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Weird Tales – Das Grab

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Die Schreckensherrschaft der Reno-Bande – Teil 4

Die Raubüberfälle gehen weiter

Das Jahr 1866 war fast vorüber, als drei Männer am 29. Dezember Marian Cutlor, der allein in einem Ort bei Clearspring im westlichen Teil des Jackson County wohnte, überfielen und töteten. John Brooks, Jack Eastin und John Talley wurden festgenommen, für das abscheuliche Verbrechen angeklagt und zum County Jail in Brownstone überführt. Brooks gab später zu, dass er und Talley die Mörder waren.
Dieses Verbrechen, die Freilassung der Reno-Gang nach ihrem durchgeführten Zugraub und die scheinbare Unfähigkeit einiger Richter lieferten den Jackson County Bewohnern genügend Argumente, um sich Luft zu machen.
In der Nacht vom 30. März 1867 trat ein Ereignis ein, welches für die Zukunft des County von weitreichender Bedeutung sein sollte. Auf einer Lichtung, ungefähr eine Meile östlich von Brownstown, versammelten sich 250 bis 300 Männer und beratschlagten darüber, was unternommen werden konnte, damit die Mörder von Marian Cutlor nie wieder auf freien Fuß gesetzt werden konnten. Sie organisierten eine Bürgerwehr, ritten in Zweierkolonne nach Brownstown und hielten vor dem County Jail. Einige Männer saßen ab und zerschlugen die Gefängnistür mit Vorschlaghämmern. Danach hetzte eine große Gruppe in das Gefängnis. Der Pöbel schleppte Brooks und Talley zu einem großen Baum vor dem Gerichtsgebäude und hängte sie an einem starken Ast auf. Das Lynchgesetz war ins Jackson County gekommen.

Am 28. September 1867 wurde ein weiterer O&M-Zug fast an der gleichen Stelle wie der erste Eisenbahnraub gestoppt. Für diesen Überfall bei Seymour wurden zunächst die Reno-Brüder verantwortlich gemacht, später jedoch den zwei ortsansässigen Männern Walker Hammond und Michael Colleran zugeschrieben. Sie führten den bewaffneten Raubüberfall ohne große Schwierigkeiten durch und konnten sich mit 8.000 Dollar absetzen. Für die Renos schien die Nachäfferei nicht das Problem zu sein. Hammond hatte anscheinend ein Auge auf Lettie Neyland geworfen, von der John Reno behauptete, dass sie sein Mädchen war. Der hitzige Reno machte Hammond in Seymour ausfindig, der versuchte, die Frau davon zu überzeugen, mit ihm gemeinsam die Gegend zu verlassen. Geld spielte dabei für Walker keine Rolle – er hatte ja genügend davon. Reno schlug Hammond zusammen, brachte ihn zum Sheriff und teilte dem Officer mit, dass Hammond vor Kurzem den Adams Express Waggon ausgeraubt hatte. Im Februar 1868 wurden Hammond und Colleran, ein ehemaliger O&M-Zeitungsverkäufer, für diesen Raub angeklagt.
Während das Paar im County Jail von Brownstown einsaßen, erprobte sich das gegründete Jackson County Vigilance Committee, auch bekannt als The Scarlet Mask Society aufgrund ihrer langen roten Bandanas, aufs Neue und forderte den Sheriff, die Gefangenen herauszugeben. Doch dieser ging auf die Forderung nicht ein. Stattdessen wurden beide Zugräuber später in das Indiana State Prison bei Jeffersonville überführt. Colleran bekam 5 Jahre und Hammond 6 Jahre Gefängnis als Strafe für ihren Überfall.
Frank und John Reno entschieden, dass es sicherer sein würde, aus gegebenen Umständen ihre folgenden Beutezüge nicht im Jackson County durchzuführen. Sie gingen nach Missouri. Am 17. November 1864 überfielen einige Bandenmitglieder das Büro des Schatzmeisters im Daviess County Courthouse in Gallatin, Missouri, und machten sich mit ca. 23.618 Dollar Bargeld und Schuldscheinen aus dem Staub. John Reno wurde als einer der Räuber identifiziert, und die Pinkertons folgten der heißen Spur. Am 4. Dezember, als John zum Seymour-Bahnhof ging, sprang ein halbes Dutzend Pinkerton-Männer aus einem Zug und nahmen ihn mithilfe des Daviess County Sheriffs fest. Jedoch stand am 19. Dezember im Nordmissourian, dass John Reno vom Captain Ballinger and Woodruff des Daviess County in Indianapolis festgenommen wurde. Auf jeden Fall war eindeutig klar, dass er den Überfall in Gallatin plante und aus diesem Grund vor Gericht stand. Er bekannte sich am 18. Januar 1868 für schuldig – Lynchpöbel hatte sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt. John Reno wurde zu 25 Jahren verurteilt und kam ins Missouri State Penitentiary in Jefferson City.
John war Führer und Hirn der Reno-Gang. Sein älterer Bruder Frank und die anderen machten ohne ihn weiter. John wurde im Februar 1878 aus dem Gefängnis entlassen und kehrte nach Seymour zurück. Dort angekommen stellte er fest, dass seine kriminellen Brüder tot waren. Sieben Jahre später wurde er für gefälschte Rechnungen zu drei Jahren Haft im Indiana State Prison in Michigan City verurteilt. John Reno starb am 31. Januar 1895 in seinem Haus in Seymour.

Nachdem John im Jahr 1868 verurteilt wurde, kontrollierte von diesem Zeitpunkt an Frank Reno die Gruppe. Für ihn war klar, dass es sicherer sein würde, wenn er mit seinen Jungs die Gegend für eine gewisse Zeit mied, und brach mit der Gang nach Iowa auf.
Am 18. Februar 1868 erleichterte die Bande Harrison County Treasury Office in Magnolia um mindestens 14.000 Dollar. In den folgenden Wochen plünderten Frank und seine Leute Tresore von Firmen im Louisa County und Mills County Fiskussafes und stahlen insgesamt 18.000 Dollar. Ende März beraubten sie die Howard County Treasury um 18.000 Dollar. Nach diesem Überfall versteckten sich Frank Reno, Albert Perkins und Miles Ogle im Haus des ehemaligen Geächteten Michael Rogers in Council Bluffs, Iowa. Pinkertons Leute folgten die Gruppe dorthin. Allan Pinkertons Bruder William führte einen Überfall auf dem Haus. Die Detektive stellten ungefähr 14.000 Dollar als Beweismittel sicher und nahmen das Quartett fest. Die Geächteten hatten auf die Schnelle versucht, das Geld in einem Ofen zu verbrennen.
Nachdem Frank Reno und seine Kumpane vorübergehend im Sidney Jail einsaßen, gelang ihnen am 1. April 1868 die Flucht, indem sie ein Loch in die Zellenwand brachen. Über diesem stand mit Kreide geschrieben: April Fool (Aprilscherz).
Kurz darauf kehrte Frank nach Seymour zurück und plante etwas Neues, Größeres.

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