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In Kansas ist der Teufel los

Als erster Bundesstaat der Vereinigten Staaten überhaupt erlässt Kansas im Mai 1881 das Verbot, alkoholische Getränke auszuschenken (Prohibition). Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs ist das Land von einer Armee von Schwarzbrennern und Schnapsschmugglern überzogen.

Nachdem zwei rivalisierende Schmugglerbanden das Land von Ken Okumoto für ihre verbotenen Transporte nutzen, werden er und seine Familie unverhofft in einen Strudel aus Gewalt, gepanschtem Schnaps und Schmiergeld hineingezogen.

Als wäre das nicht genug, zeichnet sich dazu am Horizont noch ein Tornado ab. Niemand ahnt, dass dieser Twister als einer der schrecklichsten Wirbelstürme des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen wird.

Wie gesagt, in Kansas ist der Teufel los.

 

Plötzlich stand die Antilope mitten auf der Fahrbahn.

Das grelle Licht der Autoscheinwerfer hatte den Pronghornbock geblendet, und das Tier verharrte beinahe regungslos vor dem herandonnernden Wagen.

Jack Morton reagierte voller Panik.

Er verriss das Lenkrad seines Lasters, worauf das schwere Fahrzeug völlig unkontrolliert auf eine Baumgruppe am Wegesrand zusteuerte.

Dort gab es einen kurzen, aber heftigen Aufprall. Glas splitterte und der wuchtige Stamm eines Jahrzehnte alten Palo-Verde Baumes machte der Fahrt ein jähes Ende. Mit voller Wucht knallte Morton mit der Stirn gegen das Lenkrad seines Lasters, indessen sein Beifahrer die Frontscheibe küsste. Morton blutete heftig aus einer Platzwunde an der linken Augenbraue, während sein Partner Jesse Fuller den Aufprall mit seinem Quadratschädel beinahe schadlos überstanden hatte.

»Drecksvieh elendes, was hast du auch mitten in der Nacht auf der Straße zu suchen?«, fluchte Jack, während er benommen aus dem Führerhaus kletterte.

Nachdenklich besah er sich den Schaden.

Das vordere, rechte Scheinwerferglas war zersplittert und darunter zierte eine gewaltige Beule die Stoßstange des Wagens. Der gesamte Kotflügel war verschoben und das scharfkantige Blech hatte sich in den dahinter liegenden Reifen gebohrt.

Von dem Pronghornbock war längst nichts mehr zu sehen.

»Bullshit!«, fluchte Morton und griff nach seinem Taschentuch, um sich das Blut aus dem Gesicht zu wischen.

An eine Weiterfahrt war nicht mehr zu denken.

Im gleichen Augenblick wurde die Unfallstelle in grelles Licht getaucht. Von allen Seiten flammten Scheinwerfer auf und blendeten die beiden Männer.

»Scheiße!«, kreischte Fuller mit überschnappender Stimme. »Lass uns abhauen, da kommen die Bullen.«

Als er den rechten Arm aus dem Fenster streckte, lag seine Pistole bereits schussbereit in der Hand. Ohne zu zögern feuerte er in das grelle Licht hinein. Einen zweiten Schuss bekam er nicht mehr. Ein wilder Fluch ertönte, dann ratterte auch schon eine Maschinenpistole los.

Es klang, als würde jemand aus großer Höhe einen Sack getrockneter Erbsen auf ein Blech schütten. Die Salve aus der halb automatischen Maschinenwaffe zerteilte das Führerhaus des Lkws in zwei Hälften und brachte Jesse Fuller förmlich zum Tanzen. Wie eine willenlose Gliederpuppe, die von unsichtbarer Riesenhand geschüttelt wurde, zuckte er auf dem Beifahrersitz umher. Blut spritzte wie aus einem prall gefüllten Wassersack aus ihm heraus und überzog das gesamte Führerhaus mit einem hässlichen roten Muster.

»Du da, wenn du nicht so enden willst wie dein Freund, nimmst du jetzt besser die Hände hoch!«, schrie eine herrische Stimme.

Jack Morton zögerte keine Sekunde. Das Taschentuch, das er immer noch in seiner Hand hielt, flatterte dabei wie eine Fahne im Abendwind. Dann brummten Motoren auf und aus der Dunkelheit der umliegenden Hügel rasten vier unförmige Schatten auf ihn zu. Er blinzelte in das grelle Licht der Scheinwerfer und bemerkte zu seinem Erstaunen, dass es sich offensichtlich nicht um die Polizei handelte.

Die Autos kamen keine drei Schritte vor ihm zum Stehen. Aus jedem der Wagen sprangen mehrere Gestalten, die sich rasch über die Straße verteilten. Eine von ihnen kam direkt auf ihn zu und Morton hatte plötzlich ein unangenehmes Gefühl im Bauch, als sich der Lauf einer Maschinenpistole genau auf seine Magengegend richtete.

»Wer zum Teufel seid ihr?«

»Halt die Fresse, Mann, wenn hier einer Fragen stellt, dann bin ich das.«

Stumm zeichnete der Unbekannte mit der Rechten Befehle in die Nacht, während die Mündung seiner Maschinenwaffe unentwegt auf Mortons Bauch zeigte.

Rasch durchsuchten die anderen den Laster. Einer von ihnen zog den schlaffen Körper von Fuller aus dem Führerhaus und schleifte ihn seitwärts ins Gebüsch.

»Was ist mit ihm?«

Einer der Männer zuckte mit den Achseln. »Hat wohl Pech gehabt! Er hätte nicht gleich mit dem Schießeisen herumfuchteln sollen, schließlich konnten wir das Risiko nicht eingehen, dass einer von uns getroffen wird.«

Nur mit Mühe konnte Morton verhindern, dass ihm Tränen in die Augen stiegen. Er und Jesse waren seit Jahren ein Team. Gemeinsam hatten sie so manches Ding durchgezogen und jetzt das. Jack hatte das Gefühl, als ob er jeden Moment heulen müsste.

Eine weitere Gestalt kam auf ihn zu. »Wohin solltet ihr die Ladung bringen?«

»Nach Newton, wie immer«, sagte Morton und wies nach Westen.

»Okay, dann geh mal zur Seite. Eure Reise ist nämlich hier zu Ende.«

Zögernd trat Morton nach hinten, immer dicht gefolgt von dem Mann mit der Maschinenpistole. Während er sich niedergeschlagen einen Steinwurf von dem Lastwagen entfernt in den Sand setzte, zerrte eine der Gestalten den Reservekanister des Fahrzeugs aus der Halterung, öffnete ihn und schüttete das Benzin über die Ladefläche des Wagens. Danach zog er ein Paket Streichhölzer aus der Tasche.

Bereits mit dem zweiten Zündholz erzielte er den gewünschten Erfolg.

Eine riesige Stichflamme erhellte die gesamte Umgebung taghell. In Minutenschnelle verbrannte der LKW mitsamt seiner wertvollen Ladung, die Fuller und Morton unter größten Anstrengungen bis hierher gebracht hatten.

Jack stöhnte dumpf, als er in die Flammen starrte.


Die vollständige Story steht als PDF-Download zur Verfügung.

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