Sagen der mittleren Werra 102
Der Alb, der im Werragrund und dessen nächster Umgebung allgemein genannt wird, ist fast immer ein unheimliches Weibsbild, welches die Gabe besitzt, sich nachts zu denjenigen einzuschleichen, die es drücken und beängstigen will. Zu diesem Zweck benutzt es im Notfall sogar das Schlüsselloch. Sie nimmt die Gestalt einer Katze, eines Marders oder eines anderen haarigen Spuks an, springt auf das Bett, legt sich dem Schlafenden auf Brust oder Hals und drückt ihn so, dass er die Unholdin weder abzuwerfen noch um Hilfe zu schreien imstande ist. Hat sie sich genug an der Angst und dem Gewimmer des Geplagten ergötzt, verschwindet sie wieder auf demselben Weg.
In Möhra stehen besonders diejenigen Frauen in Verdacht, ein Alb zu sein, denen die Augenbrauen über der Nase zusammengewachsen sind.
Ein derart gezeichnetes Mädchen aus Möhra kam eines Abends mit einer Freundin aus der Spinnstube. An der Schmiede angekommen, stellte sie ihr Spinnrad vor das Haus, sagte zu ihrer Freundin: »Warte hier ein wenig und sieh nach meinem Rad, ich Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 66

Der Spuk in Havelberg
Bei der Fähre oberhalb von Havelberg zeigen sich gewöhnlich allerhand wunderbare Zeichen, wenn jemand ertrinken soll. Bald scheint es, als schlüge ein großer Fisch auf, doch es ist keiner zu sehen. Oder es lacht ganz ordentlich, obwohl kein Mensch da ist.
Auch im Havelberger Dom ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Es schien, als wären die alten Mönche doch noch nicht ganz zur Ruhe gekommen. Es ist noch nicht lange her, da spielte der Organist einmal pro Woche auf der Orgel. Er war allein in die Kirche gegangen und hatte die Tür hinter sich zugeschlossen. Als er die letzten Töne anschlug, sah er zufällig zur Kanzel hinüber. Da stand leibhaftig ein Mönch, der zu ihm hinüber schaute und das Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 65

Das Bassewitzfest in Kyritz
Die Stadt Kyritz hatte in alten Zeiten viele Fehden mit den Rittern der benachbarten Länder. So lag sie auch einmal mit dem mecklenburgischen Ritter Kurt von Bassewitz im Streit, der im Jahr 1411 heranzog und sie hart belagerte. Die Kyritzer verteidigten sich jedoch tapfer und bewachten Tor und Mauern sorgfältig. So konnte er ihnen nichts anhaben, weshalb er überlegte, wie er die Stadt mit List nehmen könnte.
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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 64

Das vermauerte Tor von Gransee
In vielen Städten der Mark Brandenburg findet man etwas, das in anderen Ländern nur sehr selten anzutreffen ist. Neben dem gewöhnlichen Stadttor befindet sich nämlich noch ein zweites, zugemauertes Tor. Man muss annehmen, dass dieses das allererste Tor gewesen ist, weil es mit dem Bau der Mauer übereinstimmt, in der es sich befindet, und weil es auch direkt auf die Straße zeigt, während das jetzige offene Tor schräg in die Stadt hineinführt. Welche Bedeutung die zugemauerten Tore hatten und aus welcher Veranlassung sie vermauert wurden, versuchen unsere Geschichtsschreiber vergeblich zu erforschen. Vermauerte Tore dieser Art finden sich namentlich in Kyritz, in Wittstock, in Wusterhausen im Ruppinschen, in Gransee (zwei), in Soldin (drei), in Friedeberg (zwei), in Morin (zwei), in Berlinchen (zwei), in Königsberg (zwei), in Schönfließ (zwei), in Landsberg an der Warthe, in Beerwalde, in Woldenberg, in Bernau, in Fürstenwalde und in Mittenwalde.
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Sagen der mittleren Werra 101
Von den Wichteln auf Scherbera
Von Förtha nach Oberellen führt links ein kleines Tal vom Wiesengrund in die nahen bewaldeten Hügel ab. Einer dieser Hügel wird Scherbera genannt. In diesem lebten vor langer Zeit unzählige Wichtel, die dort viel Neckerei und Unfug trieben. Sie führten die nachts am Scherbera vorüber wandernden Menschen durch allerlei kuriose Tänze und Bockssprünge irre, brachten den Menschen in Förtha Wechselbalge ins Haus oder kamen in Scharen in den Ort und stahlen wie die Raben. Wurden sie von den Förthaern verfolgt, so liefen sie, so schnell sie konnten, zum Scherbera. Sobald sie das Holz jedoch erreicht hatten, stellten sie sich zur Wehr und verteidigten ihre Wohnungen so hartnäckig, dass ihnen nicht beizukommen war.
Bei einer solchen Gelegenheit wurde einer der Wichtel erschlagen. Als sie ihn mit einem feierlichen Leichenbegängnis beerdigt hatten, verschwanden sie eines Morgens miteinander aus der Gegend.
In der Nacht hatten sie sich bei dem Dörfchen Hörschel von dem Fährmann über die Werra setzen lassen, ihn dafür mit einer Metze Salz abgelohnt und gesagt, wenn einmal bessere Zeiten in das Land kämen, dann würden sie auch wieder zurückkehren. So Weiterlesen
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