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Strangers in Paradise 1

Terry Moore
Strangers in Paradise 1

Comic, Softcover, Schreiber&Leser, Juli 2013, Hamburg, 344 Seiten¸ 16,95 Euro, ISBN: 9783943808155

Katina Choovanski alias Katchoo, eine hübsche, blonde, junge Frau, ist nicht nur mit Worten schlagfertig. Das verdankt sie ihrer kriminellen Vergangenheit, der sie entkommen zu sein scheint. Momentan geht es ihr gut: Sie wohnt mit ihrer besten Freundin Francine zusammen, in die sie heimlich verliebt ist. Schade nur, dass Francine voll auf den blöden Schnösel Freddie abfährt, der sie auch noch betrügt. Als Francine das merkt, macht sie mit Freddie Schluss. Allerdings stellt Freddie fest, dass seine neue Geliebte auch nicht das Gelbe vom Ei ist und will zu Francine zurück. Aber Katchoo ist nicht gewillt, Francine Freddie zu überlassen. Das ist allerdings nicht das einzige Problem, mit dem sich Katchoo herumschlagen muss, denn ihre Vergangenheit holt sie nicht nur in Form eines jungen Mannes namens David heim, der Katchoo bis zur Selbstaufgabe liebt, sondern auch in Form ihrer ehemaligen »Arbeitgeberin« Darcy Parker, die auf Katchoos kriminelle Talente nicht verzichten möchte.

Der 1. Band beginnt mit einer Serie in Schwarz-weiß, die von 1993 bis 2007 in den USA veröffentlicht und jetzt von Schreiber&Leser für die deutschen Leser adaptiert wurde. Die Serie erinnert an eine Seifenoper in Comicform, wobei sie sich nicht nur durch Cliffhanger auszeichnet, sondern auch für einen Comic ungewöhnliche Stilelemente wie Prosa, Gedichte, Liedtexte usw. die den Comic durchbrechen, aber immer etwas mit dem Inhalt zu tun haben oder ihn weiterführen. Durch die non-lineare und teilweise parallele Erzählform wirkt der Comic stellenweise etwas verwirrend.

Eigentlich bedient der Comic Männerträume: hübsche junge Frauen, eine davon naiv, die andere tough, beide mit Ansätzen zum Lesbentum, wie Männer sich das vorstellen. Auf der anderen Seite sind die Frauen und Männer aber auch nicht ganz so eindimensional gezeichnet, auch wenn die Männer aus Frauensicht meist nur Sex im Kopf haben und untreu sind. Die Ausnahme bildet David, der Katchoo wirklich liebt. Aber selbst David ist aus anderen Gründen nicht vertrauenswürdig. Wikipedia schreibt, dass der Comic von einem ungewöhnlich hohen Anteil von Frauen gelesen wird. Das könnte an den weiblichen Hauptfiguren liegen, die nicht nur Männerträume verwirklichen, sondern etwas in die Tiefe gehen und zum Teil Identifikationspotenzial haben oder zumindest Sehnsüchte spiegeln: einer Gesellschaft, die Frauen unter Druck setzt wegen eines ewig jugendlichen, schönen Aussehens und in der für Männer Umfragen nach in erster Linie das Aussehen einer Frau bei der Partnerwahl zählt, kommen Francine und Katchoo, die das alles verkörpern, wie gerufen. Dabei blickt aber auch die Realität um die Ecke, wenn die eigentlich hübsche Francine, Männertraum schlechthin, wegen Liebeskummers einige Kilo zunimmt und dann nicht mehr ganz so hübsch ist. Katchoo und Darcy Parker verkörpern den Typ unabhängige, selbstbewusste Frau, die ständig Grenzen überschreiten. Damit fungieren sie als Sehnsuchtsventil. Katchoo und Francine sind von Männern enttäuscht (erlebt die reale Frau auch immer mal wieder) und zumindest Katchoo hat deswegen keine Lust mehr auf heterosexuelle Beziehungen.

Der Titel der Reihe wird zum einen im Comic selbst verarbeitet und ist zum anderen dem populären Schlager Stranger in Paradise entlehnt.
Band 2 soll im Herbst erscheinen.

(ud)

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