Ergebnisse vorzuweisen. Glaube mir, nach einer Woche sehnst du dich geradezu nach einem Fleckchen Erde unter freiem Himmel und wenn es nur Wüste wie hier ist.«

»Möglich, aber das erklärt noch immer nicht, was ihr hier zu suchen habt.« Die Stimme des Dürren klang inzwischen bedeutend einsichtiger.

Ich triumphierte innerlich. Sollte er meine Geschichte tatsächlich gefressen haben?

Ich gab ihm keine Zeit, sich ernsthafte Gedanken über meine Worte zu machen, sondern legte sofort nach.

»Du weißt doch, wie das ist. Eine laue Sommernacht, Mondschein und eine hübsche Frau an deiner Seite. Wir haben einfach die Zeit vergessen, und als wir zurückkamen, war es zu spät. Wir können erst morgen wieder in die Zentrale zurückgehen.«

»Verstehe«, sagte der Dürre nach einem kurzen Blick auf Linda. »Wenn ich die Puppe hier vögeln könnte, würde ich auch die Zeit vergessen. Trotzdem solltest du einsehen, dass wir euch nicht so einfach davonkommen lassen können. Erst recht nicht, nachdem du meine Partner so misshandelt hast. Du bist uns also eine Kleinigkeit schuldig.«

»Was verstehst du unter einer Kleinigkeit?«

Das Grinsen des Dürren war diabolisch.

»100.000 Points!«

Obwohl ich immer noch nicht wusste, was es mit diesen Points auf sich hatte, wurde mir die Unverschämtheit seiner Forderung spätestens dann klar, als Linda hinter mir überrascht aufschrie.

»Nimm eine Null weg und wir können darüber reden.«

Der Dürre lachte und warf einen Blick auf seine Partner. Als ihm bewusst wurde, dass er einen Fehler gemacht hatte, war es zu spät.

Ich zog die Beretta aus der Tasche und richtete sie in die allgemeine Richtung seiner Leistengegend. Dabei grinste ich und spannte den Abzug.

»Wenn man eine Waffe auf jemanden richtet, sollte man sie auch benutzen. Wie du siehst, war es ein Fehler, nach deinen Partnern zu sehen.«

Während ich redete, hörte ich, dass eine andere Waffe neben mir gespannt wurde.

Der Dürre, er hieß Cartland, wie ich später erfuhr, lächelte zurück.

»Man sollte ein Lied nur pfeifen, wenn man die Töne kennt. Ich schätze, es ist besser für dich, wenn du mir jetzt deine Waffe gibst. Glatze schießt dir sonst mit seinem Ballermann den Schädel von den Schultern.«

»Das macht er wirklich.« Der Tonfall des Hotelbesitzers klang unverbindlich.

Ich drehte den Kopf gerade weit genug, um den Umriss der Taschenkanone zu sehen, die der kahlköpfige Riese auf mich gerichtet hatte. Dann wandte ich mich wieder Cartland zu und hob die Beretta etwas an.

»Weißt du«, sagte ich, »du denkst jetzt wahrscheinlich, dass die Waffe in der Hand von Glatze tödlicher ist als die in meiner Hand. Aber das stimmt nicht! Sie killen beide, nur mit dem Unterschied, dass meine zuerst losgehen wird.«

Schweiß glänzte auf der Stirn des Dürren.

Das hier war offensichtlich nicht sein Spiel. Er war es gewohnt, durch das Auftreten mit seinen Partnern oder dem Herumfuchteln ihrer Waffen das zu bekommen, was er wollte. Es war offensichtlich, dass ich der Erste war, der sich von diesem Trio nicht einschüchtern ließ.

Das gab ihm zu denken, ich konnte deutlich sehen, wie es hinter seiner Stirn zu arbeiten begann.

Ich nutzte sein Verhalten gnadenlos aus und warf mich nach vorne, prallte am Boden auf und wälzte mich herum.

Die Kanone von Glatze krachte, Holzsplitter wirbelten vom Boden auf und etwas glühend Heißes streifte meine rechte Wange. Ich blieb in Bewegung und antwortete mit der Beretta. Die erste Kugel spaltete das Gesicht des Dürren, die zweite traf Glatze in den Bauch.

Der Riese schnaufte und ächzte, setzte sich auf den Hosenboden und versuchte seinen Schießprügel erneut auf mich zu richten.

Ich schoss, was die Beretta hergab, und jagte ihm das halbe Magazin in den Bauch.

Pulverdampf wehte in stinkenden Schwaden durch die Hotellobby. Für einen Moment wurde es totenstill, dann reagierte der letzte des Trios.

Mit einem Schrei, der nichts Menschliches mehr an sich hatte, stürzte er vorwärts.

Ich ließ den Idioten herankommen.

Als ich das Messer in seiner Hand sah, zog ich durch.

 

***

 

Ich weiß, dass viele meine Reaktion im Nachhinein als völlig überzogen betrachten, aber verdammt noch mal, es ging um mein Leben. Was ich getan hatte, diente einzig und allein dazu, Linda und mich überleben zu lassen. Außerdem war meine Handlungsweise weder heimtückisch, noch hinterhältig, meine Tat war offenkundig, die Männer hatten ihre faire Chance gehabt.

Das sah auch der Hotelbesitzer so, wenngleich es so klang, als versuchte er, aus der Situation heraus Kapital zu schlagen: »Wenn Sie wollen, kann ich dafür sorgen, dass vorläufig niemand von dieser Sache erfährt.«

»Wie viel?«

»Tausend Points?«

Ich sah zu Linda und sie nickte.

»Sie bekommen das Doppelte, wenn dieses vorläufig bis morgen Mittag gilt.«

Fortsetzung folgt …

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