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Die drei Musketiere 34

Alexander Dumas d. Ä.
Die drei Musketiere
7. bis 10. Bändchen
Historischer Roman, aus dem Französischen von August Zoller, Stuttgart 1844, überarbeitet nach der neuen deutschen Rechtschreibung

I.

Worin von der Equipierung von Aramis und Porthos die Rede ist.

Seitdem jeder der vier Freunde seiner Equipierung nachjagte, fand keine bestimmte Zusammenkunft mehr unter ihnen statt. Die einen speisten ohne die anderen, wo man sich traf, oder vielmehr man traf sich, wo man konnte. Der Dienst nahm auch einen Teil der so schnell verrinnenden Zeit weg. Nur hatte man sich verabredet, einmal wöchentlich gegen ein Uhr bei Athos zusammenzukommen, weil der Letztere seinem Schwur getreu nicht mehr über seine Türschwelle ging.

Gerade der Tag, an welchem Ketty d’Artagnan aufgesucht hatte, war auch der Tag der Zusammenkunft. Kaum hatte Ketty das Haus verlassen, als sich d’Artagnan zur Rue Ferou wandte.

Er fand Athos und Aramis, welche philosophierten. Aramis war halb Willens, zu der Sutane zurückzukehren. Athos riet ihm, seiner Gewohnheit gemäß, weder ab noch ermutigte er ihn dazu. Athos war dafür, jedem seinen freien Willen zu lassen. Er gab nur Ratschläge, die man von ihm forderte, und man musste sie zweimal fordern.

»Im Allgemeinen fordert man Ratschläge nur«, sagte er, »um sie nicht zu befolgen oder wenn man sie befolgt, um jemanden zu haben, dem man einen Vorwurf daraus machen kann, dass er sie gegeben hat.«

Porthos kam einen Augenblick nach d’Artagnan. Die Versammlung der vier Freunde war also vollzählig.

Die vier Gesichter drückten vier verschiedene Gefühle aus: das von Porthos Ruhe, das von d’Artagnan Hoffnung, das von Aramis Unruhe, das von Athos Sorglosigkeit.

Nach einem kurzen Gespräch, in welchem Porthos durchblicken ließ, eine sehr hochgestellte Person wolle es gütigst übernehmen, ihn aus der Verlegenheit zu helfen, trat Mousqueton ein. Er bat Porthos, in seine Wohnung zu kommen, wo, wie er mit sehr kläglicher Miene sagte, seine Gegenwart dringend notwendig sei.

»Betrifft es meine Equipierung?«, fragte Porthos.

»Ja und nein«, antwortete Mousqueton.

»Aber was willst du denn?«

»Kommt, gnädiger Monsieur!«

Porthos stand auf, grüßte seine Freunde und folgte Mousqueton.

Einen Augenblick später erschien Bazin auf der Türschwelle.

»Was willst du von mir, mein Freund?«, sagte Aramis mit jener Weichheit der Sprache, die man jedes Mal bei ihm bemerkte, so oft ihn seine Gedanken zur Kirche zurückführten.

»Ein Mann erwartet den gnädigen Monsieur zu Hause«, antwortete Bazin.

»Ein Mann! Was für ein Mann?«

»Ein Bettler.«

»Gib ihm ein Almosen, Bazin, und sage ihm, er möge für einen armen Sünder beten.«

»Dieser Bettler will mit aller Gewalt Euch sprechen und behauptet, Ihr würdet sehr erfreut sein, ihn zu sehen.«

»Hat er nichts Besonderes für mich?«

»Allerdings.«

»Wenn Monsieur Aramis«,« sagte er, »mich nicht sogleich aufsuchen will, so meldet ihm, ich komme von Tours.«

»Von Tours? Ich gehe!«, rief Aramis. »Messieurs, ich bitte tausendmal um Vergebung, aber ohne Zweifel bringt mir dieser Mensch Nachrichten, welche ich erwarte.« So sprechend stand er auf und entfernte sich rasch.

Es blieben noch Athos und d’Artagnan.

»Ich glaube, dass diese Spitzbuben ihre Sachen gefunden haben. Was denkt Ihr davon, d’Artagnan?«, fragte Athos.

»Ich weiß, dass Porthos im schönsten Zug ist«, erwiderte d’Artagnan, »und in Bezug auf Aramis bin ich in der Tat nie ernstlich in Unruhe gewesen. Aber Ihr, mein lieber Athos, der Ihr so edelmütig die Pistolen des Engländers ausgeteilt habt, die Euch von Rechts wegen zukamen, was gedenkt Ihr zu tun?«

»Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schurken getötet habe, da er die alberne Neugierde hatte, meinen wahren Namen erfahren zu wollen. Aber wenn ich seine Pistolen eingesackt hätte, so würden sie mich drücken, wie ein Gewissensbiss.«

»Ei, ei, mein lieber Athos, Ihr habt ein wahrhaft unbegreifliches Zartgefühl.«

»Lassen wir das! Apropos, Monsieur de Tréville, der mich gestern mit seinem Besuch beehrte, sagte mir, dass Ihr sehr häufig die verdächtigen Engländer besucht, welche der Kardinal beschützt.«

»Das heißt, dass ich einer Engländerin meinen Besuch mache, derjenigen, von welcher ich mit Euch gesprochen habe.«

»Ah, ja, die blonde Frau, in Bezug auf welche ich Euch Ratschläge gab, die Ihr natürlich nicht befolgt habt.«

»Ich habe Euch meine Gründe genannt. Ich bin jetzt fest überzeugt, dass diese Dame bei der Entführung der Frau Bonacieux mitgewirkt hat.«

»Ja, und ich begreife, dass Ihr, um eine Frau aufzufinden, einer anderen den Hof macht. Das ist der längste Weg, aber der unterhaltendste.«

Wir wollen die zwei Freunde, die sich nichts Wichtiges zu sagen hatten, verlassen, um Aramis zu folgen.

Wir haben gesehen, mit welcher Geschwindigkeit der junge Mann bei der Nachricht, dass sein Unbekannter von Tours komme, Bazin folgte oder vielmehr ihm vorauslief. Er machte gleichsam nur einen Sprung von der Rue Ferou zur Rue Vaugirard.

Beim Eintritt in seine Wohnung fand er wirklich einen Mann von kleinem Wuchs und gescheidten Augen, aber mit Lumpen bedeckt.

»Ihr verlangt nach mir«, sagte der Musketier.

»Das heißt, ich verlange nach Monsieur Aramis. Heißt Ihr so?«

»Allerdings. Habt Ihr mir etwas zu übergeben?«

»Ja, wenn Ihr mir ein gewisses gesticktes Taschentuch zeigt.«

»Hier ist es«, sprach Aramis, indem er einen Schlüssel aus der Brust zog und ein kleines, mit Perlmutter inkrustiertes Kistchen von Ebenholz öffnete, »seht, hier ist es.«

»Gut«, sprach der Bettler, »schickt Euren Bedienten weg.«

Bazin hatte wirklich, um zu erfahren, was der Bettler von seinem Herrn wollte, gleichen Schritt mit ihm gehalten und war beinahe zugleich mit ihm angekommen. Aber diese Geschwindigkeit nützte ihn nicht sehr viel. Auf diese Aufforderung des Bettlers gab ihm sein Herr ein Zeichen, sich zu entfernen. Er musste gehorchen.

Sobald Bazin sich entfernt hatte, warf der Bettler einen raschen Blick umher, um sich zu versichern, dass ihn niemand hören oder sehen konnte, öffnete seine mit einem ledernen Gürtel nur schlecht verschlossene, zerlumpte Überweste und fing an, sein Wams oben aufzutrennen, aus dem er einen Brief hervorzog.

Aramis stieß ein Freudengeschrei bei dem Anblick des Siegels aus und öffnete mit beinahe religiöser Ehrfurcht den Brief, welcher Folgendes enthielt:

Freund! Das Schicksal will, dass wir noch einige Zeit getrennt sein sollen, aber die schönen Tage der Jugend sind nicht unwiederbringlich verloren. Tut Eure Pflicht im Feld, ich tue die meine anderswo. Nehmt, was der Überbringer Euch zustellen wird. Macht den Feldzug als schöner und braver Edelmann mit, und denkt an mich. Adieu oder vielmehr auf Wiedersehen!

Der Bettler trennte immer noch auf. Er zog aus seinen schmutzigen Kleidern hundertfünfzig Doppelpistolen hervor, die er auf dem Tisch aneinanderreihte. Dann öffnete er die Tür, grüßte und ging, ohne dass der erstaunte junge Mann ihm ein Wort hatte sagen können.

Aramis las den Brief noch einmal und bemerkte, dass derselbe eine Nachschrift hatte.

P.S. Ihr könnt dem Überbringer einen guten Empfang zuteil werden lassen. Er ist Graf und Grand von Spanien.

»Goldene Träume!«, rief Aramis, »oh! dDas schöne Leben! Ja, wir sind jung! Ja, wir werden noch schöne Tage haben! Oh! Dir! Dir meine Liebe, mein Blut, mein Dasein! Alles, alles, alles, meine schöne Geliebte!«

Er küsste den Brief leidenschaftlich, ohne nur das Gold anzuschauen, das auf dem Tisch funkelte.

Bazin kratzte an der Tür. Aramis hatte keine Ursache mehr, ihn entfernt zu halten, und erlaubte ihm einzutreten.

Bazin blieb beim Anblick des Goldes ganz erstaunt stehen und vergaß d’Artagnan zu melden, der aus Neugierde in Betreff des Bettlers zu Aramis kam, nachdem er Athos verlassen hatte.

Da sich aber d’Artagnan bei Aramis keinen Zwang antat, so meldete er sich selbst, als er sah, dass ihn Bazin vergaß.

»Ah, Teufel, mein lieber Aramis«, sprach d’Artagnan, »wenn das die Pflaumen sind, die man Euch von Tours schickt, so macht dem Gärtner, der sie pflanzt, mein Kompliment.«

»Ihr täuscht Euch, mein Lieber«, erwiderte der allzeit verschwiegene Aramis. »Mein Buchhändler hat mir soeben das Honorar für das Gedicht in einsilbigen Versen geschickt, das ich da unten angefangen habe.«

»Ah, wahrhaftig?«, rief d’Artagnan. »Nun wohl! Euer Buchhändler ist splendid, mein lieber Aramis. Das ist alles, was ich sagen kann.«

»Wie, gnädiger Monsieur«, rief Bazin, »ein Gedicht wird so hoch bezahlt? Das ist unglaublich! Oh, gnädiger Monsieur! Ihr macht alles, was Ihr wollt, Ihr könnt es noch so weit bringen, wie Monsieur Voiture und Monsieur von Benserade.«

»Bazin, mein Freund«, sagte Aramis, »ich glaube, du miscest dich in das Gespräch.«

Bazin begriff, dass er unrecht hatte, senkte den Kopf und trat ab.

»Wie?«, sprach d’Artagnan lächelnd. »Ihr lasst Euch Eure Erzeugnisse mit Gold aufwiegen? Ihr seid sehr glücklich, mein Freund! Aber nehmt Euch in Acht, Ihr verliert den Brief, der aus Eurer Kasake hervorsieht und ohne Zweifel auch von Eurem Buchhändler kommt.«

Aramis errötete bis unter das Weiß der Augen, drückte seinen Brief tiefer hinein und knöpfte sein Wams wieder zu.

»Mein lieber d’Artagnan«, sagte er, »wir wollen, wenn es Euch genehm ist, unsere Freunde aufsuchen. Da ich jetzt reich bin, heute wieder anfangen miteinander zu dinieren, bis Ihr ebenfalls reich seid.«

»Meiner Treu!«, erwiderte d’Artagnan, »mit großem Vergnügen. Wir haben seit geraumer Zeit kein anständiges Mittagsmahl mehr eingenommen. Und da ich für meinen Teil diesen Abend ein etwas gewagtes Unternehmen auszuführen habe, so wäre es mir, ehrlich gestanden, nicht unangenehm, den Kopf mit einigen Flaschen altem Burgunder zu erwärmen.«

»Es mag sein, alter Burgunder, ich hasse ihn auch nicht«, sprach Aramis, dem der Anblick des Goldes die Gedanken an Zurückgezogenheit abgestreift hatte.

Er steckte drei bis vier Doppelpistolen in seine Tasche, um den Bedürfnissen des Augenblicks zu genügen, und schloß die übrigen in das mit Perlmutt inkrustierte Kistchen von Ebenholz, worin das bereits bekannte Taschentuch lag, das ihm als Talisman gedient hatte.

Die zwei Freunde begaben sich zuerst zu Athos, der es, getreu seinem Schwur, nicht auszugehen, übernahm, das Mittagessen in seine Wohnung bringen zu lassen. Da er sich sehr gut auf die gastronomischen Einzelheiten verstand, so machten d’Artagnan und Aramis keine Schwierigkeit, ihm diese wichtige Sorge zu überlassen.

Sie waren auf dem Weg zu Porthos, als sie an der Ecke der Rue du Bac Mousqueton begegneten, der mit kläglicher Miene ein Maultier und ein Pferd vor sich hertrieb.

D’Artagnan stieß einen Schrei des Erstaunens aus, dem es nicht an einer Beimischung von Freude fehlte.

»Ah! Mein gelbes Pferd!«, rief er. »Seht dieses Pferd an!«

»Oh! Die abscheuliche Mähre!«, sagte Aramis.

»Was wollt Ihr, mein Lieber«, versetzte d’Artagnan, »das ist das Pferd, auf welchem ich nach Paris gekommen bin.«

»Wie, der gnädige Monsieur kennt dieses Pferd?«, sprach Mousqueton.

»Es hat eine ganz originelle Farbe«, rief Aramis, »es ist das Einzige, das ich mit einer solchen Haut gesehen habe.«

»Ich glaube wohl!«, sagte d’Artagnan, »ich habe es auch um drei Taler verkauft und das muss der Haut wegen gewesen sein, denn das Gerippe ist sicherlich keine achtzehn Livres wert. Aber wie kommt dieses Pferd in deine Hände, Mousqueton?«

»Oh! Sprecht mir nicht hiervon, gnädiger Monsieur«, erwiderte der Bediente, »das ist ein abscheulicher Streich vom Gemahl unserer Herzogin.«

»Wieso, Mousqueton?«

»Ja, wir sind sehr wohl gelitten bei einer Frau von hohem Stand, bei der Herzogin von … Doch um Vergebung, Monsieur hat mir Verschwiegenheit empfohlen. Sie hatte uns genötigt, ein kleines Andenken, ein spanisches Roß und ein andalusisches Maultier anzunehmen, und beides war herrlich anzuschauen. Der Gemahl erfuhr die Sache, konfiszierte unterwegs die zwei prächtigen Tiere, die man uns schickte, und vertauschte sie mit diesen abscheulichen Bestien.«

»Die du ihm zurückbringst?«

»Natürlich«, antwortete Mousqueton. »Ihr begreift, dass wir keine solchen Tiere für diejenigen annehmen können, welche uns versprochen waren.«

»Nein, bei Gott! Obwohl ich Porthos gern auf meinem gelben Pferd gesehen haben möchte. Das hätte mir eine Idee davon gegeben, wie ich aussah, als ich nach Paris kam. Aber wir wollen dich nicht aufhalten, Mousqueton. Geh und besorge den Auftrag deines Herrn. Ist er zu Hause?«

»Ja, gnädiger Monsieur; aber in sehr verdrießlicher Laune«, sprach Mousqueton.

Er setzte seinen Weg zum Quai des Grands-Augustins fort, während die zwei Freunde an der Tür des unglücklichen Porthos läuteten. Dieser hatte sie durch den Hof schreiten sehen, und war nicht Willens zu öffnen. Sie klopften also vergebens.

Mousqueton aber trieb seine zwei Mähren vor sich her über den Pont Neuf und erreichte die Rue aux Ours. Hier angelangt, band er, nach dem Befehl seines Herrn, Pferd und Maultier an den Türklopfer des Prokurators und kehrte sodann, ohne sich um ihr ferneres Schicksal zu bekümmern, zu seinem Herrn zurück, um diesem zu melden, dass sein Auftrag vollzogen sei.

Nach einiger Zeit machten die unglücklichen Tiere, die seit dem Morgen nichts gefressen hatten, dadurch, dass sie den Klopfer aufhoben und wieder fallen ließen, einen solchen Lärm, dass der Prokurator seinem Gassenjungen befahl, sich in der Nachbarschaft zu erkundigen, wem das Pferd und das Maultier gehörten.

Madame Coquenard erkannte ihr Geschenk und konnte anfangs diese Zurücksendung gar nicht begreifen. Aber bald bekam sie Licht durch den Besuch des Musketiers. Der Zorn, der in seinen Augen funkelte, obwohl er an sich zu halten versuchte, erschreckte die empfindsame Liebende. Mousqueton hatte seinem Herrn wirklich nicht verborgen, dass er d’Artagnan und Aramis begegnet war, und dass d’Artagnan in dem gelben Pferd die Bearner Mähre erkannt, auf der er nach Paris gekommen war und die er sodann um drei Taler verkauft hatte.

Porthos entfernte sich, nachdem er der Prokuratorin im Kloster Saint-Magloire Rendezvous gegeben hatte. Als der Prokurator Porthos gehen sah, lud er ihn zum Mittagessen ein. Der Musketier aber schlug diese Einladung mit einer Miene voll Majestät aus.

Madame Coquenard begab sich ganz zitternd zum Kloster Saint-Magloire, denn sie ahnte die Vorwürfe, die ihrer harrten, aber sie wurde gänzlich geblendet durch die großartigen Manieren von Porthos.

Alles was ein in seiner Eitelkeit verletzter Mensch von Verwünschungen und Vorwürfen auf das Haupt einer Frau herabströmen lassen kann, ließ Porthos auf das gebeugte Haupt der Prokuratorin strömen.

»Ach! Ich glaubte äußerst klug zu Werke zu gehen«, sagte sie. »Einer von unseren Kunden ist Pferdehändler. Er war der Schreibstube Geld schuldig und zeigte sich hartnäckig. Ich nahm das Maultier und das Pferd für das, was wir von ihm zu fordern hatten. Er versprach mir zwei königliche Tiere.«

»Wohl! Madame«, erwiderte Porthos, »wenn er Euch mehr als fünf Taler schuldig war, so ist Euer Pferdehändler ein Dieb.«

»Es ist nicht verboten, das Wohlfeile zu suchen, Monsieur Porthos«, entgegnete die Prokuratorsfrau, sich entschuldigend.

»Nein, Madame, aber diejenigen, welche das Wohlfeile suchen, müssen anderen erlauben, sich nach edelmütigeren Freunden umzusehen.«

Hierauf wandte sich Porthos auf den Absätzen und machte einen Schritt, um sich zu entfernen.

»Monsieur Porthos! Monsieur Porthos!«, rief die Prokuratorin, »ich habe unrecht, ich erkenne es. Ich hätte nicht feilschen sollen, da es sich darum handelte, einen Kavalier, wie Ihr seid, zu equipieren.«

Porthos machte, ohne zu antworten, einen zweiten Schritt zum Rückzug.

Die Prokuratorin glaubte ihn in einer glänzenden Wolke zu erblicken, umgeben von lauter Herzoginnen und Marquisen, die ihm Säcke voll Gold vor die Füße warfen.

»Bleibt doch um Himmels willen, Monsieur Porthos!«, rief sie, »bleibt und lasst mit Euch sprechen.«

»Mit Euch sprechen bringt mir Unglück«, entgegnete Porthos.«

»Sagt mir doch, was wünscht Ihr?«

»Nichts, denn das kommt gerade auf dasselbe heraus, als wenn ich etwas wünschen würde.«

Die Prokuratorin hing sich Porthos an den Arm und rief in überströmendem Schmerz:

»Monsieur Porthos, ich bin unwissend in allen diesen Dingen. Weiß ich, was ein Pferd ist! Weiß ich, was Equipierung heißt?«

»Dann müsst Ihr Euch an mich halten, der ich mich darauf verstehe. Aber Ihr wolltet sparen und folglich auf Wucher leihen.«

»Das war unrecht von mir, Monsieur Porthos, und ich werde es auf mein Ehrenwort wiedergutmachen.«

»Und wie dies?«, fragte der Musketier.

»Hört. Diesen Abend geht Coquenard zum Monsieur Herzog von Chaulnes, der ihn hat rufen lassen. Es findet eine Beratung statt, welche wenigstens zwei Stunden dauert. Kommt zu mir, wir werden allein sein und unsere Angelegenheiten ordnen.«

»Gut. Das heiße ich vernünftig sprechen, meine Liebe.«

»Ihr verzeiht mir?«

»Wir werden sehen«, erwiderte Porthos majestätisch.

Sie trennten sich nach wiederholtem »Diesen Abend also.«

Teufel!, dachte Porthos auf dem Rückweg, es scheint mir, ich komme dem Geldkasten des Monsieur Coquenard immer näher.

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