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Turnier- und Ritterbuch – Teil 7.6.

Heinrich Döring
Turnier- und Ritterbuch
Verlag von E. F. Schmidt, Leipzig
Sitten und Gebräuche des Rittertums im Mittelalter

Ludwig der Springer

Sechstes Kapitel

Wie Ludwig seine Sünde bereute

Als er nun aber wieder nach der Schauenburg, zu seiner Frau zurückgekehrt war, die dort sehnlichst seiner harrte, da wollte es beiden bedünken, als hätten sie großes Unrecht getan und bereuten in ihrem Inneren des Pfalzgrafen Friedrich Ermordung. Es begab sich aber, dass Adelheid einst ihren Herrn mit einem köstlichen Mahl bewirten wollte und Wildbret und allerlei Fische auftrug. Darüber wunderte sich Ludwig höchlich, denn es war ein Karfreitag.

»Wie sollte es«, sprach er, »uns geziemen, Fleisch zu essen, an dem Tag, wo Christus, unser Herr, so schmachvollen Tod für uns erlitten?«

Adelheid aber entgegnete: »Übertreten wir doch nur das Gebot der Kirche, wenn wir solcherlei Speise zu uns nehmen an dem heiligen Tag. Sollte es nicht größerer Frevel sein, dass wir uns so lange schon dem Liebesmahl des Herrn entzogen und trotzig verharren in unseren Sünden, ohne Buße zu tun, zu der uns Gott selbst aufgefordert hat durch deine wundersame Rettung?«

Ludwig aber schlug die Augen nieder, als Adelheid so sprach, und weinte heftig, und seine Frau mit ihm!

»Das sei fern von mir«, sprach er, »dass ich von diesen Speisen koste. Ich will gen Rom zum Heiligen Vater und nach einem reuigen Bekenntnis meiner Sünden mich der Buße unterwerfen, die er mir auferlegt, und wenn sie noch so hart wäre.«

Solchen Entschluss aber führte Ludwig sofort aus, als kaum die Ostertage vorüber waren. Da bestellte er daheim sein Haus, nahm herzlichen Abschied von seiner Frau und zog gen Rom, begleitet vom Bischof von Halberstadt, der ein frommer Herr und ihm verwandt war. Als nun Ludwig in Rom seine Sünden beichtete, zeigte sich der Pabst bereit, ihm Absolution zu erteilen, wofern er sein sträfliches Tun lebenslänglich bereue als Mönch, und zwar in einem Kloster, das er selbst stiften solle. In solcher Weise sprach der Pabst, werde er sich wieder versöhnen mit Gott, mit dem Kaiser und mit den Verwandten des Pfalzgrafen Friedrich, der so schmachvoll durch ihn geendet sei. Und als Ludwig wieder in seine Heimat zog, da empfahl der Heilige Vater dem Scheidenden seiner Frau, die sich zugleich mit ihm so schwer versündigt hatte, eine gleiche Buße anzuraten. Auch Adelheid solle ihre Schuld in einem Nonnenkloster büßen.