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Des Teufels Abenteuer …

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Hanns Heiling … – Teil 14

Friedrich Wilhelm Bruckbräu
Hanns Heiling, vierter und letzter Regent der Erd-, Luft-, Wasser- und Feuergeister und sein Kampf mit den Teufeln der Hölle
Eine höchst merkwürdige, abenteuerliche und wundervolle Ritter-, Räuber-, Geister- und Teufelsgeschichte
Verlag der J. Lutzenberger’schen Buchhandlung, Altötting, 1860

Darüber ergrimmte die Hölle, welcher dadurch so manche Beute entzogen wurde, daher sie in einer feierlichen Versammlung aller teuflischen Großwürdenträger beschloss, die Macht des Hanne Heiling auf alle mögliche Weise zu lähmen und ihn selbst durch teuflische Verführung zum Opfer der Hölle zu machen.

Besonders jene Tat des Hanne Heiling, welche nun den freundlichen Lesern erzählt wird, hatte die Hölle in die höchste Wut versetzt.

Hanns Heiling durchstrich einst über verschiedene verdienstliche Unternehmungen nachsinnend, den ungeheuer ausgedehnten Wald, in welchem sein Felsen­palast lag.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als er den Boden von vielen Hufschlägen dröhnen hörte. Bald gewahrte er einen gewaltigen Zug von Reitern und an ihrer Spitze neben dem Anführer eine kecke Dame, die er sogleich als Gisela erkannte.

Auch sie erkannte Hanns Heiling auf den ersten Blick, wurde rot vor Zorn und sagte auf ihn deutend in aufwallendem Rachedurst: »Ritter Ottmar!(ein damals berüchtigter und sehr gefürchteter Raubritter), dies ist der schändliche Hanns, der mich im Kerker, wie ich dir schon erzählte, mit einer Hetzpeitsche so schrecklich schlug, dass mir unter den furchtbarsten Schmerzen das Blut über den Rücken strömte. Räche mich! Töte ihn, aber lass ihn eines qualvollen Todes sterben!«

»Ottmar, du schändlicher Räuber und Mörder, und du, elende verworfene Buhlerin, und ihr alle, verfluchte Raub- und Mordgesellen, bessert euch, sonst ereilt euch hier auf der Stelle die Rache des Himmels!«, rief ihnen Hanns Heiling zu.

Bindet den Verwegenen an einen Baum«, befahl Ottmar, »und reißt ihm das Fleisch stückweise vom Leib!«

»Damit will ich anfangen!«, schrie Gisela und schwang sich vom Ross, ihren Dolch ziehend. Ottmar und alle Reiter waren von ihren Rossen abgestiegen, um in der Nähe blutgierige Zeugen dieser Mordszene zu sein. In diesem Augenblick rannten alle Rosse im schnellsten Lauf davon. Während alle Köpfe durch die Hufschläge aufmerksam gemacht wurden, zurückzuschauten, sahen sie sich plötzlich in einem ungeheuer hohen Turm mit glatten Wänden eingeschlossen. Auf dem Boden lag ellenhoch Heu. Gisela saß ganz oben, fast am Rande des Turmes, in einer Zelle, die nur eine kleine Öffnung für ihren Kopf hatte. Ihr Dolch war verschwunden.

Auf der Zinne des Turmes erschien nun Hanns und rief mit lauter Stimme: »Ihr Bösewichte, wisset, dass ich Hanns Heiling bin, der mächtige Regent der Erd-, Luft-, Wasser- und Feuergeister! In diesem Turm werdet ihr bei Wasser und Brot, das euch meine Luftgeister täglich bringen sollen, so lange bleiben müssen, bis ihr euch ernstlich gebessert habt!«

Dann verschwand er.

Die verruchte Rotte brach in ein Geheul vom Verwünschungen und Flüchen aus, als ob die Hölle sich aufgetan hätte. Allem Ungestüm der Witterung im dachlosen Turme preisgegeben, immer nur von Wasser und Brot lebend, begannen die Gefangenen über ihr Schicksal nachzudenken und manche Regung der Reue über ihr früheres Leben zu fühlen; aber wilder Trotz unterdrückte immer wieder diese Gefühle.

Dieses traurige Leben unter den härtesten Entbehrungen brach den Stolz und die Bosheit Giselas nach 14 Monaten gänzlich. Sie weinte Tränen auf­richtiger Reue und ließ Hanns Heiling durch ihren sie bedienenden Luftgeist bitten, sie als Büßerin in ein Nonnenkloster bringen zu lassen, was er auch bewilligte. In der Tat konnte sie nach Jahr und Tag von der Äbtissin den übrigen Nonnen als ein Muster wahrer Bußfertigkeit und Frömmigkeit bezeichnet werden. So hatte Hanns Heiling die Seele Giselas dem Himmel gerettet. Vor dem Ende des fünften Jahres waren nach und nach alle, bis auf Ottmar, gebessert und hatten auf Heilings Empfehlung in verschiedenen Burgen ehrlicher Ritter Aufnahme als Knechte gefunden und durch ein rechtschaffenes Leben ihre wirkliche Besserung bewährt.

Nur Ottmar blieb sieben Jahre lang ein verstockter Sünder, bis er an einer qualvollen Krankheit starb. Als er in den letzten Zügen lag, packte ihn der Teufel und fuhr mit ihm am hellen Tag zum Turm hinaus in die Hölle, wo er jedoch nicht zu den übrigen Verbannten geworfen, sondern sogleich zu einem wirklichen Teufel befördert wurde, weil der Höllenfürst sehr wohl einsah, dass er ihn als grimmigsten Feind Heilings zu dessen Verderben am erfolgreichsten auf die Erde senden könne.

Als Ottmar, der letzte Gefangene nicht mehr im Turm lag, verschwand dieser; nichts weniger aber aus Satans Gedächtnis, dass durch Heilings Besserungsverfahren so viele schon zur Hölle reife Seelen ihr entzogen worden waren. Zum Zweck der Rache hielt daher Satan eine große Versammlung, zu welcher auch der Teufel, der im Leben Ott­mar hieß und nun in der Hölle Giftborn genannt, berufen wurde. In dieser höllischen Beratung durfte jedes Mitglied einen Antrag zum Verderben Hanns Heilings stellen. Als das nötige Verfahren dazu durch Stimmenmehrheit festgelegt war, fuhr der Teufel Giftborn als außerordentlicher Gesandter mit zwei der schlauesten Teufel als Gehilfen auf die Erde empor.