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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 10

Lippold von Bredow und der Teufel

In alten Zeiten lebte auf der Burg Friesack Lippold von Bredow, dem das Ländchen Friesack gehörte. Obwohl es reich an Dörfern, Feldern und Forsten war, so genügte ihm das bei seinem wilden Leben doch nicht, sodass er schließlich mit dem Teufel ein Bündnis machte, eine Sache, von der man früher viel gefabelt hat.

Schon Hartwig von Bredow, heißt es in der Sage, war dem Teufel ergeben und dieser ihm dienstbar gewesen, sodass er über Stock und Block dahinfahren konnte, ohne Schaden zu nehmen. Oft, wenn es noch schneller gehen sollte, fuhr er durch die Luft dahin, ohne dass der Kutscher etwas merkte. So fuhr er auch einmal in gewaltiger Eile von Berlin nach Hause und siehe, plötzlich stand der Wagen und war nicht von der Stelle zu bringen. Es schien, als säße er an einem eisernen Haken fest. Der Kutscher wollte absteigen und sehen, was zu tun wäre, aber Hartwig befahl ihm, er solle sitzen bleiben und sich ruhig verhalten. Es währte auch nicht lange, da zogen die Pferde wieder an und es ging weiter. Der Kutscher wunderte sich, aber Hartwig sagte: »Wir waren dem Kreuz auf dem Kirchturm zu Spandau zu nahe gekommen. Wärest du abgestiegen, so hättest du den Hals gebrochen!«

Solch ein Bündnis machte nun auch Lippel oder, wie man ihn auch nennt, Nepel Bredow mit dem Teufel und versprach ihm seine Seele, wenn der Teufel ihm jedes Verlangen erfülle. Dabei aber machte Lippold die Bedingung, dass er frei wäre, wenn der Teufel einmal ihm in Etwas nicht gewähren könne. Dieser Bund wurde auf dem Teufelsberg im Polzschen Luch geschlossen, der daher eben seinen Namen erhielt. Nun lebte Lippold herrlich und in Freuden und alle seine Wünsche wurden befriedigt. Dabei verlangte er oft die unmöglichsten Dinge, aber der Teufel tat alles, was er wollte. So wollte er einmal über den See fahren, viere lang, da musste ihm der Teufel einen Damm mittendurch bauen, dass er immer gerade zufahren konnte, und hinter dem Wagen musste er denselben stets gleich wieder abreißen, dass niemand ihm nachfolgen könnte. Mit der Zeit wurde es aber doch Lippold unheimlich zumute. Er ging deshalb tiefsinnig umher und war wie umgewandelt, konnte gar nichts mehr ausdenken, was der Teufel nicht gleich ausführte.

Das bemerkte sein Schäfer, und weil er ein kluger und treuer Mann war, fragte er Lippold nach der Ursache seines Trübsinns. Da erzählte ihm Lippold alles und der Schäfer riet ihm, er solle vom Teufel verlangen, dass er ihm einen Scheffel bis zum Rand mit Gold fülle. Den solle er aber in dem tiefen Loch, was oben auf dem Teufelsberg sei, anbringen und den Boden des Scheffels so einrichten, dass die eine Seite immer herunterklappe, wenn man etwas hineinschütte.

Über diesen Rat war Lippold hoch erfreut und tat alles, wie ihm der Schäfer geraten hatte, und ging in der folgenden Nacht zum Teufel, der auch bereit war, seine Forderung zu erfüllen. Die Stunde der Nacht wurde festgesetzt, wo der Teufel das Gold zum Teufelsberg bringen sollte.

Als Lippold den Scheffel in das Loch eingesetzt hatte, kam auch der Teufel schon keuchend unter einem schweren Sack voll Gold durch die Luft heran. Aber wie viel der Teufel auch schüttete und schüttete, obwohl er einen zweiten und dritten Sack herbeiholte, der Scheffel wurde nicht voll, denn der lose Boden klappte immer nach unten und das Gold fiel durch.

Verwundert rief der Teufel:

Lippel, Lippel, Lepel (oder Nippel, Nappel, Nepel)
Wat hest vöörn groten Schepel!

Noch einmal schleppte er einen gewaltigen Sack herbei, der war größer als die anderen alle zusammengenommen. Aber es half nichts. Da war die Stunde um, und ärgerlich, dass er überlistet, fuhr der Teufel auf und davon.

Dieses Geschäft machte Lippold auf dem Teufelsberg oder wie man ihn auch nennt, den Lippel-Lepelberg, und noch heute sieht man oben das tiefe Loch, über dem der Scheffel gestanden hatte.

Schließlich wollte der Teufel aber doch die Sache nicht für richtig anerkennen und Lippold erlangte nur so viel, dass er ihm einen neuen Termin stellte.

Wenn das Laub abgefallen wäre, oder wie einige sagen, wenn die Bäume ihr grünes Kleid verloren hätten, wollte er ihn holen. Nun hatte aber Lippold schon gelernt, wie man mit dem Teufel umgehen müsse. Als der Herbst da war und der Teufel kam ihn zu holen, da führte ihn Lippold in seinen Garten. Wie sie da gingen, da zeigte Lippel auf eine Tanne und fragte ihn, ob die Nadeln nicht auch der Tanne ihr Laub oder grünes Kleid wären. Da konnte der Teufel wieder nichts machen.

Endlich musste er aber doch an ihn gekommen sein, wenigstens behaupten einige, der Teufel habe ihn geholt. Neben der alten Burg von Friesack hatte Lippel nämlich sein Gerichtshaus. Vor sieben Jahren ist das erst abgerissen worden und die Steine lagen noch vor Kurzem da. Da hielt Lippel sein Gericht ab. Wie nun die Zeit um war, da setzte sich Lippel in der Stube an den Tisch und schrieb und stellte einen Posten vor die Tür, dass er bei Todesstrafe niemand hineinlassen solle. Nun kam der Teufel und wollte hinein, der Posten wollte aber das nicht leiden. Da sagte der Teufel, er werde ihm den Hals umdrehen, wenn er ihn nicht vorbeiließe, und damit ging er vorbei und stieß die Tür auf. Plötzlich gab es in der Stube ein großes Geschrei und wie sie hineinkamen, war nichts da als die Kleider von Lippel, die lagen auf dem Boden und gerade darüber an der Decke war ein großer Blutfleck. Und so oft sie auch darüber gestrichen hatten, der Fleck war immer wieder gekommen.

»Meiner Mutter Schwester«, sagte ein Erzähler, »hatte da im Haus als Magd gedient und ihn gesehen. Ich würde es selbst nicht glauben, wenn sie es nicht erzählt hätte, aber so!«

Nach einer anderen Erzählung soll es aber doch nicht wahr sein. Lippels Frau soll ihn gerettet haben mit dem Kaplan, – es war nämlich noch zur katholischen Zeit, –  und der soll auch deshalb von Lippel zum Dank das Rittergut Warsow bei Friesack bekommen haben. Als nämlich der Termin immer näher kam, wo ihn der Teufel holen wollte, und Lippel, der sonst so lustig, ja wild war, immer stiller wurde und sein Körper sichtlich dabei dahinschwand, schöpfte seine Frau Verdacht, dass etwas nicht richtig sei. Und weil sie eine kluge Frau war, besprach sie sich mit verständigen Leuten. Aber kein Heilmittel, das ihr geraten wurde, half. Nun war damals in Friesack ein frommer Kaplan, mit dem besprach sie sich auch darüber und erfuhr von ihm, dass Lippel sich dem Bösen verschrieben hätte. Beide verabredeten nun, wie sie versuchen wollten, ihn zu retten. Lippel wurde nämlich immer unruhiger, seine Frau sah ihn oft zittern und ängstlich zusammenschrecken, so oft ein Reiter oder Reisewagen angemeldet wurde. Da sprach sie ihm nun Trost und Zuversicht ein und übernahm es, die Ankommenden zu empfangen. Lippel war es zufrieden und versprach, in seinem Zimmer zu bleiben, bis der Fremde sich entfernt hätte.

Da kam denn einst, als es mit Lippel immer übler wurde, ein fremd aussehender Reisewagen in den Hof gefahren. Zwei fremdländische Herren stiegen aus demselben. Eilig ging Lippel auf sein Zimmer, während seine Frau hinging, sie zu empfangen. Die Fremden waren gar fein von Bildung und erfahren in Kunst und Sprachen und Länderkunde. Doch Lippolds Frau war es gleichfalls und dabei von so großer Anmut und feiner Rede, dass die Fremden ganz entzückt und es wohl zufrieden waren, ein Mahl einzunehmen und Lippolds Heimkehr zu erwarten, mit dem sie ein Geschäft zu erledigen hätten. Schnell ließ die Gattin die Tafel decken, mit den besten Speisen und labendsten Weinen besetzen und nötigte darauf die Fremden zum Imbiss. Sie selbst nahm teil und, obwohl sie ahnte, wen sie bewirte, war sie doch so unbefangen und liebenswürdig, dass die Gäste arglos sich ergötzten an Speise und Trank und der lieblichen Rede der Frau. Nun fiel, wie von ungefähr, der Hausfrau das Messer zur Erde, sie bückte sich es aufzunehmen, und da sah sie, dass unter dem Gewand des Ältesten der Herren der Pferdefuß hervorragte.

Sie erbebte, aber schnell gefasst, sprach sie: »Verzeiht, Ihr Herren, dass ich Euch auf wenige Augenblicke allein lasse.« Damit eilte sie hinaus und sandte, wie verabredet, zum Kaplan. Bald erschien er mit Stola und Weihwedel und harrte außen an der Tür des Speisesaales des Weiteren. Sie selbst war wieder zu den Gästen geeilt und durch erhöhter Lieblichkeit und fesselnde Rede ergriff sie diese so, dass sie die Zeit außer Acht ließen.

Eben nun verrann der letzte Augenblick der Stunde, bis wohin der Teufel Macht über Lippold hatte. Da öffnete sich die Tür. Den Weihwedel schwingend, trat mit dem Zeichen des Kreuzes und frommem Machtwort der Kaplan in den Saal. Und voller Entsetzen auffahrend, erhoben sich die Gäste und fuhren mit Geräusch und unter widerwärtigem Geruch zum Fenster hinaus.

So war Lippold gerettet durch Liebe, Frömmigkeit und Klugheit seiner Frau unter Beistand des Kaplans. Dieser erhielt darauf, wie erwähnt, das nahe Rittergut Warsow zum Geschenk und so gut verbrieft, dass heute noch der Oberpfarrer in Friesack nicht nur die Einkünfte davon besitzt, sondern auch Patronats- und Obrigkeitsrechte hat. Einige behaupten zwar, Warsow hätte der Kaplan schon bei der Gründung von Friesack und der Herkunft der Bredows erhalten, wovon nachher noch, unter den Sagen des Havellandes, besonders die Rede sein wird.