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Humoreske

Des Teufels Abenteuer in München im Sommer 1876 – V

Der Teufel und die Barzahlung

Eines schönen Morgen zog der Teufel Fetzen und Lum­pen an, dass ihm alle Gassenbuben nachliefen. Deswegen auf die Polizei fistiert, schob er die Schuld seines Aufzuges auf die Barzahlung. Seitdem Knorr und Hirth diese für München dekretiert, müsse er in Lumpen laufen, bis er ein neues G’wandl bar zahlen könne.

Die Polizei schickte ihn ins Irrenhaus, zu Dr. Gudden, wo er aber bald wieder entwischen konnte. Der Teufel ärgerte sich über die Folgen der Barzahlung und lief schnurstracks zum schönen Julius, um ihm einen Possen zu spielen. Leider traf er ihn aber nicht zu Hause an. Er war gerade – zu seinem Glück – in der altkatholischen Kirche auf dem Gasteig in fallibelem Gebet begriffen. In das Gotteshaus aber konnte Weiterlesen

Des Teufels Abenteuer in München im Sommer 1876 – IV

Der Teufel und ein Preuße

Der Teufel stand vor einem Laden mit Gipsfiguren. Ein Herr gesellte sich zu ihm.

»Na nu, wie jefällt Ihnen die Büste von Bismarcken? Det is ein janzer Mann, in Preußen jewachsen, in dem dummen Bayern findet man nie so was nich, da …«

Dem Teufel machte es Spaß, den blau­weißen Patrioten zu spielen. Er zog darum ganz bavarisch über Preußen und Bismarcken los. Da kam er aber schön an.

»Was«, schrie der Preuße, »Sie beleidigen man Bismarcken. Wo ist Polizei,  Schutzmann hierher, det is ‘n Reichsfeind, ins Loch mit dem Kerl.« Der Teufel hatte aber nicht Lust, sich wegen Bismarck-Beleidigung Weiterlesen

Des Teufels Abenteuer in München im Sommer 1876 – III

Der Teufel betrachtet sich München

Beim Bahnhof fing er an. Etwas Unpraktischeres hatte er noch nicht gesehen. Er als Teufel kannte sich kaum aus, wie sollte sich erst ein Mensch auskennen?

An der Mariensäule sah er viele, meist weibliche Beter knien. »Die Frauen«,

konstatierte der Teufel lachend, »beten auch für ihre unsterbliche Seele, dass ich sie nicht hole und haben gar keine.

Gott hauchte laut der Bibel nur dem Adam eine unsterbliche Seele ein. Von der Eva ist dies nicht geschrieben.
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Des Teufels Abenteuer in München im Sommer 1876 – II

Der Teufel im schwarzen Club

Es hatte ihm einer in der Hölle gesagt, dass es in München viele Schwarze gebe und diesen wollte er zuerst seinen Besuch abstatten. Ist er doch ebenfalls ein Schwar­zer. Er kam gerade zur rechten Zeit. Die Kammer war versammelt und so ging er in den schwarzen Club im Casino.

Der Teufel kann sich verwandeln, wie er will. Er nahm daher die Gestalt und das Wesen eines eben abwesenden Mitgliedes der Fraktion, des Herrn H. an und wartete der Dinge, die da kommen sollten.

Schier war es ihm ein wenig bange, dass die Weihe und Frömmigkeit der geistlichen Mitglieder ihm unbequem werden könnte, aber seine Furcht war eine eitle. Keiner hatte Gewalt über ihn, denn die Herren sind nicht so fromm. Und so konversierte er unerkannt mit denen, die den Leuten immer die Weiterlesen

Des Teufels Abenteuer in München im Sommer 1876 – I

Des Teufels Ankunft

In der Frauenkirche zu München befindet sich die Spur eines Fußes, die nach der Sage der Teufel eingedrückt hat. Setzt man in diese Spur seinen eigenen Fuß, so sieht man in der ganzen Kirche kein Fenster, was offenbar Teufelsspuk ist.

Jüngst wurde es nun in der Hölle recht langweilig. Es kam keine Seele, die einiges Interesse erregt und den Teufeln Unterhaltung geboten hätte. Nicht einmal Abdul Aziz, auf den sich besonders das weibliche Geschlecht freute, sollte der Hölle zufallen, denn Mohamed, der Prophet, erwischte ihn gerade noch rechtzeitig, um ihn des Teufels Klauen zu entreißen.

Da fasste der Oberste der Teufel, auch Luzifer genannt, den Beschluss, sich einmal etwas auf der Erde Weiterlesen

Schweizer Scifi

Lukas Gmür
Schweizer Scifi
Eine weitere Geschichte aus dem Antigravgleiterzeitalter

2260: Ein weiteres Fest, das sich bis in das Antigravgleiterzeitalter gerettet hatte, nahte sich. Ueli Mulliqi, dessen Vorfahren vor 150 Jahren aus Albanien eingewandert war, bereitete sich in einer Holotrainingsstation in einem der vor 60 Jahren erbauten Gigawohntürmen in Auzelg (Zürich Schwamendingen) vor. Die aneinandergereihten, etwa 30 Tausend Stockwerke hohen Wohntürme hoben sich grotesk von den denkmalgeschützten und daher noch belassenen Reiheneinfamilienhäusern ab. Sie wirkten wie überdimensionierte, aneinandergereihte Bleistifte, aus einem teils durchsichtigen Material gebaut. Es wurde eine neue Art von Plexiglas verwendet, welche absolut umweltverträglich hergestellt wurde. Die Reiheneinfamilienhäuser wirkten, als wurden sie zu Museumszwecken aus weit zurückliegender Weiterlesen