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Geisterjäger John Sinclair: Der Sinn eines Mehrteilers

Geisterjäger John Sinclair: Der Sinn eines Mehrteilers

John Sinclair Band 1838: Der Begleiter (1. Teil)
Autor: Jason Dark
Bastei-Verlag
Erscheinungsdatum: 01.10.2013
Preis: 1,70 €

Es gibt sie in quasi allen Heftserien, ob nun Geisterjäger John Sinclair, Professor Zamorra, Maddrax oder sogar Jerry Cotton (wenn auch in den letzten Jahren nur noch bei runden Nummern) – Mehrteiler. Grundsätzlich gilt dafür eigentlich, dass eine größere und komplexere Geschichte erzählt werden soll, als sie in einen Einzelroman gepasst hätte.
Zur Anfangszeit von John Sinclair waren Mehr-, sogar auch Zweiteiler, stets etwas Besonderes. Entweder es stand ein wichtiges Ereignis an oder die ärgsten Gegner des Sinclair-Teams waren in vollem Einsatz, um ihre Erzfeinde endlich zur Strecke zu bringen. Dies änderte sich mit den Jahren jedoch soweit, dass manchmal sogar Geschichten, die nicht einmal für einen Einzelroman gereicht hätten, auf zwei Bände gestreckt wurden.
Bis es dann nach dem Tod von Frantisek Marek in Band 1419 Blutrausch zu einem regelrechten Bruch in der Serie kam, die von diesem Moment an fast nur noch aus Einzelromanen bestand, mit gelegentlich eingestreuten Mehrteilern, die nur selten einen Bezug zur Haupthandlung haben. Der letzte Doppelband, Nr. 1824/1825, bot dahingehend zwar eine Ausnahme, regte aber von der Qualität her eher weniger zu Jubelstürmen an.
Grundsätzlich kann man sich in vielen Fällen aber auch fragen, welches Thema nun einen Mehrteiler verdient hätte und welches nicht. In diesem Roman beispielsweise geht es zum gefühlt hundertsten Mal um eine dämonische Gestalt, die eine namenlose Jenseitswelt beherrscht, die nur zwei Bewohner zu besitzen scheint: Die Gestalt selbst und den Astralleib eines Toten, der an seinen Verwandten aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen Rache nehmen will. So lässt sich die Inhaltsangabe recht kurz fassen:

John Sinclair wird von Sir Peter Dawson, einem reichen Medienmogul, der den Geisterjäger schon mehrfach mit Zeitungsartikeln verunglimpft hat, an dessen Sterbebett gerufen. Dort erzählt er dem Geisterjäger, dass er Kontakt zum Jenseits bekommen hat und nun von einem Begleiter abgeholt werden soll.
Tatsächlich taucht kurz nach Dawsons Tod dieser Begleiter auf und nimmt sich der Seele des Toten an, ohne dass John Sinclair das verhindern kann. Nun kenn Peter Dawson nur noch ein Ziel: Rache an seinen Verwandten.
Zunächst fallen ihm und dem Begleiter sein Sohn Elmar und dessen Geliebter Jack Warner zum Opfer. Und schließlich soll auf Dawsons eigener Beerdigung auch noch seine Schwester sterben …

Wenn man sich länger mit der Handlung dieses Romans beschäftigt, merkt man schnell, dass sie von vorne bis hinten keinen Sinn ergibt. Da erhält ein sterbender Medienmogul Kontakt zum Jenseits und hofft, dass sein Astralleib von einem geheimnisvollen Begleiter abgeholt wird, aber statt dies in aller Seelenruhe geschehen zu lassen, holt er zudem noch John Sinclair mit ins Boot, den er allen Ernstes als Leibwächter engagieren will, damit seine Seele nicht in der Hölle landet. Nun ja, das muss man nicht unbedingt verstehen.
Ebenso wenig nachvollziehbar ist die Ermordung von Jack Warner, der nach Dawsons Meinung Zeuge bei dem Mord an seinem eigenen Sohn gewesen war. Aber statt diesen Zeugen in aller Stille zu beseitigen, wird dieser auch noch in einer voll besetzten Bar getötet. Und nicht nur das, am Ende scheinen Dawson etwaige Zeugen gar nichts mehr auszumachen, da er vor der gesamten Beerdigungsgesellschaft erscheint, um seine Schwester zu töten, was dank der anwesenden John und Suko sowie der völlig unmotiviert eingebauten Glenda Perkins natürlich verhindert wird.
Davon einmal abgesehen ist dieser Roman aber gar nicht mal so schlecht. Johns erste Begegnung mit dem Begleiter ist recht gut in Szene gesetzt, auch die Morde sind recht unterhaltsam beschrieben und selbst das Finale auf dem Friedhof entbehrt nicht einer gewissen Spannung.
Hier hätte man allerdings durchaus einen Schlussstrich ziehen können, denn als Einzelroman – natürlich mit der einen oder anderen Erklärung mehr – hätte diese Geschichte als durchaus durchschnittlich bezeichnet werden können. Nun aber werden noch einmal 64 Seiten nachgelegt, wobei man sich unwillkürlich fragt, wie diese wohl noch sinnvoll mit Handlung zu füllen sein werden.
Das Cover des zweiten Teils lässt, obwohl gar nicht mal schlecht erstellt, allerdings auch Schlimmes erahnen. Dämonische Motorradfahrer und aggressive Rocker gehören so ziemlich zum größten Feindbild der Sinclair-Leserschaft. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.
Um aber noch einmal auf das Thema Mehrteiler zurückzukommen: Früher gab es unbestritten nicht nur inhaltsreichere Doppelbände, sondern auch allgemein eine viel höhere Frequenz an Drei-, Vier- oder gar Fünfteilern. Warum dies so ist, wäre eine interessante Frage an den Autor. Ich würde in diesem Fall spekulieren, dass es zum einen wohl einfacher ist, sich einen Einzelroman statt eines ganzen Zyklusses auszudenken, zum anderen kann man aber zumindest auch vermuten, dass ein klein wenig Verlagspolitik dahintersteckt. Jerry Cotton lässt grüßen.

Den Vogel abgeschossen hat in diesem Bereich sicherlich der 1000er-Zyklus, der ursprünglich sieben Teile umfasste, allerdings folgten darauf noch einmal zwei direkte Fortsetzungen. Ob dies nun wirklich von der Anzahl der Romane her dem Umfang der Geschichte entsprach, ist sicherlich Geschmackssache, eines ist aber offensichtlich: Einen Mehrteiler, der auch nur in eine einigermaßen ähnliche Größenordnung ging, hat es außer der Rückkehr des Vincent van Akkeren und dem ersten Erscheinen von Justine Cavallo in den Bänden 1212 bis 1219 nicht mehr gegeben und wird es – so befürchte ich – auch nicht mehr geben.
Dabei gäbe es durchaus noch Potential für Geschichten mit mehr als zwei oder drei Teilen. Jason Dark müsste dafür nur aus dem üblichen Schema der Einzelgeschichten und teils in sich abgeschlossenen Mehrteiler herausbrechen.
Andererseits stellt sich aber auch die Frage, ob das bei der derzeitigen eher bescheidenen Qualität der Romane wirklich sinnvoll wäre und ob Jason Dark noch einmal so eine komplexe Geschichte zusammenbekommen könnte. Ich hoffe es wirklich, allein der Glaube fehlt ein wenig. Aber gerade zum – mutmaßlichen – Ende der Serie zu Band 2000 könnten die Sinclair-Leser eigentlich noch einmal einen Zyklus in dieser Größenordnung erwarten. Schließlich gilt es, in den verbleibenden 162 Bänden noch einige große Handlungsstränge zu einem würdigen Ende zu bringen. Oder auch nicht.

Bildquellen:

 

(rh)