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Im Original Ludwig Storch

Der Freibeuter – Spaziergang in den Hafen

Der-Freibeuter-Zweiter-TeilDer Freibeuter
Zweiter Teil
Kapitel 10

Der Hoftag war bestimmt, wo Lord Palmerston und Fräulein von Ove als Brautpaar vorgestellt werden sollten. Der Lord hatte ernstlich daran gedacht, sich eine bescheidene Existenz zu gründen. Zu diesem Zweck waren vertraute Boten nach Schweden und England abgegangen, und vom König Karl hatte er bereits tröstliche Zusicherungen erhalten. Aber am Hof hatte man auch durch geheime Kundschafter erfahren, dass Palmerston in Verbindung mit dem Schwedenkönig stehe. Ursache genug, um das Auge des Misstrauens, hinter der Maske der Freundlichkeit versteckt, auf ihn zu richten und ihn, wo er ging und stand, zu beobachten.

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Der Freibeuter – Liebessegen

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Zweiter Teil
Kapitel 9

Der bewusstlose Engländer wurde von Tagelöhnern gefunden und zum Pfarrer des Ortes gebracht. Hier fiel er in ein hitziges Fieber und lag mehrere Wochen lang mit dem Tode ringend darnieder. Erst als der Frühling seinen segenbringenden Odem über die Erde hauchte, durfte er daran denken, seinen Wanderstab weiterzusetzen. Während der Zeit seiner Genesung hatte er sich oft mit seinem teilnehmenden Wirt, dem Pfarrer, unterhalten, und dieser hatte auf unschuldige Weise des Engländers Liebe und den Namen seiner Geliebten entdeckt. Von der Dürftigkeit des Wiedergenesenden gerührt und von der Sorge um sein ferneres Wohl bewogen, hatte der würdige Mann heimlich an Christine von Ove geschrieben. Eines Tages fuhr ein Wagen vor dem Pfarrhaus vor. Ein Mann Weiterlesen

Der Freibeuter – Rettung aus Todesgefahr

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Zweiter Teil
Kapitel 8

Der Engländer lag in einem Zustand, der fast der Bewusstlosigkeit gleichkam. Seine Glieder waren kalt und starr, kaum fühlte er noch den leisen Pulsschlag seines Herzens. Doch seine Seele zuckte, von Angst getrieben, ohne dass sie sich selbst hätte klar bewusst werden können. Endlich vernahm er Geräusch und sah beim dürftigen Schneeschein, wie die ihm gegenüberstehende Wand zurückwich. Einen Augenblick darauf vernahm er den Schall zweier Schläge, mit den Mordäxten auf die Schädel der beiden Leichen fast zu gleicher Zeit geführt, und dieser Ton schnitt ihm so durch die Seele, dass ihn die Besinnungskraft verließ. Als er wieder zu sich kam, mochte wohl über eine Stunde verflossen sein, und er hörte einige Stimmen. Ein matter Lichtstrahl von einer trüben Laterne blitzte Weiterlesen

Der Freibeuter – Ein Raubmordnest

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Zweiter Teil
Kapitel 7

An einem der letzten Tage des Hornung 1717 – einige Monate später als die zuletzt erzählten Begebenheiten – wurde gegen Abend ein Boot von nicht sonderlicher Größe und Beschaffenheit vom Sturm an die einsame Westküste von Jütland in der Gegend von Barde geworfen. Es hätte jedem Zuschauer unbegreiflich scheinen müssen, wie man an einem solchen stürmischen Wintertag, wo die Tauwinde mit furchtbarer Heftigkeit wehten, sich in solch gebrechlichem Fahrzeug auf das wild empörte Meer hinauswagen können. Aber es waren keine Zuschauer da. Regungslos lag weit und breit das unfreundliche Gestade, hier und da ragte eine Uferklippe mäßig hervor, dann breitete sich landeinwärts die öde schneebedeckte Ebene, über die der Seewind unablässig hinstrich.
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Der Freibeuter – Der Freiherr Görz von Schlitz

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Zweiter Teil
Kapitel 6

Kapitän Norcroß umarmte den Lord und rief: »Wer hätte denken sollen, dass wir uns nach wenigen Tagen in diesen Gewässern wiedersehen sollten! Doch wir dürfen nicht mit dem Schicksal rechten. Ich bin schon froh, dass ich Euch nur wieder habe, Herr Major. Denn fürwahr, als ich erfuhr, Ihr hättet Euch auf der Insel Rügen absetzen lassen, gab ich die Hoffnung verloren, Euch je wiederzusehen. Ich hielt Euren Aufenthalt hier nur für Maske. Was hättet Ihr denn auch auf dieser einsamen traurigen Insel anderes beginnen wollen, als vor Trübsal zu sterben?«

»Ich ging nach Rügen«, versetzte der Lord, »um mit keinem schwedischen Schiff in einen dänischen Hafen Weiterlesen